Sony drängt in den PC-Markt: Gaming Headset Inzone H9 im Test

Sony drängt in den PC-Markt: Gaming Headset Inzone H9 im Test

Simon Balissat
Zürich, am 28.06.2022

Sony und Gaming; das war bisher Playstation und sonst nichts. Mit drei Headsets der Eigenmarke «Inzone» will die japanische Firma jetzt PC-Gamer mit dem nötigen Kleingeld ansprechen. Ich konnte sie vorab testen.

Was Playstation-Fans auf die Palme bringt, freut die PC-Gaming-Community: Immer mehr Playstation-Titel auf dem PC. «God of War», «Uncharted» oder «Horizon Zero Dawn» gibt es schon, weitere Titel folgen. Jetzt macht Sony den nächsten Schritt und versucht sich an Gaming Hardware für den PC. Drei Gaming Headsets in drei Preisklassen hat Sony heute vorgestellt: Das kabelgebundene Inzone H3 und die kabellosen H7 und H9, wobei das H9 als einziges «Active Noise Canceling» (ANC) bietet.

Im Test überzeugt mich vor allem das Flaggschiff-Modell H9. Sony gelingt es beinahe, mich zum Umstieg vom Hi-Fi-Kopfhörer auf das Gaming Headset zu bringen.

Sieht aus, als hätten die Playstation und der WH-MX1000M5 ein Kind.
Sieht aus, als hätten die Playstation und der WH-MX1000M5 ein Kind.

PS-Chic für den PC-Kick

Ganz vom Playstation-Chic verabschieden will sich Sony offensichtlich nicht. Die drei Kopfhörer funktionieren auch mit der Playstation 5, wobei bei den drahtlosen H7 und H9 ein USB-Dongle notwendig ist. Auch farblich ist die Linie klar; die Kopfhörer sind im selben schwarz-weiss Stil gehalten, wie die begehrte Sony-Konsole. Das hebt sie von der Konkurrenz ab, denn die meisten Gaming Headsets sind eher dunkel. Eine andere Farboption gibt es derzeit nicht. Das Design der Kopfbügel erinnert an die neuen Over Ears WH-1000XM5 und das aus gutem Grund. Die Gaming Headsets stammen nämlich aus der gleichen Abteilung bei Sony. Das ist neu, bisher waren die Gaming- und Audio-Sparten strikt getrennt. So will Sony seine Audio-Erfahrung mit dem Know-how aus dem Gaming verbinden.

Alle drei Headsets sind mit 299g (H3), 325g (H7) und 330g (H9) Leichtgewichte und sitzen auch auf meinem Riesenschädel sehr bequem. Auch bei längeren Gamingsessions stören sie mich nicht. Vor allem der teure H9 ist dank Kunstlederpads besonders angenehm. Bei den günstigeren Varianten sind die Pads mit einem synthetischen Stoff überzogen, der mich etwas schneller schwitzen lässt. Die beiden drahtlosen Headsets lassen sich über USB-C laden und funktionieren auch währenddessen. Neben der Verbindung über den Dongle funktionieren sie auch per Bluetooth. Du kannst sie also auch unterwegs mit deinem Handy benutzen.

An Knöpfen spart Sony beim H9 nicht. Ein Drehrad regelt die Lautstärke, über weitere Schalter lässt sich das «Noise Canceling» zuschalten und Bluetooth verbinden. Zudem kannst du mit zwei Tasten zwischen Game und Voice Sound wählen und mischen.

Sieht gross aus, ist aber sehr komfortabel. Hier das H9-Headset.
Sieht gross aus, ist aber sehr komfortabel. Hier das H9-Headset.

Als hätte Sony nie etwas anderes gemacht

Bravo Sony. Nach einer Woche zocken, Musik hören und telefonieren mit dem H9 bin ich positiv überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass das erste PC-Headset so gut wird. Der Sound ist kristallklar und die Höhen sehr deutlich (manchmal sogar zu deutlich). Vor allem aber ist der Bass von Haus aus sehr angenehm eingestellt und nicht übersteuert. Günstigere Gaming Headsets täuschen gerne über mangelnde Audioqualität hinweg, indem der Bass aufgedreht wird. Keine Spur davon beim H9. Falls du mehr Bass brauchst, kannst du das in der PC-Software einstellen.

Für die gibt es Sonderlob, denn sie funktioniert einwandfrei. Das ist leider bei Gaming-Zubehör nicht immer der Fall. Neben vorgefertigten EQ-Profilen kann ich auch meine eigenen speichern, wenn ich etwas von den knackigen Höhen rausnehmen will oder doch mehr Bass zumischen möchte. Daneben lassen sich allerhand Dinge konfigurieren. Etwa das «Noise Canceling», ob du «Spatial Sound» aktivieren willst oder wie die Balance zwischen Game Audio und Voicechat ist. Womit ich bei den drei Funktionen bin, die Sony als speziell anpreist.

1. «Noise Canceling» ist das, was Sony kann

Wer schon einmal einen «Active Noise Canceling»-Kopfhörer aus der WH-Reihe auf dem Kopf hatte, weiss, dass Sony die Technologie im Griff hat. Zwei Mikrofone in jeder Ohrmuschel registrieren Umgebungsgeräusche, der Kopfhörer gleicht die dann aus. Das leise Summen meines PCs höre ich nicht mehr, auch der Zug, der draussen vorbeifährt, bleibt stumm. Der H9 schottet mich komplett ab, wenn ich das will. Alternativ kann ich auch die Umgebungsgeräusche verstärken, zum Beispiel wenn ich auf ein Päckli warte und die Türklingel nicht verpassen will. Oder ich schalte das «Noise Canceling» gleich ganz ab.. Auch passiv schirmt der Kopfhörer gut ab. Ich habe «Noise Canceling» dann an, wenn ich genau auf die Schritte meiner Gegner hören muss. Bei Shootern ist das die halbe Miete, dort höre ich dank der Geräuschunterdrückung etwas klarer. Besser bin ich damit nicht. Ein Noob bleibt ein Noob.

Auf Knopfdruck lässt sich das Noise Canceling zuschalten.
Auf Knopfdruck lässt sich das Noise Canceling zuschalten.

2. «Spatial Sound» tönt toll, in der Theorie

3D-Audio heisst bei Sony «Spatial Sound», entbehrt aber auch dort einer grundlegenden Logik: Wie sollen Geräusche dreidimensional sein, wenn die Quelle direkt am Ohr anliegt? Die Software platziert die Geräusche zwar im virtuellen Raum, aber echtes 3D-Audio ist mit Kopfhörern schlicht nicht möglich. Als Besonderheit lässt dich Sony deine Ohrform abfotografieren, um dann ein dir angepasstes 3D-Soundprofil zu erstellen. Ich habe beim Zocken am PC keine Unterschiede zwischen aktiviertem und deaktiviertem «Spatial Sound» bemerkt. Auch verglichen mit meinem Sennheiser HD-25 wirkt der Sound nicht dreidimensionaler. Anders sieht es bei der Playstation aus, dazu später aber mehr.

3. «Game» und «Voice» am Headset zu mischen, ist ein Gamechanger

Ein Killerfeature ist für mich, dass ich die Balance zwischen Spiel und Voicechat am Kopfhörer mit zwei Buttons einstellen kann. Aufgepasst bei der Konfiguration: H7 und H9 installieren zwei Treiber. Einmal heisst er «Inzone Game» und einmal «Inzone Voice». Die normale PC-Ausgabe konfigurierst du auf «Game» und dein Discord oder Teamspeak auf «Voice» und schon kannst du nach Belieben am Kopfhörer Spiel und Voicechat mischen. Bisher konnten das gewisse Soundkarten und Pre-Amps, Sony liefert die Funktion bequem am Headset. Zwei Verbesserungsvorschläge gibt’s dennoch: Mir wäre ein Drehregler statt Knöpfen lieber und ich hätte gerne auch noch Equalizer auf dem Voice-Kanal als i-Tüpfelchen. Das könnte später mit einem Softwareupdate noch nachgereicht werden.

Die oberen zwei Knöpfe mischen «Voice» und «Game».
Die oberen zwei Knöpfe mischen «Voice» und «Game».

Bei der PS5 lassen die Headsets ihre Muskeln spielen

Während ich auf dem PC kaum Unterschiede zu meinem Sennheiser-Kopfhörer feststelle, bin ich vom Sound auf der PS5 begeistert. Ich spiele PS5 ausschliesslich mit Kopfhörern und verbinde sie direkt mit dem Controller. Bei H7 und H9 muss ich den Dongle an der PS5 einstecken, dann liefern sie kabellos Audio. Die Playstation erkennt, dass ich 3D-Audio kompatible Kopfhörer angeschlossen habe und lässt ihre Muskeln spielen. Die Software rechnet mir dann 3D-Sound aus, der sich hören lassen kann.

Wie ich schon weiter oben erklärt habe, ist das eine Softwarelösung, die mir 3D-Audio suggeriert. Im Prinzip läuft die auch auf meinem Sennheiser. Aber irgendwie höre ich den «3D-Sound» bei den Sony Kopfhörern deutlicher. Vor allem «Returnal» – ohnehin der mit Abstand beste Exklusivtitel für die PS5 – ist mit den Kopfhörern eine Wucht! Die Monster scheinen von der Seite und von hinten zu kommen, ich kann mich besser an den Geräuschen orientieren. Das mag aber auch an den Kopfhörern liegen, die etwas mehr auf Hochtöne getrimmt sind.

Ein mittelmässiges Mikrofon, das ausreicht

Das Mikrofon ist nicht die Stärke der Headsets. Du willst aber auch keine Podcasts oder Musikproduktionen damit aufzeichnen. Weil ein Ton mehr als tausend Worte sagt, kannst du selbst hören, wie die Mikros klingen.

Die Qualität der beiden drahtlosen Mikrofone fällt etwas ab, was an der Verbindung und nicht am Mikrofon liegen dürfte. Auch hier könnte ein späteres Softwareupdate Abhilfe schaffen.

Überraschend gut und erwartungsgemäss teuer

Die meisten Gaming Headsets sind nicht mein Ding. Zu viel Bass, zu viele LEDs und keine Vorteile gegenüber normalen Hi-Fi Kopfhörern. Diese Lücke schliesst Sony mit den ersten Headsets für PC-Gaming beinahe. Der Sound ist ausgewogen, auch wenn er die höheren Frequenzen bevorzugt. Das weisse Design mag für gewisse Menschen gewöhnungsbedürftig sein, mir aber gefällt es besser als die futuristischen Designs der Konkurrenz. Richtig toll ist das «Noise Canceling» beim H9. Ein Killerfeature ist die Möglichkeit, beim H7 und H9 zwischen «Voice» und «Game» hin und her zu schalten. Das Einsteigermodell H3 bietet diese Option nicht. Für ein Headset mit Kabel ist es mit 99 Franken (Stand beim Release am 28.6.2022) eher teuer. Auch die drahtlosen Modelle sind im gehobenen Preissegment. Dafür bekommst du das beste «Noise Canceling» und Sound satt von den Audioprofis bei Sony. Playstation-Fans dürfen sich jetzt auch über Hardware für den PC ärgern, für mich als Gamer aber ist es ein Gewinn.

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Als ich vor über 15 Jahren das Hotel Mama verlassen habe, musste ich plötzlich selber für mich kochen. Aus der Not wurde eine Tugend und seither kann ich nicht mehr leben, ohne den Kochlöffel zu schwingen. Ich bin ein regelrechter Food-Junkie, der von Junk-Food bis Sterneküche alles einsaugt. Wortwörtlich: Ich esse nämlich viel zu schnell. 


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