
Dieses Elektroauto fährt mit Akkus aus E-Zigaretten
Was andere wegwerfen, verbaut Chris Doel in Elektroautos. Der britische Ingenieur und YouTuber hat einen kompletten Fahrzeugakku aus entsorgten Einweg-E-Zigaretten gebaut. Er beweist damit, dass Elektroschrott fahrtauglich ist.
Chris Doel ist kein gewöhnlicher Bastler. Der 29-jährige Brite dokumentiert auf seinem YouTube-Kanal seit Jahren, wie verschwenderisch die Gesellschaft mit Ressourcen umgeht. So beweist er mit handfesten Projekten, dass Elektroschrott erheblich mehr kann, als auf einer Deponie zu verrotten. Mit ausgemusterten Akkus betrieb er bereits ein E-Bike, baute eine Schnelllade-Powerbank und konstruierte eine Powerwall, die sein gesamtes Haus mit Strom versorgte.
Nun hat er die Messlatte noch einmal höher gelegt: Als Basis dient ihm ein Reva G-Wiz, ein kompaktes Elektroauto aus den frühen 2000er-Jahren. Dies war ursprünglich mit einem schweren Bleiakku-System ausgestattet. Diesen Akku ersetzte Doel vollständig durch ein selbstgebautes Batteriepack aus 500 Lithium-Zellen, die er aus entsorgten Einweg-E-Zigaretten gewann.
Die Ausgangslage: Millionen Akkus im Abfall
Das erklärte Ziel hinter dem Projekt ist nicht nur technischer Natur: Doel will auf die potenziellen Gefahren von Einweg-Vapes aufmerksam machen. Allein im Vereinigten Königreich wurden teilweise täglich über eine Million davon weggeworfen.

Quelle: @Chris_Doel / YouTube
In Deutschland sieht die Lage kaum besser aus. Laut Deutscher Umwelthilfe werden pro Jahr etwa 60 Millionen dieser E-Zigaretten entsorgt. In der Schweiz landen jedes Jahr fast alle der über zehn Millionen eingesetzten Einweg‑Vapes im Abfall.
Das eigentliche Problem liegt dabei im Produktdesign. Viele Einweg-E-Zigaretten enthalten hochwertige Lithium-Ionen-Zellen, die theoretisch hunderte von Ladezyklen überstehen könnten, aber durch das Produktdesign nach wenigen Tagen Nutzung entsorgt werden. Die eingebauten Platinen ziehen auch nach dem Ende der Nutzung kleine Energiemengen, wodurch die Batterie schliesslich unbrauchbar wird. Technisch gesehen sind diese Zellen mit jenen in Smartphones oder Laptops vergleichbar. Trotzdem landen sie nach kurzem Gebrauch auf dem Müll.
Hunderte Stunden Handarbeit
Doel sammelte die weggeworfenen E-Zigaretten über mehrere Monate hinweg aus speziellen Recycling-Behältern. Jede einzelne Zelle musste er vorsichtig aus dem Plastikgehäuse befreien und auf ihre verbleibende Ladekapazität testen. Dabei stand er vor einem grundsätzlichen Problem: Es gibt keine schnelle Methode, um den Zustand der Akkus auf einen Blick zu beurteilen. Doel behalf sich mit einem ungewöhnlichen Trick: Er nutzte ein ausgedientes CPAP-Beatmungsgerät, um Luft durch das Mundstück der Vapes zu blasen. Reagierte das Gerät, war auch der Akku noch intakt.

Quelle: @Chris_Doel / YouTube
Jede Batterie musste individuell getestet werden, da viele Zellen unter die sichere Grenze von drei Volt entladen waren und somit unbrauchbar geworden sind. Die funktionsfähigen Akkus wurden von Hand beschriftet und nach ihrer verbleibenden Kapazität gruppiert. Nur jene mit mindestens fünf Wattstunden Restkapazität kamen weiter; die kleineren 1,8-Wh-Zellen sortierte Doel aus.
Die rund 500 verwendeten Zellen stammten vollständig aus einem früheren Projekt: Doel hatte daraus bereits eine Powerwall gebaut und den Speicher nun für das Elektroauto umfunktioniert.
Zusammenbau: Vom Vape-Müll zum Fahrzeugakku
Nach dem aufwendigen Selektionsprozess begann die eigentliche Konstruktionsarbeit. Die verbleibenden Batterien bündelte Doel in Neunergruppen mit selbst gedruckten 3D-Halterungen, ähnlich wie bei Elektrofahrzeug-Akkupacks. Kupferband und Nickelstreifen sorgten für eine gleichmässige Stromverteilung.

Quelle: @Chris_Doel / YouTube
Ein eigens dafür installiertes Batteriemanagementsystem überwachte die Ladezyklen und schützte vor Überhitzung. Dies ist bei solchen Eigenbauten eine absolute Notwendigkeit, da falsch verschaltete Lithium-Ionen-Zellen schnell in Brand geraten können. Durch serielle und parallele Schaltung der Zellen erreichte der Ingenieur exakt die 48 Volt, die der Elektromotor des Reva G-Wiz benötigt.
Besonders bemerkenswert ist eine weitere Eigenheit des Systems: Der Akku lässt sich über USB-C aufladen.

Quelle: @Chris_Doel / YouTube
Das Ergebnis auf der Strasse
Der erste Praxistest lieferte überzeugende Zahlen. Das Fahrzeug erreichte eine Reichweite von über 27 Kilometern und eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 56 km/h. Das System lieferte 2,07 kWh nutzbare Energie aus einer theoretischen Kapazität von 2,5 kWh, während die Temperaturen unter 30 Grad Celsius blieben.

Quelle: @Chris_Doel / YouTube
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