Hintergrund

Das Wählscheiben-Mobiltelefon ist da!

David Lee
3.2.2026
Bilder: David Lee

Wenn eine Bestellung ankommt, ist das normalerweise keine Meldung wert. In diesem Fall schon – ich habe nicht mehr daran geglaubt.

Drei Jahre, fünf Monate und zwölf Tage hat es von der Bestellung bis zur Lieferung gedauert. Am 16. August 2022 habe ich das Rotary Un-Smartphone (RUSP) bestellt, vor ein paar Tagen ist es angekommen. Das Mobiltelefon mit Wählscheibe ist ein radikaler Gegenentwurf zu den heutigen Touch-Smartphones. Komplett entwickelt von Justine Haupt – also einer einzigen Person. Aufgrund des grossen Interesses an diesem Projekt nahm Justine Bestellungen an und widmete sich der Serienproduktion. Damit begann eine lange Reihe von Pleiten, Pech und Pannen, ausführlich beschrieben in diesem Beitrag vom November 2023:

  • Hintergrund

    Justine, ihr Wählscheiben-Handy und die Tücken der Massenproduktion

    von David Lee

Doch der grösste Rückschlag für Justine sollte erst noch kommen: 2024 starb ihr Mann an Krebs. Etwa ein Jahr später, am 19. August 2025, kündigte Justine das Ende des Projekts an. Die bereits eingegangenen Bestellungen sollten noch erledigt werden und der Support gewährleistet bleiben. Aber es wurden keine neuen Bestellungen mehr angenommen und es wird keine zweite Version des Telefons geben – jedenfalls nicht von ihr. Das Projekt ist Open Source und könnte theoretisch fortgeführt werden. Doch kaum jemand wird so verrückt sein, das zu tun. Justine schreibt im Blogpost:

«Die Herstellung ist extrem schwierig. Es ist kein Wunder, dass es nur eine Handvoll Anbieter im Handymarkt gibt und dass es sich dabei meist um Mega-Konzerne handelt.»

Wenn es eh schon langsam vorwärts geht, werden die regulatorischen Anforderungen zu einem grösseren Problem, denn die ändern sich manchmal schnell. Hinzu kommen die Produktionskosten. Die Grosskonzerne können diese durch immense Stückzahlen tief halten. Für das RUSP habe ich 400 US-Dollar bezahlt; ein stolzer Preis für das, was das Telefon kann. Justine schreibt jedoch, dass dies nicht reiche, um die Kosten zu decken.

Selber zusammenbauen nötig

Ich hatte eigentlich die Option auf ein fertig zusammengebautes Telefon gewählt, aber daraus wurde nichts. Warum, weiss ich nicht. Vor mir liegt eine Sammlung von Einzelteilen, die ich selber zusammenbauen muss. Löten ist nicht nötig, aber die Anleitung dazu ist sehr lang. Immerhin ist der schwierigste Teil bereits erledigt: Der Drehmechanismus der Wählscheibe funktioniert schon. Ob das Ding in einem europäischen Netz überhaupt läuft, ist auch nicht sicher. Ich kann nur hoffen, dass die Inbetriebnahme schneller geht als die Lieferung.

5 Personen gefällt dieser Artikel


User Avatar
User Avatar

Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere. 


Smartphone
Folge Themen und erhalte Updates zu deinen Interessen

Hintergrund

Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.

Alle anzeigen

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren

  • Hintergrund

    Wie mich der Mindestbestellwert zum Idioten macht

    von David Lee

  • Hintergrund

    Audio-Nostalgie: Akai-Kassettendeck von 1976

    von David Lee

  • Hintergrund

    Justine, ihr Wählscheiben-Handy und die Tücken der Massenproduktion

    von David Lee

1 Kommentar

Avatar
later