Jan Johannsen
Produkttest

Honor 600 Pro im Test: KI um jeden Preis

KI kommt beim Honor 600 Pro nicht nur bei der Bildbearbeitung zum Einsatz, sondern soll auch Nachtaufnahmen verbessern. Aber sie ist alles andere als eine Hilfe.

Mit dem 600 Pro bietet Honor ein Smartphone an, dessen Ausstattung knapp unter dem Topmodell Magic 8 Pro rangiert – und dennoch zum Verkaufsstart teurer ist. Das 600er ist dafür kompakter und sieht in Orange dem iPhone ähnlich. Der Hersteller setzt auf viel KI, aber auch die kann die Bildqualität bei Dunkelheit nicht retten.

Schickes Display, viel Leistung und guter Akku

Das 6,57 Zoll große AMOLED-Display lässt keine Wünsche offen. Die Auflösung von 2728 × 1264 Pixeln ergibt eine Pixeldichte von 458 ppi und die Bildwiederholrate fällt mit bis zu 120 Hertz hoch aus. Wie es sich für diese Bildschirmtechnologie gehört, sind die Farben kräftig und natürlich, das Schwarz tiefdunkel und die Helligkeit hoch genug für die Nutzung im Sonnenschein.

Das Display ist wunderbar.
Das Display ist wunderbar.

Der Akku des Honor 600 Pro weist mit 6400 Milliamperestunden (mAh) eine überdurchschnittliche Kapazität auf. Im Batterietest von PCMark hält es mit halber Displayhelligkeit 16:37 Stunden durch. Das ist in Ordnung, aber nicht beeindruckend. Das Honor Magic 8 Pro kommt beim gleichen Test nur auf 15:10 Stunden und das günstigere Nothing Phone 4a Pro mit seiner kleineren Batterie auf 17 Stunden. Die besten Geräte erreichen inzwischen Werte über 24 Stunden.

Mit einem Netzteil, das die SuperCharge-Technologie von Honor unterstützt, nimmt das Smartphone bis zu 80 Watt entgegen. Drahtlos lädt es mit der Wireless-Version der Technologie mit bis zu 50 Watt.

Ob drahtlos oder per Kabel, das Honor 600 Pro lässt sich zügig laden.
Ob drahtlos oder per Kabel, das Honor 600 Pro lässt sich zügig laden.

Honor verbaut mit dem Snapdragon 8 Elite Qualcomms Top-Chipsatz von 2025. Der Nachfolger im Magic 8 Pro erreicht bessere Benchmark-Werte, aber das 600 Pro schneidet immer noch sehr gut ab und bietet unter anderem deutlich mehr Leistung als das Nothing Phone (4a) Pro.

Honor bietet das 600 Pro hierzulande nur in einer Speichervariante mit 12 Gigabyte Arbeitsspeicher und 512 Gigabyte Datenspeicher an.

Auf dem Honor 600 Pro ist MagicOS 10 installiert, das auf Android 16 basiert. Neben den KI-Tools bietet es als weitere Besonderheit «Honor Share». Dieser Dienst erlaubt drahtlose Verbindungen mit Apple‑Geräten. Das dürfte vor allem praktisch sein, falls du ein iPad neben deinem Android-Smartphone benutzt. Funktions- und Sicherheitsupdates soll das Gerät sechs Jahre lang erhalten. Nervig, aber mit wenigen Klicks lassen sich die vorinstallierten Apps von Drittanbietern entfernen.

Honor muss seine KI-Tools noch sortieren

Zur «Honor AI» gehören unzählige KI‑Tools. Sie sollen übersetzen, Deepfakes und geklonte Stimmen erkennen und die Bedienung vereinfachen. Ich muss nicht mehr Menüs in den Einstellungen suchen, sondern kann dem Smartphone sagen, welche Einstellung ich wie ändern möchte. Umständlicherweise geht das nicht in den Einstellungen. Ich muss die «Honor AI»-App öffnen und dort den «KI-Agent für Einstellungen» antippen.

KI gibt es nicht nur in der Honor-AI-App.
KI gibt es nicht nur in der Honor-AI-App.

In der «Honor AI»-App finde ich auch die «KI‑Erinnerungen». Diese sammelt, sortiert und analysiert Screenshots, die ich über die KI-Taste anfertige. Dabei handelt es sich nicht nur um simple Screenshots, sondern auch um den kompletten Text – etwa von meinem Testbericht. Mich erinnert die Funktion an den «Essential Space» von Nothing, den ich hilfreicher finde. Dass es die KI‑Erinnerungen auch noch als eigene App gibt, verdeutlicht das unübersichtliche Chaos, das Honor mit seinen unzähligen KI‑Tools hat.

KI-Taste sorgt für Orientierung im Chaos

Die KI-Taste befindet sich, wie die anderen Knöpfe, am rechten Rand des 600 Pro. Ist die Kamera-App geöffnet, fungiert sie als Auslöser. Jenseits davon kann ich sie mit drei Funktionen belegen: für einmal oder zweimal drücken sowie gedrückt halten. Neben dem Starten der Kamera und Google Lens kann ich nur KI-Tools für die Belegung wählen: die KI-Bildschirmvorschläge, den KI-Einstellungsagent, den KI-Fotos-Agent, die Honor AI oder die KI‑Erinnerungen. So lässt sich das KI-Chaos etwas sortieren.

Die KI-Taste befindet sich unten am rechten Rand.
Die KI-Taste befindet sich unten am rechten Rand.

Die Taste ändert aber nichts daran, dass die KI-Bildbearbeitungsoptionen verteilt sind. Einige finde ich in der Galerie-App, andere nur im «KI-Agent für Fotos» in der «Honor-AI»-App.

Mit Hilfe der KI kann ich mir Vorschläge für Bildausschnitte in verschiedenen Formaten erstellen lassen, diverse KI-Filter anwenden oder das Bild erweitern lassen. Dabei errät die KI, was noch auf dem Bild sein könnte – das Ergebnis reicht von goldrichtig bis völlig daneben. Die KI hilft mir, Objekte auszuschneiden, zu bewegen oder zu vergrößern. Einen Radierer gibt es ebenfalls und ich kann dem KI-Foto-Agenten sogar erzählen, was er machen soll.

Das ist meine Vorlage:

Das Originalbild der Hauptkamera.
Das Originalbild der Hauptkamera.

Beispielhaft folgen ein KI-Farbfilter und ein KI-Stil:

Und dann habe ich das Original auf 125 Prozent vergrößern lassen.

Die von der KI erweiterte Aufnahme.
Die von der KI erweiterte Aufnahme.

Himmel, Wasser und die Brücke an der rechten Seite kann die KI logisch fortsetzen. Links in der Mitte fängt sie an zu raten, wie der Anleger und die Hafenkräne im Hintergrund weitergehen. Zum Vergleich das Bild von der Ultraweitwinkelkamera an der gleichen Stelle.

So sieht es durch die Ultraweitwinkelkamera wirklich aus.
So sieht es durch die Ultraweitwinkelkamera wirklich aus.

Bei Tageslicht hui, bei Dunkelheit pfui

Für die drei Kameras des 600 Pro preist Honor auch die «KI verbesserte Nachtaufnahme» an. Allerdings überzeugt mich die Bildqualität bei Dunkelheit nicht, bei Tageslicht ist sie dagegen hervorragend. Die Hauptkamera bezeichnet Honor als «200 Megapixel Ultra-klare Nachtkamera». Auf der Rückseite des Smartphones befinden sich zudem eine 12-Megapixel-Ultraweitwinkelkamera sowie eine 50-Megapixel-Periskop-Telekamera.

Drei Kameras auf der Rückseite.
Drei Kameras auf der Rückseite.

Da ich gedacht habe, das 600 Pro wäre, wie sein Vorgänger, ein Mittelklasse-Smartphone, habe ich es auch mit einem verglichen. Ich habe erst später realisiert, dass Honor es in die zweite Reihe der Top-Geräte geschoben hat. Deswegen stammen die Vergleichsfotos vom nur halb so teuren Nothing Phone (4a) Pro. Dennoch kommt das 600 Pro dabei nicht gut weg.

Die Hauptkamera liefert grundsätzlich eine gute Bildqualität. Bei der Farbe fällt allerdings ein Grünstich auf. Und bei Betrachtung in Originalgröße wirkt das Honor überschärft und das Nothing Phone minimal schärfer, sodass der Unterschied in der Regel keine Rolle spielt.

Bei der Ultraweitwinkelkamera und der Telekamera sind die Unterschiede zwischen Honor und Nothing ebenfalls minimal und nahezu irrelevant.

Wird es dunkel, schneidet die von Honor angepriesene «200 Megapixel Ultra-klare Nachtkamera» schlechter ab als das Nothing mit seinem Nachtmodus. Und das 600 Pro ist nicht nur schlecht, sondern ein pixeliges Desaster.

Bei der Ultraweitwinkelkamera hellt das 600 Pro zwar besser auf, bleibt aber pixelig und unbrauchbar.

Beide Telekameras überzeugen mich nicht bei Dunkelheit. Mir gefällt das Nothing Phone etwas besser. Die Bilder erspare ich dir.

Sollte das desaströse Ergebnis der Nachtaufnahmen nicht an der Hardware, sondern an der Software liegen, könnte Honor mit einem Update noch für Verbesserung sorgen.

Fazit

Gutes Smartphone, mit sehr pixeligen Fotos bei Dunkelheit

Das Honor 600 Pro reiht sich in die zweite Reihe der Top-Smartphones ein. Seine Leistung ist mehr als ausreichend und das Display sieht wunderbar aus. Der Akku ist völlig in Ordnung und die Kameras liefern bei Tageslicht eine hervorragende Bildqualität.

Der große Haken: Bei Dunkelheit sind die Fotos der Kameras unbrauchbar und sehen so schlecht aus, wie ich es sonst nur von preiswerten Einsteigergeräten kenne. Das nur halb so teure Nothing Phone (4a) Pro ist für Fotos die bessere Wahl. Bleibt nur zu hoffen, dass Honor mit einem Softwareupdate die Bildqualität verbessern kann.

Wenn du die ganzen KI-Tools von Honor nutzen willst, ist das Magic 8 Pro die bessere Wahl und kostet ähnlich viel wie das 600 Pro – oder ist mit Glück sogar schon für weniger Geld zu haben.

Pro

  • gute Kameras bei Tageslicht
  • sehr viele KI-Tools

Contra

  • Kameras liefern bei Dunkelheit nur Pixelbrei
  • KI-Tools unübersichtlich strukturiert
Honor 600 Pro 5G Dual Sim 12GB RAM 512GB - Forest Green (512 GB, Forest Green, Gold, Golden white, Weiss, 6.57", Dual SIM, 5G)
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Titelbild: Jan Johannsen

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Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Digitec und Galaxus. 


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