Bürostuhl Stilo ES ist fast so bequem wie ein Autositz

Bürostuhl Stilo ES ist fast so bequem wie ein Autositz

Martin Jungfer
Zürich, am 11.10.2021
Ein über 40-jähriger Rücken verdient im Homeoffice etwas Besseres als den Stuhl vom Schweden-Möbelhaus. Meinen Test-Stuhl, den Stilo ES von Dauphin, würde ich am liebsten gar nicht mehr hergeben.

Ich habe ja noch Glück: Immerhin habe ich einen Stuhl im Homeoffice, der in die Kategorie «Bürostuhl» gehört. Es ist allerdings kein richtig guter, wie ich nach vielen Monaten langsam im Rücken spüre. Deshalb bin ich auf der Suche nach einer besseren Alternative.

Im Büro kümmert sich mein Arbeitgeber um den richtigen Schreibtischstuhl. Fürs Homeoffice gilt das Prinzip der Eigenverantwortung. Auf welchem Stuhl ich sitze, wenn ich schreibe oder in Videocalls hänge, ist Privatsache. Ich könnte mir zwar einen Bürostuhl aus den Beständen der Firma ausleihen. Aber mir gefällt das Modell einfach nicht annähernd so gut, dass ich mir es nach Hause holen möchte. Mal ganz abgesehen vom Transportproblem. Deshalb muss optisch und ergonomisch ein besseres Design her.

Im Test: Stilo ES von Dauphin

Als Alternative zu meinem aktuellen Stuhl vom Schweden-Möbelhaus und erstes Testmodell habe ich einen Mittelklasse-Stuhl gewählt, den ich auf Herz und Nieren Probe sitzen: den Stilo ES von Dauphin. Vom Hersteller habe ich ein Modell mit extra hoher gepolsterter Rückenlehne, Lumbalstütze, Armenlehnen und etlichen Verstellmöglichkeiten für einen achtwöchigen Test erhalten. Einzig eine als Option erhältliche «Ergo-Nackenstütze» hatte das Modell nicht. Aber ich durfte mir die Stofffarbe aussuchen und habe eine Art Sand-Beige-Grau-Ton, offiziell Silvertex genannt. Schön hell, angenehmer als Schwarz.

Am Ende läppern sich die Kosten für die Extras ganz schön zusammen, sodass der Stuhl kein Schnäppchen mehr ist, aber doch noch deutlich günstiger als der von Redaktionskollegin Pia Seidel kürzlich getestete und mit einer Liebeserklärung versehene Capisco.

Die unbequeme Wahrheit: Capisco ist der *bessere Bürostuhl**
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Die unbequeme Wahrheit: Capisco ist der bessere Bürostuhl

Danke, dass du hier noch weiterliest und nicht direkt aufs vermeintlich schönere Büro-Pferd umgestiegen bist. Optisch ist Stilo ES, nun ja, ein Bürostuhl eben. Sein Design als besonders gelungen zu bezeichnen, dürfte höchstens verzweifelten Werbetextern einfallen. Ein stabiles Fusskreuz mit Rollen, eine bequeme Sitzfläche mit allerlei Hebeln und Griffen sowie eine stabile Rückenlehne sind nun einmal nicht besonders filigran. Meine Empfehlung: Wähle eine helle oder vielleicht sogar eine fröhliche Stofffarbe, wenn du dir dein Stilo-Modell aussuchst. Damit nimmst du optisch etwas von der Schwere heraus. Auf jeden Fall hast du für den Stilo im Dauphin-Konfigurator eine grosse Auswahl an Farben, Materialien und Mustern für Stoff oder auch für Netzrücken. Ich finde das grossartig, weil ich so um das Schwarz, das mutlose Büro-Designer bei uns ausgewählt haben, herumkomme. Im Shop bei uns haben wir Stand Anfang Oktober sieben vorkonfigurierte Modelle.

Getestet habe ich mein Modell zu Hause an meinem Schreibtisch, nicht höhenverstellbar, darauf ein Mac Mini mit einem 27-Zoll-Monitor von Dell. Weil ich mit 1,91 Meter eher gross, freuen mich beim Test des Stilo-Stuhls einige Dinge besonders.

Viele Annehmlichkeiten für grosse Menschen

Da wäre zum einen die rund 50 Zentimeter breite und mit 47 Zentimeter fast genauso lange Sitzfläche. Sie hat eine gute Polsterung, die selbst nach Stunden noch bequem ist. Das liegt auch daran, dass mein Teststuhl eine Sitztiefenverstellung ermöglicht. Ich habe quasi einen Schiebesitz. Schiebe ich ihn um die maximal möglichen sechs Zentimeter nach vorne, habe ich dadurch gleich eine viel bessere Auflage für meine Oberschenkel und sitze entspannter. So ähnlich wie die Sitzverlängerung, die es in manchen Autos gibt. Wenn du eher zu den Grossgewachsenen gehörst, wirst du wissen, dass solch kleine Erweiterungen der Sitzfläche viel bringen. Besonders praktisch an der Sitztiefenverstellung bei Dauphin ist, dass ich ihn einfach wieder in die Grundeinstellung zurückbringe – Sitz entlasten, also kurz den Hintern heben, Taste unter der Sitzfläche drücken und der Stuhl rutscht wieder in die Normalposition.

Die Sitzfläche im Normalzustand ...
Die Sitzfläche im Normalzustand ...
... und wenn du sie nach vorne geschoben hast. So hast du mehr Platz, um dich entspannter nach hinten zu lehnen.
... und wenn du sie nach vorne geschoben hast. So hast du mehr Platz, um dich entspannter nach hinten zu lehnen.

Die Sitztiefe ist nur das eine, was ich einstellen kann. Mit der «Syncro-3D-Balance» kann ich der Sitzfläche die Stabilität nehmen, oder anders formuliert ihr etwas Dynamik verpassen. Dynamisches Sitzen ist das, was sich um unsere Rückengesundheit besorgte Menschen von uns Büroarbeiterinnen und -arbeitern wünschen. Wir sollen nicht stundenlang in der gleichen Sitzposition verharren, sondern unsere Haltung verändern, immer wieder verschiedene Muskeln aktivieren. Beim Stilo ES hat Dauphin das gelöst, indem ich mit einem Hebel das gesamte Stuhloberteil quasi freischalten kann. So kann ich nach vorne kippen und mich nur auf die vordere Kante des Sitzpolsters setzen und einen Teil meines Körpergewichts auf die nach vorn ausgestreckten Beine verlagern. Die Rückenlehne leistet je nach Einstellung noch Widerstand beim Anlehnen.

Ein Blick auf die Unterseite zeigt, wie viele Hebel so ein Schreibtischstuhl haben kann.
Ein Blick auf die Unterseite zeigt, wie viele Hebel so ein Schreibtischstuhl haben kann.

Zugegeben, das sind ganz schön viele Hebel und Knöpfe da unten. Bist du genau weisst, welcher da wo ist und was er genau macht, dauert es eine Weile. Zumindest ich musste auch immer wieder einmal einen Blick auf die Bedienungsanleitung werfen, um zu wissen, was ich in welche Richtung drehen muss. Ich will trotzdem keine der Funktionen missen.

Noch ein paar Worte zur Rückenlehne. Sie alleine hält deinen Rücken nicht fit. Aber im Zusammenspiel mit der Vielfalt der Möglichkeiten bei der Sitzfläche ist sie eben doch wichtig. Die hohe Rückenlehne meines Testmodells (62 Zentimeter) alleine ist bereits ein Segen. Ausserdem kann ich die Lehne – nach Drücken einer Taste – um bis zu zehn Zentimeter in der Höhe verstellen. In der höchsten Position reicht sie mir so bis knapp unter die Schultern, was ich als sehr angenehm empfinde. In der Rückenlehne ist zusätzlich eine Lumbal-Stütze verbaut. Sie soll für eine Vorwölbung der Wirbelsäule sorgen und eine Rundrücken-Haltung unterbinden. Ich war am Anfang kein Fan davon, weil sich das unbequem angefühlt hat. Ich habe mich dann aber Woche für Woche und Drehung für Drehung nach vorne gearbeitet zu einer stärkeren Vorwölbung. Ist ja eben doch gesünder.

Qualität und Verarbeitung

Mein Testmodell kam bereits zusammengebaut in einem voluminösen Karton, der gerade so durch die Haustür passte. Das mag ökologisch nicht der ideale Weg sein, weil viel Verpackungsmaterial anfällt. Aber es erspart den eigenhändigen Aufbau.

Ich musste keine Schraube anziehen oder das Fussteil montieren. Der Stuhl kommt aus dem Karton und ist sofort sitzbereit. Die verwendeten Materialien machten einen sehr guten Eindruck auf mich. Das Fusskreuz zum Beispiel ist aus Kunststoff – Aluminium ist eine Option – und wirkt sehr wertig. Die Kanten sind sauber verarbeitet. Gleiches gilt für die Armlehnen.

Der Stoff fürs Sitz- und Rückenpolster ist auch nach acht Wochen noch so platingrau wie am ersten Tag. Auch dunkle Jeans färben nicht auf ihn ab. Wie sich der Stoff (für den Konfigurator: Nummer 165.031) gegenüber verschüttetem Kaffee verhält, habe ich bisher nicht herausfinden müssen. Wenn dich das interessiert, lass es mich in den Kommentaren wissen, dann finde ich einen Weg, das Ergebnis eines solchen Tests nachzuliefern.

Der Hersteller sitzt nämlich nicht irgendwo in Asien, sondern in Süddeutschland, genauer in Franken in der Nähe von Nürnberg. Dort werden die Stühle überwiegend entwickelt und gefertigt. Auch ein grosses Prüflabor gibt es dort, das die Langlebigkeit der Stühle prüft. Die Dauphin-Gruppe hat sich zudem ein umfassendes Umwelt- und Nachhaltigkeitsprogramm gegeben.

In ganzer Pracht und nüchterner Funktionalität: der Dauphin Stilo ES
In ganzer Pracht und nüchterner Funktionalität: der Dauphin Stilo ES

Fazit: Technik, die den Rücken freut

Der von mir getestete Stilo ES ist eine besondere Wohltat für meinen Rücken. Die 3D-Mechanik, die dynamisches Sitzen unterstützt, hat mir am meisten gefallen. Dazu kommen so viele Einstellmöglichkeiten, dass ich für jede Schreibtisch-Situation eine passende Position gefunden habe. Zum Beispiel die bequeme Lümmelhaltung mit Lehne weit nach hinten und Sitzpolster nach vorne geschoben für Videocalls, wo ich hauptsächlich zuhören musste. Oder das Kantensitzen beim konzentrierten Tippen.

Die Verarbeitungsqualität lässt bei mir keine Zweifel aufkommen, dass du diesen Stuhl viele Jahre lang benutzen kannst. Ich muss nach Rückgabe des Testmodells zurück auf den bisherigen Stuhl vom schwedischen Möbelhändler. Was mein armer Rücken wohl dazu sagt?

Wenn er wieder schmerzt, werde ich wohl in den sauren Apfel beissen und die Investition tätigen in einen vernünftigen Bürostuhl. Der kommt dann zwar etwa doppelt so teuer wie das Ikea-Modell. Aber die Physiotherapie für einen kaputten Rücken kommt sicher teurer. Und die Preise für die Stilo-Modelle von Dauphin scheinen mir angemessen im Vergleich zu den teuren Designer-Herstellern. Technisch bietet ein Stilo mit Vollausstattung nicht viel weniger. Mit dem Stilo ES ist es ein wenig wie beim Autokauf. Natürlich gibt es stylishere Modelle, Luxus auf vier Rädern bzw. fünf Hartbodenrollen – aber manchmal entscheidet sich die Vernunft für die obere Mittelklasse. Der Stilo ES ist in der Welt der Schreibtischstühle für mich das, was beim Autokauf der VW Passat ist. Er bietet hervorragende Verarbeitungsqualität, ist allerdings auch etwas langweilig, er hat eigentlich alle Funktionen, die es braucht, ist kein Billigauto, aber auch kein Modell, bei dem der Name extra kostet.

Wenn du Fragen zum Stilo ES von Dauphin hast, die dir dieser Beitrag nicht beantwortet, lass es mich in den Kommentaren wissen. Oder hast du Tipps für die Community zur Wahl des richtigen Bürostuhls? Dann auch gerne her damit.

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Martin Jungfer
Martin Jungfer

Head of Content, Zürich

Journalist seit 1997. Stationen in Franken, am Bodensee, in Obwalden und Nidwalden sowie in Zürich. Familienvater seit 2014. Experte für redaktionelle Organisation und Motivation. Thematische Schwerpunkte bei Nachhaltigkeit, Werkzeugen fürs Homeoffice, schönen Sachen im Haushalt, kreativen Spielzeugen und Sportartikeln.

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