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Mit Zunge und Stimme den Computer bedienen

Kim Muntinga
24.7.2026

Was wie Science-Fiction klingt, gibt es jetzt zu kaufen: Mit einer unscheinbaren Apparatur am Gaumen steuerst du Computer und Smartphone allein mit deiner Zunge – entwickelt für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.

Eine Maus bedienen, ohne die Hände zu bewegen: Das ermöglicht das MouthPad des US-Unternehmens Augmental. Die maßgefertigte Apparatur sitzt wie eine transparente Zahnspange im Mund und erkennt Bewegungen deiner Zunge. Damit steuerst du den Mauszeiger, klickst oder scrollst.

Augmental hatte das MouthPad bereits 2024 auf der CES vorgestellt und seitdem im Rahmen eines Early-Access-Programms angeboten. Nun startet der reguläre Verkauf in den USA. Gedacht ist das System vor allem für Menschen, die ihre Hände nur eingeschränkt oder gar nicht bewegen können, etwa aufgrund einer Querschnittlähmung oder ALS.

Ein Trackpad am Gaumen

Das MouthPad sitzt an den oberen Zähnen und bedeckt einen Teil des Gaumens. In der Mitte befindet sich ein druckempfindliches Touchpad, das du mit der Zungenspitze bedienst. Zungenbewegungen steuern den Mauszeiger, Druck löst einen Klick aus. Zusätzliche Sauggesten können weitere Eingaben auslösen, etwa einen Rechtsklick. Alternativ erkennt das System Kopfbewegungen.

Die zweite Generation unterstützt frei belegbare Zungengesten und Tastenkombinationen. Auch die in vielen PC-Spielen verwendete WASD-Steuerung lässt sich auf das Touchpad legen. Eine App erlaubt dir, Empfindlichkeit, Druckstärke sowie Zeiger- und Scrollgeschwindigkeit anzupassen.

Das MouthPad verbindet sich per Bluetooth mit Computern, Smartphones und Tablets. Eine Akkuladung soll laut Augmental für mehr als sieben Stunden reichen. Geladen wird das Gerät in einem mitgelieferten Etui.

Da Zahnstellung und Mundraum individuell sind, fertigt Augmental jedes MouthPad nach einem 3D-Scan des Oberkiefers an. Diesen musst du bei einer Zahnarztpraxis oder einem geeigneten Anbieter erstellen lassen. Der Scan kostet nach Herstellerangaben üblicherweise zwischen 50 und 150 US-Dollar.

Das MouthPad selbst kostet 1400 Dollar. Zwei Exemplare für dieselbe Person bietet Augmental für 1900 Dollar an. Die Herstellung und Auslieferung kann bis zu sechs Monate dauern. Der reguläre Verkauf beschränkt sich zunächst auf die USA. Ein Termin für Europa steht noch nicht fest.

Vox nimmt leise Sprache auf

Parallel zum Verkaufsstart präsentiert Augmental das Mikrofon Vox. Du trägst es wie einen Hals-Anhänger direkt auf der Haut. Statt hauptsächlich den Schall im Raum aufzunehmen, erfasst es die über den Körper übertragenen Vibrationen deiner Stimme.

Dadurch soll Vox auch leises Sprechen und teilweise Flüstern erkennen, während Umgebungsgeräusche weniger stark in der Aufnahme landen. Augmental sieht mögliche Einsatzorte deshalb in Büros, Bibliotheken oder Cafés. Vollständig lautlos arbeitet das System allerdings nicht. Menschen in deiner unmittelbaren Nähe können dich weiterhin hören.

Eine Taste startet und beendet die Aufnahme. In Kombination mit dem MouthPad kannst du sie auch per Zungengeste auslösen. Das MouthPad übernimmt dann die Maussteuerung, während Vox gesprochene Sprache über die verwendete Software in Text umwandelt.

Vox wiegt inklusive Trageband elf Gramm und misst 35 × 37 × 12 Millimeter. Der Akku soll bei aktiver Aufnahme zwei Stunden und im Bereitschaftsbetrieb 14 Stunden durchhalten. Die zugehörige App steht während der Betaphase nur für macOS und iOS zur Verfügung. Für Telefonate oder Videokonferenzen ist das Gerät nicht vorgesehen.

Betaversion startet Ende 2026

Augmental bietet Vox zunächst für 200 Dollar an. Die Betaversion soll noch im Laufe dieses Jahres ausgeliefert werden. Die Einnahmen aus der ersten Charge will das Unternehmen verwenden, um MouthPads für Menschen zu finanzieren, die sich das Eingabegerät nicht leisten können.

Titelbild: Augmental

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