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Schluss mit Spam-Anrufen: Parlament beauftragt Bundesrat mit Massnahmen

Vorgetäuschte Schweizer Nummern ermöglichen Betrug. Neue Regeln sollen Anbieter zu strengeren Kontrollen und mehr Sicherheit verpflichten.

Telefonbetrug mit manipulierten Schweizer Nummern ist zur regelrechten Plage geworden. So sehr, dass es nun einen verbindlichen und konkreten Massnahmenkatalog dagegen geben soll. National- und Ständerat haben vergangene Woche unter anderem eine Motion von Mitte-Nationalrat Martin Candinas angenommen. Diese verpflichtet den Bundesrat zu zusätzlichen Massnahmen gegen sogenanntes Spoofing. Ziel ist es, regulatorische, aber vor allem technische Lücken zu schliessen, die Betrüger derzeit ausnutzen.

Was ist Spoofing?

Anders als beim typischen anonymen Callcenter-Anruf verändern Anrufer beim Spoofing gezielt die angezeigte Telefonnummer. Dadurch erscheint auf deinem Display eine andere, vermeintlich vertrauenswürdige Nummer. Häufig handelt es sich um Schweizer Festnetz- oder Mobilnummern, teilweise sogar um reale Anschlüsse von Unternehmen oder Privatpersonen. Diese haben mit dem Anruf aber gar nichts zu tun (über ein erschreckendes Beispiel berichtete die Luzerner Zeitung im Januar). Dahinter stecken Betrüger oder besonders aggressive Callcenter.

Wie ist das möglich? Technisch basiert das Problem auf Schwächen in der internationalen Telefonie, insbesondere bei VoIP-Verbindungen. Die übermittelten Rufnummern lassen sich relativ einfach manipulieren, wenn sie nicht durchgehend verifiziert werden. Da viele Anrufe über ausländische Netze laufen, greifen Schweizer Schutzmechanismen nur eingeschränkt.

Die Folge: Betrüger können sich als Polizei, Bank oder Behörde ausgeben und so gezielt Vertrauen aufbauen. Ziel ist es meist, dich zu Zahlungen zu bewegen oder Zugangsdaten zu erschleichen.

Mehrere Millionen gefilterte Anrufe in der Schweiz – zu wenig

Telekommunikationsanbieter in der Schweiz filtern bereits heute einen grossen Teil dieser Anrufe. Nach eigenen Angaben blockieren sie monatlich Millionen Verbindungen, die als verdächtig oder eindeutig betrügerisch eingestuft werden.

Trotz dieser Filter erreichen die Nutzerinnen und Nutzer weiterhin zahlreiche Anrufe. Das liegt unter anderem daran, dass sich die verwendeten Nummern ständig ändern und neue technische Wege genutzt werden, um bestehende Schutzmechanismen zu umgehen.

National- und Ständerat sind sich beim Spoofing einig.
National- und Ständerat sind sich beim Spoofing einig.
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Mit der angenommenen Motion verlangt das Parlament nun zusätzliche, verbindliche Massnahmen. Im Zentrum steht die Verpflichtung der Anbieter, Systeme zur Authentifizierung von Telefonnummern einzusetzen. Diese sollen sicherstellen, dass eine angezeigte Nummer tatsächlich aus dem Netz stammt, dem sie zugeordnet ist. Fehlt eine solche Bestätigung oder fällt sie negativ aus, sollen Anrufe blockiert oder zumindest klar gekennzeichnet werden.

Eine weitere Massnahme ist seit dem 1. Januar bereits in Kraft – der sogenannte Spoofing-Filter. Telekom-Anbieter sollen systematisch erkennen, wenn beispielsweise ein Anruf einer Schweizer Nummer ihren Ursprung in einem ausländischen Netz hat. Solche Verbindungen sollen gar nicht erst zugestellt werden.

Um dies zu vereinfachen, müssen sogenannte Transitanbieter Anrufe kennzeichnen, die aus dem Ausland kommen, aber eine Schweizer Nummer haben. Erst dann dürfen sie sie an den hiesigen Telefonanbieter weiterleiten. Das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) berichtet von positiven Resultaten aus Österreich, wo diese Massnahme bereits länger angewandt wird und offenbar zu einem starken Rückgang solcher Anrufe geführt hat.

Bundesrat muss nun handeln

Mit der klaren Zustimmung in beiden Kammern liegt die Umsetzung nun beim Bundesrat. Er muss konkrete Vorschläge erarbeiten, wie die geforderten technischen Standards und regulatorischen Anpassungen umgesetzt werden können.

Dabei geht es auch um die Abstimmung mit internationalen Standards und die Zusammenarbeit mit ausländischen Netzbetreibern. Da ein grosser Teil der betrügerischen Anrufe aus dem Ausland stammt, hängt die Wirksamkeit der Massnahmen stark von solchen Kooperationen ab. Bis ein konkreter Vorschlag in die Vernehmlassung geht, dürfte es noch einige Monate dauern.

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Seit ich herausgefunden habe, wie man bei der ISDN-Card beide Telefonkanäle für eine grössere Bandbreite aktivieren kann, bastle ich an digitalen Netzwerken herum. Seit ich sprechen kann, an analogen. Wahl-Winterthurer mit rotblauem Herzen.


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