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Bragi Dash - Ein Kopfhörer fürs Fitnessstudio, nicht für den Alltag

Kabel sind out. 3.5mm-Klinkenstecker sind out. Die Kopfhörer des 21. Jahrhunderts sind kabellos und dienen nicht nur dem Konsum von Musik. Sie sind gleichzeitig Fitness-Tracker und steuern das Handy. Und da die Zukunft hier ist, habe ich die Pioniere der Wireless Headphones – die Bragi Dash – getestet.

Kopfhörer sind wieder teuer. Sie haben wieder Prestige und sind Gesprächsthema unter Leuten, die sich nicht mit Impedanz und der ewigen Frage «In-Ear oder Muschel?» beschäftigen. Denn mit dem Verschwinden der Kabel, die Kopfhörer mit dem Handy verbinden und dem Verschwinden des 3.5mm-Klinkensteckers beim iPhone 7, ist Revolution angesagt. Weg mit dem Alten, her mit dem Neuen.

Eine Firma, die entweder diesen Trend vorausgesagt hat, oder einfach nur etwas bauen wollte, das es bisher noch nicht gab, ist das Deutsche Unternehmen Bragi. In ihrer Kickstarter-Kampagne im Frühjahr 2014 haben sie über drei Millionen Dollar für die Entwicklung der ersten wirklich guten kabellosen Kopfhörer erhalten. Eigentlich wollten die Hersteller nur 260’000. Mit dem Gerät namens The Dash sollen Kopfhörer endlich smart werden, also nicht nur eine Funktion innehaben und dem Träger erweiterte Services bieten.

The Dash (In-Ear, Schwarz)
CHF 329.–
Bragi The Dash (In-Ear, Schwarz)
Geniesse kabellose Freiheit sowie kristallklaren Sound und behalte deine Fitnessdaten im Auge.

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  • Schrittzähler
  • Tachometer
  • Frequenz der Bewegung, also Dinge wie Anzahl Umdrehungen pro Minute auf dem Velo
  • Pulsmesser
  • Sauerstoff im Blut wird gemessen
  • Verbrannte Kalorien werden gezählt
  • Bluetooth Headset
  • Knochenleitungsmikrofon
  • Audio Transparency, das Geräusche aus der Umwelt ins Ohr weiterleitet, auch wenn The Dash aktiviert ist.
  • Touch-Sensoren auf jedem Kopfhörer

Ferner hat The Dash 4GB integrierter Speicher, der für Musik genutzt werden kann. Das dürfte vor allem Schwimmern zu gute kommen, da sie wohl kaum das Handy auf sich tragen werden, wenn sie trainieren. Ach ja, The Dash ist bis zu einem Meter wasserdicht.

Die Sensoren an der Unterseite der Dash messen allerlei Biodaten

Diese ganze Hardware wird von einem 100mAh Lithium-Ionen-Akku pro Ohr betrieben, was etwa vier Stunden ununterbrochenen Musik- und Messgenuss bietet. Plusminus. Vier Stunden sind zwar nicht besonders lang, aber abgesehen von Marathon-Läufern wird wohl kaum jemand vier Stunden am Stück trainieren. Ich sicher nicht.

Eine erste Sorge, die ich vor dem Erhalt des Geräts hatte, wurde schnell beseitigt. Ich sorgte mich, dass ich die Ohrstecker irgendwie verlieren würde. Doch Bragi hat auch daran gedacht und eine wirklich stabile Ladestation, die als eine Art Brillenetui für Kopfhörer funktioniert, mitgeliefert. Nach einem Monat täglicher Benutzung der Kopfhörer und dem Etui in meinem Rucksack kann ich sagen, dass jeder, der einigermassen gemässigt mit den Bragi Dash umgeht, keine Sorgen haben muss, dass die Hörer kaputt gehen oder irgendwo verloren werden.

Die Software

Die Verbindung der Ohrhörer mit dem Handy ist einfach und wird von der Anleitung gut illustriert. Zudem erklärt mir die Stimme im Ohr, wie ich vorzugehen habe. The Dash verwendet Bluetooth Low Energy, einen energiesparenderen Bluetooth-Modus.

Die Bragi App ist übersichtlich und intuitiv bedienbar

Nach einigen Versuchen, weil alles neu ist, klappt das wunderbar und mit den Worten «I am now connected to your music library» sagt mir Frau Dash, dass ich nun Musik hören kann.

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Dominik Bärlocher
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Wenn Kopfhörer mit dir reden - die gruslige Stimme im Kopf

Die Messung der Biodaten erfolgt aber nur über die Bragi App. Es zeigt sich hier erstmals, dass Bragi den Nutzern entweder wenig Freiheiten lassen will oder die User dazu auffordern will, ausserhalb gewohnter Bahnen zu denken. Das liegt nicht daran, dass die App wenig Optionen bietet, sondern dass die Messung der Biodaten extrem limitiert ist. Die App ist nur in der Lage Velofahrer, Läufer und Schwimmer akkurat zu messen. Auch werden nicht alle Daten für alle Aktivitäten aufgezeichnet.

Velofahren:

  • Puls
  • Dauer der Trainings
  • Umdrehungen pro Minute
  • Distanz
  • Geschwindigkeit

Schwimmen:

  • Puls
  • Dauer des Trainings
  • Atemzüge
  • Geschwommene Längen

Laufen:

  • Puls
  • Schritte
  • Distanz
  • Dauer des Trainings
  • Verbrannte Kalorien

Velofahren mit Kalorienzählen geht nicht. Schwimmen mit Kalorien geht nicht. Für Trainierende, die vor allem via Kalorienzählen Gewicht verlieren wollen, sind die Messdaten in zwei Dritteln nutzlos. Ich selbst würde auch gerne sehen, wie viele Kalorien ich beim Radeln verbrenne. Geht nicht. Enttäuschend.

Einfacher oder vor allem individueller wäre es, wenn ich die Messdaten selbst bestimmen könnte, also ein individuelles Mess-Set zusammenstellen könnte. Zum Beispiel ein Training, das Kalorien, Umdrehungen und Atemzüge misst. Weil wenn The Dash all diese Daten schon messen kann, warum erhalten Nutzern dann nicht die Option, diese Messdaten nach ihren persönlichen Vorzügen zu sammeln?

Musik nur drinnen

Die Kritiker im Internet sind sich einig: Der Musikkonsum mit dem Bragi Dash ist frustrierend. User Ronny1975 schreibt auf unserer Produktseite:

Die BT Verbindung ist leider nicht immer gut Musik kommt abgehackt an wenn das Telefon in der Hosentasche ist. Daran sollte der Hersteller noch arbeiten

Ronny1975 gibt dem Bragi Dash drei von fünf Sternen. Damit ist die grösste Schwäche der Bragi Dash erkannt. Die Bluetooth-Verbindung ist schwach. Sehr schwach sogar. Im Laufe des Tests habe ich draussen selten länger als zehn Minuten ununterbrochen Musik hören können. Dies weil die Verbindung aussetzt und wie Ronny1975 das richtig anmerkt, abgehackte Musik aus den Ohrstöpseln klingt. Oder halt eben gar nicht. Diese Unterbrechungen sind mehrere Sekunden lang und in einigen Fällen etwa 45 Sekunden lang. Manchmal informiert mich Frau Dash darüber, dass sie die Verbindung mit meinem Handy ganz verloren hat.

Als Referenz: Ich habe mein Handy in der Regel in der linken Hosentasche. Der Musik-Empfänger der Dash ist im rechten Kopfhörer untergebracht. Die Distanz, die das Bluetooth-Signal überwinden muss, liegt bei etwa einem Meter. Dass dies nicht ohne Probleme im Freien funktioniert, ist ein Totschlag-Argument für einen Outdoor-Kopfhörer.

Doch dies ist nur der Fall, wenn ich draussen bin. Es zeigt sich, dass The Dash ein Gerät ist, das für Sportler gedacht ist. Denn wenn nur die Sende- und Empfangsleistung der Bluetooth-Hörer angesehen wird, dann ist der Fall klar: Im Fitness-Studio funktionieren die Kopfhörer viel besser mit nur sehr wenigen Ausfällen. Die in der Redaktion vorherrschende Theorie ist, dass es im Fitnesscenter genügend Wände und Decken gibt, von denen das Bluetooth-Signal reflektiert wird und so das Bluetooth-Feld stabiler wird. Eine andere Theorie besagt, dass es im Studio weniger Energiefelder gibt, die das Feld beeinflussen können.

Fakt ist, dass so lange eine direkte Sichtlinie zwischen Handy und Kopfhörern besteht, funktioniert die Verbindung auch über mehrere Meter. Seltsam ist nur, dass Schwimmen, Velofahren und Laufen nicht typische Indoor-Aktivitäten sind.

Die Suche nach den genauen Messdaten

Bragi brüstet sich damit, dass The Dash eine Reihe Biodaten aufzeichnet. Auf der offiziellen Website des Dashs wird nicht genau gesagt, wozu das gut sein soll, aber die Implikation ist klar. Genau wie bei allen anderen Trackern verspricht Bragi grössere Erfolge und bessere Leistungen sowie besseren Einblick in die eigenen Leistungen und damit verbundene Trainingsoptimierung.

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Sina Harms
Sina Harms
Sina Harms
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Die Daten deiner Sportuhr verstehen und richtig deuten

Das Sensor-Array misst die Daten zuverlässig und ohne Unterbruch, übermittelt diese sauber ans Handy und verarbeitet diese sauber in der App. Dazu kommt eine saubere Übermittlung der Daten an andere Apps wie Samsungs S Health oder MyFitnessPal von Under Armour.

The Dash selbst ist nicht mit so vielen Apps kompatibel wie die Konkurrenz auf dem Markt, aber über zwei Ecken habe ich meine Daten auch in andere Apps gekriegt, die nicht direkt mit der Bragi-App kommunizieren können. Ich habe kurzerhand eine weitere App dazwischengeschaltet und gut war.

Anfangs der Testphase waren die Testdaten reichlich ungenau. Je mehr Workouts ich aber mit den Stöpseln im Ohr absolviert habe, desto akkurater sind die Daten geworden. Sie sind zwar immer noch etwa 10 Schläge pro Minute unter dem Messwert einer zum Vergleich hinzugezogenen Polar-Uhr, aber sie sind plusminus dort, wo sie sein sollten. Das Problem ist, dass ich den Dash nicht mehr traue. So sehr die Daten sich auch an meine Performance anpassen, ganz sicher, dass sie stimmen, bin ich nicht.

Auswertung ohne Kurve

Bei der Datenauswertung über Zeit muss ich auf andere Apps zugreifen. Denn die Bragi-App selbst bietet keine offensichtlich auffindbare statistische Auswertung. Also keine Kurve und kein Zeitstrahl. Alles, was die Bragi-App bietet, ist ein Eintrag pro Workout.

Review der Workouts ist bestenfalls spartanisch

Der Auswertungsbildschirm ist nur eine statische Ausgabe des Trainingsbildschirms

Dennoch ist es möglich, diese Kurven zu erhalten. Aber halt nicht in der Bragi-App. Google Fit bietet diese Kurven an. Die Kombination aus Bragi-App, Google Fit und MyFitnessPal bringt ein recht komplettes Bild meiner Ernährung, meines Gewichts und meines Trainings über Zeit. Dass die Bragi-App das nicht schafft, ist schwach.

Andererseits hat Bragi laut LinkedIn 120 Mitarbeiter aus aller Herren Länder. Das ist ein verhältnismässig kleines Team im Vergleich mit dem grossen Konkurrenten Jawbone, bei dem laut LinkedIn 323 Menschen arbeiten. Der Output der beiden Firmen ist aber vergleichbar. Wenn solche personellen Engpässe bestehen, dann ist die Strategie, sich auf eine offene API eines anderen Herstellers wie Google zu verlassen, aus wirtschaftlichen Gründen total legitim. Dies müsste aber aus Transparenzgründen, genau wie die limitierte Interkompatibilität mit anderen Apps, klar kommuniziert werden. Stattdessen wirbt Bragi mit einer kompletten Suite, die in Tat und Wahrheit weit von komplett entfernt ist.

Ein guter Anfang

Die Bragi Dash sind solide verarbeitet und versprechen viel. Die edlen Geräte sitzen gut im Ohr und das Case wirkt stabil. Wenn Bragi hardwaretechnisch weiterhin auf solch stabile Verarbeitung, starke Akkus und die Bedienung via Touch-Oberflächen setzt, könnte das Unternehmen sich als eine der besten Hersteller von kabellosen Kopfhörern etablieren.

Die Bragi Dash sind für Indoor-Sportler gemacht, denn das Bluetooth-Feld benötigt Reflektionsflächen, um ohne grosse Unterbrechungen zu funktionieren. Für Trainings im Studio sind die Dash also perfekt. Outdoor-Sportler müssen mit Unterbrechungen rechnen, wenn sie das Telefon nicht am Oberarm tragen. Als Alltagskopfhörer kann ich die Dash aber nicht empfehlen. Dazu ist der Empfang mit Sender in der Hosentasche zu schwach.

Zu Analysezwecken empfehle ich, ein anderes Tool zu verwenden, das Dinge wie Kurven auswerten kann. Dank der offenen Standards von Google Fit und der Android-Plattform im Allgemeinen ist das aber kein Problem und so kannst du dir die Analysemöglichkeiten suchen, die dir am besten zusagen.

Kabellose Kopfhörer mit Zusatzfunktionen haben Zukunft und Bragi legt mit dem Dash einen soliden Prototypen vor. Die Dash haben einige Kinderkrankheiten, aber wenn Bragi das Modell weiterentwickelt, dürften wir ein extrem gutes Gerät erhalten.

Das Schlussurteil: Bragis The Dash ist fast grossartig. Aber nur fast.

User

Dominik Bärlocher

Journalist. Autor. Hacker. Meine Themen haben meist mit Android oder Apples iOS zu tun. Auch die IT-Security liegt mir am Herzen, denn in unserer Zeit ist der Datenschutz keine Nebensache mehr, sondern eine Überlebensstrategie.

2 Kommentare

User arsene78

Guter Bericht. Zur schwachen Bluetooth Diagnose gibt es folgendes zu sagen. In den letzten Monaten habe ich die Jaybird Earbud und Sony Over-Ear verwendet. Sobald das Handy in der hinteren Hosentasche war, gab es Aussetzer. Somit liegt dies eher an der geringen Bluetooth Verbindung.

09.11.2016
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User mircowilhelm

Ebenfalls zum Bluetooth. Ich habe inzwischen gut 5 Bluetooth Kopfhörer durch. Keiner kann im Freien ohne Störungen genutzt werden. Vor allem in Städten mit vielen Oberleitungen und Funksignalen kommt es immer zu starken Störungen. Das liegt schlicht und einfach am Protokoll.

25.11.2016
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