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Lenovo B50-10: Ein Billig-Laptop im Härtetest

Gute Qualität ist teuer. Oder etwa nicht? Obwohl das Lenovo B50-10 eindeutige Schwächen hat, vermag das Billig-Laptop durchaus zu überzeugen.

Vor wenigen Monaten ist es passiert: Mein Laptop hat nach ziemlich genau zehn Jahren den Geist aufgegeben. Das war vor allem dahingehend erstaunlich, weil ich bis zu dem Tag davon überzeugt war, dass mein Laptop unzerstörbar sei. Ehrlich. Ich war davon überzeugt, dass nach der atomaren Apokalypse unsere neuen Kakerlaken-Herrscher ihre Buchhaltung oder sowas auf meinem alten Laptop machen werden. Hier eine kurze und unvollständige Liste von Dingen, die mein Laptop weggesteckt hat, inklusive Folgeschäden:

  • Blitzschlag ins Stromnetz des Hauses, Sicherungen durchgeschmort: Soundkarte rauscht
  • Eine Nacht in 2cm tiefem Wasser: Keine bemerkenswerten Schäden
  • Minustemperaturen bei Nacht im Januar in Island: Keine bemerkenswerten Schäden
  • X-mal Fallenlassen: Eine Stelle auf dem Bildschirm, die immer dunkler ist.

Im Laufe der Jahre konnte ich aber viel Arbeit mit dem Ding erledigen und hab ebenfalls viel Arbeit reingesteckt. Anno 2014 habe ich mal alle technologisch möglichen Upgrades durchgeführt. Kostenpunkt: 70 Franken. Upgrades: Eine SSD. Mehr ging nicht mehr.

Und auch heute bootet das Gerät noch tadellos. Der Grund warum ich schweren Herzens ein neues Gerät gekauft habe ist der, dass das WLAN-Modul nicht mehr erkannt wird. Und ohne Internet- und/oder Netzwerkverbindung ist das Gerät in meinem Leben nutzlos. Leider.

Weg mit dem Alten, her mit dem Neuen

Gut, genug der Nostalgie. Ein neues Gerät musste her. «Kauf ein Lenovo X1 Carbon», hat mir damals mein Mitarbeiter gesagt. Er selbst hat schon lange eins und ist glücklich damit.

ThinkPad X1 Carbon (14", WQHD, Intel Core i7-6500U, 8GB, SSD, 3G, 4G)
CHF 2299.–UVP 2599.–1
Lenovo ThinkPad X1 Carbon (14", WQHD, Intel Core i7-6500U, 8GB, SSD, 3G, 4G)
Schlankes 14"-Business-Notebook mit 4G/LTE

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X1 Carbon. Tönt ziemlich sexy, nicht? So wie HP Elite. Oder Google Chromebook Pixel. Oder Macbook Pro. Oder halt jedes andere Gerät, das ein Flaggschiff seines Typs sein soll. Hätte ich mir das Gerät leisten können? Ja, gerade noch so. Mit ein bisschen mentaler Rechtfertigung sowieso. Wirklich brauchen tue ich das High-End-Gerät nicht. Ich mag zwar High-End-Geräte sehr, weil die machen in der Regel am wenigsten Sorgen, aber mein Use Case für ein Laptop kann in etwa so zusammengefasst werden:

  • Schreiben, wenn ich im Zug sitze
  • Filme und Youtube im Zug schauen
  • Filme und Youtube in der Küche während dem Kochen
  • Anzeige von Kochrezepten in der Küche
  • Begleiter auf Reisen: Fahrpläne, Kamerabackups etc
  • Bitzli Photoshop hier und da

Seht ihr, wirklich brauchen geht anders. Daher dachte ich mir, ich experimentiere etwas. Die Frage: Wie wenig Technologie brauche ich wirklich in einem Laptop? Anstelle des Vergleichs von High-End-Maschinen und der Suche nach den meisten Features für mein Geld habe ich den Gedanken umgedreht. Worauf kann ich verzichten? Was ist eigentlich Schnickschnack und wie viel Geld kann ich sparen?

Meine Wahl: Das Lenovo B50-10.

Grosser Eindruck für kleines Budget

Das Lenovo B50-10 ist im Line-Up des Herstellers dermassen bedeutungslos, dass es nicht über eine Typenbezeichnung hinausgekommen ist. Kein UltraPro Gold Elite Hyperstorm oder sowas. Einfach nur B50-10. Kann und will keiner aussprechen. Und angeben kannst du mit diesem Chlapf auch nicht.

B50-10 (15.60", HD, Intel Celeron N2840, 4GB, HDD)
Lenovo B50-10 (15.60", HD, Intel Celeron N2840, 4GB, HDD)
Benutzerfreundlicher Laptop in gewohnter Lenovo-Qualität mit entspiegeltem Display, guten Anschlussmöglichkeiten und Windows 10.

Gesamtbewertung

8

4.6 von 5 Sternen

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Trotz der Tatsache, dass das Gerät technologisch extrem unbemerkenswert ist, habe ich es mir gekauft. Weil es wirklich nur genau das tut, was ich von ihm will. Da ich über das Gerät schreibe, kannst du schon mal davon ausgehen, dass ich von der kleinen namenlosen Maschine schwer beeindruckt bin.

Klar, wenn unser Redaktionspraktikant von seinem dreijährigen MacBook erzählt und dessen Features anpreist, dann kann das B50-10 nicht mithalten. Aber das B50-10 ist der perfekte Kandidat für Menschen, die ein Laptop als Zweitmaschine brauchen. Oder die einen Computer lediglich für den Konsum digitaler Inhalte nutzen wollen.

Viele Stärken für wenig Geld

Windows 10 läuft auf dem B50-10 sauber und ohne Probleme. Die Wireless-Verbindung mit 2.4GHz ist zwar nicht die schnellste, aber genügt nach wie vor dem gefühlt meistverbreiteten Standard. Eigentlich gibt es nichts, was das B50-10 nicht kann. Office läuft sauber. Chrome läuft sauber. Youtube, VLC Media Player, Photoshop et cetera. Alles gut. Ich bin sehr zufrieden. Egal, welche Befehle ich dem Gerät erteile, es arbeitet. Es ist mir in den sieben Monaten, seitdem ich das Gerät besitze nicht einmal abgestürzt. Klar, einige Programme haben sich hie und da wieder aufgehängt, aber das machen sie auch auf dem X1 Carbon.

Das Gerät hat aber klare Schwächen. Diese sind vor allem halt in der Rechenpower zu finden. Bis Windows 10 aufgestartet ist, dauert das eine Ewigkeit und erinnert von der Wartezeit her stark an den Bootingprozess unter Windows 95, als viele Computer einfach noch nicht die Power hatten, das neue Betriebssystem anständig zu betreiben. Wenn das etwas in die Länge gezogene Aufstarten aber überstanden ist, schnurrt das B50-10 wie ein Kätzchen und der Unterschied zum High-End-Notebook ist klein. Auch mit notorischen RAM-Fressern wie Chrome- und Firefox-Tabs geht das Gerät nie in die Knie.

Wie von Lenovo gewohnt, ist das B50-10 ein Arbeitstier. Es erhält einen Auftrag, fängt an zu arbeiten und hört nicht auf, bis der Auftrag erledigt ist oder der Nutzer den Befehl zum Abbruch gibt. Instabilität und so? Fehlanzeige.

Einige Schwächen, wenig Mehrkosten

Das heisst aber nicht, dass das Lenovo B50-10 mit den Grossen mithalten kann. Die softwareseitige Schwäche kann locker ignoriert werden, da sie nach dem Aufstarten eigentlich nicht mehr zum Tragen kommt. Hardwareseitig aber hat das Gerät einige Mängel, die zwar mitigiert werden können, aber dennoch den Spass mit dem Laptop etwas trüben.

Die Webcam ist bescheiden. Das ist sogar noch eine charmante Untertreibung, aber ich bin keiner, der die Webcam wirklich benötigt. Wenn du aber gerne Video-Calls machst, oder einen Vlog betreibst, dann ist das Gerät definitiv nichts für dich. Mit einer Auflösung von 0.3 Megapixel scheint sie einfach nur eingebaut zu sein, weil man das halt so macht und weil ohne ein Laptop nicht verkauft werden kann. Ich finde, der Einbau lohnt sich überhaupt nicht. Weil wenn jemand schon eine Webcam verbaut, dann soll das doch bitte ein Modell sein, das nicht bei jeder Bewegung ruckelt und nicht verpixelt daherkommt. Da jedes Smartphone diese Tage auch mindestens eine Kamera mit mehreren Megapixeln Auflösung hat, sehe ich den Verbau der Schrott-Kamera im B50-10 als überflüssig an. Hätte Lenovo diese jetzt nicht verbaut, hätte ich weitere gefühlte fünf Franken sparen können und hätte nicht diese komische nutzlose Linse im Gerät.

Auch hätte ich fünf weitere Franken oder so sparen können, indem ich keinen McAfee Virenschutz-Quatsch auf dem Laptop vorinstalliert hätte. Auch «Lenovo Share It» – was ist das überhaupt? – hätte sich der Hersteller schenken können. Sogar der Erfinder der McAfee Software, John McAfee, hat nichts mehr mit seinem Programm zu tun. Vor wenigen Jahren sogar hat er sich zur Aussage hinreissen lassen, dass das Programm mit seinem Namen eines der Schlimmsten aller Zeiten sei. Danach hat er auf Youtube eine Anleitung zur Deinstallation gepostet.

Diesen Schwächen in der Software ist aber mit ein wenig Geduld beizukommen.

Weitere Teile, die sich Lenovo hätte schenken können: Die Lautsprecher. Klar, das B50-10 macht Ton und in einem stillen Raum ist an den Speakern nichts auszusetzen. Aber sobald auch nur ein wenig Hintergrundlärm vorhanden ist, scheitern sie. Auch hier: Lautsprecher nicht zu verbauen wäre einfacher, billiger und auch ehrlicher gewesen. Denn sind wir mal ehrlich: Wir erwarten zwar nicht viel von eingebauten Speakern. Keine Bässe wie rollender Donner oder Hochtöner wie Blitzschläge. Aber wir erwarten, dass die Speaker funktionieren und im Zweifelsfall blechern und schal den Raum beschallen. Sodass zumindest ein Skype-Gespräch möglich ist. Wenn ich jetzt ein Gerät kaufe, das keine Speaker hat und Lenovo mir sagen würde, dass ich Speaker kaufen muss, wenn ich Sound will, dann ist das okay. Zwanzig Stutz weniger, dafür keine Schrott-Speaker und ich weiss genau, was ich habe.

Zeit für ein Fazit: Ich mag das Lenovo B50-10. Es ist sogar die grosse Überraschung meiner Erfahrung mit Privatlaptops. Sollte das B50-10 jemals den Geist aufgeben, werde ich mir zweimal überlegen, ob ich mir tatsächlich wieder ein Flaggschiff kaufen werde. Denn Lenovo beweist, dass du mit wenig Geld viel Leistung im Haus haben kannst. Das betrifft aber nur die Basisfunktionen des Computerbetriebs. Die Mängel sind klar und offensichtlich, weswegen ich an Lenovos Stelle sogar einen Schritt weiter gegangen wäre und einige Teile gar nicht erst verbaut hätte.

Wenn du ein Gerät nur brauchst, um einige deiner Arbeiten mobil ausführen zu können oder einfach nur um Daten darzustellen, dann ist das Lenovo B50-10 dein Kandidat. Für mehr aber lohnt es sich, etwas tiefer in die Tasche zu greifen.

User

Dominik Bärlocher

Journalist. Autor. Hacker. Meine Themen haben meist mit Android oder Apples iOS zu tun. Auch die IT-Security liegt mir am Herzen, denn in unserer Zeit ist der Datenschutz keine Nebensache mehr, sondern eine Überlebensstrategie.

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