Der grosse Streaming-Anbieter-Vergleich
Hintergrund

Der grosse Streaming-Anbieter-Vergleich

Philipp Rüegg
Zürich, am 17.07.2017
Riesige Auswahl, zu jeder Zeit schaubar und erst noch auf praktisch jedem Gerät verfügbar. Kein Wunder erfreuen sich Netflix und Co. ungebremster Beliebtheit. Ein Überblick über die wichtigsten Anbieter in der Schweiz.

Die Zeiten, als wir uns fixen Sendezeiten unserer Lieblingserie unterjochen mussten, sind vorbei. Streamingdienste und OnDemand-Services spriessen nur so aus dem Boden. Kein Wunder, bieten sie doch wesentlich mehr Flexibilität.

Während für Live-Sendungen wie Sport-Übertragungen klassisches Fernsehen weiterhin die erste Adresse ist, schauen sich immer mehr Menschen Serien und Filmen über Netflix und Co. an. Da das Angebot immer unübersichtlicher wird, habe ich euch eine Zusammenstellung gemacht und die wichtigsten Anbieter miteinander verglichen. Ich habe versucht, vergleichbare Titel und Angebote zu finden, aber nicht immer sind an allen Orten die gleichen Inhalte verfügbar. Auch variieren die Preise für Filme und Serien teils sehr stark, so dass es schwierig ist, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Ich hoffe, meine Übersicht hilft euch trotzdem.

Falls ihr übrigens wissen wollt, bei welchem Dienst es einen bestimmten Film oder eine bestimmte Serie gibt, hilft euchJustWatch weiter. Dort könnt ihr mit einem Klick schauen, welche Filme, wo verfügbar sind.

Netflix

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Der bekannteste Streaming-Anbieter ist seit ein paar Jahren auch bei uns verfügbar und freut sich reger Beliebtheit. Das Angebot kann zwar nicht mit dem amerikanischen mithalten, dank den zahlreichen Eigenproduktionen ist es aber auch für Schweizer attraktiv. Filmtechnisch ist Netflix weniger stark und verfügt über praktisch keine aktuellen Titel – wiederum abgesehen von den zunehmenden selber produzierten Filmen wie «Okja». Netflix gibt offiziell an, rund 5000 Filme und Serien bei uns anzubieten. Glaubt man der Webseite Unogs auf der du bequem nachschauen kannst, welche Videos, in welchem Land verfügbar sind, wären es nur rund 3000. Durch die vielen erstklassigen Serien, Stand-Up-Comedys und Dokus hast du aber schon damit mehr als genug Material.

Preislich gehört Netflix zu den teureren Optionen (monatlich ab CHF 11.90). Allerdings lässt sich das Abo auch prima mit Freunden teilen, besonders wenn du das teuerste Abo mit 4K-Inhalten löst (ab CHF 17.90). Damit können bis zu vier Leute gleichzeitig schauen. Seit kurzem unterstützt Netflix zudem das Audioformat Dolby Atmos, das noch besseren Sound produzieren soll. Auch HDR, eine Technik für besseren Kontrast, wird in vielen Titeln angeboten.

Netflix ist übers Web oder per App auf praktisch jedem erdenklichen Gerät verfügbar. Smartphone, Smart-TV, Konsole etc. Trotz gegenteiliger früherer Aussage von CEO Reed Hastings gibt es nun sogar die Möglichkeit, Filme und Serien offline zu speichern. Das US-Angebot anzuzapfen ist dafür praktisch unmöglich geworden. Netflix ist radikal gegen VPN-Nutzer vorgegangen und die wenigsten Dienste funktionieren noch zuverlässig.

Amazon Prime Video

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Amazon bietet seinen Videodienst mittlerweile auch für Schweizer an. Bezahlt wird in Euro. Die günstigste Version ist Prime Video für 7.99 Euro (ca. CHF 8.75) im Monat. Für einen Euro mehr kriegst du das vollständige Prime-Paket. Darin enthalten ist ausserdem ein Musikdienst (nur eine Light-Version), schnellerer Versand etc. Im Jahresabo kostet das Ganze schliesslich noch 5.75 Euro pro Monat. Prime Video ist wie Netflix ein All-You-Can-Eat-Abo. Interessant dabei sind Amazons eigene Produktionen wie «The Man in the High Castle». Amazon hat sich auch diverse Exklusiv-Rechte gekrallt wie für «Preacher», «American Gods» oder «Vikings». Aber auch von «New Girl» findest du die aktuellste Staffel. Klickst du allerdings auf das Video, heisst es, dass der Inhalt aus Lizenzgründen nicht bei dir verfügbar ist. Offenbar sind nur Amazons eigene Produktionen in der Schweiz erhältlich. Das dämpft die Attraktivität gewaltig. Somit bleibt dir nur kostenpflichtiges Mieten oder Kaufen. Dabei bietet Amazon immerhin eines der umfangreichsten Angebote.

Schauen kannst du Amazon Prime Video entweder auf Amazons eigenen Geräten oder per App auf dem Tablet, auf unterstützten Smart-TVs, Spielkonsolen etc. 4K- und HDR-Inhalte sind theoretisch vorhanden, finden sich aber nur umständlich und scheinen nicht in bei uns erhältlichen Titeln verfügbar zu sein.

Anders als bei Netflix kannst du dir per VPN immer noch relativ unkompliziert das US-Angebot zugänglich machen, welches um Welten besser ist. Allerdings gilt die Prime-Mitgliedschaft dann auch nur für Amazon.com. Bestellst du etwas im deutschen Store, profitierst du nicht vom Prime-Versand.

Teleclub Play

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Swisscom bietet ein spezielles Teleclub-Abo an. Mit Teleclub Paly erhältst du für CHF 12.90 im Monat eine Flatrate für Filme und Serien. Dazu musst du allerdings Swisscom-Kunde sein. Das Angebot kann aber nicht so recht überzeugen, auch wenn Swisscom von über 10’000 Titeln spricht. Exklusive oder aktuelle Serien und auch neue Kinofilme suchst du vergeblich. Die findest du bei Teleclub on Demand, wo es beispielsweise «John Wick 2» ab CHF 6 zu mieten gibt. Rund 6000 Titel stehen dort zur Auswahl – exklusiv für Swisscom TV. Für CHF 24.90 kannst du dir «John Wick 2» bei Swisscom auch kaufen.

Einzelne OnDemand-Filme werden in 4K angeboten. Das meiste ist allerdings Full HD. Schauen kannst du die Titel wie auch alle Inhalte von Teleclub Paly neben dem TV auch auf Tablet und Smartphone.

MyPrime

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UPCs Flatrate beinhaltet 6000 Titel und ist ausschliesslich als Premium-Plus-Zusatz-Option erhältlich. Für CHF 15 kann das Abo gelöst werden, das gleichzeitig 40 TV-Sender enthält. Schauen kannst du MyPrime über deine Horizon Box, über den Computer oder per App auf Smartphone und Tablet. Wirklich attraktiv ist das Angebot bisher noch nicht und ausser der Sitcom «Fässler-Kunz» gibt es auch nicht wirklich exklusive Inhalte.

4K und HDR sucht man wie auch beim restlichen UPC-TV-Angebot vergeblich.

UPC hat auch ein OnDemand-Angebot mit neueren Filmen. CHF 8 beziehungsweise CHF 9 für die HD-Version kostet die Miete für «Passenger» oder «Sully». Sie gehören zu dort zu den Neuerscheinungen.

iTunes und Google Play

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Die beiden Kontrahenten Google und Apple verfolgen einen anderen Aspekt. Sie setzen ausschliesslich auf Kauf oder Miete über ihren eigenen App-Store. Während Titel aus dem Google-Store auch auf Apple-Geräten verfügbar sind, ist iTunes etwas eingeschränkter nutzbar. Auf Smartphone und Computer sind beide abrufbar. Um etwas auf dem Fernseher zu schauen, brauchst du entweder ein Apple TV, Android TV oder ein Chromecast. Apps für SmartTVs gibt es nicht, ausser deine Glotze läuft bereits mit Android. Natürlich kannst du auch deinen Laptop per HDMI-Kabel anschliessen.

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Die Auswahl ist bei iTunes grösser als bei Google Play, dafür bietet letzterer einige Filme auch in 4K an – leider nur in den USA und Kanada. Die neusten Filme wie «John Wick 2» können bei Google für CHF 6 beziehungsweise CHF 7.50 gemietet oder für bis zu CHF 25 gekauft werden. Das sind CHF 7 mehr als bei iTunes. «Fast & Furious 7» kostet dagegen bei beiden CHF 17 zum Kauf und CHF 4.50 zur Miete. Google bietet ausserdem auch einzelne Episoden von bekannten Serien kurz nach der US-Ausstrahlung zum Kauf an. Itunes muss hier passen. Apples Angabe von 25'000 Titeln darf daher angezweifelt werden.

Gewisse Filme werden nicht zum Mieten Angeboten und müssen gekauft werden. iTunes und Google Play sind ideal als Zusatzoption zu einem Streaming-Dienst wie Netflix.

Hollystar

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Hollystar ist eine Marke von Homedia SA, welche wiederum zu Sky Deutschland gehört und beliefert gleichzeitig Sunrise TV. Für CHF 12.90 im Monat oder CHF 9.90 wenn du gleich ein Jahresabo löst, kriegst du einerseits Rabatt aufs Mieten und ausserdem eine kleine Menge an Titeln, die es umsonst zu sehen gibt. Wenn du dir die Auswahl anschaust, wird dir schnell klar, wieso sie gratis ist. Immerhin gibt dir Hollystar Zugriff auf ein paar Serien, die du fast unmittelbar nach US-Sendestart kriegst. Die letzte Episode von «The Americans» beispielsweise lief am 30. Mai und kann für CHF 3.40 in HD gekauft werden. Aktuell besonders interessant ist natürlich «Game of Thrones». Die neuste Folge kriegt ihr bei Hollystar wenige Tage nach US-Ausstrahlung.

Wirklich gross ist das Serien-Angebot aber nicht, sodass du dir das Abo auch sparen kannst. Ausser du mietest sehr viele Filme. Aber auch da musst du gut ausrechnen, ob es sich lohnt. CHF 4 für «John Wick 2» geht sicher in Ordnung und ist definitiv attraktiver als die Kaufoption für CHF 28.90.

Verfügbar ist Hollystar auf praktisch allen Geräten per App, vorinstalliert auf diversen SmartTVs oder im Browser. Falls du mal unterwegs ohne Internet bist, kannst du dir deine Videos auch offline speichern. Ausserdem können bis zu vier Personen gleichzeitig schauen.

Alle Anbieter in der Übersicht

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Fazit

Spätestens die Ankunft von Netflix hat den Ball ins Rollen gebracht. Immer mehr Unternehmen bietet ihren eigenen Streaming-Dienst oder Vermiet-Service an. Lizenzstreitigkeiten und Profitgier sind die Hauptgründe, weshalb wir in der Schweiz aber immer noch nicht ein wirklich umfassendes und aktuelles Film- und Serienangebot haben. Wer seinen Kabelanschluss kündigen möchte, kann das aber heute schon tun, ohne auf die tägliche Dosis Film- und Serien verzichten zu müssen.

Wenn du ein All-You-Can-Eat-Angebot suchst, bietet Netflix durch die zahlreichen erstklassigen Serien das beste Angebot. Teleclub Play oder MyPrime haben zwar ebenfalls ein Pauschalangebot, das ist aber nicht wirklich aktuell. Neue Hollywood-Serien, die nicht von Netflix oder Amazon stammen, findest du nur bei OnDemand-Anbietern. Bei Hollystar, iTunes oder Google Play kriegst du neben Serien auch neue Filme zum Kauf oder Mieten angeboten. Während es einzelne Episoden für wenige Franken zu kaufen gibt, kostet ein Film schon mal CHF 25. Ein stattlicher Preis. Andere Optionen (abgesehen von Torrents und ähnlichen Lösungen im Graubereich) gibt es derzeit nicht. Am besten fährst du, indem du dir ein Streaming-Abo zulegst. Und wenn es dich doch mal nach einen neuen Film oder einer Brandneuen Serie gelüstet, mietest du sie bei einem OnDemand-Anbieter.

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Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Senior Editor, Zürich
Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – nur leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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