So funktioniert die erste Tastatur mit umschaltbaren Switches

So funktioniert die erste Tastatur mit umschaltbaren Switches

Kevin Hofer
Zürich, am 26.01.2020
Die Qpad MK-95 ist die erste Tastatur mit umschaltbaren Switches. Indem ich den Hebel umlege, entscheide ich, ob ich auf Clicky oder linearen Switches tippe. Ich nehme den Schraubenzieher in die Hand und zerlege das Teil in seine Einzelteile, um herauszufinden, wie das funktioniert.

Clicky oder linear: Zwei Worte, zwei Gefühle, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Auf der Qpad MK-95 erlebe ich beides innert Sekundenbruchteilen, indem ich einen Hebel umlege. Jetzt sitze ich vor der Tastatur, den Schraubenzieher in der Hand und verabschiede mich innerlich vom Keyboard. Denn ich nehme es auseinander und weiss nicht, ob es überlebt. Das Teil ist mir in den letzten Wochen ans Herz gewachsen, ich habe jeden Tag damit gearbeitet. Mein Herz blutet.

Wo ist die verflixte letzte Schraube?

Jede Tastatur ist im Prinzip gleich aufgebaut: Damit ich sehe, was im Innern der MK-95 schlummert, muss ich die Deckplatte entfernen. Die ist mit Schrauben am Gehäuse befestigt. Um alle Schrauben aufzuspüren, muss ich die Keycaps entfernen. Nachdem ich alle Schrauben gelöst habe, versuche ich, die Deckplatte anzuheben. Dazu verwende ich «Jimmy» – ein Werkzeug zum Öffnen von Elektrogeräten. Jimmy hat mir in der Vergangenheit schon öfters geholfen. Und tatsächlich: Die Klinge flutscht problemlos zwischen Deckplatte und Gehäuse.

Trotzdem bringe ich die Platte nicht weg. Erst nach einiger Zeit entdecke ich des Rätsels Lösung: Unter dem Mechanismus zum Hochstellen des Keyboards steckt eine letzte Schraube, die Gehäuse und Deckplatte zusammenhält.

Simpel, aber durchdacht

Jetzt kann ich die Tastatur endlich öffnen. Da die Switches mit der Platine – auch PCB genannt – verlötet sind, kann ich sie nicht von der Deckplatte entfernen, ohne sie abzulöten. Das ist bei den meisten mechanischen Tastaturen so: Die Switches werden auf die Deckplatte gesteckt, unter die Deckplatte kommt das PCB und die Switches werden von hinten drauf gelötet. Die Möglichkeit des Ablötens halte ich mir als letzte Option offen, falls ich die Funktionsweise des Umschaltmechanismusses nicht anders ergründen kann. Ich will die MK-95 nicht unnötig zerstören. Bei der Tastatur befindet sich zusätzlich eine Metallplatte auf der Rückseite des PCBs. Ich vermute, dass diese etwas mit dem Umschaltmechanismus zu tun hat.

Auf dieser Metallplatte ist die Innenseite des Umschaltmechanismus montiert. Das, was unter dem Hebel liegt: ein flaches, rundes Metallteil mit einer Ausbuchtung. In dieser Ausbuchtung befindet sich eine Schraube. Betätige ich den Hebel, bewegt sich die Metallplatte dank dem Mechanismus leicht von links nach rechts übers PCB.

Damit der Hebel an Ort und Stelle gehalten wird, hat Qpad Magnete am Umschaltmechanismus platziert. Jetzt weiss ich, woher das befriedigende Gefühl beim Einrasten des Hebels kommt.

Die Metallplatte gleitet dank schwarzen Abstandshaltern ungehindert übers PCB. An diesen Haltern ist die Platte an der Platine befestigt.

Ich löse die Schrauben der Abstandshalter, um zu schauen, was unter der Metallplatte ist. Auf der anderen Seite der Platte sind abgekantete Metallstäbe, die ins PCB respektive in die Switches ragen.

Schaue ich durch die Löcher – durch welche die Metallstäbe ragen – in die Switches, sehe ich einen kleinen, feinen Draht. Wenn ich einen Switch betätige, wird der Draht just in dem Moment vom Stengel des Switches zur Seite geschoben, in dem der Klick zu hören und der Auslösepunkt zu spüren ist. Mit dem Schraubenzieher schiebe ich den Draht zur Seite und betätige den Switch erneut. Jetzt ist kein Klick zu hören und spüren.

In a Nutshell

Der Mechanismus funktioniert also folgendermassen: In der «Nullstellung» wird der Draht vom Stengel der Switches beim Tippen zur Seite gedrückt. Dabei werden das Klickgeräusch und das haptische Feedback erzeugt: Die Switches sind clicky. Wenn ich den Hebel umlege – in die «Einerstellung» –, verschiebt sich die Metallplatte und mit ihr die Metallstäbe. Diese drücken den Draht im Inneren der Switches zur Seite. Wenn ich den Switch jetzt betätige, spüre und höre ich nichts, wenn ausgelöst wird. Der Stengel gleitet ungehindert vom Draht in den Switch. Die Switches sind linear. Clicky und linear in einem: simpel, aber genial.

Bereits bei meinem Review der MK-95 habe ich festgestellt, dass sie streng genommen keine mechanischen Switches hat, sondern optische. Auslösen tun sie nämlich nicht über einen metallischen Kontakt, sondern über ein optisches Signal. Dabei wird ein Lichtstrahl ausgegeben, der bei nicht gedrückter Taste vom Stengel des Switches blockiert wird. Drücke ich den Switch bis zum Auslösepunkt, trifft der Lichtstrahl statt auf den Stengel auf einen Empfänger und löst dadurch den Tastendruck aus. Das Mechanische, der spür- und hörbare Klick im Clicky-Modus, hat im Grunde genommen nichts mit dem Auslösen zu tun.

Übrigens konnte ich die Tastatur wieder zusammensetzen und sie funktioniert noch. Einzig den Draht der F-Taste habe ich beim Zusammensetzen beschädigt, die Taste funktioniert jetzt nur noch linear. Aber hey: Ich habe riesige Freude, dass das Teil noch läuft.

MK 95 Pro Mechanical Switchable (CH, Kabel, MX-Blue, MX-Red)
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Kevin Hofer
Kevin Hofer
Editor, Zürich
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten ist meine Leidenschaft.

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