

Das iPhone ist die schlechteste Webcam der Welt
Seit über drei Jahren nutze ich mein iPhone als Webcam. Das Feature «Integrationskamera» ist gut gemeint, aber schlecht gemacht. Nach viel Frust, Freeze und Verwirrung mache ich damit Schluss.
Die Idee ist bestechend: Seit macOS Ventura und iOS 16 kann ich das iPhone mit jedem Mac als Webcam verwenden. Damit habe ich eine Lösung zur Hand, die bei Sensorqualität und Bildsoftware jede konventionelle Webcam übertrifft. Zumindest auf dem Papier. Ich bin gewohnt, dass Apple hält, was es verspricht. In diesem Fall nicht.
Auf dem Papier ganz einfach
Die Funktion nennt sich «Integrationskamera» oder «Continuity Camera». Sie ist standardmässig aktiviert: Es reicht, wenn iPhone und Mac im gleichen Netzwerk eingeloggt sind. Starte ich einen Videocall über ein beliebiges Programm, kann ich das iPhone als Kamera und Mikrofon auswählen.
Allerdings müssen weitere Kleinigkeiten erfüllt sein, damit die Verbindung klappt: beide Geräte beim selben Apple-Account angemeldet, WLAN und Bluetooth aktiviert, kein Hotspot, kein Airplay… Vielleicht hätte mich die ausführliche Anleitung auf der Webseite mit langer Liste zur Fehlerbehebung stutzig machen sollen.
Ich nutze die Funktion seit 2023 mit einem iPhone 15 Pro und einem MacBook Pro und habe mir extra dafür eine Halterung gekauft.
Das iPhone befestige ich daran magnetisch im Querformat. Im Standby-Modus zeigt es mir die Uhrzeit und den Kalender auf dem Screen an, bei einem Call drehe ich das Gerät um. Das ist notwendig, weil die «Integrationskamera» nur die Hauptkamera des iPhones nutzt, die Selfiecam bleibt gesperrt. Schade.
Unglaublich unzuverlässig
Das spielt aber keine Rolle, weil schon die Basisfunktion nicht funktioniert. «Integrationskamera» ist das unzuverlässigste Apple-Feature, das ich kenne.
Ich starte beispielsweise einen Call über Teams, Google oder Zoom – und warte vergebens auf das Webcam-Bild. Manchmal hilft es, «Photo Booth» zu starten und so die drahtlose Verbindung anzustossen. Manchmal muss ich das MacBook neu starten, erst dann bin ich für die anderen Gesprächsteilnehmer sichtbar.

Aber auch wenn Video übertragen wird, fühle ich mich nie sicher. Unvermittelt verschwindet das Livebild, die Verbindung zum iPhone bricht ab. Der Call selbst läuft weiter, der Ton bleibt aktiviert – aber das Gegenüber denkt, ich sei rausgefallen, weil das Bild eingefroren oder verschwommen wirkt. Oft dauert der Ausfall nur eine Minute – dann kehrt das Bild zurück. Aber es kann gut sein, dass sich das Spiel alle zehn Minuten wiederholt. Das nervt.
Ich erkenne kein Muster bei den Ausfällen und Verbindungsproblemen. Es hat nicht am Anfang schlecht funktioniert und dann besser – oder umgekehrt. Die Probleme sind nicht auf Updates zurückzuführen.
Die iPhone-Webcam ist schlicht und unberechenbar und launisch – seit drei Jahren. Sie läuft wochenlang problemlos, um von einem Tag auf den anderen wieder das Aus-Einschalt-Spiel zu starten. Manchmal verläuft ein Call ohne Zwischenfälle, im zweiten fehlt das Bild, im dritten funktioniert wieder alles.

Die teuerste Webcam der Welt muss weg
Ich habe in den Jahren immer wieder versucht, dem Problem auf den Grund zu gehen. Passen alle Einstellungen? Gibt es bekannte Fehlerquellen? Kann ich etwas reparieren? Eine Antwort darauf habe ich nicht gefunden, wohl aber ein Haufen Leidensgenossen. Alleine im Hilfeforum auf der Webseite von Apple finde ich über 200 Einträge aus den letzten drei Jahren zu diesem Thema. Alle haben Probleme, niemand eine brauchbare Lösung.
Warum ich nicht schon längst aufgegeben habe? Weil es immer wieder längere Phasen gab, in denen das iPhone stabil als Webcam funktioniert hat. Das weckte die törichte Hoffnung, dass Apple das Problem erkannt und behoben hat. Aber Pustekuchen.
Der iPhone-Hersteller hat das Feature unfertig lanciert – und seither nicht wieder angerührt. Was mich erstaunt, denn Apple pflegt seine Software sonst zuverlässig.
Jetzt ist Schluss, ich habe keine Geduld mehr. Ich deaktiviere die teuerste Webcam der Welt und kaufe mir eine günstige Alternative. Sie mag weniger fancy sein und schlechtere Bilder liefern. Dafür gibt es keine Abstürze und Ausfälle.

Gadgets sind meine Passion – egal ob man sie für Homeoffice, Haushalt, Smart Home, Sport oder Vergnügen braucht. Oder natürlich auch fürs grosse Hobby neben der Familie, nämlich fürs Angeln.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
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