Michelle Brändle
Produkttest

Grafiktablet für Profis mit Touchfunktion für MacOS: XP-Pen Artist Pro 27 Gen 2 im Test

Knackiges 4K-Display, genaue Farbräume und endlich Touch-Support für den Mac: Das XP-Pen Artist Pro 27 Gen 2 bringt alles mit, um das Profi-Segment aufzumischen. Dennoch kämpfe ich mit einer mühsamen Schwäche.

Nachdem ich meinen Bizeps beim Aufstellen des Artist Pro 27 beansprucht habe – es wiegt knapp sieben Kilogramm – ist der Rest ein Klacks. Einstecken und drauflos zeichnen. Für die kleinen Finessen muss ich mir allerdings mehr Zeit nehmen. Die Stifte müssen beispielsweise erst kalibriert und personalisiert werden.

Riesiges Display und 120 Hertz

Das Grafiktablet Artist Pro 27 Gen 2 von XP-Pen ist riesig (68 × 42 × 4 Zentimeter) – und mit 7 Kilogramm extrem schwer. Das kommt der nutzbaren Zeichenfläche zugute. Aufgestellt ist es dank des bereits angeschraubten Standfusses schnell. Mit diesem kann ich den Winkel des Tablets stufenweise verstellen.

Aufgestellt ist das XP-Pen Artist Pro 27 ratzfatz. Nur Platz braucht es genug.
Aufgestellt ist das XP-Pen Artist Pro 27 ratzfatz. Nur Platz braucht es genug.

Steht das monströse Gerät, habe ich ein LCD-Display mit 27 Zoll zur Verfügung. Die Auflösung liegt bei stolzen 3840 x 2160 Pixeln (4K). Mit der 120-Hertz-Bildwiederholrate habe ich ein flüssiges Erlebnis und dank 350 Nits Helligkeit arbeite ich auch in hellen Räumen noch gut – für unterwegs ist das Riesengerät nicht gedacht.

XP-Pen liefert das Tablet mit einer sehr genauen Farbraumabdeckung:

  • 99% Adobe RGB
  • 99% sRGB
  • 97% DCI P3

Das Tablet besitzt ein blendfreies, geätztes Glas. Es sei um 30 Prozent lichtdurchlässiger als der Vorgänger. Ich habe damit ein helles, klares Bild und trotzdem die matte, papierähnliche Oberfläche für mehr Grip beim Zeichnen. Dank Anti-Fingerabdruck-Beschichtung kann ich die Touchfunktion sorglos nutzen – die neu auch für MacOS-Systeme funktioniert.

Ein Herz für das matte Display.
Ein Herz für das matte Display.

Jede Menge Anschlüsse und Zubehör

XP-Pen legt dem Artist Pro 27 Gen 2 mehr als nur alles Notwendige bei. Mein Highlight sind die beiden Stifte. Ich bekomme neben dem klassischen X3-Pro-Stylus mit dickem Griffteil noch einen schlanken Stylus beigelegt. Beide mit aktuellster Ausstattung: über 16 000 Druckstufen, ein Ende, das als Radiergummi fungiert, und programmierbare Knöpfe. Zudem liegen im Stifte-Case Ersatzspitzen bei: vier weiche Filzerne, vier aus hartem Kunststoff.

XP-Pen packt gleich zwei Stifte und zwei Sorten Minen dazu.
XP-Pen packt gleich zwei Stifte und zwei Sorten Minen dazu.

Auch an Anschlüssen mangelt es dem Artist Pro 27 nicht:

  • ein USB-C-Anschluss
  • ein HDMI-Anschluss
  • ein DP-Anschluss
  • ein 3,5-mm-Kopfhöreranschluss
  • ein DC-Anschluss

Gemütliches Einrichten und loslegen

Die Einrichtung verläuft unkompliziert. Treiber installieren, USB-C-Kabel vom Tablet an mein Macbook Air (M4) und ein Stromkabel zur Steckdose ziehen, fertig. Kompatibel ist das Artist Pro 27 mit den Betriebssystemen Windwos, MacOS, Android, ChromeOS und Linux. Die Touchfunktion läuft bei Linux nur unter Ubuntu.

Die Touchfunktion ist im aktuellen Treiber inkludiert, beim kürzlich getesteten Huion Kamvas Pro 24 musste ich zwei Treiber separat herunterladen, was zu Schwierigkeiten beim Aktivieren geführt hat.

Anschliessend kann ich in der Software von XP-Pen diverse Einstellungen vornehmen zur Darstellung und den beiden Stiften. Die funktionieren direkt, ohne sie extra verbinden zu müssen. Ich wechsle auch problemlos zwischen ihnen hin und her.

In der Software nehme ich diverse Anpassungen für Stift und Tablet vor.
In der Software nehme ich diverse Anpassungen für Stift und Tablet vor.

Zeichnen läuft weniger flüssig

Das Zeichnen an sich fühlt sich auf dem matten Glas und mit beiden Stiften sehr angenehm an. Allerdings hinkt der Cursor auch bei langsamen Bewegungen hinterher. Beim Skizzieren stört mich das nicht, bei genauerem Arbeiten oder Ausmalen brauche ich etwas mehr Geduld. Das sollte allerdings nicht so sein. Aber trotz Support von XP-Pen haben wir es bislang nicht geschafft, den Lag zu eliminieren. Mein dafür genutztes Macbook Air (M4) hat mehr als genug Leistung. Hier siehst du, wie sich der Cursor bei mir verhält:

Ebenfalls enttäuscht bin ich von der Neigungserkennung. Diese ist viel zu empfindlich und ich mache bei der kleinsten Neigung mit dem Stift viel zu breite Linien. In den Einstellungen deaktiviere ich sie deshalb ganz. Da die Druckstufenerkennung sehr fein abgestimmt und anpassbar ist, kann ich es damit etwas ausgleichen. Trotzdem schade.

Skizzen machen Spass auf dem Tablet.
Skizzen machen Spass auf dem Tablet.

Die Touch-Funktion läuft schnell und sauber mit meinem Macbook Air. Ich finde sie enorm praktisch, damit ich nicht dauernd das Werkzeug mit dem Stift wechseln muss, um die Leinwand zu vergrössern oder zu drehen. Damit ich nicht aus Versehen mit dem Handballen etwas am Rand verstelle, kann ich festlegen, wo die Touchfunktion greift. Dank einem schwebenden Menü von XP-Pen kann ich auch Shortcuts und Gesten aufrufen. Damit mache ich beispielsweise Arbeitsschritte rückgängig oder kopiere Elemente.

Für genauere Arbeiten brauche ich mehr Geduld, aber auch das macht Spass und klappt.
Für genauere Arbeiten brauche ich mehr Geduld, aber auch das macht Spass und klappt.

Fazit: Stark, aber mit einer entscheidenden Schwäche

4****

Mit dem Artist Pro 27 Gen 2 gibt mir XP-Pen alles an die Hand, was ich für ein professionelles Kunstwerk brauche. Das neue matte Display besitzt eine angenehme Oberfläche und leuchtet auch in lichtdurchfluteten Räumen noch hell genug.

Dank 27 Zoll und der hohen 4K-Auflösung habe ich sehr viel Platz für meine Projekte und immer eine gute Übersicht. Dass XP-Pen die Touchfunktion neu auch für MacOS anbietet, ist für mich als Macbook-Userin ein klarer Vorteil. Sie funktioniert einwandfrei und reagiert rasch.

Genau beim wichtigsten Punkt für mich, dem Zeichnen, zeigen sich Schwächen. Der Cursor hinkt immer hinterher, auch bei langsamen Bewegungen, und die Neigungserkennung greift zu stark ein. Laut XP-Pen sollte das nicht passieren, lässt sich bei mir aber nicht ändern. Lediglich die Druckstufenerkennung läuft gut und lässt sich auf die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Der aktuelle Verkaufspreis auf der Webseite von XP-Pen liegt bei knapp 2000 Euro. Für die Grösse und Displayqualität wäre das absolut in Ordnung, die träge Strichführung und schlechte Neigungserkennung würde ich bei so einem Preis allerdings nicht akzeptieren. Falls das nur ein Softwareproblem ist, könnte XP-Pen sich nochmals dahinterklemmen. Bis dahin empfehle ich dir, zu einem Vorgänger (Gen 1) zu greifen, bei dem ich das Problem nicht hatte. Eine gute Alternative wäre das Huion Kamvas Pro 24 Gen 3. Das reagiert sehr schnell und angenehm, hat aber Software-Schwächen beim Programmieren der Shortcut-Tastatur und bei der Touchfunktion für MacOS.

Im Sortiment haben wir aktuell nur die kleinere Version mit 22 Zoll. Der Rest bleibt sich allerdings gleich.

Fazit

Stark mit entscheidender Schwäche

Mit dem Artist Pro 27 Gen 2 gibt mir XP-Pen alles an die Hand, was ich für ein professionelles Kunstwerk brauche. Das neue matte Display besitzt eine angenehme Oberfläche und leuchtet auch in lichtdurchfluteten Räumen noch hell genug.

Dank 27 Zoll und der hohen 4K-Auflösung habe ich sehr viel Platz für meine Projekte und immer eine gute Übersicht. Dass XP-Pen die Touchfunktion neu auch für MacOS anbietet, ist für mich als Macbook-Userin ein klarer Vorteil. Sie funktioniert einwandfrei und reagiert rasch.

Genau beim wichtigsten Punkt für mich, dem Zeichnen, zeigen sich Schwächen. Der Cursor hinkt immer hinterher, auch bei langsamen Bewegungen, und die Neigungserkennung greift zu stark ein. Laut XP-Pen sollte das nicht passieren, lässt sich bei mir aber nicht ändern. Lediglich die Druckstufenerkennung läuft gut und lässt sich auf die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Der aktuelle Verkaufspreis auf der Webseite von XP-Pen liegt bei knapp 2000 Euro. Für die Grösse und Displayqualität wäre das absolut in Ordnung, die träge Strichführung und schlechte Neigungserkennung würde ich bei so einem Preis allerdings nicht akzeptieren. Falls das nur ein Softwareproblem ist, könnte XP-Pen sich nochmals dahinterklemmen. Bis dahin empfehle ich dir, zu einem Vorgänger (Gen 1) zu greifen, bei dem ich das Problem nicht hatte. Eine gute Alternative wäre das Huion Kamvas Pro 24 Gen 3. Das reagiert sehr schnell und angenehm, hat aber Software-Schwächen beim Programmieren der Shortcut-Tastatur und bei der Touchfunktion für MacOS.

Im Sortiment haben wir aktuell nur die kleinere Version mit 22 Zoll. Der Rest bleibt sich allerdings gleich.

Pro

  • grosses, mattes Display
  • viele Anpassungsmöglichkeiten
  • 4K-Auflösung
  • Touchfunktion auch für MacOS

Contra

  • träger Cursor
  • zu empfindliche Neigungseinstellung (lässt sich deaktivieren)
Titelbild: Michelle Brändle

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Seit ich einen Stift halten kann, kritzel ich die Welt bunt. Dank iPad kommt auch die digitale Kunst nicht zu kurz. Daher teste ich am liebsten Tablets – für die Grafik und normale. Will ich meine Kreativität mit leichtem Gepäck ausleben, schnappe ich mir die neuesten Smartphones und knippse drauf los. 


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