
«The One Piece» nimmt mir endlich die Angst vor «One Piece»
Über 1160 Folgen? Nein danke. «One Piece» war für mich immer zu gross, zu lang und zu einschüchternd. Bis jetzt. Denn dieses Remake könnte genau der Einstieg sein, auf den ich seit Jahren gewartet habe.
Ich gesteh’s nicht zum ersten Mal: «One Piece», der Anime, war für mich immer dieses riesige, ehrfurchtgebietende Ding am Horizont, an das ich mich nie herangetraut habe. Zu lang (über 1160 Folgen!), zu viele Filler (das geben sogar die grössten Fans zu) und zu viele künstlich in die Länge gezogenen Episoden.
Gerade letzteres ist ein typisches Anime-Unding, das mich schon in «Dragon Ball Z» oder «Captain Tsubasa» unheimlich genervt hat.
Aber dann wurde während der Jump Fiesta 2024 das Remake angekündigt, das all das besser machen will: «The One Piece». Mit «the» vornedran. Ganz wichtig. Und für mich ein verdammt guter Grund, mich doch noch an den Anime zu wagen.
Denn «The One Piece» soll keine hastig zusammengezimmerte Neuverpackung für nostalgische Fans sein. Dafür wurde schlicht zu lange daran gearbeitet: Drei Jahre sind seit der ersten Ankündigung vergangen, weitere acht Monate werden noch bis zum Netflix-Start im Februar 2027 ins Land ziehen. Und dieser erste Trailer macht deutlich, dass diese Zeit nicht verplempert wurde.
Ich bin sowas von ready. Nicht nur, weil der Trailer einfach Bock wie sonst was macht. Es ist vor allem WIT Studio, das Studio hinter dem Anime-Remake, das mich so euphorisch stimmt.
In den besten Händen
WIT Studio, musst du wissen, ist nicht irgendein japanisches Animationsstudio. Es ist eines der renommiertesten der gesamten Branche.
Gegründet wurde es 2012 als Ableger von Production I.G. Bekannt wurde es international durch «Attack on Titan», «Vinland Saga» und «Spy x Family». Schon dort hat das Studio oft gezeigt, wie ambitioniert es vor allem stilistisch ist – mit einem Hang zu schweren Stoffen und aussergewöhnlichen Action-Choreografien, die fliessend wie kein Zweiter 2D- und 3D-Animation verbinden.
«Kenny-eeeh!» gehört noch heute zu meinen Standard-Flüchen, wenn ich mich über jemanden oder etwas fürchterlich aufrege.
Gute Vorzeichen für «The One Piece», das unter dem wachsamen Auge des Masashi Koizuka entsteht. Der war in Staffel 1 von «Attack on Titan» noch Assistant Director, bevor er für Staffel 2 und 3 zum Regisseur aufstieg. Und wer ihn selbst über das Projekt sprechen hört, merkt schnell: Das hier ist kein Auftrag. Das ist eine Herzensangelegenheit für ihn.
Koizuka war selbst Oberschüler, als «One Piece» zum ersten Mal im Shonen Jump erschien. Im Interview erinnert er sich noch genau an dieses Gefühl: Woche für Woche zur neuen Ausgabe greifen und sich fragen, was wohl als Nächstes mit Ruffy passiert. Dieses Kribbeln wolle er jetzt zurückbringen – für eine neue Generation. Und, wenn ich ehrlich bin: auch für Leute wie mich, die den Anime bisher gemieden haben.
Was mich aber am meisten bewegt, ist, wie viel Respekt Koizuka vor Eiichirō Oda hat, dem Erfinder von «One Piece». Oder Oda-Sensei, sozusagen «Meister Oda», wie Koizuka ihn ehrfürchtig nennt. Bevor das Team überhaupt anfing zu animieren, wühlte es sich erst einmal durch Odas eigene Skizzen, um zu verstehen, wie er denkt. Wie er seine Figuren komponiert, welche Farben er wählt, welche Details ihm wichtig sind. Erst danach habe das Team angefangen, daraus eine eigene, animierte Sprache zu entwickeln, erklärt Koizuka.

Quelle: Netflix
Und dann ist da diese Sache mit der Laufzeit. Ursprünglich sollte die erste Staffel des Remakes deutlich kürzer geplant gewesen sein. Aber während der Produktion hat Koizuka offenbar immer wieder gemerkt, dass einzelne Momente mehr Raum brauchen als vorgesehen, und hat deshalb bei Netflix für mehr Zeit gekämpft. Am Ende sind daraus über 300 Minuten Laufzeit geworden.
Jep, «The One Piece» scheint definitiv in guten Händen zu sein.
Eine Frischzellenkur, die längst fällig war
So sehr ich den alten Anime respektiere – und so sehr er seinen ganz eigenen Charme hat, vor allem in den späteren, visuell beeindruckenden Episoden: den ersten ist ihr Alter deutlich anzusehen. Die East Blue Saga im Original wurde grösstenteils noch im altmodischen 4:3-Format animiert, mit allem, was das an klobiger Bildsprache mit sich bringt. Das war 1999 Standard. Heute wirkt es wie ein Blick durchs Bullauge.
Genau hier setzt «The One Piece» an. WIT Studio bringt nicht nur frische Animationstechnik mit, sondern liefert auch genau jenen visuellen Neustart, den die ältesten Handlungsbögen dringend nötig hatten. Verantwortlich für die 3D-Leitung ist Shigenori Hirosumi, der unter anderem an «Frieren» und «Spy x Family» gearbeitet hat – beides Serien, die zeigen, wie geschmeidig sich 2D und 3D heute kombinieren lassen, wenn man weiss, was man tut.
Was mich nochmals zurück zu den 300 Minuten Gesamtlaufzeit für die erste Staffel bringt. Diese wird die ersten 50 Manga-Kapitel abdecken. Also alles von Ruffys Aufbruch bis zum ersten Treffen mit Sanji. Im Original-Anime wurde derselbe Stoff in knapp 29 Episoden à 24 Minuten abgehandelt. Macht insgesamt knapp 700 Minuten. «The One Piece» schafft denselben Stoff in weniger als der Hälfte der Zeit.

Quelle: Netflix
Das ist kein Zufall, sondern Programm. Schon seit der ursprünglichen Ankündigung ist klar: Filler-Episoden und künstlich gestreckte Szenen sollen beim Remake grundsätzlich tabu sein. Genau das war für mich immer der Hauptgrund, warum ich nie eingestiegen bin: dieses ewige Gefühl, dass eine Szene drei Episoden lang dieselbe Pose hält, bevor endlich etwas passiert.
«The One Piece» verspricht das Gegenteil – also Tempo, ohne dabei die wichtigen Momente zu verschenken.
Ein Remake, das mich zum Einsteiger macht
Wie gesagt: Ich bin kein «One Piece»-Kenner. Das Original habe ich nur gestreift, das Manga nie gelesen. Aber genau das macht «The One Piece» für mich so interessant: Es ist die Gelegenheit, eine der grössten Geschichten der Popkultur so zu erleben, wie sie erzählt werden sollte. Komprimiert. Sorgfältig animiert. Und ernst genommen.
Bleibt zu hoffen, dass das Remake so gut wird, wie es der Trailer verspricht. Denn wenn WIT Studio das liefert, wozu eines der besten Animationsstudios Japans fähig ist, dann wird «The One Piece» im Februar 2027 nicht nur Fans der alten Serie zurückholen. Es wird neue schaffen.
Mich eingeschlossen.
Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.
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