Scuf Infinity 4PS Pro: Lohnen sich 300 Franken für einen PS4-Controller?

Scuf Infinity 4PS Pro: Lohnen sich 300 Franken für einen PS4-Controller?

Philipp Rüegg
Zürich, am 25.07.2019
Der Scuf Infinity 4PS Pro will der ultimative PS4-Controller sein. Für 300 Franken ist das auch das Mindeste. Ein handelsüblicher Controller kostet nämlich 60 Franken. Ob er hält, was er verspricht, zeigt der Test.

Die Xbox verfügt mit dem Elite längst über einen offiziellen Pro-Controller. Playstation-User warten bis heute vergeblich, dass Sony einen Dualshock-Controller für anspruchsvollere Gemüter abliefert. Diese Nische füllen stattdessen Dritthersteller wie Scuf. Scuf ist spezialisiert auf Controller, die sich bis zum Abwinken personalisieren lassen. Dieser Spass kostet allerdings gerne bis zu 300 Franken, wie der Infinity 4PS Pro beweist.

Das schmucke Teil gibt es in zig Ausführungen. Ich hab das folgende Modell zum Testen erhalten:

Gaming Controller
Infinity 4PS Pro Dark Blue Blue
295.–
Scuf Infinity 4PS Pro Dark Blue Blue

Von Pros geliebt, von den Ligen empfohlen

Je mehr Schnickschnack, desto teurer wird der Controller. Mein Modell besitzt neben einem Custom-Design eine spezielle Rückseite für mehr Grip, zwei zusätzliche Tasten (Paddles), zwei unterschiedlicher Trigger-Covers, verstellbare Triggers sowie die Möglichkeit, Tasten neu zu belegen. Mal schauen, was das Teil kann.

«Wow, der liegt ja geil in der Hand»

Der Scuf Infinity hinterlässt einen exzellenten ersten Eindruck. Er liegt sehr angenehm in der Hand – vorausgesetzt, du magst das Dualshock-Design. Die Knöpfe haben angenehme Druckpunkte. Die Analogsticks haben eine gummierte Oberfläche, mit der ich während dem Test kein einziges mal abgerutscht bin oder nachfassen musste. Das passiert mir mit dem klassischen Dualshock relativ oft. Nur das Touchpad hat eine merkwürdige Druckempfindlichkeit. Es fehlt an Klick-Feedback. Anfangs dachte ich, es wäre kaputt oder verklebt. Aber offenbar muss das so sein. Der Tipp mit dem Andrücken des Touchpads hat nur bedingt geholfen.

Das Material auf der Rückseite ist besonders griffig.
Das Material auf der Rückseite ist besonders griffig.

Das Highlight ist aber ohnehin die Rückseite. Military Grade Grips blablabla, was auch immer. Marketinggewäsch hin oder her. Fakt ist, dass sich das Material extrem gut anfühlt und viel Halt gibt. Auch mit schwitzigen Händen hatte ich nie Probleme, dass der Controller rutschig wurde.

Vor dem Spielen kommt Bug Fixing

Mit dem Scuf Infinity spielt es sich wirklich hervorragend – wenn er denn mal funktioniert. Soweit sind wir aber noch nicht. Anfangs hatte ich nämlich so meine Probleme den Controller zum Laufen zu bringen. Zwar liess er sich auf Anhieb per Bluetooth mit der PS4 verbinden. Aber sobald ich ein Spiel startete, funktionierte keine Taste mehr ausser dem Playstation-Button. Mit dem kam ich zurück ins Playstation-Menü, wo plötzlich wieder alle Tasten reagierten. Mit einer Büroklammer konnte ich den Controller resetten. Dazu drückst du in die kleine Öffnung auf der Rückseite direkt neben dem rechten Pedal. Das half aber nur vorübergehend. Nach wenigen Minuten wieder gar nichts – bis ich das Spielchen wiederholte.

Endgültige Besserung brachte erst ein Komplettreset inklusive Analog-Stick-Rekalibrierung. Auf der Scuf-Website findest du die Schritt-für-Schritt-Anleitung. Nach diesem kurzen Prozedere hatte ich keine Probleme mehr – zumindest an der PS4. Am PC wird der Controller per USB-Kabel zwar erfolgreich von Windows, aber nicht allen Spielen erkannt. Eine Logik, welche Spiele kompatibel sind und welche nicht, konnte ich bisher nicht eruieren. Treiber gibt es bei Windows 10 keine zu installieren. Falls ihr einen Tipp habt, schreibt’s gerne in die Kommentarspalte.

Update 25.07.2019: Das Tasten-Phänomen an der PS4 deute auf einen Produktfehler hin, vermutet Besard Demi von G4G unserem Distributor. Das soll allerdings bei höchstens einem Prozent der Geräte vorkommen. Die PC-Kompatibilität sollte sich hingegen nicht von der eines Playstation Pro Controllers unterscheiden, meint Demi auf Rückfrage. Ansonsten müsse man auf die inoffiziellen DS4-Treiber zurückgreifen.

Anpassen bis zum Abwinken

Die Sticks sind austauschbar.
Die Sticks sind austauschbar.

Abgesehen von den Startschwierigkeiten ist der Scuf ein echter Verwandlungskünstler. Sogar die beiden Analogsticks kannst du austauschen. Leider musst du die separat bestellen. Etwas schwach, wenn man bedenkt, dass der deutlich preiswertere Elite Controller für die Xbox zwei Sets enthält – die sich obendrauf magnetisch und somit extrem einfach austauschen lassen. Beim Scuf brauchst du dafür das mitgelieferte Werkzeug. Damit löst du mit einer kurzen Drehung die Befestigungsringe und schon könntest du andere Sticks einsetzen. Es ist etwas umständlicher als beim Elite, dafür macht der Prozess mehr Spass. Es erinnert mich an einen Boxenstopp bei der Formel 1. Der Controller fühlt sich dadurch ein bisschen wie ein Werkzeug an.

Der Eindruck verstärkt sich, wenn du die Trigger-Tasten justierst. Dafür brauchst du den beiliegenden Innensechskantschlüssel. Zuerst musst du die Trigger-Cover entfernen. Darunter befindet sich ein winziges Loch. Mit dem Schlüssel verstellst du die Druckempfindlichkeit. Du kannst die Trigger so fest anziehen, dass du sie fast nicht runterdrücken kannst. Oder du stellst sie so lose, dass sie praktisch keinen Widerstand leisten.

Mit dem beiliegenden Werkzeug kannst du die Trigger justieren.
Mit dem beiliegenden Werkzeug kannst du die Trigger justieren.

Zusätzlich kannst du mit dem gleichen Werkzeug den Stopper unterhalb der Trigger so drehen, dass die Tasten einen kurzen oder langen Weg zurücklegen, bis sie auslösen. In Shooter-Games willst du einen möglichst kurzen Auslöseweg, in Race-Games hingegen brauchst du die ganze Länge, um präzise Gas zu geben oder zu bremsen. Die Stopper kannst du auch mit den Fingern verstellen. Trotz Spass am Schrauben, gefällt mir auch hier die Lösung des Elite-Controllers besser. Dort stellt ein kleiner robuster Schalter zwischen kurzer und langer Distanz um. Beim Scuf Infinity fühlt es sich weniger elegant an und selbst mit Stopper ist mir der Auslöseweg für Shooter noch zu lang.

Abgesehen davon sind die beiden Justiermöglichkeiten definitiv ein Mehrwert. Shooter-Games spiele ich nur noch mit kurzen Trigger-Stops. Und dass ich den Widerstand der Hair-Triggers genau nach meinem Geschmack einstellen kann, ist ebenfalls praktisch. Beim Standard-Dualshock sind sie mir einen Tick zu lose. In Online-Duellen, wo es auf jede Millisekunde ankommt, hilft es deutlich, wenn die Tasten reaktiver sind.

Allerdings konnte ich die Trigger nur bis zu einem bestimmten Grad festziehen. Zu fest und die Taste wird von Spielen als immer aktiv erkannt. Egal, ob ich es an der PS4 oder am PC versuchte, ich konnte in keinem Spiel die ganze Spannweite nutzen.

Update 25.07.2019: Laut Demi soll das kein Fehler sein, sondern mit den Turnierregeln der Profis zusammenhängen. Könnte man den Widerstand nämlich noch strenger einstellen und damit die Auslösezeit noch mehr verkürzen, wäre das ein unfairer Vorteil. Scuf habe allerdings erkannt, dass es verwirren kann, dass sich die Schraube mehr verstellen lässt, als es Spiele tatsächlich zulassen. Beim nächsten Modell soll das anpasst werden.

Die Cover lassen sich mit einem kurzen Handgriff austauschen.
Die Cover lassen sich mit einem kurzen Handgriff austauschen.

Von den beiden mitgelieferten Trigger-Covers bevorzuge ich die kurzen. Sie entsprechen mehr der natürlichen Ruheposition meiner Finger. Auch die langen haben etwas für sich, aber da ich häufig mit unterschiedlichen Controllern spiele, ist mir der Unterschied damit dann doch zu stark. Entgegen dem, was ich online gelesen habe, haben sich bei mir die längeren Covers nie aus Versehen gelöst.

Auf der Rückseite kannst du ausserdem zwei Pedale anbringen. Du musst sie dafür in die entsprechende Aussparung schieben. Auch hier muss ich sagen, dass die magnetische Lösung des Elite-Controllers nutzerfreundlicher ist. Dafür halten die Pedalen am Scuf bombenfest. Für mich sind sie perfekt positioniert und ich liebe das Klicken beim Auslösen. Sie benötigen genau die richtige Menge Druck. Ich schätze die Pedale besonders in Spielen, die die gleichzeitige Nutzung von R1 und R2 oder L1 und L2 erfordern.

Das Magnet dient zum remapping der Pedale.
Das Magnet dient zum remapping der Pedale.

Standardmässig ersetzen sie Kreis und Kreuz, damit du die Finger nie von den Analogsticks nehmen musst. Das kannst du mit der kleinen runden Scheibe ändern. Einfach auf das Logo auf der Rückseite halten und danach ein Pedal sowie die gewünschte Taste drücken und schwups, schon ist die Taste neu belegt. Es funktionieren alle Tasten ausser Start und Share.

Genial, wenn er funktioniert

Der Scuff Infinity hätte der beste PS4-Controller sein können, der mir bisher in die Hände gekommen ist. Die gummierte Rückseite ist griffig, die Tasten haben abgesehen vom Touchpad, angenehme Widerstände und die Möglichkeiten, den Controller anzupassen sind immens. Der Preis dafür ist aber in keinster Weise gerechtfertigt, wenn du bedenkst, dass Microsofts Elite Controller gerade mal die Hälfte kostet und mehr Zubehör enthält. Ausserdem kann es nicht sein, dass der Controller nicht von Anfang an richtig funktioniert und am PC bis zum Schluss seine Macken hat.

Wenn dir das Geld locker sitzt und du einen wirklich ausgefallenen PS4-Controller suchst, dann ist der Infinity vielleicht das richtige für dich. Alle anderen bleiben bei Sonys Dualshock.

Update 25.07.2019: Ich habe den Artikel mit Stellungnahmen unseres Distributors ergänzt.


Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Senior Editor, Zürich
Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – nur leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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