Switch OLED im Test: Keine Switch Pro, aber eine solide Alternative

Switch OLED im Test: Keine Switch Pro, aber eine solide Alternative

Philipp Rüegg
Zürich, am 15.10.2021
Statt einer Switch mit mehr Leistung, serviert uns Nintendo ein OLED-Upgrade. Das lässt die Sehnsucht nach einer Switch Pro verschwinden, aber nur fast.

Die Gerüchte um eine Switch Pro hielten sich hartnäckig. Bis ihnen Nintendo im Juli den Stecker zog und die Switch OLED vorstellte. Statt 4K-Auflösung, DLSS und mehr Leistung gibt es ein grösseres Display mit OLED, einen standhafteren Ständer und ein Dock mit LAN-Anschluss. Viele Fans waren enttäuscht und doch gibt es Grund zur Freude.

Der Name ist Programm

Der neue OLED Screen ist zweifellos das Highlight der neuen Switch. Er leuchtet etwas heller und das Bild sieht deutlich besser aus: Die Farben sind kräftiger. Damit wirken Spiele einiges hübscher. Ich wage sogar zu behaupten, dass der OLED Screen mehr als eine höhere Auflösung bringt. Zumindest, wenn du auf der Switch und nicht gedockt am TV spielst.

Oben die Switch von 2019, unten die Switch OLED mit «Metroid Dread»
Oben die Switch von 2019, unten die Switch OLED mit «Metroid Dread»

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Besonders krass ist der Unterschied im Direktvergleich mit den Vorgängermodellen. Nebeneinander sieht die alte Switch blasser und die Farben sehen verwaschener aus.

Oben die Switch von 2019, unten die Switch OLED.
Oben die Switch von 2019, unten die Switch OLED.

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Der Screen ist auch leicht gewachsen, von 6,2 auf 7 Zoll und das bei gleichbleibender Aussenmasse. Durch die schmaleren schwarzen Ränder sieht die Switch OLED schicker aus.

Die Ränder sind weniger fett.
Die Ränder sind weniger fett.

Kleiner ist dafür der Akku. Der bietet nur noch 4210 mAh, statt wie bisher 4310 mAh. Trotzdem hält er etwas länger als die revidierte Switch von 2019. Weil die Akkulaufzeit massiv variiert, je nachdem welches Spiel du spielst, gibt Nintendo die Laufzeit weiterhin mit 4,5 bis 9 Stunden an.

Beim Speicherplatz hat Nintendo auch etwas aufgerüstet und bietet immerhin 64 Gigabyte. Das ist immer noch nicht viel, aber die Option per microSD-Karte zu erweitern, besteht weiterhin. Oder du moddest sie für viel Geld und mit viel Aufwand so wie ich ;)

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Die OLED Switch gibt es im klassischen schwarz-rot-blau-Design und neu in schwarz-weiss. Das wirkt weniger verspielt und deutlicher schicker. Mit einem Preis von 400 Franken ist das Gerät stolze 100 Franken teurer als die reguläre Switch.

Ständer und Dock

Die Switch heisst Switch, weil sie sich auf drei verschiedene Arten spielen lässt: als Handheld, auf dem Fernseher oder im Tisch-Modus. Letztere beide Varianten wurden ebenfalls etwas verbessert beim OLED-Modell. Der ausklappbare Ständer geht nun über die ganze Breite der Konsole, ähnlich wie bei den Microsoft-Surface-Geräten. Das ist eine massive Verbesserung gegenüber dem streichholzschmalen Füsschen der bisherigen Modelle. Dort reichte schon ein zorniger Blick nach einem verlorenen Mario Kart Match und das Teil kippte um. Auch der Winkel lässt sich nun flexibel einstellen.

Der neue Ständer ist deutlich stabiler.
Der neue Ständer ist deutlich stabiler.

Das Dock wiederum verfügt nun über einen LAN-Anschluss. So lassen sich nicht nur Spiele schneller herunterladen auch kompetitive Spiele wie Super Smash. Bros dürften von der schnelleren Verbindung profitieren.

Endlich gibt es einen LAN-Anschluss.
Endlich gibt es einen LAN-Anschluss.

Altlasten bleiben bestehen

Die Joy Cons haben sich hingegen nicht spürbar geändert. Zwar erklärte Nintendo in einem Interview auf der eigenen Webseite, dass die Controller weiter verbessert wurden, davon spürst du allerdings nichts. Und viel entscheidender: Das Joy-Con-Drift-Phänomen ist auch damit nicht aus der Welt geschafft. Nintendos Switch-Controller sind berüchtigt dafür, dass die Analog-Sticks plötzlich nicht mehr richtig funktionieren. Wirklich eingestanden hat Nintendo das Problem bis heute nicht.

Und selbst, wenn sie funktionieren, wie sie sollen, fühlen sich die Analogsticks immer noch fummelig an. Für die meisten ausser Kinder sind sie tendenziell immer noch viel zu klein. Das gilt für das gesamte Tastenlayout, das besonders bei gleichzeitiger Benutzung beider Analogsticks schnell zum Krampf wird. Da ich meist gedockt mit einem Pro Controller spiele, stört mich das weniger, aber damit geht der Sinn einer Switch OLED komplett flöten.

Zuletzt sei noch gesagt, dass sich leistungstechnisch im Vergleich zur Launch-Version vor über vier Jahren nichts verändert hat. Das bedeutet, dass die Switch eine träge Konsole bleibt. Spiele laden langsam und besonders im Nintendo Store ruckelt und stockt es regelmässig.

Fazit: Upgraden nein, für Neukunden durchaus interessant

Als Enthusiast hätte ich eine Pro-Version der Switch bevorzugt. Die OLED-Version ist aber mehr als nur ein Trostpreis. Der Bildschirm ist ein deutliches Upgrade zu den LCD-Vorgängern. Damit erstrahlen Spiele in neuem Glanz. Fast so, als hättest du die Detailstufe hochgedreht. Auch der neue Ständer und das Dock mit LAN-Anschluss sind nette Ergänzungen. Reicht das als Grund für ein Upgrade? Nein, ausser du spielst fast ausschliesslich unterwegs, lohnt sich die fast 400-Franken teure Konsole nicht.

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Es ist aber nicht so, dass ich die Augen vor Staunen nicht mehr zu kriege. Das OLED-Bild sieht besser aus. Aber so gut, dass ich alleine dafür eine neue Switch kaufen würde, ist es nicht. Besonders, wenn du dafür 100 Franken mehr als für die Standard-Version ausgeben musst. Immerhin bekommst du dafür auch die doppelte Speichergrösse.

Die Switch OLED ist der typische Nintendo-Zwischenschritt, um die Nachfrage hochzuhalten. Nett, aber kein Pflichtkauf. Das Gerät hat aber bewirkt, dass ich eine potenzielle Switch Pro oder gar eine Switch 2 nicht mehr mit LCD akzeptiere. OLED is King, Baby!

Das Gerät wurde mir von Nintendo zur Verfügung gestellt.

Switch (OLED-Modell) Neon-Rot/Neon-Blau
399.–
Nintendo Switch (OLED-Modell) Neon-Rot/Neon-Blau

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Philipp Rüegg
Philipp Rüegg

Senior Editor, Zürich

Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem privaten Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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