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Kindle ohne Amazon - Dein Weg aus den Klauen des Onlinegiganten

Kindles sind gut. Amazon hingegen ist recht, naja. Sagen wir mal, dass das Unternehmen einige fragwürdige Mechanismen im Buchmarkt eingeführt hat. Daher habe ich einen Weg gefunden, wie du deine Lieblingsbücher auf deinem Kindle haben kannst, ohne dich Jeff Bezos unterwerfen zu müssen.

Kindles bieten riesige Vorteile gegenüber normalen Papierbüchern und Tablets. Sie sind leichter, können hunderte Bücher speichern und haben praktisch ewig Batterie. Ferner haben sie Zugriff auf den Amazon-Store und damit auf Millionen von Büchern zu jedem Thema.

Daher sind sie für viele Bücherfans erste Wahl, wenn es um das moderne Lese-Erlebnis geht. Aber die Sätze, die mit «aber» in der Diskussion zu Pro und Kontra Kindle beginnen, sind gute Gründe, einen weiten Bogen um die Geräte zu machen.

Das Cover zum Buch 1984, das Stein des Anstosses war

Ein Beispiel für die etwas zweifelhaften Geschäftspraktiken Amazons kann ironischer Weise in einem Buch gefunden werden: 1984 von George Orwell. Die Kurzfassung: Eine Firma hat das Buch anno 2009 in den Kindle-Store geladen. Die Verkäufe gingen los und Kunden haben das Buch um Winston Smith, der in der dystopischen Zukunft des Jahres 1984 lebt, gekauft. Eines Tages war das Buch von den Kindles der Kunden verschwunden. Warum? Weil Amazon festgestellt hat, dass die Firma, die das Buch in den Store geladen hat, nicht die Rechte zum Vertrieb innehatte. Daher: Zensur! Auf allen Geräten ist die Edition des Buches verschwunden.

Da du im Kindle Store die Bücher nicht kaufst, sondern nur das Recht, das Buch zu lesen, ist das laut den AGB Amazons total okay. Deine Annotationen und alle Lesezeichen und Kommentare können verloren gehen, wenn Amazon das so entscheidet und dein Geld, das du für ein Buch ausgibst, ist auch weg. Erbärmlich.

Zwar hat Amazon seine Richtlinien angepasst, dass so etwas nie wieder vorkommen kann, aber die Möglichkeit alleine reicht mir völlig aus, um stocksauer zu werden und das auch jahrelang zu bleiben.

Darum bin ich kein Freund der Maschinerie Amazons, aber ich mag das Gerät Kindle. Darum habe ich eine Möglichkeit gesucht, wie ich den «Füfer und s Weggli» haben kann und bin auf folgenden Weg gestossen.

Calibre, dein Weg zur Rettung

Zuerst aber mein Warnhinweis, den ich anscheinend vor Artikel dieser Art setzen muss: Der hier aufgezeigte Weg ist nicht zwingend der einfachste oder der schnellste. Das Ziel hier ist es, dass du einen möglichst langfristig funktionierenden Weg hast, der sicher funktioniert.

1. Kauf dir ein Buch

Als allererstes ist es wichtig, dass du deine lokale Buchhandlung unterstützt, selbst wenn sie zum leidigen Buchgiganten Thalia – Orell Füssli, ich blicke jetzt in deine Richtung – gehört. Die Leute in den Buchläden arbeiten viel für wenig Geld und genau wie ihr hart dafür. Und da kommt Amazon, verkauft das widerrufbare Recht, ein Buch zu lesen und lässt die Buchhandlungen damit Staub fressen.

Daher ist der erste Schritt auf dem Weg, nicht mehr Amazons Knecht zu sein, der, dass du dir das Buch in der Buchhandlung kaufen gehst. Im zweiten Schritt findest du irgendwo in den Weiten des Internets eine Kopie des Buches, bevorzugt im epub-Format.

Unser Testbuch.

Für unser Beispiel verwenden wir der Einfachheit halber ein von Gutenberg.org heruntergeladenes Science-Fiction-Magazin aus den 1930er-Jahren, namentlich Astounding Stories of Super-Science #1. Gutenberg.org sammelt Bücher, deren Rechte von keinem beansprucht werden und die daher gratis vertrieben werden können.

Dann…

2. Schnapp dir Calibre

Der Programmierer Kovid Goyal hat im Jahre 2006 bereits erkannt, dass er keinen Bock auf Digital Rights Management und dergleichen hat. Daher hat er mit Hilfe eines Online-Forums den damaligen Standard der eBooks reverse engineered und die erste Version seiner Software Calibre herausgegeben. Lad dir die Software auf deinen PC oder Mac runter und installiere sie.

Während dem Installationsprozess fragt dich das Programm, welches Gerät du hast. Fülle diese Angaben richtig aus. Den Part, der dich nach deiner Mail-Adresse fragt, kannst du einfach mit Next überspringen.

Verbinde deinen Kindle mit dem Computer per USB-Kabel.

Die Calibre-Benutzeroberfläche

3. Lade das Buch in die Calibre-Bibliothek

Der mit Abstand einfachste Schritt dieser Anleitung ist es, das Buch in die Calibre-Bibliothek zu laden. Gehe auf FileAdd… und such das Buch in deinem Filesystem. Oder: Drag und Drop ins Calibre-Fenster. Oder: Benutze den grossen grünen Button oben links.

Astounding Stories of Super-Science in der Calibre-Bibliothek

4. Konvertiere das Buch und sende es an deinen Kindle.

Ein Kindle verwendet das Format MOBI. Das Format, das von Amazon gekauft wurde, besticht durch eine hohe Kompressionsrate – sprich: Mehr Buch für weniger Speicherplatz – und andere Features wie Annotationen und Navigation auf Kapitelebene. Damit steht MOBI zwar nicht alleine da, ist aber der Standard auf Kindle-Geräten.

Kleine Randnotiz für eBook-Versessene: Die meisten Downloads aus dem Kindle-Store kommen im AZW-Format. Das ist ein Format, das von Amazon auf Basis des MOBI-Formats entwickelt wurde. Es bietet eine noch bessere Kompressionsrate und bessere Verschlüsselungsmechanismen für deine Bücher inklusive Annotationen und Lesezeichen. Im Zuge dieses Artikels aber werden wir uns mit dem MOBI-Format zufrieden geben.

Kovid Goyal und seine Supporter haben auch das erkannt und haben in Calibre etwas implementiert, das schlicht zum Komfort der Nutzer da ist. Du kannst deine Bücher in einer Operation konvertieren und an deinen Kindle senden.

Das Magazin wird an den Kindle gesendet

  1. Rechtsklick auf das Buch
  2. Gehe auf Send to Device
  3. Gehe auf Send Specific Format to Device
  4. Wähle Main Memory

Es geht nun ans Konvertieren. Eigentlich kannst du dich hier einfach durchklicken.

Der Konvertierungsbildschirm in Calibre

  1. Wähle MOBI
  2. Klick OK
  3. Warte bis unten rechts Jobs wieder auf null steht
  4. Fertig

Wenn du deinen Kindle wieder aussteckst und einige Momente wartest, dann taucht das Buch in deiner Bibliothek auf.

Voilà, fertig. Viel Spass beim Lesen.

Bonuswissen

Das Lese-Erlebnis auf dem Kindle ist um ein Vielfaches besser als auf einem Tablet. Daher kannst du auch x andere Formate auf deinen Kindle senden, indem du obigen Weg anwendest. PDFs und so sind kein Problem. Was du jetzt aber vielleicht nicht weisst, ist dass ein Kindle auch DOCX und andere Dateien schluckt.

DOCX

Damit das aber reibungslos funktioniert, musst du mit Formatvorlagen in Word arbeiten. Also Titel nicht einfach nur Fett machen, sondern als Überschrift 1 oder 2 deklarieren. Beim Transfer zum Kindle werden die Daten im DOCX ausgelesen und Kindle-freundlich neu indexiert. Damit sieht dein DOCX dann aus wie ein Kindle-Buch. Das funktioniert, weil ein DOCX eigentlich eine Art Archiv ist und enthält alle deine Formatierungen in HTML-Code.

TXT/HTML

Etwas komplizierter sind TXT- und HTML-Dateien. Denn Calibre liest auch HTML-Code, den du frei verwenden kannst. Dein Kindle schluckt vielleicht nicht ganz alle Formatierungen und ignoriert konsequent Schriftarten – also kein Comic Sans auf deinem eReader – aber die Überschriften werden zur Navigation übernommen.

Damit das aus einem TXT- oder HTML-Dokument funktioniert, musst du minimalstes HTML kennen. Namentlich Titelformate und Absatzformate. Du musst kein CSS oder sonstiges dranwerfen, das übernimmt der Kindle. Nehmen wir also an, du willst etwas Fülltext auf deinen Kindle laden.

<h1>Haupttitel des Dokuments</h1>

<p>Das p markiert den Absatz und wird auch so beendet. Wenn du das p am Ende des Absatzes vergisst, gibt es keinen Zeilenumbruch</p>

<p>Hier ist ein zweiter Absatz. Aber eigentlich wollen wir ein neues Kapitel beginnen</p>

<h2>Ein Kapiteltitel</h2>

<p>Hier ist also das zweite Kapitel. Kindle macht vor einem h2 einen Seitenumbruch.</p>

Speichere das als HTML oder TXT ab, dann lade die Datei in deine Calibre-Bibliothek und dann konvertiere und transferiere die Datei.

Natürlich gibt es auch Onlinetools, die solche Dinge übernehmen und unter Umständen sogar schneller sind, aber der Weg via Calibre hat sich seit Jahren bewährt.

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Dominik Bärlocher

Journalist. Autor. Hacker. Meine Themen haben meist mit Android oder Apples iOS zu tun. Auch die IT-Security liegt mir am Herzen, denn in unserer Zeit ist der Datenschutz keine Nebensache mehr, sondern eine Überlebensstrategie.

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