Crypto Mining war gestern – das sind die CryptoKitties
News & Trends

Crypto Mining war gestern – das sind die CryptoKitties

Martin Jud
Zürich, am 06.02.2018
Es ist nicht immer einfach als Allergiker; da möchte die bessere Hälfte ein weiches Tierchen zum Schmusen, doch meine Nase macht leider nicht mit. Und die wenigen Brusthaare, welche ich zu bieten habe, können einem flauschigen Fell leider nicht das Wasser reichen. Also muss eine Alternative her – Manege frei für die CryptoKitties.

Natürlich benötigt es bei digitalen Tieren einiges an Fantasie, um deren flauschiges Fell zu fühlen. Dennoch spricht einiges dafür, sich darauf einzulassen. Denn CryptoKitties sind keinesfalls ein Revival der Tamagotchis aus den 90ern. Hier geht es deutlich innovativer zu. Diese Kätzchen sind echtes Geld wert und haben unter zahlreichen Nerds bereits einen riesen Hype ausgelöst.

Was zum Henker sind CryptoKitties?

keine Informationen über dieses Bild verfügbar

Hierbei handelt es sich um ein auf der Blockchain-Technologie basierendes Spiel im Ethereum-Netzwerk, bei welchem es um das Sammeln und Züchten von kleinen Kätzchen geht. Diese werden CryptoKitties genannt. Jede Kreatur ist dabei ein Unikat und kann weder repliziert noch zerstört werden. Man kann sie aber kaufen, verkaufen oder tauschen.

Blockchain und Ethereum – die Basis der CryptoKitties

Sicher vor Hacker: Die Blockchain wird dezentral in einem riesigen P2P-Netzwerk gespeichert.
Sicher vor Hacker: Die Blockchain wird dezentral in einem riesigen P2P-Netzwerk gespeichert.

Wie auch Bitcoin, basiert Ethereum auf der Blockchain-Technologie. Blockchains sind dezentrale Internet-Datenbanken, welche Transaktionsdaten verwalten können. Dabei funktionieren die Transaktionen ohne eine zentrale Kontrollinstanz. Ethereum benötigt daher kein gegenseitiges Vertrauen und gewährleistet eine vollkommene Transparenz. Der grösste Vorteil an Geschäften über Ethereum ist, dass kein Vermittler zusätzlich Geld verdient – Banken und Makler werden überflüssig.

Im Gegensatz zu Bitcoin, handelt es sich bei Ethereum nicht um eine Währung, sondern um eine Plattform für Distributed Apps (Dapps), welche aus Smart Contracts bestehen. Würde man sich dies alles als Box voller Lego vorstellen, so wäre Ethereum quasi die grosse grüne Lego-Platte, auf welche wir alles andere bauen. Als Währung im Ethereum-Netzwerk dient «Ether», welcher gekauft oder, wie auch bei anderen Kryptowährungen, geschürft werden kann (Ethereum Mining).

Lasst die Kätzchen aus dem Sack

Einzelne CryptoKitties wurden schon für über 120'000 US-Dollar verkauft.
Einzelne CryptoKitties wurden schon für über 120'000 US-Dollar verkauft.

So ein Kitty kann ein echtes Sammlerstück sein – zumindest wenn man es sich einbildet. Oder wenn der Wert des Kätzchens dank seiner Genetik durch die Decke geht. Um sich selbst eines zuzulegen, benötigt man Chrome oder Firefox, ein digitales Portemonnaie in Addon-Form (MetaMask) sowie Ether. Ein Kittie kann man sich ab 0.0028 ETH kaufen – dies entspricht ca. 1.58 Franken. Wer etwas tiefer in die Tasche greifen möchte, kann das natürlich auch. So wurden im Dezember bereits einzelne CryptoKitties für über 120'000 US-Dollar verkauft. Unglaublich, bedenkt man, dass der Sinn der digitalen Kreaturen nicht wirklich gegeben ist. Ich hätte mir ja gewünscht, dass sie mich wenigstens in den Schlaf schnurren könnten, aber nichts da.

Digitale Genetik

Jedes CryptoKitty besitzt eine einzigartige genetische Kombination, welche nicht nur das eigene Aussehen beeinflusst, sondern auch, wie allfällige Nachkommen aussehen würden. Darüber hinaus beherbergt die Genetik eine Vielzahl an unsichtbaren Merkmalen, welche erst bei einer Züchtung gefunden werden können. Insgesamt bietet das System über vier Milliarden an verschiedenen Phänotypen und Genotypen.

Bis im November 2018 generiert das System alle 15 Minuten selbst eine neue Katze der Generation 0. Zur Generation 0 zählt jedes Kitty, welches keinen Papa und keine Mama hat. Man hat aber auch die Möglichkeit, selbst neue Kitties zu züchten. Dazu benötigt man selbstverständlich mindestens zwei Katzen. Würde das Spiel «CryptoSlugs» heissen, könnte man allenfalls auch auf sich selbst begattende Kreaturen hoffen. Hier geht das aber leider nicht. Immerhin sind die CryptoKitties zwittrig unterwegs und somit kann jede Kreatur Papa oder Mama werden. Ausserdem kann auch mit Kitties anderer User gezüchtet werden (kostet natürlich auch seinen Ether).

Züchtet man mit einem glücklichen Händchen, kann es sein, dass die Kombination zweier Kitties zu gänzlich neuen Eigenschaften führt. Dabei spricht man von einer «Ascension», welche dann natürlich auch den Wert des Kitties nach oben treiben kann.

Geldverdienen mit den CryptoKitties

Im Marketplace werden alle zu verkaufenden Kitties gelistet.
Im Marketplace werden alle zu verkaufenden Kitties gelistet.

Natürlich können die gezüchteten Kätzchen auch verkauft (versteigert) werden. Dabei werden 3.75 Prozent der Transaktionskosten von den Entwicklern abgezwackt. Ansonsten legt man den Startpreis sowie die Auktionsdauer der zu verkaufenden Kreatur selbst fest. Während der Auktion kann der festgelegte Preis steigen oder sinken. Da die Auktion eine Transaktion in der Blockchain auslöst, kostet auch diese etwas.

Himmel lass Hirn regnen – benötigen wir das wirklich?

Alles klar – wir wissen nun über die CryptoKitties Bescheid. Aber was soll das ganze eigentlich? Auf den ersten Blick wirkt das Spiel wie ein weiteres Schneeball-System, welches ohne Sinn und Zweck Geld aus dem Nichts scheffelt. Wie bei einer Währung hat das Ganze nur so lange bestand, wie die Menschen auch daran glauben – respektive das System unterstützen.

Schaut man etwas genauer hin, könnten die CryptoKitties aber auch ein neues Zeitalter einläuten. Ein Zeitalter, welches unter Umständen die ganze Bankenbranche überflüssig machen könnte. Es handelt sich hierbei um eine der ersten richtig grossen Blockchain-Anwendungen abseits des direkten Währungshandels. Bereits im Dezember gab es Tage, an welchen die CryptoKitties-Transaktionen im gesamten Ethereum-Netzwerk 15 Prozent des Traffics ausmachten. Dies wiederum führt zu Mehrkosten für sämtliche Transaktionen – auch abseits der CryptoKitties. Und genau da kommt nun Sinn ins ganze. Denn dank den Herausforderungen, welche Traffic-Monster wie die Kitties mit sich bringen, haben die Entwickler der Blockchain überhaupt die Möglichkeit, das System zu verbessern und für wirklich sinnvolle Anwendungen fit zu machen.

Wir können gespannt sein, wohin der Weg der Blockchain noch führen wird. Experten sind sich allerdings einig, dass diese Technologie viel Potenzial hat und unsere Welt nachhaltig verändern wird.

Egal, ob die CryptoKitties Sinn machen, knuffig sehen sie allemal aus.
Egal, ob die CryptoKitties Sinn machen, knuffig sehen sie allemal aus.

Hast du auch bereits Erfahrung mit den CryptoKitties? Oder sonst eine Anmerkung zur Blockchain? Dann teile deine Gedanken doch bitte in den Kommentaren mit uns.
Mehr Infos zu den CryptoKitties gibt es hier.

36 Personen gefällt dieser Artikel


Martin Jud
Martin Jud
Editor, Zürich
Der tägliche Kuss der Muse lässt meine Kreativität spriessen. Werde ich mal nicht geküsst, so versuche ich mich mittels Träumen neu zu inspirieren. Denn wer träumt, verschläft nie sein Leben.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren