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Denuvo geknackt: Ist der berüchtigte Kopierschutz am Ende?

Luca Fontana
29.4.2026

Denuvo galt jahrelang als Festung unter den Kopierschutzsystemen – leistungshungrig, aber wirksam. Jetzt soll er für praktisch alle Single-Player-Spiele geknackt worden sein. Ist Denuvo am Ende?

Denuvo – für alle, die den Namen noch nie gehört haben: Das ist jene Anti-Piraterie-Software, die Spielehersteller seit Jahren in ihre PC-Spiele einbauen, um sie vor illegalem Kopieren zu schützen. Das Prinzip klingt simpel, die Umsetzung ist es nicht. Und die Kosten (für Leistung und Nerven) tragen am Ende oft die ehrlichen Käuferinnen und Käufer.

Nun meldet FitGirl, eine in Piraterie-Kreisen bekannte und populäre Quelle für sogenannte «Repacks» (das sind komprimierte, inoffizielle Spielversionen), dass sämtliche Single-Player-Spiele ohne VR-Unterstützung entweder geknackt oder umgangen wurden. Das berichtet IGN.

Hypervisor statt echter Crack

Der entscheidende Unterschied steckt im Detail. Bei den meisten dieser Umgehungen handelt es sich nicht um klassische «True Cracks», also eine vollständige Entfernung des Schutzmechanismus, sondern um sogenannte Hypervisor-Bypasses. Ein Hypervisor ist eine Software-Schicht, die unter dem Windows-Betriebssystem läuft und dem Kopierschutz vorgaukelt, er laufe auf anderer Hardware.

Technisch ist das clever. Aber auch riskant: Wer diese Methode anwendet, muss wesentliche Sicherheitsmechanismen seines PCs deaktivieren und öffnet damit Tür und Tor für potenzielle Angriffe. Trotzdem hält das offensichtlich kaum jemanden ab. Das zeigt schon das Beispiel des Sci-Fi-Spiels «Pragmata»: Es wurde per Hypervisor umgangen, noch bevor es überhaupt erschienen war.

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Denuvo-Mutterfirma kündigt Gegenmassnahmen an

Irdeto, das Unternehmen hinter Denuvo, hat gegenüber TorrentFreak bestätigt, dass man an einer Gegenmassnahme arbeite. Gleichzeitig räumt die Firma ein, dass die neuen Bypasses ein Sicherheitsproblem darstellen. Was genau diese Gegenmassnahme sein soll – und wann sie kommt –, liess Irdeto offen.

Lohnt sich Denuvo noch?

Damit stellt sich eine Frage, die in der Gaming-Branche schon länger schwelt: Hat Denuvo überhaupt noch eine Daseinsberechtigung? Das Argument für den Einsatz war bisher klar: Kopierschutz hält Piraten zumindest in den ersten Wochen nach Release auf Distanz. Also genau dann, wenn die Verkaufszahlen am höchsten sind. Doch wenn Bypasses bereitsvor dem offiziellen Launch verfügbar sind, bricht dieses Argument weg.

Was bleibt, sind die Nachteile. Denuvo frisst Rechenleistung – und das in einer Zeit, in der Grafikkarten und PC-Hardware wegen des KI-Booms immer teurer werden. Wer 800 Franken für eine Grafikkarte hinlegt, will keine unnötige Software im Hintergrund, die Performance kostet. Die Leidtragenden sind ausgerechnet jene, die Spiele legal kaufen.

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Ob Irdeto mit seinen angekündigten Gegenmassnahmen das Steuer herumreissen kann, bleibt abzuwarten. Vorläufig sieht es aus, als hätte Denuvo seinen wichtigsten Trumpf verloren: die Zeit.

Causa Denuvo

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Titelbild: Denuvo

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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