Produkttest

RingConn Gen 3 verfolgt den Blutdruck und vibriert – was bringt das?

Die dritte Generation des Smartrings von RingConn hat eine längere Akkulaufzeit und neue Funktionen wie Blutdruck-Nachverfolgung – alles ohne Abo. Damit verdient sich das Gadget im Test die Bestnote.

Zwei neue Funktionen haben ordentlich für Aufregung gesorgt in der Community. Mit der dritten Generation des Smartrings von RingConn kann ich den Blutdruck nachverfolgen – und er vibriert bei wichtigen Mitteilungen oder wenn der Akkustand tief ist. Fast zwei Monate lang habe ich den RingConn Gen 3 getestet und beide Neuerungen genau unter die Lupe genommen – auch wenn der Ring noch ganz andere Stärken hat.

Den Blutdruck mitverfolgen

«Gefässgesundheitstrends auf einen Blick» nennt der Hersteller die Blutdruck-Funktion auf der Webseite – zu Recht sperrig formuliert. Denn der Ring ist kein Medizinalprodukt. Er kann den Blutdruck nicht messen, sondern nur Veränderungen nachverfolgen. Und das Schmuckstück ersetzt auf keinen Fall ein richtiges Blutdruck-Messgerät.

Mehr noch: Ohne Blutdruckmessgerät ist die Funktion gar nicht nutzbar. Denn der Ring nutzt optische Sensoren, um Veränderungen in den Gefässen zu erkennen. Dafür braucht es einen Referenzwert. Schalte ich die «Blutdrucktrends» in der App ein (dort formuliert RingConn weniger zurückhaltend), dann muss ich zum Beginn innert 24 Stunden dreimal meinen Blutdruck mit einem externen Gerät messen und die Werte eingeben.

Alle 30 Tage motiviert die App, erneut Werte extern zu messen und einzugeben. So soll das Ergebnis präziser sein. Die Blutdruck-Nachverfolgung funktioniert aber auch ohne die monatliche Kalibrierung.

Im zweimonatigen Test habe ich das wie gefordert in der Mitte einmal gemacht – aber viel öfter meinen Blutdruck mit den Werten in der App verglichen. Das Ergebnis ist erfreulich: Ich habe keine signifikanten Unterschiede zwischen den manuell gemessenen und den vom Ring angegebenen Werten gefunden.

In der App sehe ich den generellen Blutdrucktrend und detailliertere Werte.
In der App sehe ich den generellen Blutdrucktrend und detailliertere Werte.

In der App kann ich das unter «Blutdrucktrends» nachschauen. Als Hauptwert sehe ich eine Kategorisierung: Bei «stabil» leuchtet er grün, bei «gering» (also geringen Veränderungen) gelb und bei «deutlich» rot. Sollte der Ring deutliche Veränderungen feststellen, schickt er eine Warnmeldung.

Der Ring überprüft den Blutdruck alle 30 Minuten. Diese Werte sehe ich in einer Kurve dargestellt. Zusätzlich gibt es Durchschnittswerte nachts und tagsüber – und jeweils den neuesten Wert. Ich kann auch jederzeit auf Knopfdruck eine «Messung» starten.

Klar: Wer vom Arzt den Auftrag erhält, regelmässig den Blutdruck zu überprüfen, der darf sich nicht auf den Ring verlassen. Dafür ist das Gadget nicht gemacht – und nicht zertifiziert. Hilfreich ist die Nachverfolgung für all jene, die ihn nicht regelmässig messen. Gibt es Veränderungen, kann ich schneller reagieren, als wenn der Blutdruck nur alle ein oder zwei Jahre beim Arzt gemessen wird.

Im Unterschied zu einigen Smartwatches, die ebenfalls die optischen Sensoren zur Blutdruck-Nachverfolgung einsetzen, aktiviert sich der Ring automatisch alle 30 Minuten.

Der Ring kann mit den optischen Sensoren Veränderungen beim Blutdruck feststellen.
Der Ring kann mit den optischen Sensoren Veränderungen beim Blutdruck feststellen.

Sehr diskretes Vibrieren mit ungenutztem Potenzial

Wegen des Blutdrucks hat sich der Ring in meinem Test zum Glück nicht gemeldet. Aber mehrmals wegen Kopfweh-Gefahr, welche die Software aus Herzfrequenzvariabilität, Stress-, Schlaf- und Erholungsdaten sowie lokalen Wetterdaten berechnet. In dem Fall vibriert der Ring kurz und ich erhalte eine Pushmeldung auf dem Smartphone. Diese Benachrichtigung ist spürbar, aber sehr diskret. Für mich etwas zu diskret, ich habe mindestens einmal die sanfte Vibration verpasst, weil ich gerade irgendwo unterwegs war.

Spürbarer ist die doppelte Vibration, sobald der Akku weniger als 20 Prozent geladen ist. Auch hier bleibt die Benachrichtigung angenehm unauffällig, ich erschrecke nicht.

In der App kann ich zwischen verschiedenen Benachrichtigungen wählen, wie Akku- und Bewegungserinnerungen und Gesundsheitswarnungen. Zusätzlich definiere ich einen Zeitraum, wann sich der Ring gar nicht melden soll – also während meiner Schlafenszeit.

Der Ring vibriert ganz sanft, um mich auf Gesundheitswarnungen hinzuweisen.
Der Ring vibriert ganz sanft, um mich auf Gesundheitswarnungen hinzuweisen.

Was bisher fehlt, sind zusätzliche Vibrations-Features. Etwa, dass der Ring als Wecker dient. Oder dass wichtige Nachrichten so angekündigt werden. Vielleicht liefert der Hersteller das ja mit der Zeit noch per Update nach.

Übrigens: Die Kopfweh-Meldungen waren akkurat – und vor allem frühzeitig. In starken Stresssituationen warnte mich der Ring rechtzeitig, sodass ich einen Gang zurückschalten konnte. Einmal kam die Warnung genau dann, als ich selbst merkte, wie der Schädel zu ziehen begann.

Die Software warnt vor Kopfschmerzen – und kann die Veränderungen nachverfolgen.
Die Software warnt vor Kopfschmerzen – und kann die Veränderungen nachverfolgen.

Vorbildliche Akkulaufzeit von elf Tagen

Dass ich nicht dauernd vibrierende Meldungen erhalte, liegt auch an der langen Akkulaufzeit. Der Hersteller hat diese kontinuierlich gesteigert: Bei der ersten Generation lag sie bei sechs bis sieben Tagen. Die zweite hielt in meinem Test neun Tage durch. Jetzt messe ich im Test etwas über über elf Tage – im Dauerbetrieb mit allen Messungen und regelmässiger Kontrolle der Daten in der App. Ein ausgezeichneter Wert, der genau in der Mitte der Herstellerangaben von 10 bis 12 Tagen liegt. Ohne Vibration lässt sich die Laufzeit übrigens noch um ein bis zwei Tage verlängern.

Der RingConn Gen 3 ist im Vergleich zur zweiten Generation 0,3 Millimeter dicker und ein halbes Gramm schwerer geworden. Im Alltag merke ich davon nichts. Im Gegenteil: Der neue Ring wirkt eleganter, weil er etwas schmaler ist. Insgesamt unterscheidet er sich kaum von einem echten Schmuckstück – und die meisten erkennen nicht, dass ich ein Gadget am Finger trage.

Fünf Farben sind erhältlich: Silber, Gold, Mattschwarz und neu zwei gebürstete Varianten in Silber und Roségold. Ich hatte das gebürstete Silber im Test – obwohl ich sonst eher dunkle Farben mag, gefällt mir diese Variante sehr gut. Sie wirkt elegant, aber nicht aufdringlich. Die Oberfläche schimmert je nach Lichteinfall vollkommen unterschiedlich.

Der Smartring (links) unterscheidet sich kaum von einem normalen Schmuckstück.
Der Smartring (links) unterscheidet sich kaum von einem normalen Schmuckstück.

Der Gen 3 ist in den Grössen 6 bis 15 erhältlich – die grösste Grösse ist neu dazugekommen. Ich trage dieselbe Grösse wie bei den Vorgängern: die 11 auf dem Mittelfinger. Falls du unsicher bist oder noch nie einen Smartring hattest: Unbedingt das Sizing-Kit bestellen. Das ist gut investiertes Geld.

Neu ist auch das Ladecase, das für alle Ringgrössen taugt. Es hat einen Akku integriert und lädt den Ring auch ohne Stromanschluss zehn bis zwölf Mal auf. Das hochwertige Case liegt bereits im Lieferumfang – bei anderen Herstellern kostet es 80 bis 100 Franken oder Euro extra.

Das Case hat einen Akku integriert und kann den Ring über zehn Mal aufladen.
Das Case hat einen Akku integriert und kann den Ring über zehn Mal aufladen.

Software laufend ausgebaut – weiter ohne Abo

Der Hersteller hat laut eigenen Angaben auch die Sensoren im Ring erneuert. Im Test merke ich davon nichts – weder im positiven noch im negativen Sinn. Dort, wo ich vergleichen kann, messen die Sensoren wie bei den Vorgängern sehr präzise.

Das sehe ich zum Beispiel beim Schlaftracking: Die Einschlafzeit stimmt genau, aber auch die Wachzeiten in der Nacht. Ein Vergleich mit einer Smartwatch ergibt sehr ähnliche Werte. Nur muss diese nach 36 Stunden auf die Ladestation und ist nachts viel unangenehmer zu tragen.

Ich habe auch wieder zweimal 1000 Schritte mit dem Klicker gezählt – und mit dem Resultat des Rings verglichen. Der Gen 3 zählt wie die Vorgänger konstant etwas zu tief, aber im Vergleich zu Smartwatches oder anderen Ringen im Rahmen des Erwartbaren. Die Abweichung beträgt nur 1,5 Prozent.

RingConn hat die Software seiner Ringe kontinuierlich ausgebaut, bleibt aber den Grundprinzipien treu. Es gibt nur die zurückhaltend interpretierten Daten: keine täglichen Briefings oder Ratschläge per Pushmeldung.

Mir gefällt das gut, da ich mir so herauspicken kann, was mich interessiert. Die Auswahl ist gross: Schlaf, Aktivität, Stress, Herzfrequenz, Blutsauerstoffsättigung, Herzfrequenzvariabilität, Atemfrequenz, Hauttemperatur, Schlafapnoe und vieles mehr. Das Design der App ist nüchtern und übersichtlich – ich finde mich problemlos zurecht.

Die App ist übersichtlich und bietet auf Wunsch vertiefte Daten an.
Die App ist übersichtlich und bietet auf Wunsch vertiefte Daten an.

Nach wie vor schneidet der RingConn – wie andere Smartringe – beim Sport nicht ganz so gut ab. Er erkennt zwar automatisch Aktivitäten, ich muss diese aber nachträglich in der App bestätigen, damit sie richtig ausgewertet werden. Oft ordnet das System keine oder die falsche Trainingsart zu, sodass ich eingreifen muss. Immerhin ist die Auswahl an Sportarten gross: weit über 60 Trainings von Gymnastik über Pickleball bis Rollstuhlsport.

Ich kann Sessions auch aktiv aufzeichnen – die Auswahl beschränkt sich aber auf sieben Sportarten: Wandern, Laufen outdoor und indoor, Cycling outdoor und indoor, Rudergerät und Yoga. Eine Sportuhr ersetzt der Ring auf keinen Fall, auch Smartwatches bieten bessere Trackingmöglichkeiten.

Nach wie vor bietet der Hersteller alle Softwarefunktionen ohne Abo an. Das ist vorbildlich – und für mich der bessere Deal als die Angebote der Konkurrenz, die bieten teilweise mehr automatisierte Analysen, kosten dafür aber auch monatlich Geld.

Fazit

Der beste Ring bisher im Test

Der RingConn Gen 3 sieht unauffällig aus, hat eine lange Akkulaufzeit und kommt mit einer praktischen Ladebox. Er misst Aktivitäten, Schlaf und Erholung zuverlässig. Die Bedienung ist durchdacht, die App übersichtlich, aber eher schlicht. Alle Funktionen sind ohne Abo im Kaufpreis inklusive.

Zwei neue Funktionen hat der Hersteller integriert: Ich kann Blutdruckveränderungen mitverfolgen, wenn ich den Ring mit einem konventionellen Messgerät kalibriere. Zudem vibriert das Schmuckstück bei Gesundheitswarnungen und wenn die Batterie nachlässt. Schade, dass ich dieses Feature vorerst nicht auch für wichtige Benachrichtigungen oder als Wecker nutzen kann.

Pro

  • hochwertig und schick
  • elf Tage Akkulaufzeit und mehr
  • kein Abo
  • grosser Funktionsumfang
  • übersichtliche App

Contra

  • Vibration eingeschränkt nutzbar
  • Blutdruck-Feature erfordert separates Messgerät
Produktbild RingConn Smart Ring Gen 3 (8, Black)
Produktbild RingConn Smart Ring Gen 3 (8, Black)
Produktbild RingConn Smart Ring Gen 3 (8, Black)
Produktbild RingConn Smart Ring Gen 3 (8, Black)
Produktbild RingConn Smart Ring Gen 3 (8, Black)
Produktbild RingConn Smart Ring Gen 3 (8, Black)
Produktbild RingConn Smart Ring Gen 3 (8, Black)
Produktbild RingConn Smart Ring Gen 3 (8, Black)
Produktbild RingConn Smart Ring Gen 3 (8, Black)
Produktbild RingConn Smart Ring Gen 3 (8, Black)
Produktbild RingConn Smart Ring Gen 3 (8, Black)
Smart Ring
Neu
CHF369.–

RingConn Smart Ring Gen 3

10 Grössen

Dieser Artikel gefällt noch niemandem.


User Avatar
User Avatar

Gadgets sind meine Passion – egal ob man sie für Homeoffice, Haushalt, Smart Home, Sport oder Vergnügen braucht. Oder natürlich auch fürs grosse Hobby neben der Familie, nämlich fürs Angeln.


Smartphone
Folge Themen und erhalte Updates zu deinen Interessen

Smartwatch
Folge Themen und erhalte Updates zu deinen Interessen

Produkttest

Unsere Expertinnen und Experten testen Produkte und deren Anwendungen. Unabhängig und neutral.

Alle anzeigen

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren

1 Kommentar

Avatar
later