Test: Was taugt die Sony A7 III?

Test: Was taugt die Sony A7 III?

David Lee
Zürich, am 17.04.2018
Wir, das heisst Video Producer Stephanie Tresch und Foto-Editor David Lee, haben die Sony A7 III ausprobiert. Logischerweise hat sich Stephanie auf die Videofunktion gestürzt und David hat den Fotofunktionen auf den Zahn gefühlt.

Die Sony A7 III ist das Nachfolgemodell der Sony A7 II. Hier findest du einen direkten Vergleich der Spezifikationen. In den drei Jahren hat sich einiges getan, vom Autofokus über die Serienbildgeschwindigkeit bis zum doppelten Speicherkartenfach.

Wer mit Sonys Modellpalette nicht vertraut ist, lässt sich vielleicht dadurch verwirren, dass es neben der A7 auch die A7R und die A7S gibt – ebenfalls in verschiedenen Versionen. Daher mal kurz zur Erklärung:

  • A7 ist das Allroundmodell
  • A7R ist eine auf besonders hohe Auflösung optimierte Kamera und daher für Landschafts-, Architektur- oder Studiofotografie geeignet
  • A7S ist eine für Video optimierte Kamera mit geringer Auflösung, dafür hoher Empfindlichkeit
Alpha 7 III Body (24Mpx, Vollformat / FX)
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Sony Alpha 7 III Body (24Mpx, Vollformat / FX)
Alpha 7 III Kit (28-70mm, 24.20Mpx, Vollformat / FX)
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1999.–CashBack 200.–
Sony Alpha 7 III Kit (28-70mm, 24.20Mpx, Vollformat / FX)
Alpha a7 III Body + Batteriegriff (24Mpx, Vollformat / FX)
Sony Alpha a7 III Body + Batteriegriff (24Mpx, Vollformat / FX)

Foto-Tests von David

Die Bildqualität gilt ja allgemein als das Wichtigste bei einem Kamera-Review. Doch ich finde: Je höher das allgemeine Niveau wird, desto weniger kommt es darauf an. Selbstverständlich ist die Bildqualität der Sony A7 III hervorragend – es ist schliesslich eine Vollformatkamera aus dem Jahr 2018. Alles andere wäre eine Riesenenttäuschung. Doch damit kann sich ein Hersteller heute kaum noch entscheidend abheben. Auch andere Vollformatkameras und selbst einige APS-C-Kameras bieten heute ein extrem gutes Rauschverhalten im hohen ISO-Bereich sowie eine hohe Dynamik.

Wenn du es genau wissen willst, schaust du dir am besten die Labortests von dpreview.com an. Die Ergebnisse kurz zusammengefasst: Die A7 III ist deutlich besser als der direkte Vorgänger A7 II und somit auch bei schwachem Licht brauchbar. Die Dynamik ist allerdings nur minimal besser als bei der A7R II und A7R III, obwohl diese eine deutlich höhere Auflösung haben.

Wie weit du die ISO schrauben kannst, hängt natürlich vom Verwendungszweck und den jeweiligen Ansprüchen ab. Für Bilder im Web, die du herunterskalieren kannst, würde ich ohne Zögern bis auf 12800 ISO gehen. Erst darüber musst du genauer hinschauen.

Aufnahme mit 12800 ISO, schwieriges Neon-Glühbirnen-Mischlicht, Kamera-JPEG
Aufnahme mit 12800 ISO, schwieriges Neon-Glühbirnen-Mischlicht, Kamera-JPEG
Aufnahme mit 40000 ISO, Kamera-JPEG
Aufnahme mit 40000 ISO, Kamera-JPEG
8000 ISO, starke Vergrösserung (nahezu 1:1), Kamera-JPEG
8000 ISO, starke Vergrösserung (nahezu 1:1), Kamera-JPEG
Daselbe aus dem RAW-Format. Ich mag es lieber, wenn es etwas Körnung, dafür keine verschmierten Ränder hat
Daselbe aus dem RAW-Format. Ich mag es lieber, wenn es etwas Körnung, dafür keine verschmierten Ränder hat

In den technischen Daten bei Sony steht, dass die ISO-Automatik nur bis 12800 aufgedreht werden kann. Das ist falsch, ich habe die Kamera hier auf dem Schreibtisch und kann bis 204 800 ISO gehen. Im Alltag ermöglicht mir das eine neue Art von Automatik, nämlich jene im M-Modus. Ich stelle Blende und Belichtung fix ein und regle die Helligkeit über den ISO-Wert. Für Action-Aufnahmen mit dem Teleobjektiv kann das ganz praktisch sein: Dort will ich die Belichtungszeit sehr kurz halten, gleichzeitig aber auch die Blende regeln können. Und das bei wechselnden Lichtverhältnissen.

1/2000 Sek, f4, 500 ISO, Kamera-JPEG
1/2000 Sek, f4, 500 ISO, Kamera-JPEG

Apropos Action. Diese Kamera ist mit 10 Bildern pro Sekunde wie ein Formel-Eins-Rennwagen, nur weniger laut. Besser gesagt lautlos. Ich habe schon oft versucht, Vögel in Bewegung zu fotografieren, meist ohne Erfolg. Mit dieser Kamera hat es auf Anhieb geklappt. Ein wichtiger Grund war, dass ich den Vogel während dem Serienfeuer weiterhin im Sucher verfolgen konnte.

1/4000 Sek., f4, 800 ISO, Kamera-JPEG
1/4000 Sek., f4, 800 ISO, Kamera-JPEG

Der Autofokus funktioniert praktisch über die ganze Bildfläche, was bei Spiegelreflexkameras normalerweise nicht der Fall ist. Das ist vor allem bei der automatischen Motivverfolgung ein Vorteil. Der Autofokus ist zuverlässig und, ein passendes Objektiv vorausgesetzt, auch schnell. In meinen Tests war der Bremsklotz beim Fokussieren immer der Fokusmotor des Objektivs, nicht die Steuerung aus der Kamera.

Ich hätte bestimmt noch bessere Testbilder zeigen können, wenn ich frühzeitig begriffen hätte, wie ich die Motivverfolgung aktiviere. Bei Sony nennt sich das «AF-Verriegelung» – ein Begriff, bei dem ich nicht im Traum auf Motivverfolgung gekommen wäre. Das Bedienkonzept finde ich trotzdem gut. Insbesondere der neue Joystick zum Bewegen der Felder ist sehr praktisch.

Die Sony A7 III hat wie schon die A7 II einen eingebauten Bildstabilisator. Bei Objektiven, die ebenfalls stabilisiert sind, sollen die beiden Mechanismen Hand in Hand gehen. Darum kann ich den Stabilisator in diesen Fällen nur am Objektiv ein- und ausschalten. Seltsamerweise habe ich es trotzdem etliche Male geschafft, auch Aufnahmen mit kurzer Belichtungszeit zu verwackeln (1/250 Sekunde und 200mm). Der Grund ist mir unklar. Vermutlich ein Layer-8-Problem.

Der Akku hält so lange wie bei keiner anderen Mirrorless-Kamera. Dies sagt der CIPA-Wert von 710, aber auch mein Gefühl beim Ausprobieren. Mehrstündige Sessions ohne Ersatzakku sind kein Problem. Ich rede wiederum nur vom Fotografieren. Das hohe Stehvermögen hat seinen Grund nicht darin, dass die Kamera besonders energiesparend wäre. Sie hat einfach einen fetten Akku drin.

Was mir nicht gefällt

Ich habe nur wenig auszusetzen, und alle Kritikpunkte betreffen die Bedienung. Das Menü auf Deutsch ist eine Zumutung. Diese Abkürzungen! «V/H AF-F. wechs.» Oder: «TC/UB-Anz.einstlg» Oder: «Reg. AF-Feld lö.» Wie der Österreicher so schön sagt: Da kennt sich kein Schwein mehr aus.

Die A7 III hat zwar einen Touchscreen, doch der verhält sich nicht so, wie man sich das von Smartphones und modernen Kameras gewohnt ist. Ich kann weder mit zwei Fingern den Bildausschnitt vergrössern noch zum nächsten oder vorherigen Bild wischen. Beim Bildschirm könnte ich noch bemängeln, dass er sich nicht seitlich drehen lässt, was für Hochformataufnahmen praktisch wäre – aber wann habe ich das je gebraucht?

Update: Der folgende Kritikpunkt entfällt. User Keepcoding hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass das in den Einstellungen geändert werden kann (siehe Kommentarspalte unten).

Unverständlich für mich ist, dass die Kamera nicht automatisch erkennt, welchen Speicherkartenslot sie wählen muss. Wenn ich nur in Fach 2 eine Karte drin habe, die Aufnahme jedoch auf Fach 1 eingestellt ist, meckert die Kamera nur, statt automatisch auf Fach 2 zu wechseln. Wenn ich also zwei Karten verwende und die erste voll ist, muss ich zuerst ins Menü, um die Fach-Einstellung zu ändern. Dadurch entgeht mir vielleicht ein entscheidender Moment. Und für die Anzeige muss ich dann noch einmal separat ins Menü, denn das Fach für die Anzeige wird nicht an dem Fach für die Aufnahme angepasst.

Video-Tests von Stephanie

Für mich als Video Producer ist natürlich 4K relevant, das ganz ohne Pixel Binning auskommt. Ohne 4K läuft bei mir nichts. 4K willst du nur schon haben, wenn du zwar dein Video in HD veröffentlichen, du aber mal einen grösseren, mal eine kleineren Bildausschnitt brauchst: Spätestens dann liebst du 4K.

Ausserdem freue ich mich auf: die Stabilisierung, den Joystick, neue und bessere Akkus und den Dual-Speicherkartenplatz. Der Rec-Button ist an einem anderen Ort und über den schnelleren Autofokus beklage ich mich sicher auch nicht.

Der Real Life Test

Ich bin kein grosser Fan von technischem Gefasel, ich will unter realen Bedingungen testen. Und da Sony in meinem Leben omnipräsent ist mit meiner Sony a6500 und meiner Sony A7S II, muss ich wissen, wie sich die Sony A7 III im Verhältnis zu meinen zwei anderen schlägt.

Daher habe ich kurzerhand mein neustes Videoportrait über Yogalehrerin Sabrina Kriesi mit der a7 III gedreht. Abgesehen von der Drohnenaufnahme mit der Dji Mavic Pro, und der Yogaklasse (gedreht auf Sony A7S II) habe ich alles mit der Sony A7 III aufgenommen.

Die Bilder sind scharf und wer sich mit Sony-Kameras auskennt, der wird auch mit dieser keine Mühe haben. Im Video habe ich alles aus der Hand geschossen und nichts im Nachhinein stabilisiert. Sony hat ein Fünf-Achsen-Stabilisierungssystem und ich habe keinen signifikanten Unterschied zur A7s II bemerkt.

Vom Handling her ist sie für mich wie die Sony A7S II, nur schwerer. Das merken meine Handgelenke. Autsch. Aber an den neuen Rec-Button könnte ich mich glatt gewöhnen. Der ist nicht mehr seitlich an dem Gehäuse, sondern bequemer zu erreichen, rechts unter dem Viewfinder. Auch ist der Knopf einfacher und weicher zu drücken.

Nach zwei Stunden fast ununterbrochenem Filmen wird es der Kamera zu warm. Im Unterschied zu früheren Kameras zeigt sie mir das durch ein Alarmsignal an. Nach einmal ausschalten und wieder anschalten funktioniert es wieder, als wäre nichts gewesen. Glück gehabt. Akku wechsle ich nie. Wow. Das kenne ich so nicht. Ich habe zwei voll geladene Akkus dabei, nutze aber nur den einen für die ganzen Aufnahmen. Ich bin beeindruckt.

Zusätzlich zu dem Video mit Sabrina Kriesi mache ich noch einen Rolling Shutter- und einen Nachttest. Beide Tests besteht die Kamera. Beim Nachttest stelle ich sie der Sony A7s II gegenüber, dem Biest, wenn es um Dunkelaufnahmen geht.

Die Sony A7S II gewinnt den ISO-Test zwar, aber ich finde die Sony A7 III macht das ganz ordentlich und reicht völlig aus. So hast du eine Kamera, die im Dunkeln ganz gute Aufnahmen macht und eine mit der du auch noch Fotos schiessen kannst.

Der Input zum Rolling-Shutter-Test kommt von David. Ich sehe jedoch keine Probleme. Der Rolling Shutter der Sony a6500 ist erwähnenswert, aber die Sony A7 III macht mir keine Bauchschmerzen. Schau selbst:

Kurz: Diese Kamera ist für mich das, was das Schweizer Sackmesser für Wanderer ist. Sie hat alles, was ich benötige in einem kleinen schwarzen Kästchen, sie hat 4K-UHD, ich kann damit Slowmotion-Aufnahmen machen, sie hat einen schnellen, nein, einen sehr schnellen Autofokus und im Dunkeln funktioniert sie auch mehr als zufriedenstellend. Ich kann von jetzt an zwei SD-Karten einstecken und muss mir nicht mehr Sorgen machen, dass ich mit einer nicht mehr durchkomme.

Den Joystick nutze ich nur zu anfangs, weil neu, aber vergesse ihn schnell wieder, ich bin im Flow. Ich arbeite. Mit den Knöpfen spielen geht da etwas vergessen.

Meine einzige grosse Kritik ist der Touchscreen. Besser kein Touchscreen als ein Möchtegern-Touchscreen. Bis ich den nur schon eingeschaltet hatte! Ich musste ins Menü, da zu den Einstellungen, also zum letzten Menüpunkt. Dort musste ich Berührungs-Modus auf «ein» stellen. Danach noch das Touchpanel/-pad einschalten, das ist im selben Menü. Wähle Touchpanel/-Pad: Und da auf Touchpanel +Pad. Dann hast du deinen Touchscreen.

Das ist eine ganze Odyssee an Klicks und Haken, die ich setzen muss, damit mein Touchscreen nur halbwegs überzeugend funktioniert. Liebe Sony, wenn ihr schon einen Touchscreen macht, dann macht ihn out of the box funktional und nervt mich nicht damit, dass ich tausend Menüpunkte bearbeiten muss, ehe ich ihn benutzen kann.

Fazit: Schweizer Sackmesser auf Japanisch

Dass Sony diese Kamera als «basic model» bezeichnet, ist wohl das Understatement des Jahres. «Alleskönner» trifft es besser. Oder wie es Stephanie formuliert: das Schweizer Sackmesser auf Japanisch. Sie mag die Kamera so sehr, dass sie sie am liebsten behalten würde. Es wird schwierig, ihr das Ding wieder wegzunehmen. Mit der A7S II macht sie nur Videos, keine Fotos. Das ist mit der A7 III ganz anders.

Natürlich ist auch diese Kamera nicht perfekt, was uns besonders bei der Touch-Bedienung aufgefallen ist. Aber viel zu motzen gibts wirklich nicht.

Schon der Vorgänger war als Allrounder konzipiert. Aber beim neuen Modell hat das keine deutlichen Einbussen in einem Anwendungsgebiet zur Folge. Für Sport und Action eignet sich die Cam genauso hervorragend wie für Lowlight und Video. Einzig die Profis, die eine besonders hohe Auflösung brauchen, sind bei der A7 III an der falschen Adresse.

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David Lee
David Lee
Senior Editor, Zürich
Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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