Microsoft löst Problem mit Raspberry Pi: So überhitzt dein Minicomputer so schnell nicht mehr
Review

Microsoft löst Problem mit Raspberry Pi: So überhitzt dein Minicomputer so schnell nicht mehr

Dominik Bärlocher
Zürich, am 24.10.2017
Microsoft hat ein Kühlelement für den Raspberry Pi erfunden. Klingt seltsam. Die Recherche zeigt, das kleine Teil ist instrumental in einem Projekt, das künstliche Intelligenz auf Minicomputer bringen soll. Zudem: Wir passen das Teil auf unsere Kühler an.

Die Schlagzeile, die heute über meinen Newsfeed gelaufen ist, bringt mich zum Schmunzeln: Microsoft hat ein Problem mit dem Raspberry Pi gelöst. Den Grosskonzern Microsoft und das Grassroots-Bastler-Ding Raspberry Pi in einem Satz zu erwähnen, vor allem nach dem Motto «Goliath arbeitet für David», klingt seltsam.

Zuerst das Problem des Raspberry Pi. Ein Raspberry Pi hat einen Sicherheitsmechanismus verbaut, der so funktioniert: Wenn der Prozessor über 85 Grad Celsius heiss wird, schaltet er ab. Damit schützt das Gerät, das selbst keinen aktiven Kühler verbaut hat, sich selbst. Redaktionskollege Philipp Rüegg dazu: «Ich kenne x Leute mit RasPis und keiner hat bisher dieses Problem gehabt.» Auf der anderen Seite ich: «Ist mir schon öfter passiert.»

Die künstliche Intelligenz auf dem kleinen Computer

Der Raspberry Pi ist ein Gerät, das zum Basteln gemacht ist. Daher erstaunt es wenig, dass die Geräte auch ihren Weg in die Büros des Grosskonzerns Microsoft gefunden haben. Es gibt kaum etwas, das ein RasPi nicht kann. Server Tasks erledigt er bis zu einer gewissen Grösse genau so gut wie ein Medienserver oder eine Gamekonsole Marke Eigenbau.

Microsoft aber hat ein wesentlich ambitionierteres Projekt als ein N64-Emulator am Laufen. Sie wollen künstliche Intelligenz auf den Raspberry Pi bringen. Klar, dass da die Leistung des Minicomputers ausgeschöpft wird. Die 85 Grad, die sonst nur bei heftigem Workload erreicht werden, scheinen da gar nicht so abwegig. Ein Preview des Projekts mit dem Namen Embedded Learning Library (ELL) ist auf GitHub erhältlich. Wenn ELL fertig ist, soll die Software auf einem Cortex-M0, einem winzigen Prozessor des Herstellers ARM, laufen.

Aktuell ist ELL aber nur ein Preview, das von Enthusiasten und Experten auseinandergenommen werden darf. Denn am Ende soll die Library gratis sein. Aber, so warnt Microsoft, sei es durchaus möglich, dass Updates an der ELL zu Inkompatibilitäten führen können mit Dingen, mit denen es bis grade noch kompatibel war.

Das kleine Teil aus dem Labor Microsofts

So, jetzt wo die Spannung auf das neue Kühlelement gross ist, ein Bild.

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Dieses kleine Ding schafft bei Heavy Loads Abhilfe

Was ist das denn?

Das kleine Teil wird an den Schraublöchern für den Sieben-Zoll-Bildschirm des Raspberry Pi befestigt und darauf wiederum ein kleiner Ventilator montiert. Darunter eine Heatsink. Die Temperatur des Pi kann so laut den Entwicklern auf etwa die Hälfte gesenkt werden.

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Das Diagramm der Forscher nach der Hitzemessung

Genau wie der Raspberry Pi ein Ding für Leute mit wenig Budget und hohen Ambitionen ist, ist diese Kühleraufhängung einfach und gratis. Microsoft stellt die Modelle auf seiner GitHub Site zur freien Verfügung. Genau wie auch die Anleitung, mit der du deinen RasPi kühlen kannst, auch wenn du keine ELL-Implementation oder sonstige Heavy Loads deinem kleinen Computer antun willst.

Das kleine Teil aus dem digitec-Labor

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Das kleine Teil von Microsoft ist für 30mm-Lüfter gemacht. Da wir aber keine von denen verkaufen – unsere kleinsten Lüfter sind 40mm-Lüfter –, dachten 3D-Druckerin Mariana Hurtado und ich, dass das wir uns da etwas einfallen lassen müssen.

«Spinnst du? Du kannst den Leuten doch keine Lösung vorschlagen, die sie gar nicht brauchen können», sagt Mariana, «Lass mich mal schnell machen».

Sie hat sich also das Design von Spencer Persaud geschnappt, ein paar 40mm-Lüfter auf ihrem Pult gefunden und dann das Design angepasst. Du kannst dir das 40mm-kompatible Design von meiner GitHub-Page runterladen und dann mit einem 3D-Drucker ausdrucken.

Viel Spass!

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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