
Skodas Duobell: Diese Fahrradklingel erreicht dich selbst mit Noise Cancelling
Kopfhörer mit Noise Cancelling blenden auch Fahrradklingeln aus. Darum setzt Skoda bei der Duobell auf ein Klangdesign, das den Schallschutz durchdringt.
Du radelst entspannt durch die Stadt, doch vor dir blockiert ein Fußgänger den Radweg. Du klingelst, doch nichts passiert. Der Grund sitzt oft im oder am Ohr: Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung. Modernes Active Noise Cancelling (ANC) blendet nicht nur den Verkehrslärm fast vollständig aus, sondern häufig auch das wichtige Warnsignal einer herkömmlichen Fahrradklingel.
Skoda will dieses Problem nun mit der Duobell lösen. Diese spezielle Klingel setzt auf akustische Tricks, um selbst die besten Algorithmen zur Geräuschunterdrückung zu überlisten.
Wenn Sicherheit ausgefiltert wird
ANC‑Kopfhörer arbeiten mit Mikrofonen und Algorithmen. Sie erfassen Umgebungsgeräusche und erzeugen in Echtzeit einen Gegenschall, der diese möglichst vollständig auslöscht. Besonders bei konstanten, gleichmäßigen Geräuschen wie Motoren, Wind oder Straßenrauschen gelingt das sehr effektiv.
Problematisch wird das im Straßenverkehr. Denn klassische Fahrradklingeln erzeugen meist kurze, aber vorhersehbare Töne, die von den Systemen aufgrund ihrer gleichmäßigen Struktur oft effektiv unterdrückt werden. Für Fußgänger mit Kopfhörern bleibt das Warnsignal dann schlicht unhörbar – mit entsprechenden Risiken.
Die physikalische Schwachstelle im Algorithmus
Gemeinsam mit Akustikforschern der britischen University of Salford hat Skoda deshalb untersucht, wie ANC‑Systeme auf verschiedene Schallsignale reagieren. Dabei identifizierte das Team einen engen Frequenzbereich zwischen etwa 750 und 780 Hertz, in dem viele Algorithmen zur Geräuschunterdrückung deutlich weniger effektiv arbeiten. Diese Lücke im Filterverhalten bildet die Grundlage der Duobell.
Die Klingel erzeugt gezielt einen Ton in genau diesem Frequenzfenster. Zusätzlich bleibt es nicht bei einem gleichmäßigen Klang. Die Duobell arbeitet mit schnellen, unregelmäßigen Schlägen, die zeitlich variieren. Diese Unregelmäßigkeit erschwert es den Algorithmen, eine passende Gegenschallwelle zu berechnen. Das Signal wird dadurch nicht als berechenbares Hintergrundgeräusch behandelt, sondern als plötzliches Ereignis wahrgenommen und dringt bis zum Ohr des Kopfhörerträgers durch.
Messbare Vorteile im Test
In Tests zeigte sich ein deutlicher Unterschied zu herkömmlichen Fahrradklingeln. Probanden mit aktivem Noise Cancelling nahmen das Signal der Duobell im Schnitt rund fünf Sekunden früher wahr und aus bis zu 22 Metern größerer Distanz. Bei typischen Stadtgeschwindigkeiten auf dem Fahrrad entspricht das mehreren zusätzlichen Metern Reaktionsraum.
Die Tests fanden nicht nur im Labor statt. Unter anderem nutzten Kuriere im dichten Stadtverkehr von London die Klingel im Alltag. Das Ziel: Bedingungen abzubilden, wie sie täglich auf Radwegen und Fußgängerzonen herrschen.
Sicherheit durch reines Sound-Design
Bemerkenswert ist dabei der Ansatz: Die Duobell verzichtet vollständig auf Elektronik. Es gibt keine Batterie, keine App und keine Verbindung zum Smartphone. Stattdessen optimierten die Entwickler Form, Material und Mechanik der Klangkörper so, dass die gewünschte Frequenz und die unregelmäßige Schlagfolge rein mechanisch entstehen.

Quelle: Skoda
Das macht die Klingel nicht nur robust und wartungsarm, sondern auch universell einsetzbar. Trotz der gezielten Auslegung auf Kopfhörerträger bleibt das Signal für Menschen ohne ANC ein vertrautes Warngeräusch. Es ist laut und präsent, ohne aggressiv zu wirken. Die Herausforderung bestand darin, eine Balance zwischen Durchsetzungsfähigkeit und sozialer Akzeptanz im öffentlichen Raum zu finden.
Noch kein Serienprodukt
Aktuell handelt es sich bei der Duobell um ein Konzept. Skoda plant nach eigenen Angaben keinen direkten Verkauf. Stattdessen will der Hersteller die Forschungsergebnisse offenlegen und anderen Produzenten zur Verfügung stellen.
Dass ein Automobilhersteller an einer Fahrradklingel arbeitet, wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich. Historisch ist es jedoch konsequent: Skoda begann einst als Fahrradhersteller, lange bevor Autos das Kerngeschäft wurden. Inhaltlich fügt sich die Duobell außerdem in ein größeres Thema ein: Verkehrssicherheit, die heute alle Verkehrsteilnehmer betrifft, nicht nur Autofahrer.
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