Game&Watch – eine Reise zurück in die Kindheit
Game&Watch – eine Reise zurück in die Kindheit
HintergrundGaming

Game&Watch – eine Reise zurück in die Kindheit

David Lee
Zürich, am 03.12.2020

Im neuen Game&Watch von Nintendo verschmelzen bei mir zwei Kindheitserinnerungen zu einer. Wenn ich an die Original-Games der frühen 80er-Jahre zurückdenke, stelle ich fest: Das Konzept war genial.

Ja, ich hab eines von diesen neuen Game&Watch-Dingern ergattert. Aber auch erst beim zweiten Versuch.

Game & Watch: Super Mario Bros.
63.50
Nintendo Game & Watch: Super Mario Bros.
383

Ich behaupte mal, dass fast alle Käufer in den 70er- oder Anfang der 80er-Jahre geboren wurden. Für alle anderen sind die Game&Watch-Spiele von Nintendo bloss kleine Geräte, die piepsen. Unnütz, langweilig, überflüssig. Für mich sind sie Magie.

Kindheitserinnerungen

Ich war sechs oder sieben Jahre alt, als ich «Donkey Kong Jr.» bei meinem Onkel entdeckte. Es war das erste Mal, dass ich ein Computerspiel spielte. Ich verkroch mich in eine Ecke und war für den Rest des Tages nicht mehr ansprechbar. Nachts träumte ich von einem Dschungel mit Lianen.

Auf den Geburtstag oder Weihnachten bekam ich das Spiel geschenkt. Ich spielte es oft. Wir gingen eine Woche in die Skiferien. Es schneite ununterbrochen, wir fuhren nie Ski. Ich spielte eine Woche ununterbrochen Donkey Kong Jr. Wenn ich mehr als 999 Punkte machte, fing der Score wieder bei null an. Nach einiger Zeit schaffte ich das auch im schwierigen B-Game drei Mal hintereinander. Das war aber kein Grund, mit Gamen aufzuhören. Irgendwann merkte ich, dass das Gerät auf lustige Weise zu spinnen anfing, wenn ich während dem Spiel die Batterien ganz kurz rausnahm und sofort wieder einsetze. Da war alles möglich: Spielen mit mehreren Figuren gleichzeitig, permanentes Sterben, ohne dass das Game je fertig war, viel zu schnelle oder still stehende Gegner. Es war reiner Zufall, was geschah.

Ich glaube, ich wäre in diesem Spiel heute noch richtig gut. Die Bewegungen haben sich ins Langzeitgedächtnis eingeätzt. Wenn ich mir das Video oben ansehe, weiss ich genau, wo ich anders spielen würde. Teilweise braucht der Spieler zu lange, bis er oben ist, das gibt massiv Punktabzug. Und die Kokosnuss müsste er so werfen, dass sie drei Mal trifft. Das gibt 3+6+9 Punkte. Zudem kann man problemlos auch direkt vor einer Bärenfalle abspringen, wenn man schnell genug ist ...

Ich habe Donkey Kong Jr. leider nicht mehr. Nach Jahren fing es mich doch an zu langweilen, so dass ich es gegen ein anderes Spiel getauscht habe. Das war nicht von Nintendo und verleidete mir schon nach kurzer Zeit. Überhaupt finde ich Donkey Kong Jr. eines der besten Spiele dieser Art.

Nachtrag, 7.12.2020: Habe das Game in meinem Elternhaus wieder gefunden und nach einer kleinen Reinigung im Innern läuft es auch wieder. Ein fast 40 Jahre altes Gerät, läuft anstandslos. Was ich nicht mehr wusste: Bei 300 Punkten werden die Fehler gelöscht, und wenn du bis dort keinen Fehler gemacht hast, zählen bis zum nächsten Fehler die Punkte doppelt.

Das neue Game&Watch hat die gleiche, typische Bauform der alten Games. Daher löst es sofort den Nostalgie-Reflex aus. Gespielt wird darauf Super Mario Bros., eine weitere Kindheitserinnerung. Die NES hatte ich selber nicht, aber ich spielte oft bei Freunden damit. Hier ein Vergleich zwischen alt und neu, am Beispiel von Octopus (1981), das auch farblich passt:

Geniale Low Tech

Im neuen Game&Watch werden die NES-Spiele Super Mario Bros. und Super Mario Bros. 2 emuliert. Im Inneren werkelt ein billiger ARM-Prozessor – ein Cortex M7 mit 1,4 MB RAM und 280 MHz Taktfrequenz. Das Gerät hat ein ganz normales Farbdisplay.

Die Bildschirme der alten Game&Watch-Geräte sind dagegen aus heutiger Sicht alles andere als normal. Sie haben keine Pixel, sondern die Figuren sind direkt als Flüssigkristallformen in den Bildschirm eingraviert. Die Figuren sind zwar monochrom, aber sehr fein gezeichnet. Und weil nur ein Spiel gespielt werden kann, ist die Szenerie farbig hinter den Bildschirm gemalt. Eine Art Bühnenbild.

Das mag aus heutiger Sicht primitiv erscheinen, war aber eigentlich sehr clever. Denn bei einem gewöhnlichen Bildschirm muss der Computer jedes einzelne Pixel berechnen. Bei den LCD-Spielen entspricht eine ganze Figur einem Pixel. Es gibt somit viel weniger mögliche Kombinationen, die der Computer berechnen muss.

Für diese Szene mit drei Objekten braucht es gleich viel Aufwand wie für drei Pixel.

Nur so war es überhaupt möglich, Anfang der 80er-Jahre portable Spielkonsolen zu bauen. Nicht nur das, sie waren wirklich klein, leicht, günstig und stromsparend. Der erste Game Boy von 1989 war im Vergleich dazu ein Riesenklotz, dem jegliche Eleganz fehlte.

Die Bildschirme haben keine Hintergrundbeleuchtung. Ähnlich wie heute ein eBook-Reader brauchen sie deswegen praktisch keinen Strom. Die beiden kleinen Knopfbatterien halten ewig.

Daher werden diese Spiele nie ausgeschaltet. Wenn du nicht gerade spielst, läuft eine Demo. Eine Uhr mit ins Spiel einzubauen, ist in diesem Fall naheliegend. Und ein Wecker. Bei Donkey Kong Jr. ist es Mario, der die Glocke läutet. Ansonsten sitzt Mario bloss am Rand und schaut dem Treiben zu.

Im neuen Game&Watch kann der Bildschirm nicht eingeschaltet bleiben, weil er beleuchtet werden muss. Immerhin: Beim Drücken auf den Einschaltknopf ist die Uhrzeit sofort da, wie bei einem Smartphone, das im Standby-Modus ruht. Aber der Wecker fehlt.

Ich fänds so richtig cool, wenn Nintendo mal ein Game&Watch mit alter Technologie herausbringen würde. Nostalgie ist ja eh der einzige Kaufgrund, warum also nicht gleich aufs Ganze gehen?

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Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere. 


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