Danke für alles, lieber Texas Instruments TI-84 Plus
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Danke für alles, lieber Texas Instruments TI-84 Plus

Livia Gamper
Zürich, am 07.02.2018
Bilder: David Lee
Wozu gibt es heute eigentlich noch Taschenrechner? Und dann noch so riesige? Smartphones können doch sowieso alles besser?! Mein Grund: Weil an Semesterprüfungen keine Smartphones erlaubt sind. Und vielleicht kann der Gute doch mehr als eine App? Es hat sich gezeigt: Der Texas Instruments TI-84 Plus ist robuster als gedacht.

Taschenrechner sind einfach doof. Sie schaffen mehr Probleme, als wir zu den Zeiten hatten wo wir noch ohne Rechner zur Prüfung antreten konnten.

Aber trotzdem ist ein Taschenrechner wichtig, vorallem wenn du dich zur Gruppe der Studenten zählst und Semesterprüfungen in Mathe hast. Für mein Wirtschaftsstudium wurde mir von meinem Dozent nahegelegt, den TI-84 Plus Rechner zu besorgen. Gesagt getan, ist der Klotz jetzt seit zweieinhalb Jahren in meinem Besitz.

Der TI-84 Plus ist ein Grafikrechner, der ziemlich viel kann.

Mathematik und ich haben noch nie gut zueinander gepasst. Wir haben eine lange und beschwerliche Vorgeschichte, so wie auch der Rechner und ich. Weil ich in Mathe so schlecht war, habe ich vor meinem Studium einen Vorkurs besucht, der netterweise von der Hochschule angeboten wurde. Dort habe ich das erste mal mit dem TI-84 Bekanntschaft gemacht. Der TI-84 Plus kann fast alles. Ausser standardmässig Snake spielen geht mit dem Guten nicht. Dabei wäre das doch das Wichtigste.

Error, Error und nochmals Error

In der Wirtschaftsmathematik, die ich mir gezwungenermassen für mein Studium aneignen muss, ist in vielen Bereichen die Problemstellung so, dass ein Maximum oder ein Minimum gefunden werden muss. Mathematikversierte wissen: Die Gleichung muss null gesetzt werden. Soweit so gut. Mit dem TI-84 Plus macht man das mit der Funktion «Solver».

Aber anstatt zu solven, sprich die Gleichung zu lösen, schafft die Funktion bei mir neue Probleme. Mehr denn je erhalte ich die Meldung «Syntax error». Irgendwas habe ich falsch eingegeben. Gut, also alles nochmals auf Anfang. Wieder eine Meldung: «Equivalent Error». Irgendwelche andere Errors.

Wäre der Rechner nicht so teuer, wäre er schon längst in hohem Bogen aus dem Fenster geflogen.

Dieses Gefühl begleitet mich monatelang.

Lesen hilft imfall sogar in Mathe

Bis zu dem Tag, an dem ich die Bedienungsanleitung des TI-84 Plus gelesen habe. Seitdem weiss ich, was der Rechner mag und was nicht. Dass es essenziell wichtig ist, welches der beiden Minuszeichen du vor eine Zahl stellst. Oder wie du die Klammern setzt und was du beim Potenzen schreiben alles falsch machen kannst.

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Telefonieren kann der TI-84 Plus nicht. Aber damit musst du halt rechnen.

Dieses Semester habe ich wieder eine Matheprüfung. Ableiten, integrieren und Gleichungen bis zum Abwinken stehen auf dem Programm. Wegen vorangegangener Misserfolge habe ich oft bis spätnachts gelernt. Die Prüfung war an einem Samstagmorgen. Fragt nicht, warum auch immer eine Hochschule eine Matheprüfung an einem Samstagmorgen macht.

Glück im Unglück

Vor diesem Samstagmorgen, am späteren Freitagnachmittag habe ich nochmals ein paar Aufgaben gelöst. Und beim Lernen soll ja immer viel getrunken werden. Wasser versteht sich. Ich tue wie mir gesagt.

Irgendwann leert plötzlich aus dem Nichts mein halbvolles Glas Wasser aus. Drei mal darfst du raten, wohin.

Vor meinem inneren Auge spielen sich mehrere Szenarien ab. Das erste war: Der TI-84 Plus ist ein programmierbarer Taschenrechner. Von meinem Dozenten und meinen Kommilitonen, also meinen Mitstudenten, habe ich Programme erhalten und diese auf dem Rechner installiert und rege genutzt. Ich war mit den Programmen wie zum Beispiel dem idiotensicheren Tool zum lösen von quadratischen Gleichungen vertraut und habe die immer gebraucht.

«Das ist jetzt alles weg», schiesst es mir durch denn Kopf. So kurz vor der Prüfung. «Neeeeeeeein.» Und weiter: «Wie kriege ich jetzt so schnell einen neuen Rechner?»

Ich reisse mich zusammen und trockne den Rechner mit einem Frotteetuch mal vorsichtig ab.

Und dann das Beinahe-Wunder: Das Teil funktioniert noch. Ich kann es kaum glauben. Der TI-84 Plus rechnet munter weiter. Wie wenn nie etwas passiert wäre. Dass ich ihn aus Versehen ertränkt habe, nimmt er mir nicht übel.

Ich kann an meine Prüfung und der Rechner funktioniert auch heute noch.

Danke, TI-84 Plus, danke für alles. Anfangs habe ich den Rechner gehasst. Jetzt bin ich froh, ihn zu haben.

Und was ist dein Erlebnis mit einem Taschenrechner? Lass es mich doch in den Kommentaren wissen. :)

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Livia Gamper
Livia Gamper
Junior Editor, Zürich
Experimentieren und Neues entdecken gehört zu meinen Leidenschaften. Manchmal läuft dabei etwas nicht wie es soll und im schlimmsten Fall geht etwas kaputt. Ansonsten bin ich seriensüchtig und kann deshalb nicht mehr auf Netflix verzichten. Im Sommer findet man mich aber draussen an der Sonne – am See oder an einem Musikfestival.

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