Ins Netz gegangen: Die Abschlussarbeiten der Zürcher Kunsthochschule
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Ins Netz gegangen: Die Abschlussarbeiten der Zürcher Kunsthochschule

Pia Seidel
Zürich, am 09.06.2020
Erstmals in der Geschichte der Zürcher Hochschule der Künste findet eine Ausstellung ausschliesslich digital statt: Vom 12. bis 19. Juni 2020 zeigen die Studierenden des Design-Departements ihre Abschlussarbeiten im Netz.

Auch wenn die meisten Museen wieder ihre Türen öffnen – Kunst und Kultur gibt es weiterhin auch digital. Die unterschiedlichen Fachrichtungen der Zürcher Hochschule der Künste haben sich zusammengetan, um den Studierenden in diesem Jahr eine digitale Bühne zu bieten. Die Online-Plattform ermöglicht dir, an verschiedenen Veranstaltungen teilzunehmen. Den Auftakt macht Rektor Thomas D. Meier per Video. Er führt dich an der Vernissage am Freitag, dem 12. Juni um 17 Uhr durch die diesjährigen Diplomprojekte.

Die Abschlussarbeiten des Departements Design – darunter Trends & Identity, Interaction Design und Game Design – drehen sich um Themen wie Nachhaltigkeit, innovative Materialien, Gender oder Emerging Technologies – aufkommende Technologien. Mittels Videokonferenz oder Streaming kannst du dich ab dem 12. Juni einer circa eineinhalb-stündigen Führung von Studierenden zuschalten sowie die Bachelor- und Master Design Förderpreis-Verleihung anschauen. Oder aber, du probierst erste Abschlussarbeiten selber aus: Einige Spiele aus der Fachrichtung Game Design kannst du ab dem 19. Juni um 17 Uhr auf der Online-Plattform herunterladen. «Sie werden in Form von virtuellen Easter Eggs – ein kleines Bonus-Feature bei Computerprogrammen – auf der Page versteckt sein», verrät mir die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Departements Maike Thies. Ausserdem bekommst du dort bekommst Einblicke in den Entstehungsprozess der Diplomarbeiten.

Die neuesten Spielereien aus dem Schweizer Game-Design

Ausgeklügeltes Environmental Storytelling: Das Game «Vendari». Foto: Eileen Rüegg und Denise Hohl.
Ausgeklügeltes Environmental Storytelling: Das Game «Vendari». Foto: Eileen Rüegg und Denise Hohl.

In «Vendari» von den BA-Absolventinnen Eileen Rüegg und Denise Hohl übernimmst du die Rolle des jungen Mädchens Tabinga, das sich in einem Schneesturm verirrt. Es braucht deine Hilfe, um den Weg nach Hause zu finden. Auf der Suche gehst du durch ästhetische Landschaften, die das Fernweh stillen.

Sprachen lernen wird mit dem Puzzle «Wizardly» zum Kinderspiel. Foto: Teodora Pavlova Dimova
Sprachen lernen wird mit dem Puzzle «Wizardly» zum Kinderspiel. Foto: Teodora Pavlova Dimova

Beim Puzzlespiel «Wizardly», das von Teodora Pavlova Dimova designt wurde, können Kinder zwischen 8 und 12 Jahren zaubern. Um das nächste Level zu erreichen, müssen ein Rätsel und Aufgaben auf Englisch gelöst werden. Dabei nutzt das Game die Spracherkennungssoftware von Windows, um die Aussprache von Wörtern und Sätzen zu verfolgen und korrigieren.

In «Sanatorium» werden in einem fiktiven Setting Diagnosen von Patient*innen sowie Methoden hinterfragt. Foto: Sebastian Riedi.
In «Sanatorium» werden in einem fiktiven Setting Diagnosen von Patient*innen sowie Methoden hinterfragt. Foto: Sebastian Riedi.

Bei «Sanatorium» von Sebastian Riedi untersuchst du Patient*innen und rätst ihnen zu einer Behandlung. Dein Ziel ist, dass diese gut verläuft, damit du im Kreise der Mitarbeitenden anerkannt wirst. Das Game ist eine Art digitales Kartenspiel, das in düsteren und doch ansprechenden Räumlichkeiten stattfindet.

Neue Technologien und Vermittlungsstrategien

Andere Abschlussarbeiten verfolgen aus der Fachrichtung Interaction Design auch einen spielerischen Ansatz: Marcial Koch hat für seine Bachelorarbeit den Werkzeugkasten «Hearo» entwickelt, der mit deinem Gehör spielt. Was hörst du im Raum wirklich? Was ist nur «fake»? Beim Erforschen begegnen dir überraschende Töne.

«Hearo» von Marical Koch stellt dein Gehör und deine Wahrnehmung auf die Probe. Foto: Marical Koch
«Hearo» von Marical Koch stellt dein Gehör und deine Wahrnehmung auf die Probe. Foto: Marical Koch

Das Kartenset «Rund Um» von Selina Fässler aus der Fachrichtung Trends & Identity stellt Themen aus dem Gesundheitsbereich vereinfacht dar. Es soll bei der Gesprächsführung und Entscheidungsfindung unterstützen und durch ansprechende Bildwelten die Auseinandersetzung mit Krankheit und Sterbefragen anregen.

Die Illustrationen von «Rund Um» brechen mit den oft verängstigenden Bilderwelten des Gesundheitsbereichs. Foto: Selina Fässler
Die Illustrationen von «Rund Um» brechen mit den oft verängstigenden Bilderwelten des Gesundheitsbereichs. Foto: Selina Fässler

Trotz schwieriger Ausgangslage aufgrund der Corona-Pandemie finden alle Studierenden einen Weg, dir ihre Arbeit näher zu bringen und dich zu beteiligen. Für Fragen und Antworten gibt es auch die Möglichkeit in direkten Kontakt zu treten. Es lohnt sich also, «vorbei zu schauen» und Vorfreude zu bewahren: Im September folgen dann die Diplomfilme der Fachrichtung Film, die Diplomkonzerte der Jazz- und Popstudierenden und die analoge Diplomausstellung der Bühnenbild-/Szenografie-Studierenden im Bachelor Theater.

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Pia Seidel
Pia Seidel
Senior Editor, Zürich

Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben: entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles ein Wunder. Ich glaube an Letzteres. – Albert Einstein


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