Essential PH-1: Ein erster Blick auf das Phone des Android-Gründers

Dominik Bärlocher
Zürich, am 17.10.2017
Das Essential PH-1 ist mit vielen Vorschusslorbeeren auf meinem Pult gelandet. Es ist lange her, dass ich mich so auf ein Phone gefreut habe. Daher teile ich meine ersten Gedanken mit dir.

Schwarz. Die Verpackung des Essential PH-1 gibt nicht viel her, sieht aber extrem edel aus. Vorne ist nur ein Bild des Phones drinnen. Kein Logo, kein Schriftzug, kein Slogan. Auf der Rückseite stehen vielleicht fünf Zeilen Text, die beschreiben, was die Kiste denn eigentlich ist und was du für dein Geld kriegst.

Das Innenleben der Verpackung ist auch ähnlich minimalistisch gehalten. Phone, Dongle für Headphone Jack, Charger, USB-Kabel. Fertig. Zwischen den beiden Fächern ist ein verstecktes Couvert, das das SIM Removal Tool beinhaltet. Und da fällt mir zum ersten Mal auf: Essential hat an alles gedacht. Das SIM Tool hat, so kennst du das von jedem kleinen Stiftschlüsselding, ein rundes Loch in der Mitte. Essentials Logo ist ein Quadrat mit einem ausgeschnittenen Kreis und dieser ausgeschnittene Kreis rechts daneben. Also hat Essential kurzerhand einen kleinen Kreis neben dem Tool aufgedruckt. Am besten schaust du einfach das Video oben an.

Diese Detailverliebtheit zeigt sich in allem. Wirklich allem. Alles ist in schwarz und silber gehalten. Sogar das Kabel und der Dongle sind nicht einfach mit Plastik verpackt, sondern mit einer Art Stoff überzogen.

«Boah, Dominik», höre ich dich schon sagen, «komm mal zum Phone. Kabel interessieren mich nicht.»

Okay, dann zum Phone.

Sleek. Punkt.

Im Englischen gibt es ein Wort, das «sleek» heisst. Wortwörtlich übersetzt heisst das «glatt», aber in der Übersetzung geht – wie so oft – etwas verloren. Sleek ist nicht nur glatt, sondern schlank, schön, elegant, gefällig und schick. Genau das ist das Essential Phone. Nirgends hat die Firma um Android-Gründer Andy Rubin gespart, auch wenn das Phone komplett ohne Schnickschnack auskommt. Jeder Quadratmillimeter des Geräts scheint durchdacht und so macht es einen extrem guten ersten Eindruck.

Da kann sich die Konkurrenz, sowohl auf Seite Android wie auch Apple, eine Scheibe abschneiden. So etwas habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Wenn überhaupt jemals.

Das Essential PH-1 liegt etwas schwer in der Hand, aber mit 180 Gramm ist es nicht massig oder zu schwer. Im Gegenteil, das Teil fühlt sich so an, als ob du etwas in der Hand hältst, das performen kann. Die Ränder sind aus Metall, die Rückseite ist aus schwarz verspiegeltem Plastik. In den Rändern hast du die Antennen-Streifen und das LED-Licht für Notifications ist nahtlos darin verbaut.

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Die Selfie-Kamera ragt ins Bild. Ich frage mich, ob mich das stören wird

Die Hauptsache ist aber das Display. Das ist gross. So gross sogar, dass die Selfie-Kamera in den Screen hineinragt. Dieser Idee bin ich kritisch gegenübergestanden. Sehr kritisch. Ich mag meine Bildschirme. Selfie-Kameras mag ich aber nicht. Ich bin wohl der einzige, der die Selfie-Kamera nur zu Testzwecken gebraucht. Okay, mein jüngstes Selfie ist etwa drei Wochen alt, an das davor kann ich mich nicht erinnern. Laut mir hätte es das Konstrukt so nicht gebraucht.

Aber eben: durchdacht. Das Essential PH-1 vermittelt auch hier ein richtig gutes Gefühl. Denn in der Mitte des Status Bars oben wird in der Regel nichts angezeigt. Das ist einfach nur ungenutzte Bildschirmfläche. Jetzt ist da die Kamera und die ganze Sache fühlt sich organisch, logisch und komplett an.

Was dem Teil aber fehlt ist ein Kopfhörer-Jack. Dazu gibt es ein Dongle, damit deine Kopfhörer nach wie vor zu gebrauchen sind, aber genau wie Apple und anders als HTC, liefert Essential keinen guten Grund dafür, warum der 3.5-Millimeter-Klinkenanschluss jetzt weg muss. Nach wie vor sehe ich ein, warum der Anschluss weg kann, aber nur dann, wenn eine bessere Alternative geliefert wird. Bisher der Einzige, der das richtig gemacht hat, ist der krisengeplagte Konzern HTC, der die wohl besten In-Ear-Kopfhörer ever mit dem HTC U 11 mitgeliefert hat.

*HTC U11** – Neue Hardware-Features, die nur teils überzeugenVideo
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Klar, es gibt eine Menge kabellose Kopfhörer, die sich via Bluetooth mit dem Phone verbinden, die du dir kaufen kannst und alles. Aber ich bin der Meinung, dass wenn eine 100 Jahre alte Technologie in die ewigen Jagdgründe geschickt werden soll, dann liegt die Last bei den Abschaffenden, eine bessere Alternative zu liefern. Beweist uns, dass wir den alten Schrott nicht mehr brauchen und lachend in eine goldene Zukunft gehen können. Stattdessen wird uns hier einfach etwas weggenommen, an das wir uns alle unser Leben lang gewöhnt sind.

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Die Rückenplatte ist blank, mit Ausnahme der Kamera, des Fingerprintscanners und der Magnetkonnektoren

Die Rückenplatte ist aus Plastik, ohne Logo ohne nichts. Kein CE-Siegel. Das könnte zu Problemen führen, weil ohne CE kann in Europa nichts verkauft werden. Aber: Alle Teile sind CE zertifiziert. Klar, in der Regel sind die alle auch angeschrieben, aber wenn du dein Essential Phone zerstörst und aufmachst, dann wirst du CE-Siegel finden. Aber so wie das Gerät geliefert wird, ist die Rückenplatte komplett logofrei. Und das ist doch sehr nett.

Ich hätte nie gedacht, dass ein Phone, das so minimalistisch und pur daherkommt, ohne Logos und Schriftzüge, mir so gut gefallen würde.

Warum digitec das Essential Phone anbieten kann

In der Regel kommunizieren wir nicht, wie wir ein Phone bekommen haben und unsere Preispolitik ist unsere Sache. Doch das Essential PH-1 sei ein Sonderfall, heisst es aus dem Produktmanagement. Denn das Phone werde in der Schweiz nicht offiziell vertrieben. Das Phone ist auch kein normaler Grauimport, sondern halt eben speziell.

Wir kaufen das Phone so ein, wie es ein Amerikaner kaufen würde. Also mit Mehrwertsteuer und allem. Da wird das Essential PH-1 aber nicht verkaufen dürften, wenn wir keine Garantie erbringen könnten, stemmen wir die ebenfalls. Sprich, wenn dein Essential PH-1 bei Ankunft kaputt ist, dann reparieren wir das auf unsere Kosten, denn rechtlich müssen wir in der Schweiz zwei Jahre Garantie anbieten. Die hast du natürlich auch auf ein Produkt, das wir in den USA so kaufen, wie ein Kunde das tut.

«Aber das rechtfertigt niemals den Preis», höre ich schon User in den Kommentarspalten laut denken. Doch, tut es. Das liegt nicht nur daran, dass die Essential-Besitzer solidarisch die Garantiefälle mittragen, sondern daran, dass die USA halt nicht ganz so funktioniert, wie die Schweiz. Hier geht es um das leidige Thema Mehrwertsteuer. In den USA heisst sie Sales Tax und sie variiert von US-Bundesstaat zu US-Bundesstaat. In der Schweiz haben wir das mal demokratisch in Bern festgelegt und vor einigen Jahren mal drüber abgestimmt und basta.

Mobiltelefon
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PH-1 (128GB, Black Moon, 5.71", Single SIM, 13Mpx)
Essential PH-1 (128GB, Black Moon, 5.71", Single SIM, 13Mpx)

Dank des umwerfenden Full Displays, das von Kante zu Kante geht, gibt es nun endlich auch ein Gerät mit grossem Display, das bequem in der Hand liegt.

Daher sind Preise in den USA immer ohne VAT angegeben. In der Schweiz aber immer mit. Wenn du hier also acht Prozent Mehrwertsteuer zahlst und etwas ist mit 10.80 CHF im Laden angeschrieben, dann sind davon 80 Rappen Mehrwertsteuer. In den USA kostet etwas, das mit 10.80 USD angeschrieben ist, in Alabama mit den aktuell herrschenden 13.5 Prozent Sales Tax hingegen 14.58 USD. Zum Vergleich, weil die USA immer etwas kompliziert sind: In Hawaii ist die Sales Tax nur 4.712 Prozent, also wäre unser 10.80 USD-Ding da 11.30 USD teuer.

Wenn du also liest, dass das Essential PH-1 in den USA mit 699 Dollar angeschrieben ist, dann kann das Teil, je nach Staat, im Laden zwischen 731.93 USD in Hawaii und 793.36 USD in Alabama kosten. Ohne Marge für den Verkäufer, versteht sich. Und ohne Garantie. Und ohne Importzollkosten.

Bei uns kommt eine kleine Marge dazu. Weil jeder muss sich über Wasser halten können. Wir haben uns für Elektronik entschieden, hoffen, dass dir unsere Geräte gefallen und du sie nach Ablauf ihrer Lebensdauer recyclest. Dazu noch die Garantieleistung und fertig ist ein Preis, der auf den ersten Blick im internationalen Vergleich absurd erscheint.

Ich seh’s schon kommen. Ich werde in der Zukunft noch oft auf diese Passage in diesem Artikel verlinken müssen.

Und jetzt: Einschalten! Der Alltagstest beginnt. Ich melde mich schon bald mit einem vollen Review von wegen Performance und so zurück. Weil so ein Phone etwas ganz besonderes auf dem Markt darstellt und mit viel Vorschusslorbeeren kommt, muss ich es über einen längeren Zeitraum testen.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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