Review Turtle Beach Velocity One
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Review Turtle Beach Velocity One

Simon Balissat
Zürich, am 29.12.2021

Turtle Beach liefert ein All-In-One-Paket zur Flugzeugsteuerung – und das mit X-Box Support. Der «Velocity One» macht im Flugsimulator mächtig Spass. Vor allem dann, wenn du gerne mit Einpropeller-Maschinen im Sichtflug unterwegs bist.

Der Hersteller Turtle Beach hat sich vor allem mit Headsets und Controllern einen Namen gemacht. Meine Skepsis war daher gross, als die US-Firma einen Flugsimulator-Controller vorstellte. Können die das? Soviel vorneweg: Ja, sie können das. Der «Velocity One» ist klein, aber oho. Vollgepackt mit Features bietet das Teil zwei POV und zwei HAT Switches, Seitenrudersteuerung über die Trigger-Tasten hinten am Steuerhorn, ein Trimmrad, vier Schubregler und drei Gashebel. Hier wurde nichts dem Zufall überlassen. Das zeigt auch, dass für die zehn belegbaren Knöpfe gleich passende Sticker beigelegt sind, um jede erdenkliche Konfiguration zu beschriften.

Mir fällt sofort auf, wie kompakt das System ist. Zusammengesteckt ist der Controller nicht breiter als Tastatur und Maus. Perfekt für die engen Verhältnisse im Homeoffice auf meinem zugemüllten mit wichtigen Unterlagen gedeckten Tisch. Flughorn und Schubregler liessen sich auch trennen, wobei nur das Steuerhorn mit einem beigelegten Sechskant mit Metallklammern festgeschraubt werden kann. Das hält felsenfest an der Tischplatte. Der restliche Controller ist aus Kunststoff, wirkt aber sehr solide verarbeitet. Im Gegensatz zur Konkurrenz von Logitech ist der «Velocity One» viel weniger klapprig. Den Logitech Controller habe ich im ersten «Flight Simulator» Stream im letzten Jahr benutzt.

Der Sechskant und die Schrauben verstecken sich unter einer Abdeckung.
Der Sechskant und die Schrauben verstecken sich unter einer Abdeckung.

Updaten und abheben

Beim ersten Start zieht sich die Treibersoftware gleich einmal ein Update, dann kann ich direkt loslegen im «Flight Simulator». Gleich drei Profile sind vorinstalliert. Sie müssen nur im Display angewählt und dann im Flugsimulator entsprechend ausgewählt werden. Schon funktioniert alles. Langes Konfigurieren entfällt. Vor allem das Trimmrad macht genau das, was es soll. Mein virtuelles Flugzeug fliegt damit innert Sekunden geradeaus, feinste Anpassungen gelingen ohne Probleme. Ebenfalls erwähnenswert sind die Triggertasten, die standardmässig als Seitenruder konfiguriert sind. Damit kannst du dir Ruderpedale sparen. Konsequenterweise sind die Bremsen, die du im echten Cockpit oder bei anderen Steuerungs-Controllern mit den Füssen betätigen würdest, direkt über den Triggern auf Buttons konfiguriert. Sehr clever.

Vom X-Box Controller entlehnt sind Trigger und Bumper.
Vom X-Box Controller entlehnt sind Trigger und Bumper.

Für Schub sorgen entweder vier Schubregler oder Zughebel, wie sie in Propellermaschinen oft zum Einsatz kommen. Vor allem die Zughebel machen richtig Spass und lassen mich mit meiner Cessna 172 voll eintauchen. Sichtflug mit einer einmotorigen Propellermaschine – dafür ist dieser Controller erschaffen worden. Auf dem Display lässt sich nämlich bequem eine Stoppuhr einblenden, die dir bei deinen Buschflügen hilft, die Distanzen abzuschätzen. Mit einem ausgedruckten Flugplan und einer Karte auf deinem Tablet ist die Illusion perfekt. Dazu trägt das Steuerhorn bei, das sich in alle Richtungen angenehm drehen, ziehen und stossen lässt. Andere Reviews haben bemängelt, dass die Steuerung teilweise zu hart sei. Das konnte ich nicht feststellen.

Schub, Propeller und Gemisch lassen sich mit Ziehreglern bedienen, und ich will sie nicht mehr hergeben.
Schub, Propeller und Gemisch lassen sich mit Ziehreglern bedienen, und ich will sie nicht mehr hergeben.

Nichts für Jet-Liebhaber

Ein echtes Problem sind jedoch die vier Schubregler, die zu wenig Widerstand bieten. Oft habe ich aus Versehen einen Regler berührt, der mir dann sofort nach oben oder unten ausgerissen ist. Erfahrungsgemäss wird sich das über Zeit eher noch verschlechtern, wenn die Mechanik ausleiert. Aufgefallen ist mir zudem, dass die Regler zwar am unteren Ende noch einen Klick haben, sich dieser aber nicht konfigurieren lässt, etwa um den Umkehrschub zu betätigen. Ob sich das mit einem Update beheben lässt, ist unklar. Für mich eignet sich der «Velocity One» daher nur bedingt für den Einsatz in Jets. Auch weil er «nur» zehn frei konfigurierbare Tasten bietet. Autopilot oder Bordcomputer lassen sich damit nicht clever konfigurieren. In meinem Fall sind die Buttons mit den verschiedenen Lichtern, Parkbremse, Fahrgestell und dem Master Autopiloten schnell besetzt.

Genie und Wahnsinn liegen dicht beieinander: links das perfekte Trimmrad, rechts die missratenen Schubregler.
Genie und Wahnsinn liegen dicht beieinander: links das perfekte Trimmrad, rechts die missratenen Schubregler.

Erwähnen will ich hier noch die Anzeigen, die sich am Steuerhorn befinden und eigentlich Fehlermeldungen und Warnungen anzeigen sollten. Sie haben bei mir noch nicht funktioniert. Turtle Beach sagt aber, das käme mit einem nächsten Firmware Update.

Fazit

Der «Velocity One» ist der perfekte Controller für Leute, die wenig Platz auf ihrem Tisch haben und trotzdem auf nichts verzichten wollen. In einem kompakten Gerät ist alles untergebracht, was du brauchst, um abheben zu können. Vor allem das Trimmrad und die Zugregler sind ein echter Mehrwert, auch die Rudersteuerung über die Triggertasten ist clever gelöst. Bist du mit dem Fliegen durch, ist der Controller einfach zu demontieren und verschwindet bis zum nächsten Flug im Schrank. Weniger toll sind die Schubregler, die sich viel zu leicht verstellen lassen. Kritikwürdigt ist ausserdem, dass die Warnlichter noch nicht funktionieren. Wer weniger mit Jets und mehr mit einmotorigen Maschinen unterwegs ist, macht mit dem Kauf keinen Fehler. Auf der X-Box gibt es im Moment sowieso keine Alternativen. Auf dem PC ordne ich diesen Controller zwischen dem teureren Honeycomb und dem günstigen Saitek System ein und genau das erfüllt der «Velocity One» perfekt.

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Simon Balissat
Simon Balissat

Editor, Zürich

Als ich vor über 15 Jahren das Hotel Mama verlassen habe, musste ich plötzlich selber für mich kochen. Aus der Not wurde eine Tugend und seither kann ich nicht mehr leben, ohne den Kochlöffel zu schwingen. Ich bin ein regelrechter Food-Junkie, der von Junk-Food bis Sterneküche alles einsaugt. Wortwörtlich: Ich esse nämlich viel zu schnell.

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