Der perfekte Gamer-TV: Drei Dinge, auf die du achten musst
HintergrundGaming

Der perfekte Gamer-TV: Drei Dinge, auf die du achten musst

Luca Fontana
Zürich, am 04.01.2018
Der beste Fernseher für den Filmgenuss ist nicht immer auch der beste Fernseher für deine Game-Konsole. Worauf du achten musst, um beim Kauf deiner nächsten Mattscheibe nichts falsch zu machen, erfährst du hier.

Stell dir vor, du blätterst einen ganzen Haufen Schotter für eine neue Mattscheibe hin. Stell dir vor, wie du dann beim Spielen des aktuellsten Battelfield-Ablegers feststellst, dass das Bild schmiert und Gegner eine halbe Sekunde Vorsprung haben – ein wahrgewordener Albtraum!

Und hier die gute Nachricht: Das wird dir nicht passieren. Ganz bestimmt nicht. Denn hier erfährst du, worauf du als Gamer beim Kauf einer neuen Glotze achten musst.

Erstens: Das Alpha und Omega – der Input-Lag

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Geschockte Gesichter, wenn man auf den virtuellen Schlachtfeldern ständig abnibbelt.

Du nimmst bei rassigen Ego-Shootern, halsbrecherischen Rennspielen oder nervenstrapazierenden Fussball-Simulationen gerne an Online-Partien teil? Dann ist das der wichtigste Abschnitt für dich. Denn Online-Spieler achten vor allem auf den Input-Lag (zu Deutsch: Eingabe-Verzögerung). Der Input-Lag bezeichnet die Zeit, die dein TV benötigt, um Befehle, die du über den Controller gibst, auf dem Bild darzustellen. Offensichtlich gilt: Je geringer die Verzögerung, desto besser.

Angenommen, bei mir dauert es nach dem Drücken der Schusstaste rund 30 Millisekunden, bis ich auf dem TV sehe, wie meine Figur schiesst. Wenn das beim Kollegen nur 20 Millisekunden dauert, hat er einen Vorteil. Selbst wenn wir gleichzeitig den Abzug betätigten, seine Figur würde vor meiner zu schiessen beginnen – ganze 10 Millisekunden früher, um genau zu sein – und ich würde den Kürzeren ziehen.

Der Input-Lag ist also entscheidend. Klar, wir bewegen uns im Bereich des Sekundebruchteils. Aber in einem Ego-Shooter kann das den Unterschied ausmachen. Wie hoch darf der Input-Lag bei einem Gamer-TV sein? 50 Millisekunden gelten üblicherweise als akzeptabel, bei manchen sogar als grenzwertig. Alles, was darüber ist, mindert den Spielspass deutlich. Profi-Zocker geben sich keine Blösse und kaufen nur, was unter der 30-Millisekunden-Grenze liegt.

Zweitens: Wofür ist der Game-Modus?

Der Game-Modus sorgt dafür, dass der oben beschriebene Input-Lag zusätzlich verringert wird. Die Konsole übermittelt Signale an deine Glotze, die Informationen zur Farbdarstellung, Kantenglättung und zum Kontrastumfang enthalten. Je umfangreicher der Informationsgehalt der Signale, desto länger die Verarbeitungszeit – und desto grösser der Input-Lag. Dein TV nimmt diese Signale auf und schickt sie zusätzlich durch diverse Bildoptimierungs-Programme, bevor du das dargestellte Bild endlich zu sehen kriegst.

Hier kommt der Game-Modus ins Spiel. Er verringert oder entfernt unnötiges Bildverbesserungs-Gedöns, das du zwar für den optimalen Kinofilm-Genuss bräuchtest, allerdings nicht für eine ordentliche Runde Call of Duty im Multiplayer-Modus. Somit verringert sich die Verarbeitungszeit – und folglich der Input-Lag.

Die erste Hälfte ist im Game-Modus, ab 0:20 Minuten nicht mehr. Achte auf das Geräusch beim Betätigen der Sprung-Taste – ausserhalb des Game-Modus ist der Input-Lag deutlich sichtbar!

«Aber halt!», magst du jetzt rufen, «Wofür kaufe ich mir eine teure Gaming-Konsole mit 4K-Auflösung und HDR-Unterstützung, wenn ich das Bild im Game-Modus wieder kastriere?» Guter Einwand. Ein Gamer-Fernseher zeichnet sich dadurch aus, dass das Bild auch im Game-Modus gut aussieht. Der besagte Modus verringert oder entfernt unnötige Optimierungs-Routinen, behält aber das bei, was für deinen Game-Genuss nötig ist (siehe Video oben).

Dennoch – hast du einen TV ins Auge gefasst, wirst du kaum drum herumkommen, ihn selbst in Augenschein zu nehmen, bevor du den Kaufentscheid triffst. Vorsicht ist besser als Nachsicht, gerade bei einer grossen Investition.

Drittens: Die Reaktionszeit des TVs (ist nicht dasselbe wie der Input-Lag)

Die Reaktions-Zeit wird genau wie der Input-Lag in Millisekunden gemessen. Und weil der Name ja auch noch etwas mit Reaktion impliziert, verwechselt man diesen Wert gerne mal mit dem Input-Lag. Dabei handelt es sich um zwei ganz unterschiedliche Zahlen.

Die Reaktionszeit ist die Zeit, die ein einzelnes Pixel braucht, um seine Farbe zu wechseln. Das ist gerade bei schnellen Bewegungen, Szenen und Spielen wichtig. Tausende Pixel setzen sich zu einem Gesamtbild zusammen, und wenn auf diesem Gesamtbild viel Bewegung zu sehen ist, müssen die einzelnen Pixel entsprechend rasch reagieren. Wechseln die Pixel ihre Farben nicht fix genug, beginnt das Bild, Schlieren zu ziehen.

Wie das aussieht? Du hast es vielleicht schon bemerkt, beim Fussball- oder Tennis gucken, wenn der Ball eine Art «Schweif» hinter sich herzieht: Stellst du um auf Fussball- oder Sport-Modus (je nach Hersteller unterschiedlich), müssten die Schlieren verschwinden. Oder wenigstens stark abnehmen.

Achte auf den Ball beim Freistoss. Der Ball hat bei der Beschleunigung bei 0:06 Minuten und bei der abrupten Bremsung bei 0:08 Minuten einen deutlich sichtbaren Schweif – die typischen Schlieren.

Der Game-Modus wird die Schlieren nicht reduzieren. Unter Umständen begünstigt er sie sogar, weil jener Modus den Input-Lag verringern soll (darum geht's ja), indem er weniger wichtige Bildverbesserungs-Mechanismen abschaltet. Damit ein schmierendes Fadenkreuz in deinem Lieblings-Ego-Shooter nicht zur Norm wird, sollte dein Gamer-TV eine so schnelle Reaktionszeit haben, dass selbst im Game-Modus keine Schlierereien zu sehen sind.

Die Reaktionszeit deines Fernsehers sollte demnach unter 10 Millisekunden liegen. Bei modernen TVs, die in der Regel mit einer Reaktionszeit von zwei bis fünf Millisekunden ausgestattet sind, ist das also kein Thema. Aber Achtung: Wenn Hersteller die Reaktionszeit angeben, meinen sie oft den Wechsel von einem grauen Pixel zu einem anderen grauen Pixel. Weil das viel weniger aufwändig ist, ist die Reaktionszeit folglich schneller. Wirklich verlässlich ist nur der weiss-zu-schwarz-Wert. Und den findest du meistens nur über Testberichte Dritter heraus.

Die Bildrate – spielt sie noch eine Rolle?

Bildrate, Bildwiederholrate, Bildwiederholungs-Frequenz... überall heisst es ein bisschen anders, überall bedeutet es aber das Gleiche: Es bezeichnet die Anzahl Einzelbilder, die pro Sekunde dargestellt werden.

Stell dir ein Daumenkino vor: Je schneller einzelne Bilder kurz hintereinander dargestellt werden, desto mehr verschmelzen diese Einzelbilder zu einer flüssigen Bewegung. Gemessen wird die Bildrate oft in Hertz (Hz) oder, gleichwertig, in Bilder/Frames pro Sekunde (fps). Soll heissen: 60 Hz oder 60 fps – beides bedeutet im Grunde dasselbe. Ab 24 Bilder pro Sekunde empfindet das menschliche Auge eine Abfolge von Einzelbildern als «flüssig». Je höher die Bildrate, desto «flüssiger» das Bild. Bis zu welchem Punkt eine Erhöhung der Bildrate vom menschlichen Gehirn überhaupt noch registriert wird, ist von Person zu Person verschieden.

Beide Videos laufen flüssig, doch läuft das Video links um ein vielfaches flüssiger. So sehen 30 fps Unterschied aus!

In der Branche gelten 30 fps als die untere Grenze für ein sauberes und ruckelfreies gamen. Mehr als 60 fps kriegen aktuelle Konsolen (PS4 Pro oder Xbox One X) gar nicht hin, ansonsten müssten Abstriche bei der Grafik gemacht werden. Nur so würden Leistungskapazitäten freigelegt werden, um noch mehr Bilder pro Sekunde zu generieren. Aktuelle Fernseher im Mittelklasse-Segment bieten meistens 100 Hz Panels, und sind damit oft unterfordert.

Im Klartext: Egal ob der Hersteller deines Fernsehers mit 100, 200 oder sogar 400 Hz prahlt, er wird nie mehr als die 30 bis 60 fps von der Quelle entgegennehmen können. Deshalb ist die Diskussion um möglichst hohe Hertz-Angaben meistens obsolet – zumindest für Gamer.

Das Spiel ruckelt online beim Gamen trotz ausreichender Bildrate – wieso?

Falls das Bild bei dir trotz ausreichend hoher Bildrate ruckelt und stockt – und du kaputte Hardware als Ursache ausschliessen kannst – liegt die Ursache meistens bei folgenden zwei Problemen:

  • Das Game ist schlicht und einfach schlecht programmiert worden
  • Die Zeit, in welcher Datenpakete von der Konsole zum Server unterwegs sind, ist zu hoch

Ist das Entwicklerstudio schuld, kannst du nicht viel machen. Nicht selten leiden selbst entwicklungsintensive Games unter massiven «Frame-Drops» (das ist, wenn das Spiel stockt), sobald die Action auf dem Bild zunimmt. Das ist ärgerlich, aber nicht beeinflussbar. Hast du hingegen einen zu hohen «Ping», und bist du deshalb am «laggen», ist der Spielraum schon etwas grösser.

Mühsames Ärgernis bei vielen Overwatch-Gamern – Heftige Frame-Drops lassen das Spiel in Zeitlupe ablaufen, als ob jemand beim Daumenkino runterbremsen würde.

Der «Ping» beschreibt, wie lange es dauert, bis ein Datenpaket von deiner Konsole zum Server gelangt und umgekehrt. In der Regel liegt dieser Wert im zweistelligen Millisekunden-Bereich. Hast du also einen Ping von 500 ms, bedeutet dies, dass das Datenpaket eine halbe Sekunde von der Konsole zum Server benötigt – eine gefühlte Ewigkeit!

Deinen Ping verbesserst du, indem du sicherstellst, dass du möglichst viel Bandbreite für dich und dein Game klarmachst: Sorge dafür, dass du die einzige Person bist, die das Internet-Netzwerk beansprucht, und schmeisse alle anderen Personen raus (nicht ganz ernst gemeint... oder doch?), und spiele nur auf Servern mit guter Anbindung. Das sind meistens jene Server, die sich auf demselben Kontinent befinden, wie du. Im Spiel siehst du oft in der Serverauswahl, wie hoch dein Ping ist. Wähle einen Server mit einem möglichst tiefen Ping aus.

Fazit

Ich fasse zusammen. Gute TVs fürs Heimkino sind nicht zwingend gut für Gamer geeignet – und umgekehrt. Als Gamer achtest du beim Kauf also auf folgende drei Dinge:

  1. Niedriger Input-Lag – für eine geringe Eingabe-Verzögerung
  2. Game-Modus des Fernsehers aktivieren – das verringert den Input-Lag zusätzlich
  3. Kurze Reaktionszeit – für ein Bild ohne Schlieren

Die Bildrate spielt nur eine zweitrangige Rolle, weil die Quelle – also aktuelle Konsolen – nicht mehr Bilder pro Sekunde generieren als moderne TVs darstellen könnten. Spiele zudem nur auf Servern, zu denen du eine gute Anbindung hast – achte auf den Ping!


Empfohlene TVs

Du hast oben von Input-Lag und Reaktionszeiten gelesen, und findest im Datenblatt deines TVs keine Angaben dazu? Kein Wunder, nur die wenigsten Hersteller liefern aus eigenem Hause konkrete Zahlen. Das ist aber nicht nur ihre Schuld: Bei manchen Werten gibt es (noch) keine handfesten Messmethoden, viele Zahlen stellen nur Annäherungsversuche an die eigentliche Werte dar.

Möchtest du also wissen, ob diese oder jene Mattscheibe für deine nächste Battlefront-Session geeignet ist, wirst du das World Wide Web durchforsten müssen. Ein bisschen Arbeit habe ich dir schon abgenommen, hier findest du eine Auflistung geeigneter Gamer-TVs.

High-End Gamer-TVs

Samsung Q9F * Sehr gutes 4K-HDR-Bild * Sehr hell, gerade beim Spielen tagsüber in hellen Räumen wichtig * Sehr niedriger Input-Lag: 12 ms im Game-Modus

LG OLED E7 * Sehr gutes 4K-HDR-Bild, besonders in weniger hellen Räumen kaum zu übertreffen * Integrierte, hochwertige Soundbar für Dolby Atmos. Eine hochwertige Sound-Technologie, die sowohl die Xbox One S als auch die Xbox One X unterstützt * Niedriger Input-Lag: 22 ms im Game-Modus

Sony ZD9 * Sehr gutes 4K-HDR-Bild * Input-Lag: 35 ms im Game-Modus

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Samsung QE65Q9F (65", 4K, QLED, LCD, 2017)
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LG OLED55E7 (55", 4K, OLED, 2017)
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KD-65ZD9 (65", 4K, Android OS, LCD, 2016)
Sony KD-65ZD9 (65", 4K, Android OS, LCD, 2016)

Midrange Gamer-TVs

LG SJ850 * Gute Bildqualität * Niedriger Input-Lag: 15 ms im Game-Modus

Sony XE93 * Gutes 4K-HDR-Bild * Handelt dank Local Dimming sowohl helle als auch dunkle Bildbereiche sehr gut * Input-Lag: 38 ms im Game-Modus

Samsung MU8000 * Schönes 4K-HDR-Bild * Kein Local-Dimming, somit leichte Abzüge beim Schwarz-Wert * Sehr niedriger Input-Lag: 12 ms im Game-Modus

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LG 65SJ850 (65", 4K, LCD, 2017)
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Sony KD-65XE9305 (65", 4K, TRILUMINOS, LCD, 2017)
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UE65MU8000 (65", 4K, LCD, 2017)
Samsung UE65MU8000 (65", 4K, LCD, 2017)

Gamer-TVs mit gutem Preisleistungs-Verhältnis

Philips PUS6412 * Ambilight für ein intensives Game-Erlebnis! * Input-Lag: 31 ms im Game-Modus

Sony XE8505 * Gute Bildqualität * Leichte Abzüge bei der maximalen Helligkeit für gamen in hellen Räumen * Input-Lag: 21 ms im Game-Modus

Samsung MU6170 * Niedriger Input-Lag: 20 ms * Etwas hohe Reaktionszeit: 18 ms im Game-Modus

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Philips 65PUS6412/12 (65", 4K, Ambilight, LCD)
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Sony KD-65XE8505 (65", 4K, TRILUMINOS, LCD, 2017)
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Samsung UE65MU6170 (65", 4K, Smart TV, LCD, 2017)

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Luca Fontana
Luca Fontana
Editor, Zürich
Abenteuer in der Natur zu erleben und mit Sport an meine Grenzen zu gehen, bis der eigene Puls zum Beat wird — das ist meine Komfortzone. Zum Ausgleich geniesse ich auch die ruhigen Momente mit einem guten Buch über gefährliche Intrigen und finstere Königsmörder. Manchmal schwärme ich für Filmmusik, minutenlang. Hängt wohl mit meiner ausgeprägten Leidenschaft fürs Kino zusammen. Was ich immer schon sagen wollte: «Ich bin Groot.»

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