Amazon Prime / Sony
Meinung

Heilige Scheisse! Der erste «Spider-Noir»-Trailer haut rein

Luca Fontana
13.2.2026

Noch ein Spidey? Gähn. Dachte ich. Dann taucht Nicolas Cage in Schwarzweiss auf, mit Fedora und schlechter Laune – und ich bin schneller gehyped, als ich zugeben will.

Nice. Nice, nice, nice. Ich kann’s kaum fassen, dass dieser Trailer echt ist. Dabei wollte ich mich doch gar nicht hypen lassen, nur weil Marvel ein bisschen Stil simuliert und wir alle so tun, als sei das schon die grosse Renaissance. Aber dieser Schwarzweiss-Trailer zu «Spider-Noir»?

Chef’s kiss.

Leider müssen wir uns aber noch etwas gedulden: Die neue Live-Action-Serie startet erst am 27. Mai auf Prime Video. Oder wie’s Spider-Noir sagen würde: «Oh …»

Noir mit Nebenwirkungen

Schwarzweiss. Regen. Zigarettenrauch. Und mittendrin Nicolas Cage mit Fedora und diesem irren Blick. Geil. Dabei hatte ich durchaus Zweifel, dass die Sache gut kommt. Zuerst dachte ich gar an Fanservice und Ausschlachtung. Denn Kultstatus erhielt der sogenannte Spider-Man Noir erst durch den Animations-Hit «Spider-Man: Into the Spider-Verse».

Im Animationsfilm wurde Spider-Man Noir bereits von Cage gesprochen und ist eine verdammt gute Persiflage auf sein deutlich ernsteres Original aus den Comics. Dort ist nämlich gar nichts mit Ironie und Witz. Comic-Spider-Man Noir trägt eine Pistole. Er tötet. Seine Gegner sind keine schrillen Laborunfälle, sondern Mafia-Bosse und korrupte Eliten. Und ganz im Stile eines Film Noirs spielt das ganze im Jahr 1933 in einer alternativen Zeitlinie.

Hat schon was. Checkt die Comics unbedingt mal aus.

Jetzt jedenfalls bekommt Animationsfilm-Spider-Man-Noir eine eigene Live-Action-Serie, und Nicolas Cage wird erneut den düsteren Spidey geben. Der Live-Action-Spider-Noir – das ist übrigens kein Schreibfehler, im Comic heisst er «Spider-Man Noir», die Serie heisst «Spider-Noir» und in der Serie selbst nennt er sich nur «The Spider» – wird allerdings kein Peter Parker mehr sein, sondern Ben Reilly. In den Comics ist Ben Reilly ein Klon von Peter Parker. Hier hingegen … keine Ahnung. Einfach nicht Peter Parker.

Nicolas Cage als Ben Reilly, ein desillusionierter Privatdetektiv.
Nicolas Cage als Ben Reilly, ein desillusionierter Privatdetektiv.
Quelle: Amazon Prime Video / Sony

Das ist gut so. Ich persönlich brauche nicht die x-te Version von «Mit grosser Macht kommt grosse Verantwortung». Nicolas Cages Spider-Noir ist eh alt, zynisch und hat keinen Bock auf gar nichts mehr. Kein Wunder: Bei ihm herrschen Wirtschaftskrise, Korruption und Armut – und eine Stadt, die sich selbst verschlingt. Könnte fast schon Gotham sein.

Ja, nein. Epischer geht’s nicht.
Ja, nein. Epischer geht’s nicht.
Quelle: Amazon Prime Video / Sony

Ob das zu Peter Parker passt? Ich denke nicht. Spider-Noir funktioniert nicht als Coming-of-Age-Geschichte. Er funktioniert als Abgesang. Als «Warum tu’ ich mir das überhaupt noch an»-Version eines Helden, der eigentlich keiner mehr sein will. Das passt nicht nur zu Noir, das passt auch erstaunlich gut zu Nicolas Cage.

Schwarzweiss – und das ist kein Filter

Richtig geil finde ich auch die Entscheidung, die Serie in zwei Versionen zu veröffentlichen. Jep, zwei: Einmal in Farbe, einmal in Schwarzweiss. Klingt zuerst wie ein nettes Extra für Nerds, ist aber konzeptionell ziemlich clever.

Die Farbversion soll bewusst übersättigt wirken, fast wie nachkolorierte alte Filme oder ein überdrehtes Comic-Panel. Die Schwarzweiss-Version hingegen orientiert sich an klassischem Film Noir: harte Kontraste, tiefe Schatten und wenig visuelle Ablenkung. Zwei unterschiedliche Stimmungen, die dieselbe Geschichte ganz anders erzählen. Nur: Nach diesem Schwarzweiss-Trailer wüsste ich trotzdem nicht, warum ich mir freiwillig die Farbversion geben würde.

Schwarzweiss zwingt mich, auf Gesichter zu achten. Auf Dialoge. Auf Atmosphäre. Es nimmt dem Ganzen den Superhelden-Glanz und macht es dreckiger. Persönlicher. Vielleicht sogar ehrlicher? Genau das passt zu Spider-Noir. Ich meine: Der hat Noir im Namen. Noir! Es kann nur eine richtige Version geben!

Also, alles nur Hype oder was?

Natürlich bleibt die Gefahr, dass ich mich hier von einem exzellent geschnittenen Trailer blenden lasse. Und von Nicolas Cage. Natürlich. Aber: Die Figur hat Substanz. Der Comic selbst war nie ironisch gemeint. Das Setting ist klar definiert. Und das Konzept mit den zwei Versionen zeigt zumindest, dass man sich Gedanken gemacht hat, die über ein «Hey, lass mal einen düsteren Spider machen» hinausgehen.

Vielleicht trägt das keine ganze Serie. Vielleicht wird’s am Ende doch wieder zu sehr Superheld und zu wenig Noir. Aber im Moment fühlt sich «Spider-Noir» wie etwas an, das Marvel – oder besser gesagt: Sony – schon lange nicht mehr gemacht hat: ein echtes Genre-Experiment.

Und ganz ehrlich: Davon nehme ich gerne mehr.

Spider-Noir vs. Spider-Couleur

Wirst du dir «Spider-Noir» in Schwarzweiss oder in Farbe anschauen?

Titelbild: Amazon Prime / Sony

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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