Schweizer Forschende ermöglichen Querschnittgelähmten das Gehen
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Schweizer Forschende ermöglichen Querschnittgelähmten das Gehen

Coya Vallejo Hägi
Zürich, am 08.02.2022

Forschende aus Lausanne haben querschnittgelähmten Personen ein neuartiges Implantat in die Wirbelsäule eingesetzt. Dank elektrischer Stimulation können Probanden jetzt hunderte Meter am Rollator gehen.

Forschende der ETH Lausanne und des dortigen Universitätsspitals haben ein neuartiges Implantat geschaffen, das Querschnittgelähmte wieder gehen lässt. Das Team um Neurowissenschaftler und Professor Grégoire Courtine und Neurochirurgin sowie Professorin Jocelyne Bloch veröffentlichte seine Forschungsergebnisse in der Fachszeitschrift Nature Medicine.

Die ETH Lausanne publizierte zudem Videomaterial des Studienteilnehmers Michel Roccati auf ihrer Webseite. Roccati ist komplett querschnittgelähmt und einer von drei Probanden, die das neuartige Implantat bekamen.

So funktioniert es

Das Implantat besteht aus einer flexiblen Folie, die unter den Wirbeln direkt am Knochenmark fixiert wird. Auf der Folie sind Elektroden angebracht, die genau mit den Nervenwurzeln im Rückenmark in Kontakt kommen. So wird ein Zugang zu den Neuronen hergestellt, die die Muskeln steuern. «Dadurch kann man das Rückenmark so aktivieren, wie es das Gehirn natürlicherweise tun würde, um zu stehen, zu gehen, Velo zu fahren, zu schwimmen», erklärt Courtine auf der Webseite der ETH Lausanne.

Das Implantat ist mit einem Schrittmacher verbunden, der im Bauch des Patienten sitzt und mit einem Tablet von aussen gesteuert wird. Das Tablet kommuniziert wiederum mit zwei Knöpfen, die am Rollator der gelähmten Person befestigt sind. Wird jener für die rechte Seite betätigt, entsteht ein Impuls für diese Muskelgruppen. Gepaart mit einem Befehl aus dem Gehirn, kann die gelähmte Person mit diesem Bein einen Schritt machen.

Auf dem Video ist zu sehen, wie Roccati mithilfe dieser Vorrichtung alleine an einem Rollator gehen kann. Zurzeit schaffe er so eine Strecke von 500 Metern. Bis im Sommer will der Studienteilnehmer einen ganzen Kilometer gehen können.

Erste Ergebnisse vor drei Jahren

Bereits vor drei Jahren präsentierte dasselbe Forscher-Team die Ergebnisse ihrer experimentellen Therapie. Damals zeigten sie die Fortschritte ihrer Methode am Studienteilnehmenden David Mzee, der nicht ganz querschnittgelähmt ist. Auch er konnte zeitweise vom Rollstuhl aufstehen und bis zu einem Kilometer am Rollator hinterlegen.

Die Weiterentwicklung des Implantats funktioniere präziser und könne besser auf die individuellen Bedürfnisse der gelähmten Person angepasst werden. So, dass Courtine und sein Team nun bereit wären, die Therapie für den grossflächigen Einsatz zu entwickeln. Um die Behandlung für Patienten auf der ganzen Welt verfügbar zu machen, arbeite man mit der Firma Onward Medical zusammen. Wie lange dieser Prozess dauern wird, ist aber noch unklar.

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«Ich will alles! Die erschütternden Tiefs, die berauschenden Hochs und das Sahnige dazwischen» – diese Worte einer amerikanischen Kult-Figur aus dem TV sprechen mir aus der Seele. Deshalb praktiziere ich diese Lebensphilosophie auch in meinem Arbeitsalltag. Das heisst für mich: Grosse, kleine, spannende und alltägliche Geschichten haben alle ihren Reiz – besonders wenn sie in bunter Reihenfolge daherkommen. 


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