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Drama um «Subnautica 2»: Gefeuerte Entwickler und Publisher ziehen vor Gericht
von Debora Pape

Ein spektakuläres Gerichtsurteil fällt zugunsten der gefeuerten «Subnautica»-Manager. Der Publisher Krafton habe Gründe erfunden, um die Kündigungen zu rechtfertigen und eine schnelle Veröffentlichung von «Subnautica 2» zu verhindern.
So groß die Vorfreude auf «Subnautica 2» bei den Fans ist, so groß ist auch das Drama im Hintergrund. Seit Monaten waschen der südkoreanische Publisher Krafton und die Ex-Manager von Unknown Worlds, dem Entwicklerstudio von «Subnautica», ihre schmutzige Wäsche teils vor Gericht, teils öffentlich. Nun hat der Delaware Chancery Court, ein US-Gericht, dem entlassenen ehemaligen Geschäftsführer Ted Gill vollumfänglich Recht gegeben und ordnet seine Wiedereinsetzung an.
Stein des Anstoßes war, dass Krafton im Juli 2025 überraschend die Studio-Gründer Charlie Cleveland und Max McGuire sowie den CEO Ted Gill vor die Tür setzte. Damit einher ging die Verschiebung des Early-Access-Release-Termins für «Subnautica 2» von 2025 ins Jahr 2026.
Krafton hatte Unknown Worlds 2021 aufgekauft und kann dort deswegen personelle Entscheidungen treffen. So dachte das Unternehmen jedenfalls. Das Gericht sieht das anders und urteilte, dass die Kündigung unrechtmäßig war. Und nicht nur das: Krafton habe nachträglich Gründe erfunden, um den Rauswurf der drei Manager zu rechtfertigen, so die Richterin. Durch die Kündigung wollte Krafton die Kontrolle über die Veröffentlichung von «Subnautica 2» übernehmen.
Die Richterin legte nun fest, dass der gefeuerte Ex-CEO Ted Gill umgehend wieder als Geschäftsführer von Unknown Worlds einzusetzen sei und die volle operative Leitung zurückzuerhalten habe. Krafton darf weder Gills Arbeit noch den geplanten Launch behindern. In einem späteren Prozess wird über mögliche Schadensersatzansprüche gegenüber Krafton verhandelt werden.
Das ist ein schwerer Schlag für Krafton – aber ein gerechter, sofern die Schlussfolgerungen des Gerichts korrekt sind.
Im Zentrum des ganzen Elends steht eine millionenschwere Bonuszahlung. Krafton hatte Unknown Worlds bei der Übernahme vertraglich zugesagt, dem Entwicklerteam 250 Millionen US-Dollar auszuzahlen, wenn bis Ende 2025 ein festgelegtes Umsatzziel erreicht wird. Der Release von «Subnautica 2», der für 2025 geplant war, hätte das ermöglicht. «Subnautica 2» ist aktuell auf Steam das am meisten erwartete Spiel.
Die Entlassung der beiden Gründer sei ebenfalls unrechtmäßig erfolgt, ihre Wiedereinsetzung ordnete das Gericht aber nicht an. Sie hätten bei der Entwicklung des Spiels nur eine untergeordnete Rolle gespielt.
Das Gericht folgt in seinem Urteil dem Vorwurf der ehemaligen Manager, dass Krafton die Bonuszahlung mit allen Mitteln umgehen wollte. Kotaku berichtete bereits im November, dass die Ex-Manager entsprechende Dokumente vorlegen konnten, die diese Argumentation untermauern. Krafton-Geschäftsführer Kim Chang-han habe sogar mit ChatGPT nach Lösungen gesucht, wie sich der Bonus umgehen ließe – was sich dank des wasserdichten Vertrags als schwierig erwies. Auf Nachverhandlungen über die Bonushöhe wollte sich Unknown Worlds nicht einlassen.
Daher habe Kim Chang-han mit seinem Head of Global Operations, Richard Yoon, vereinbart, dass sich die Zahlung nur durch die Kontrolle über den Release-Termin von «Subnautica 2» verhindern ließe. In anderen Worten: Wenn Krafton den Termin verschiebt, werden die Umsatzziele nicht erreicht und der Bonus wäre hinfällig. Die Kontrolle über den Release lag aber bei den Studio-Chefs von Unknown Worlds. Also setzte Krafton kurzerhand die Entlassung der drei Manager durch und warf ihnen vor, ihre Arbeit nicht gemacht und ihrerseits die Veröffentlichung von «Subnautica 2» verzögert zu haben.
Das US-Gericht sieht für diese Argumentation keine Beweise. Die Kontrolle über den Release-Termin erhält nun Ted Gill zurück. Auch die Bonuszahlung ist nicht vom Tisch. Das Gericht ordnete an, dass Unknown Worlds jetzt mindestens bis zum 15. September 2026 Zeit bekommt, um die Umsatzziele zu erreichen. Durch die Verschiebung von «Subnautica 2» war es – wie von Krafton mutmaßlich geplant – für das Studio unmöglich geworden, die Bonusfrist zu erfüllen.
Fühlt sich vor dem Gaming-PC genauso zu Hause wie in der Hängematte im Garten. Mag unter anderem das römische Kaiserreich, Containerschiffe und Science-Fiction-Bücher. Spürt vor allem News aus dem IT-Bereich und Smart Things auf.
Vom neuen iPhone bis zur Auferstehung der Mode aus den 80er-Jahren. Die Redaktion ordnet ein.
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