Nano, TitanShield oder Folie: Phone-Displayschutz im Test

Dominik Bärlocher
Zürich, am 20.11.2017
Bei der Ausmusterung von Ersatz-Phones hat Melanie Anna Lee zum Test gerufen. Die Frage: Wie schützt du dein Display am besten – mit einem TitanShield, einem Nano Coating oder einer Schutzfolie? Sie geht dem nach.

«Hey, wir können endlich Schutzfolien und so testen», sagt mir Customer Care Representative Melanie Anna Lee im Gespräch. Der Grund: Im Zürcher Shop wird die Flotte an Ersatz-Phones ersetzt. Wenn du dein Haupt-Smartphone zur Reparatur einschicken musst, dann kannst du nicht einfach ohne Natel dastehen. Darum haben die Shops je eine kleine Flotte an Phones. Alle paar Jahre werden die ausgemistet. Die Geräte mit Macken, kaputten Akkus oder sonstigen Schäden werden recycelt und ersetzt. Melanie hat einen Karton mit neun alten Wiko-Geräten vor sich und meint, dass wir endlich die Folien testen können.

«Endlich?» frage ich. Weil von so einem Test weiss ich gar nichts.

Sie erklärt die Situation: Sie bekomme im Shop so viele zersprungene Bildschirme gezeigt. Daher wisse sie, dass eine Schutzfolie viel Ärger ersparen kann. «Darum empfehle ich allen eine Folie und/oder ein Case.»

«Ich schau mal, ob wir das hinkriegen», sage ich. Melanie nimmt das als «Ja» auf und stellt mir neun alte Wikos auf den Tisch. Ja gut, dann müssen wir halt. Video Producer Manuel Wenk ist da gerne dabei. Er als freizeitlicher Extremsportler macht sich auch Sorgen um sein Display. Die alten Wiko Highway Stars werden also vor der Recycling-Tonne noch einmal so richtig hart rangenommen.

Unser Test-Setup sieht so aus: Wir haben vier alte Wiko Highway Stars, einen Krug Wasser und einen Werkzeugkasten. Dazu folgende Folien.

Zwei Folien werden aufgeklebt. Die Nanobeschichtung besteht scheinbar aus einem feuchten Tuch. «Das kannst du mit einem Brillenputztuch vergleichen, einfach, dass es dein Phone einschmiert und einen unsichtbaren Film darauf zurücklässt», sagt Melanie. Sie macht vorsichtshalber nochmal die Runde und stellt sicher, dass jeder Fleck des Displays eingerieben ist. Danach folgen zehn Minuten Trocknungszeit. Der Hersteller empfiehlt 20 Minuten, uns im Studio ist das aber egal.

Ein Wiko lassen wir zum Vergleich unbehandelt. Es wird so getestet, wie es aus der Kiste kommt. Diesem Gerät geben wir keine hohen Überlebenschancen.

Es wird nass

Ein Krug Wasser, eine leichte Erhöhung und Melanie vor der Kamera. Nachdem wir uns vergewissert haben, dass die Steckerleiste der Studio-Scheinwerfer nicht im Abtropfbereich des Wassers sind, macht sie sich ans Werk.

«Soll ich jetzt einfach so Wasser drüberschütten?» fragt sie.

«Ja, ich sehe nicht, was dagegen spricht», sage ich. Manuel blickt mehr oder weniger gleichzeitig auf das Display seines Handys, mit dem er einen Live Feed der Overhead-Kamera einfängt und das Display der Zweitkamera.

Aber ehrlich gesagt: Dagegen spricht viel. Wir alle kennen das. Sobald dein Smartphone nur schon in der Nähe eines Tropfens Wasser kommt, machst du dir Sorgen. Bestimmt implodiert das Teil gleich, geht in Flammen auf und du kannst keine WhatsApp-Messages mehr schreiben. Diese Sorge hast du schon seit Jahren und auch wenn Smartphones mittlerweile wasser- und staubdicht sind, hast du dir schon seit deiner Kindheit Sorgen um «Elektronik plus Wasser» gemacht. Diesem Instinkt beizukommen, ist schwierig.

Melanie giesst los.

Das Resultat: Auf allen vier Highway Stars perlt das Wasser ab. Einzig bei einer etwas hervorstehenden Kante bei dem DiamondProtected Phone sammelt sich Wasser an. Das unbehandelte Phone schlägt sich erstaunlich gut.

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Der Giesstest

Wie schlagen sich die Phones gegen Kratz-Angriffe?

Du kennst das: Du bekommst an der Kasse 2.65 Franken Retourgeld. Anstatt es feinsäuberlich ins Münzfach deines Portemonnaies zu tun, lässt du es kurz in der Hosentasche verschwinden. Dort wo dein Phone ist. Ratsch. Kratzer im Display.

Darum schnappt sich Melanie einen Fünfliber und macht sich an den Handys zu schaffen.

Zuerst versucht sie einmal anständig drüber zu kratzen. Nichts passiert. Bei allen vier Phones gibt sich das Display unbeeindruckt. Dazu muss aber gesagt werden, dass die Flotte Ersatz-Phones in der Regel so ausgesucht wird, dass sie besonders widerstandsfähig ist. Klar, gibt sich auch das unbehandelte Phone #4 vom Batzen wenig beeindruckt.

Es wird härter. Melanie drückt den Fünfliber aufs Display und beginnt hin- und herzureiben. Drei der vier Phones geben sich unbeeindruckt. Einzig die Xqisit-Folie wird in Mitleidenschaft gezogen. Melanie entfährt ein «Oha». Nachdem der erste Schrecken sich verzogen hat, untersucht Melanie den Schaden.

«Easy, ist nur die Folie», sagt sie. Das Display unter der Folie ist heil. Wenn dir das im Alltag so passieren würde, dann könntest du einfach die Folie abziehen, eine neue kaufen und dann wieder mit einer Handvoll Münz in der Tasche tanzen gehen.

Melanie sticht zu

Zum Schluss will die Kundenberaterin noch die Stosssicherheit der Folien testen. Aus Erfahrung weiss sie, dass das unbehandelte Phone einiges aushält. Aber die Folien darauf?

Melanie plus Schraubenzieher plus Handy gleich?
Melanie plus Schraubenzieher plus Handy gleich?

«Nur weil die Wikos fast bombensicher sind, heisst das nicht, dass alle Phones so stabil sind», sagt Melanie. Sie fragt, ob wir mal was Cooles sehen wollen, grinst breit, nimmt Phone #4 in die Hand und haut es mit voller Kraft, Display voran, in die Ecke des Tisches. Manuel und ich sind etwas erstaunt.

«Ach, das macht denen nichts», sagt sie, «Schau!» Tatsächlich ist dem Ding nichts anzusehen. Das Display springt noch an, kein Kratzer, kein Sprung, gar nichts.

Also härtere Geschütze.

«Kreuz oder flach?» frage ich.

«Kreuz», antwortet die Deutsche mit dem tätowierten Arm und ich gebe ihr einen Schraubenzieher aus dem Werkzeugkasten, den ich vorher im Do-it-Product-Management-Büro habe mitgehen lassen.

Sie überlegt, ob sie nochmals einen Kratzversuch starten sollte. Aber dann macht sie einen auf Killer, hält den Schraubenzieher wie ein Messer und sticht auf die Phones ein. Einmal, zweimal, mehrfach. Im Studio hallt jeder Schraubenzieherstich.

Phone #1 mit dem DiamondProtect Nano Coating überrascht. Bisher hat sich das Phone nicht wirklich von der Konkurrenz unterschieden. Bisher haben wir keinen nennenswerten Unterschied zwischen Nano Coating und gar nichts festgestellt. Weder vom Sehen her noch vom Effekt her. Jetzt aber schon.

Nach etwa drei harten Stichen mit dem Schraubenzieher bricht das Display des unbehandelten Phones. Melanie sticht nun auf das Nano-Phone ein. Nichts. Die Beschichtung und das Display halten. Der Hersteller des Nano Coatings, DiamondProtect, verspricht auf der Packung, dass durch Reiben eines Lappens auf einem sauberen Display das Display bis zu 600 Prozent härter wird, sturzsicherer und alles. Vor diesem Test dachten wir, dass das stark nach Unsinn klingt. Jetzt aber nicht mehr.

Das Resumée

Die Sauerei ist aufgeputzt, Melanie sitzt auf dem Hocker im Studio. Fazit? Schwierig sei das, sagt sie, schaut sich die ramponierten Wikos an, die sie hunderte Male an Kunden weitergegeben hat und die jetzt in die ewigen Jagdgründe gehen. Die Folie, die schon beim Kratzen aufgegeben hat, sei eigentlich ganz gut, weil sie günstig und einfach zu ersetzen sei.

Das TitanShield sei einfach ein Bollwerk von einem Schutzmechanismus, halte so ziemlich alles aus, mache das Phone aber etwas klobiger. Da gewöhne sich ein Nutzer aber extrem schnell dran, sagt Melanie, die auf ihrem privaten Handy auch ein TitanShield montiert hat.

«Tja, was kann ich da schon gross sagen», seufzt sie, «Okay, vielleicht das: Displayschutz hilft definitiv.» Sie blickt zum Werkzeugkasten.

«Kann ich mal schnell einen Hammer haben?»

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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