Asus PG27UQ: Das taugt der erste 4K-Monitor mit 144 Hz

Asus PG27UQ: Das taugt der erste 4K-Monitor mit 144 Hz

Philipp Rüegg
Zürich, am 08.06.2018

Der PG27UQ von Asus ist der erste 4K-Monitor mit 144 Hz. Die Taiwanesen belassen es aber nicht dabei und packen noch HDR und G-Sync obendrauf. Dass du dafür fast 3000 Franken hinblättern musst, überrascht nicht – aber ist das Teil sein Geld wirklich wert?

«Eine Million Views in einem Tag. Das ist der Benchmark». Mit dieser beeindruckenden Bilanz für das Hands-On-Video des Youtubers Linus Sebastian überreicht mir Kollege Sebastian Karlen den Asus PG27UQ. «Es ist DAS Peripherie-Produkt des Jahres.» Ja, ja, was weiss denn schon dieser Walliser. Nur weil er den gleichen Vor- beziehungsweise Nachnamen hat wie Linus, glaubt er mir Vorträge halten zu können? In den Bergen ist vermutlich immer noch ein 15-Zoll-Röhrenmonitor das Mass aller Dinge. Aber ganz Unrecht hat er wohl nicht. Schliesslich ist der PG27UQ der erste 4K-Monitor, der 144 Hz schafft und nicht nur das. HDR und G-Sync gibts ebenfalls. Mit knapp 3000 Franken musst du dafür allerdings auch einen Kleinkredit aufnehmen – mit Betonung auf DU. Uns hat freundlicherweise Asus ein Gerät zur Verfügung gestellt, das ich umgehend in Betrieb nahm.

Alles, was das Herz begehrt

Dünn ist der Monitor definitiv nicht.
Dünn ist der Monitor definitiv nicht.

Der PG27UQ bietet so ziemlich alles, was Gamerherzen aufblühen lässt. Das 27 Zoll grosse IPS-Display setzt auf Quantum-Dot-Technologie, die den meisten von Samsung-Fernsehern her bekannt sein dürfte. OLED-Niveau erreicht das Display damit zwar nicht ganz, aber die Bildqualität kann definitiv überzeugen. Für die satten Farben hilft wohl auch der DCI-P3-Farbraum, der 25 Prozent grösser als der von sRGB-Monitoren sein soll.

Spannender für Gamer sind die folgenden vier Features: 3840 x 2160 Pixel, 144-Hz-Bildwiederholfrequenz, HDR und G-Sync. Besonders die Kombination aus den letzten beiden Technologien war und ist für Hardwarehersteller eine Herausforderung. Asus liefert dank 384 Zonen mit direkter LED-Beleuchtung eine maximale Helligkeit von 1000 cd/m2. Damit können die extremen Kontraste, die HDR auszeichnet, erreicht werden.

Das LED-Backlight sorgt zudem dynamisch für hohen Kontrast zwischen hellen und dunklen Szenen. Wenn du allerdings in einem dunklen Raum bist und sich der Monitor nach einem sehr hellen Bild wieder abdunkelt, ist teilweise die ungleichmässige Hintergrundbeleuchtung auszumachen. Gewisse Stellen leuchten dann stärker als andere. Im Alltagsbetrieb ist es mir aber nicht störend aufgefallen.

Der Joystick ist praktisch, aber auch etwas überempfindlich.
Der Joystick ist praktisch, aber auch etwas überempfindlich.

Per kleinem Joystick sowie vier Tasten auf der Rückseite kannst du das OSD-Menü sehr einfach bedienen. Die Menüs sind zudem relativ verständlich geordnet, so dass du auch findest, was du suchst. Mit zwei Tasten kommst du ausserdem direkt in verschiedene Schnelleinstellungen wie Bildvoreinstellungen oder FPS-Anzeige. Der Joystick reagiert etwas zu empfindlich. Wenn du ihn drücken sollst, um eine Eingabe zu bestätigen, verrutschts du schnell einmal.

Das Menü ist relativ übersichtlich.
Das Menü ist relativ übersichtlich.

Der Monitor ist äusserst beweglich. Er lässt sich vertikal verstellen, 90° im Uhrzeiger- und Gegenuhrzeigersinn drehen, nach links und rechts drehen sowie nach vorne und zurückschwenken. Durch den massiven Fuss geht jede Bewegung sehr geschmeidig vonstatten. Auf der Rückseite befinden sich die Anschlüsse (1x Displayport 1.4, 1x HDMI 2.0, 2x USB 3.0, 1x Kopfhöreranschluss), die mit einer abnehmbaren Plasikabdeckung diskret versteckt werden können. An der Verarbeitung gibt es absolut nichts auszusetzen. Nirgends wackelt oder klappert etwas.

Der massive Standfuss ist natürlich ebenfalls beleuchtet.
Der massive Standfuss ist natürlich ebenfalls beleuchtet.

Das dicke Ausstattungspaket geht dann auch auf die Rippen. Der PG27UQ wiegt fast 10 kg.

Da gehen mir gleich mehrere Lichter auf

Batsignal mit Asus.
Batsignal mit Asus.

Asus protzt aber nicht nur mit inneren Werten. Wie es sich für einen ordentlichen Gamer-Monitor gehört, bietet er eine kunterbunte Lichtershow. Er besitzt ein ROG-Logo auf der Oberseite des Ständers und ein riesiges RGB-Logo auf der Rückseite, das sich natürlich über Asus’ Aura-Software ansteuern lässt. Dazu muss der Monitor per USB-Kabel mit dem PC verbunden werden, sonst lässt sich das Licht nur am Monitor direkt verändern. An der Unterseite des Ständers befindet sich eine weitere Lichtquelle. Mittels den vier beiliegenden transparenten Plastikdeckeln lässt sich ein beliebiges Logo oder Schriftzug auf den Tisch projizieren. Abgerundet wird die Disco durch ein ROG-Bat-Signal, das an die Decke zündet. Overkill? Sicher, aber auch ziemlich spassig und alles lässt sich bei Bedarf auch abschalten.

Der Winkel des Asus-Signals lässt sich per Rädchen verstellen.
Der Winkel des Asus-Signals lässt sich per Rädchen verstellen.

Performance und der lange Weg zu HDR

4K-Auflösung in Games muss ich eigentlich nicht mehr beschreiben. Die enorme Pixeldichte sorgt dafür, dass du dir Kantenglättung und dergleichen sparen kannst und du dennoch ein gestochen scharfes Bild mit maximalen Details kriegst. Sofern es deine Grafikkarte mitmacht, kannst du die Monsterauflösung in Kombination mit 144 Hz geniessen. 144 Hz musst du über das Monitor-Menü erst aktivieren. Damit übertaktest du das Gerät von 120 Hz auf 144 Hz. «CS: GO» und «Metro Last Light» waren meine Testkandidaten und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Butterweiche 3840 x 2160 Pixel sind schon etwas ganz besonderes. Für die meisten modernen oder anspruchsvollen Spiele liegt diese magische Kombination aus Pixel und Frames allerdings nicht drin – selbst mit einer 1080 Ti nicht. Da muss schon SLI her und das funktioniert erfahrungsgemäss nicht immer wie gewünscht.

Einfacher hat es da Q-Sync, das dafür sorgt, dass das Bild sich nicht verzerrt, wenn Grafikkarte und Monitor nicht auf dem gleichen Level sind. Ein Feature, auf das du nicht verzichten möchtest.

Das eigentliche Highlight ist allerdings HDR. Um die Funktion zu aktivieren, musst du erst ein paar Hürden überwinden. Du benötigst ein hochwertiges Displayportkabel 1.4 (liegt bei). Über den HDMI-Anschluss kriegst du lediglich 4k bei 60 Hz. Dazu eine kompatible Grafikkarte – alles unter 1080 Ti macht kaum Sinn. Danach musst du das allerneuste Windows-Update installieren und je nach Grafikkarte zusätzlich die Firmware auf Displayport 1.4 upgraden mit diesem Tool. Anschliessend solltest du in Windows HDR aktivieren können.

Games mit HDR sind ganz grosses Kino.
Games mit HDR sind ganz grosses Kino.

Danach musst du nur noch ein passendes Game finden, wovon es noch nicht sehr viele gibt. «Star Wars Battlefront 2», «Destiny 2», «Assassin's Creed Origins» sind einige der bekannteren Beispiele. Ich habs primär an ersterem ausprobiert und der Unterschied ist frappant. HDR sorgt für wesentlich mehr Abstufungen in dunklen Bereichen. Die Kontraste, gerade in den Weltraumschlachten, sind so viel ausgeprägter. Wenn du die Option im Spiel wieder deaktivierst, tritt ziemlich grosse Ernüchterung ein. Das Bild wirkt regelrecht verblasst. Zum Glück fällt dir das nur im Direktvergleich auf, sonst könnte ich vermutlich viele Spiele nicht mehr spielen.

HDR bringt aber nicht in jedem Spiel den gleichen Nutzen. Auch musst du teilweise selber noch die Helligkeit oder die Farben am Monitor nachjustieren, bist du auf den für dich passenden Wert kommst. Und dann kann es gut sein, dass die Einstellungen für ein anderes Spiel nicht mehr stimmen. Ein merkwürdiges Phänomen ist mir bei «Battlefront 2» aufgefallen, wenn ich HDR im Spiel deaktivierte. Danach kam es zu ziemlich starkem Color Banding. Wirklich bemerkbar war es zwar nur im Menü, wenn das Spiel im Hintergrund leicht verschwommen angezeigt wird. Dann sah es so aus, als hätte der Monitor plötzlich auf 8bit-Farbtiefe gewechselt. In anderen Spielen ist mir nichts aufgefallen. Es könnte also auch an «Battlefront 2» liegen. Und schliesslich gibt es ohnehin keinen Grund, HDR nicht eingeschaltet zu lassen.

Falls du am PC Netflix schauen willst, musst du die App aus dem Microsoft-Store installieren. Die Web-Version bietet kein HDR. Dadurch kannst du aber auch wunderbar Fenster an Fenster vergleichen wie beispielsweise «Stranger Things» mit und ohne HDR aussieht. Spätestens da gibt es kein Zurück mehr. Gerade Filme und Serien, die oft in der Nacht spielen oder viele dunkle Szenen besitzen, profitieren enorm von HDR.

Netflix ohne (links) und mit HDR. In echt ist der Unterschied noch viel deutlicher.
Netflix ohne (links) und mit HDR. In echt ist der Unterschied noch viel deutlicher.

Fazit: Wenn er nur etwas grösser wäre

4K bei 144 Hz ist ein absolutes Nischenbedürfnis. Das zeigt sich sowohl im Preis des Monitors als auch an den Anforderung an die Grafikkarte. Eine GTX 1080 Ti ist das absolute Minimum. Erwartungsgemäss ist das Ergebnis, sofern du ein Spiel findest, das du ausreizen kannst, ein absoluter Augenschmaus. Der nicht so heimliche Star ist jedoch HDR, das viele Spiele optisch nochmals um eine ganze Stufe anhebt. Da die Auswahl unterstützter Titel allerdings noch sehr überschaubar ist, ist das alleine kein Kaufgrund. Der Reiz des PG27UQ ist die Kombination aus dem besten, was Monitore aktuell zu bieten haben. Einziger Wermutstropfen neben dem Preis, der einem das Pippi in die Augen treibt, ist die Grösse. Für fast 3000 Franken sind mir 27 Zoll definitiv zu wenig. Wer sich daran nicht stört und genug Geld für so Spässe hat, wird garantiert glücklich mit diesem Monitor.

ROG Swift PG27UQ (3840 x 2160 Pixels)
Gebraucht + Geprüft
785.03
ASUS ROG Swift PG27UQ
3840 x 2160 Pixels
32

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Philipp Rüegg
Philipp Rüegg

Senior Editor, Zürich

Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem privaten Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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