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Fail: Die Fahrt mit dem selbstfahrenden Auto

Auf einem Parkplatz in Las Vegas kannst du mit einem selbstfahrenden Auto fahren. Theoretisch zumindest. Denn die Testfahrt ist ein unmitigiertes Desaster.

In Zukunft sollen die Autos fliegen und ohne Piloten oder Fahrer auskommen, wenn sie denn noch am Boden bleiben. Die Flugfahrzeuge sind noch etwas weiter entfernt, doch an der CES 2019 in Las Vegas kannst du bereits mit einem selbstfahrenden Auto auf Spritztour gehen.

Spritztour ist aber etwas übertrieben, denn die Fahrt mit dem Aurrigo PodZero sollte entspannend sein, lockere Gespräche erlauben und mehr Lebensqualität bringen.

Stattdessen haben Videoproduzentin Stephanie Tresch und ich herausgefunden, warum gewisse Dinge lieber etwas länger als Prototyp gezeigt werden. Daher lohnt sich das Video oben definitiv, auch wenn du sonst nur wegen dem Text hier bist.

«Hello, Watson!»

Der Aurrigo PodZero ist das Produkt von vier Firmen. Vereinfacht gesagt sieht die Situation um den etwa mannshohen fahrbaren Untersatz in etwa so aus:

  • Aurrigo liefert die Hardware des Fahrzeugs
  • IBM liefert mit der künstlichen Intelligenz «Watson» die intellgiente Steuerung des Fahrzeugs
  • Der Rideshare-Dienst Via bringt die Anbindung an Passagiere via App
  • Eine Consultingfirma, die alle drei Unternehmen zusammengebracht hat

In der Praxis sieht das so aus: Auf einem der gigantischen Parkplätze nahe dem Las Vegas Convention Center haben die vier Unternehmen eine kleine Route aufgebaut und Interessierte dürfen sich ins Fahrzeug hocken, mit Watson sprechen und so bitzli rumfahren. Die Route führt über New York, nach London bis nach Las Vegas. Überall soll Watson irgendwas über die Gegend erzählen und den Wetterbericht kennen.

Besonders schnell aber soll die Reise nicht sein, denn der PodZero ist als Fahrzeug an Flughäfen oder in Innenstädten gedacht. Aber die Technologie, so wird Videoproduzentin Stephanie Tresch und mir im Zelt vor dem Parcours versichert, ist physisch skalierbar. Selbstfahrende Busse und stärkere Motoren seien nur eine Frage der Bauweise, nicht aber der darunterliegenden Technologie.

Wir füllen ein Formular aus, mit dem wir jede Haftung für allfällige Unfälle und wahrscheinlich auch den Tod selbst übernehmen. PodZero, nach wie vor ein Prototyp, soll zwar nicht in die Luft fliegen, aber hundertprozentig ausgeschlossen ist das nicht.

Wir steigen ein. Uns gegenüber sitzt ein junger Australier mit einem Computer, zwei Bildschirmen und einem XBox Controller. Er ist der Mann, der als Tech Support dienen soll.

Er wird gleich viel zu tun haben.

Mit dem Kommando «Hello Watson, take us to New York» sollen wir an den ersten Posten fahren.

«Hello Watson, take us to New York», sage ich.

Der PodZero bleibt stehen.

Das entspannte Anschreien von Fahrzeugen

Egal, wie oft wir das Kommando wiederholen, laut oder leise sprechen, Watson und PodZero bleiben stehen.

«Hello Watson, reset to home», sagt der Australier, nachdem Watson irgendwelchen Quatsch von sich gegeben hat.

Watson macht nichts.

Der Australier drückt am XBox Controller herum. Watson macht immer noch nichts.

«Vielleicht liegt es am Akzent. Watson versteht Engländer und Australier manchmal etwas schlecht», sagt er.

Wir müssen kurz aussteigen, der Australier startet das Fahrzeug schnell neu. Hätten wir ein Flugzeug zu erwischen, wären wir jetzt nervös. Aber wir lassen uns die Wüstensonne Sin Citys ins Gesicht scheinen und warten kurz. Etwas beunruhigend ist die Tatsache aber schon, dass PodZero in nächster Zukunft gross am Londoner Flughafen Heathrow getestet wird. Hoffentlich verpasst keiner seinen Flug, weil die kleine Karre nicht will und neu gestartet werden muss.

Watson ist Las Vegas wichtig

Wir fahren dann endlich zum Posten, den die Erfinder als «New York» designiert haben. Das Fahrzeug beschleunigt sanft. So wie halt eine Maschine beschleunigen würde. Mechanisch, regelmässig und ohne jeden Ruck. Irgendwie fühlt sich das unnatürlich an, aber nicht unangenehm. Der Elektromotor surrt nur leicht.

In «New York» dann soll ich nach dem Wetterbericht fragen.

«Hello Watson, what's the weather?»

Watson bringt den Wetterbericht für Las Vegas. Es ist 57 Grad Fahrenheit warm. Fast 14 Grad Celsius.

«Hello Watson, what's the weather in New York?»

Watson bringt den Wetterbericht für Las Vegas. Schon wieder. Ausser, dass es jetzt 54 Grad Fahrenheit warm ist und nicht mehr 57. Also 12 Grad Celsius.

«Hello Watson, what's the weather in New York?»

Watson versteht gar nichts mehr. Wir fahren weiter. Der Australier wirkt so langsam verlegen.

Am zweiten Posten ist es schwierig zu sagen, welche Stadt wir jetzt besuchen. Watson bringt nach wie vor den Wetterbericht für Las Vegas, nachdem sich der PodZero genau auf die Leinwand mit Städtepanorama ausgerichtet hat.

«Hello Watson, who's the current mayor of London», frage ich.

Watson gibt mit einem Bimmeln an, dass die künstliche Intelligenz zwar zuhört, aber keine Antwort mehr gibt. Watson streckt die Waffen. Die Antwort wäre Sadiq Khan, übrigens.

«Hello Watson, take us home.»

Der PodZero fährt los. Watson sagt nichts mehr. Schämt sich wohl. Die zwei Journalisten im PodZero sind amüsiert, auch wenn die Temperatur im Fahrzeug recht schnell gestiegen ist.

«Hello Watson, thanks for the ride.»

Alle Artikel zur CES 2019 findest du hier.

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Dominik Bärlocher, Zürich

  • Senior Editor
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

3 Kommentare

3000 / 3000 Zeichen
Es gelten die Community-Bedingungen.

User Anonymous

Das Problem scheint hier allerdings nicht das selbstfahrende Auto zu sein, sondern lediglich die Spracherkennung.
Die dumme Siri will mich auch nie verstehen wenn ich Schweizerdeutsch spreche. Dann red ich halt nicht mit ihr ;-)

10.01.2019
User Darklingking

Also ich will ja nicht wissen was sonst alles nicht funktioniert wenn sie nicht mal die spracherkennung hinkriegen.

10.01.2019
Antworten
User Anonymous

Scheint so, als hätten sie lieber Produkte von Waymo vorgestellt. Die sind doch schon ein wenig weiter als dieser Watson.

10.01.2019