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RetroNews & Trends 2163

Feed the Nerd 3: 486er trifft auf Dumpfbacke

Endlich; was einst ein Traum war, wird Wirklichkeit. Es fühlt sich gut an, mein neues 486er-Notebook von 1995. Doch stelle ich mich anfangs wie eine Dumpfbacke an. Ich schaffe es nicht, die Kiste beim ersten Versuch zu starten.

Es hat es tatsächlich heil durch den Zoll geschafft. Ganz ohne Zusatzgebühren und robust verpackt. Bereits beim Auspacken habe ich Pipi in der Hose. Weshalb ich es glatt versäume, Bilder vom historischen Moment zu machen.

Egal; hier nun mein neues Notebook aus dem Jahr 1995. Ob es läuft, weiss ich noch nicht. Doch das werde ich gleich herausfinden.

Das 486er-Notebook wiegt 2388 Gramm.

Falls du wissen möchtest, wie ich zu diesem Notebook gekommen bin, findest du hier die Vorgeschichte:

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Es handelt sich um ein «Zenith Data System Z-STAR ES»:

  • Intel i486DX4 (75 MHz)
  • 8 MB RAM
  • 400 MB HDD
  • 3.5″ Floppy Drive
  • PCMCIA Slot
  • MS Dos 6.22 und Windows 3.1 (italienisch)

Das Notebook ist 27.7 cm breit, 21.6 cm tief, 5.2 cm dick und wiegt 2388 Gramm.

Willkommen zurück; COM, LPT und VGA

Echt aufregend, ich wähne mich auf Zeitreise. Beim letzten Start eines 486ers war ich weniger als halb so alt wie heute. Mit zarten 15 Jahren hatte ich endlich einen eigenen PC im Zimmer stehen. Davon träumte ich bereits seit der ersten Begegnung mit einem 286er. In den 80ern kaufte mein Papa einen 286er. Der erste «Familien-PC» hatte eine Festplatte mit 20 MB und ein 5.25″ Floppy Drive. Mein einige Jahre älterer Bruder hat mir dann fortan gezeigt, wie man an PCs schraubt, neue Laufwerke oder Karten einbaut und Games kopiert ...

Na gut, genug abgeschweift. Der innere Nerd und die Ungeduld scheinen in meiner Psyche gerade Blutsbrüderschaft zu schliessen. Lass uns einen Blick auf das Äussere werfen und dann endlich den ersten Start wagen.

Auf der linken Seite befindet sich eine serielle Schnittstelle (COM1), an welche ich bald eine alte Maus hängen werde (ist bereits auf dem Weg zu mir). Ausserdem finden sich ein VGA-Anschluss, eine parallele Schnittstelle (LPT1) sowie ein PCMCIA-Steckplatz.

Die rechte Seite bietet die Möglichkeit ein Kensington-Schloss anzubringen und ein 3.5″ Floppy Drive.

Hinten ist der Netzanschluss (Netzteil ist im Laptop integriert), eine PS/2-Schnittstelle sowie ein grosses Batteriefach. Im Batteriebetrieb soll das gute Stück übrigens eine Stunde und 15 Minuten durchhalten.

Powerknopf, lass das Teil zum Leben erwecken

Jaja ... Ich bin nicht immer eine Leuchte und oft sehr verpeilt. Trotzdem habe ich viel Biss und komme immer an mein Ziel. Jedenfalls will ich den ersten Start des Notebooks für dich auf Video festhalten. Doch passiert nichts, zumindest nicht beim ersten Druck auf den Powerknopf. Erst im zweiten Anlauf läuft alles wie geschmiert. Aber schau am besten selbst.

Hurra, der 486er läuft, wie vom Verkäufer beschrieben! Die CMOS-Batterie ist durch, weshalb der Computer über einen kleinen BIOS-Umweg bootet. Natürlich werde ich versuchen, die Batterie auszutauschen. Im Weiteren ist die ESC-Taste etwas «eingedrückt», sie funktioniert dennoch tadellos.

Windows und DOS sind auf Italienisch, das finde ich nicht tragisch. Ich habe keinesfalls vor Italienisch zu büffeln. Allerdings werde ich ihn, wie für mich üblich, sowieso komplett neu aufsetzen. Zunächst muss ich ihn öffnen und die Batterie auf der Hauptplatine austauschen. Respektive den Batterientyp herausfinden, um dann irgendwo in den Weiten des Internets Ersatz zu besorgen.

Sesam öffne dich... oder auch nicht

Wie zum Geier öffne ich einen Laptop von 1995? Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich das Teil ohne Heissluftföhn öffnen lässt. Auf der Suche nach Schrauben fällt mir auf, dass sich das Diskettenlaufwerk innert Sekunden entfernen lässt. Nice!

Darunter befinden sich drei Schrauben, wie auch im Batteriefach. Ohne gross darüber nachzudenken, schraube ich los und entferne die sechs Schrauben, zerre am Gehäuse und merke, dass das nichts wird.

Auf Schraubensuche werde ich unter dem Floppy Drive fündig.

Sesam öffnet sich!

Tja ... Irgendwie bin ich nicht so vom Erfolg verwöhnt. Einmal über die ganze Geschichte schlafen bringt verdammt viel, wie ich am nächsten Morgen in der Redaktion feststelle.

Erst schraube ich auch im Büro nochmal wie ein Wilder drauflos. Schraubendrehen macht einfach Spass und ich möchte meinen Kollegen zeigen, was im Inneren des Notebooks schlummert. Ich habe erneut keinen Erfolg und auch meine Kollegen schauen mich ratlos an. Immerhin hilft mir Philipp Rüegg erfolgreich beim Suchen, als mir eine schwarze Schraube davonspickt und vom ebenso dunklen Teppich verschluckt wird.

Eine Kaffee-Pause später kommt mir endlich der richtige Einfall. Ich erinnere mich wieder, wie ich einst bei einem Lenovo-Notebook an die Innereien kam: Über die Tastatur!

Und genauso geht's auch bei diesem Notebook.

Was ist das eigentlich für ein Symbol mit dem Wasserhahn? oO

Hinter der F3-Taste befindet sich ein kleiner Noppen zum runterdrücken. Ein zweiter ist bei der F12-Taste angebracht. Drücke ich diese runter, ...

Endlich freie Sicht aufs Mainboard.

... komme ich endlich ans Motherboard 😁.

Die Batterie scheint ausgelaufen zu sein.

Die Batterie ausfindig machen dauert nicht lange. Genaugenommen sind es drei Batterien (3.6V, 60mAH, Ni-MH) in einem kleinen Bündel. Sie sind nach 23 Jahren nur noch in ausgelaufenem Zustand zu bergen.

Endlich ist das Ding rausoperiert.

Nicht weiter tragisch, im Netz bestelle ich zwei Minuten später Ersatz für 5.20, Versand inklusive.

Somit kann das Retro-Abenteuer bald in die nächste Runde. Hoffentlich dann mit weniger Peinlichkeiten, viel Software und guten alten Games.

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<strong>Arduino</strong> for dummies – mein erstes (vorprogrammiertes) Mal
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User

Martin Jud

  • Editor
Der tägliche Kuss der Muse lässt meine Kreativität spriessen. Werde ich mal nicht geküsst, so versuche ich mich mittels Träumen neu zu inspirieren. Denn wer träumt, verschläft nie sein Leben.

21 Kommentare

3000 / 3000 Zeichen
Es gelten die Community-Bedingungen.

User MHenkel

"Ersatz für 5.20, Versand inklusive" - offensichtlich nicht bei Digitec =P

12.07.2018
User ervoroger

Was für eine Funktion haben den die F3 und F4 Taste mit den Wasserhahn Symbolen!?

12.07.2018
User Anonymous

Ja, was soll der Wasserhahn?

12.07.2018
User noSuchUsername

Es könnte ein Turbo-Schalter sein (oder besser gesagt ein "De-Turbo") um die CPU-Frequenz zu steuern und ältere, sich an den CPU-Zyklen orientierende Spiele spielen zu können. Gab es noch bis Pentium 1 bei manchen Modellen. Das Z-Star EX-Modell hat die entsprechenden Tasten auch. Leider konnte ich keine Bestätigung für diese Arbeitshypothese finden.

12.07.2018
User gregorvogel

Vielleicht kannst du da die Wasserkühlung ein- und ausschalten. :D

12.07.2018
User onda

Ich habe hier eine Antwort gefunden, wegen dem Wasserhahnsymbol.
groups.google.com/d/msg/com...

Es ist tatsächlich Normal oder Turbo und anscheinend können die Tast nicht funktionieren, wenn nicht das Zenith OEM DOS/Windows darauf läuft.

13.07.2018
User noSuchUsername

Ah, Newsgroups for the win! Merci vielmals.

13.07.2018
Antworten
User claudio_1267

Witzig: Beim Aufstarten von Word sah man, für wen es registriert war: "Ministero Grazia e Giustizia", also für das Justizministerium :-)

12.07.2018
User carcharoth

Eigentlich müsste das Gerät zu Bärlocher damit er n bisschen Forensik betreiben kann. Da ist sicher noch ungelöschtes Zeug drauf 😁

12.07.2018
Antworten
User FryCH

Dieser Beitrag ist schlecht für mich. Jetzt hab ich auch lust so ein altes Ding zu organisieren... :-D

13.07.2018
User piosulmoni

Ich hab genau dasselbe ur alte teil :-)

12.07.2018
User Martin Jud

Oh genial!
Weisst du mehr über die beiden Wasserhahn-Symbole? Ist der eine für junge Herren und der zweite für etwas in die Jahre gekommene? Oder handelt es sich um die Turbo-Funktion, wie NoSuchUsername vermutet?
Ansonsten würde ich dir das Teil gerne abkaufen, sollte es eines Tages nicht mehr benötigt werden. Dann könnte ich hier eine kleine LAN-Party und allenfalls auch ein Let’s Play veranstalten. :D

12.07.2018
User Anonymous

...um das Wasser aus dem Laufwerk abzupumpen ;-)
Es gab damals so ein kleines fun Programm mit Pumpengeräusch und ein paar netten fake Meldungen auf dem screen, mit dem man die unbedarften Kollegen erschrecken / ärgern / erfreuen konnte. Floppy einlegen und warten bis der Kollege bootet.
Wasserhahn ist effektiv eco/Turbo mode.
LG Fred Feuerstein

13.07.2018
User nils.leumann

@ Martin Jud meinst du nicht eher eine "LPT1" Party ;p

14.07.2018
Antworten
User akulhanek

bei diesem Hintergrundbild werden wieder Erinnerungen bei mir wach :-)

13.07.2018
User tschlaep

Herrlicher Beitrag !!

13.07.2018
User UncleMike987

A laptop just 5cm thick, and 2.5kg heavy. Ahh, happy times.
Now lets see what happens when you try to install Windows 10 on it...
(You never know, it might run... if the power cable is plugged in...!!)

22.07.2018
User shamara.leibundgut

So geil... ernsthaft, ich war grade wieder 10, und hatte meinen ersten PC (Olivetti M21 mit 10mb Festplatte, 640kb Ram) vor den Augen... und Pippi in denselbigen... vielen Herzlichen Dank für diese geniale Zeitreise, ohne einen DeLorean zu benutzen ;) und bitte mehr von diesem Nerdigen Zeugs :)

02.08.2018
User Doomer_66

Immer wieder amüsant diese Berichte.
Mein erster x86er war der 386DX40 mit der grandiosen AMD CPU und hatte auch bis Heute immer nur AMD CPU's. :)
Überlege gerade was ich damals am meisten gespielt habe... hmm, müsste wohl Battle Isle, Siedler und Warcraft 2 gewesen sein.

14.07.2018
User david.lee

Magic ! Bravo !!!

23.07.2018
User geryscherz

Mein Gott waren das Zeiten!! Da hiess es noch "Schlepptop"!

09.08.2018