«Assassin’s Creed Nexus»: Ich habe Spaß beim Meucheln in Virtual Reality
Spielkritik

«Assassin’s Creed Nexus»: Ich habe Spaß beim Meucheln in Virtual Reality

Debora Pape
17.11.2023

Das erste «Assassin’s Creed» für Virtual-Reality-Brillen ist da! Ich habe das Spiel getestet und hatte meine wahre Freude.

Als Assassine in der Virtual Reality herumzuschleichen und vollkommen in Ubisofts wunderschöne Spielwelten einzutauchen, war mein Wunsch, seit ich 2017 erstmals eine VR-Brille auf der Nase hatte. Mit «Assassin’s Creed Nexus» und einer Meta Quest 3 geht dieser Traum jetzt in Erfüllung.

«Asassin’s Creed Nexus» ist jetzt für Meta Quest 3, Meta Quest 2 und Meta Quest Pro verfügbar. Ich konnte bereits ein paar Stunden im Spiel verbringen. Meinen Eindruck von der Steuerung, dem Kampfsystem, der Grafik und natürlich von der Handlung bekommst du hier.

Du steuerst drei bekannte Assassine

«Nexus» ist anders aufgebaut als die anderen Teile der Spielreihe. Du bist ein Hacker oder eine Hackerin der Bruderschaft der Assassinen und arbeitest undercover bei Abstergo. Der Abstergo-Konzern ist der Deckmante für die Machenschaften des Templerordens – den traditionellen Gegner aller Assassinen –, der seine Macht auf Kosten der Freiheit aller Menschen vergrößern will. Abstergo hat einen neuen Ansatz gefunden, um seine Ziele zu erreichen. Und du bist die Schlüsselperson dafür.

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In der Abstergo-Cloud sind die vollständigen Erinnerungen verschiedener Assassinen gespeichert. Hier kommt der Animus ins Spiel: Das ist eine virtuelle Umgebung, in der du die Erinnerungen von wichtigen Persönlichkeiten der Vergangenheit durchleben kannst. Den meisten «AC»-Veteranen sollte dieses Konzept bekannt sein. In «Nexus» ist das Element der Erinnerungssimulation als virtuelle Realität stimmig und konsequent umgesetzt. Für mich war die ganze Animus-Geschichte in den letzten Spieleteilen eher abstrakt, aber bei einem VR-Spiel ergibt sie wirklich Sinn.

Die Abstergo-Cloud: Hier wirst du für deinen Auftrag gebrieft.
Die Abstergo-Cloud: Hier wirst du für deinen Auftrag gebrieft.
Quelle: Debora Pape

Deine Aufgabe ist, mehrere wichtige Momente in den Erinnerungen dreier bekannter Assassinen aus früheren Spielen zu betreten. Dort sollst du für Abstergo spezielle Artefakte finden und diese – für die Bruderschaft – sabotieren. «Assassin’s Creed Nexus» ist also kein Open-World-Spiel, sondern eine Zusammenstellung verschiedener Missionen mit verschiedenen Assassinen an verschiedenen Orten.

Spielbar sind Ezio Auditore da Firenze in Italien um 1500, Kassandra im antiken Griechenland und Connor Kenway zur Zeit der amerikanischen Revolution um 1800.

Mitten drin statt nur davor: Erster Auftritt in einem Palazzo

Nach der Einführung geht es auch gleich los: Du öffnest als Ezio in einem italienischen Palazzo die Augen. Wie immer verschlägt VR mir den Atem: Ich befinde mich in einem prachtvoll eingerichteten Schlafzimmer. Es ist Nacht, durch ein Fenster sehe ich ein Feuerwerk über den Dächern Venedigs und höre das Geraune von Menschen. Als ich an mir herunterschaue, stelle ich fest, dass ich Ezios Kleidung trage. Anstelle meiner eigenen Nasenspitze sehe ich den Zinken von Ezio – dessen Nasengröße ist übrigens einstellbar. Bei entsprechenden Handbewegungen am Kopf kannst du dir sogar die Assassinenkapuze überstülpen.

Ezios Hände sind meine Hände.
Ezios Hände sind meine Hände.
Quelle: Debora Pape

Das Spiel wirft dich nicht ins kalte Wasser. Es gibt dir genug Zeit, mit Gegenständen zu interagieren und dich mit der Steuerung vertraut zu machen. Sobald du dich sicher fühlst, kann es richtig losgehen. Dein Auftrag ist zunächst, dein Schwert wiederzufinden. Ein Questmarker im Interface zeigt dir an, wo du hin musst. Diese erste Erinnerungssimulation dient als Tutorial, damit du zumindest eine rudimentäre Assassinen-Ausbildung bekommst.

Dazu gehört natürlich auch Schleichen und Töten. Ob du wirklich in die Hocke gehst, um dich klein zu machen, oder stattdessen eine Taste auf dem Controller drückst, bleibt dir überlassen. Aber ich kann dir sagen: Das Leben eines Assassinen in der Hocke ist ganz schön anstrengend.

Das Kampfsystem ist intuitiv und macht Spaß

Durch das Werfen von herumstehenden Gegenständen kannst du Gegner ablenken. Oder du wählst die radikale Methode und schickst sie zu ihren Ahnen. Durch das Drücken des Triggers und eine Bewegung deines Handgelenks schnellt die berüchtigte Assassinenklinge hervor, die du gewaltvoll in nichtsahnende Wachen versenken kannst. Blut fließt übrigens nicht, die Gegner sterben ohne sichtbare Wunden. «Nexus» ist trotzdem erst ab 18 Jahren zugelassen.

Wenn es hinterrücks nicht geht, kannst du in den Frontalangriff gehen. Mit deinem Schwert blockierst du Angriffe deiner Gegner und nutzt Gelegenheiten zum Gegenangriff. Es ist auch möglich – aber zunächst nicht so einfach – im richtigen Moment an der richtigen Stelle auf die Waffe des Gegners zu schlagen, um dessen Angriff zu unterbrechen. Stark angeschlagenen Gegnern kannst du dann durch einen schnellen Vorstoß mit der Assassinenklinge den Rest geben.

Außerdem schaltest du im Laufe des Spiels verschiedene Skills und Waffen frei, etwa Sprungattacken und das Anrempeln von Gegnern. Die Wurfmesser, die du erhältst, finden fast von allein ihr Ziel, genaues Anvisieren ist nicht nötig. Wirfst du aber völlig am Gegner vorbei, bemerkt er dich und es kann zu ungewollten Kämpfen kommen. Mit den Messern kannst du übrigens auch Fallen auslösen, zum Beispiel eine an einem Seil hängende Kiste. Durchtrennst du das Seil, begräbt die Kiste deine Gegner unter sich.

Die Kämpfe machen viel Spaß. Um Gegner professionell auseinanderzunehmen, musst du die richtigen Momente erkennen und nutzen. Das Entwicklerstudio Ubisoft hat sich hier viele Gedanken gemacht, um die Möglichkeiten von VR für ein interessantes Kampfsystem zu nutzen. Es animiert dazu, wie ein Assassine gute Kombinationen auszuführen und einen Gegner schnell und sauber auszuschalten. Einfach so auf den Gegner einzuhacken, geht zwar auch, damit riskierst du aber, selbst Prügel zu beziehen.

Kleine, aber feine Spielumgebungen

Nach dem Einführungslevel besuchst du als Ezio dessen Heimatstadt Monteriggioni in der Toskana. Du sollst Ezios Schwester Claudia im Anwesen der Familie aufsuchen. In den belebten Straßen der pittoresken Kleinstadt flanieren adelige Damen in perlenbestickten Kleidern aus Samt und Seide, Handwerker schlagen mit Hämmern auf Holzbalken ein, Verkäufer preisen ihre Waren an und hin und wieder rennt ein Dieb durch die Gassen. Kurz: Die Spielwelt fühlt sich lebendig an.

Monteriggioni: Das Städtchen sieht lebendig aus. Links im Bild siehst du Ezios Nasenspitze.
Monteriggioni: Das Städtchen sieht lebendig aus. Links im Bild siehst du Ezios Nasenspitze.
Quelle: Debora Pape

Grafisch kann die Umgebung natürlich nicht mit einem «Assassin’s Creed Mirage» aus 2023 mithalten. Die Modelle und Texturen erinnern aus der Nähe eher an Spiele aus 2010 – aber eine Standalone-VR-Brille ist auch keine Next-Gen-Konsole. Das Haupt-Feature von VR-Spielen ist die Immersion und hier hat Ubisoft ganze Arbeit geleistet.

Um die Stadt herum befindet sich eine unsichtbare Mauer, die du nicht überwinden kannst. Dafür steht Monteriggioni dir weitgehend offen, und nachdem du dich am höchsten Punkt mit dem Animus synchronisiert hast, werden dir verschiedene Nebenaktivitäten angezeigt. Das Synchronisieren und vor allem der Todessprung danach in den obligatorischen Heuhaufen darf in keinem «Assassin’s Creed»-Spiel fehlen. Virtual Reality sorgt beim Sprung aus der Höhe natürlich für einen besonderen Nervenkitzel.

Zur besseren Orientierung in der Stadt steht dir der Animus-Späher zur Verfügung: Bei Aktivierung scheinst du über einem lebensechten Modell der Stadt zu schweben, während in den Straßen weiterhin Menschen spazieren. Vielleicht hat sich Ubisoft hier an «Google Earth VR» orientiert, das sich ähnlich faszinierend anfühlt.

Die Animus-Späher-Ansicht: Die Spielumgebung als Echtzeit-Modell.
Die Animus-Späher-Ansicht: Die Spielumgebung als Echtzeit-Modell.
Quelle: Debora Pape

In den Story-Missionen gibt es viel zu tun

Das Herumstreifen in der Stadt ist zwar ganz nett, aber richtig interessant wird es in der Story-Mission im Familienanwesen. Dort bekommst du mehr zu tun: Du sprichst mit deiner Schwester, belauschst Gespräche, suchst Gegenstände und setzt Objekte zusammen. Auch Schleichen, Attentate und Kämpfe gehören natürlich dazu.

Teilweise kannst du dich mehr oder weniger frei im Missionsgebiet bewegen und teilweise folgst du einem vorgegebenen Parcours-Weg, in dem du ganz «AC»-klassisch kletterst, springst und schwingst.

Darüber hinaus hat Ubisoft mehrere Collectables versteckt, wie zum Beispiel historische Hintergrundinformationen. Es lohnt sich also, die Augen und Ohren aufzuhalten. Beim Verlassen der Mission gibt es eine Zusammenfassung und ich musste feststellen, dass ich fast alle Sammelgegenstände übersehen habe.

Wie steht’s um Motion Sickness und Höhenangst?

Motion Sickness ist bei VR-Spielen ein bekanntes Problem: Vielen Menschen wird unwohl, wenn sie sich in VR-Spielen bewegen. Dafür bietet «Nexus» verschiedene Komforteinstellungen an. Dazu gehören die Wahl zwischen freier Bewegung und Teleport-Funktion, Tunnelblick beim Drehen und Bewegen und – je nach Einstellung – alle 15 Minuten eine Erinnerung daran, eine Pause zu machen, bevor der Magen rebelliert. Bei der Teleportfunktion kannst du deinen Charakter von Ort zu Ort «hüpfen» lassen, statt dich kontinuierlich zu bewegen.

Ich habe bei den Komforteinstellungen ein Zwischending gewählt. Die Immersion ist mir sehr wichtig. Das hat aber einen Preis: Nach spätestens einer halben Stunde merke ich ein leichtes Unwohlsein und muss eine Pause einlegen. Bewegung in VR-Spielen ist (für mich) einfach ein Problem. Entsprechend habe ich auch kein gesteigertes Interesse an den Parcours-Herausforderungen, die in den freien Spielumgebungen angeboten werden.

In «Assassin’s Creed» gehört auch das Klettern an Gebäudefassaden und über Dächer dazu. Wer Höhenangst hat, kann sich Linien einblenden lassen, die einen Boden simulieren und so das Gefühl von großer Höhe abschwächen sollen.

Virtual Reality macht auch als Assassine viel Spaß!

Obwohl ich erst einen kleinen Teil des Spiels gesehen habe, kann ich schon sagen: Es macht richtig Spaß. Die Umsetzung mit verschiedenen Assassinen an verschiedenen Orten ist mit VR stimmig und zeigt eindrucksvoll die Möglichkeit der Virtual Reality, den Spieler oder die Spielerin an sonst unerreichbare Orte zu bringen.

Ob das Spiel im weiteren Verlauf eine spannende Story entwickelt oder zu sehr auf Wiederholungen setzt, kann ich leider noch nicht beurteilen. Insgesamt soll dich «Assassin's Creed Nexus» etwa 15 bis 20 Stunden beschäftigen. An der Performance des Spiels gibt es nichts zu meckern. Ich habe es direkt auf der Quest 3 gespielt und hatte keinerlei Ruckler oder Abstürze.

Im Vergleich zu aktuellen Spielen, die du am Bildschirm spielst, sind die Aktionsmöglichkeiten, zum Beispiel das Reiten auf Pferden oder das Sprechen mit NPCs, begrenzter. Deswegen bietet das freie Erkunden der Spielumgebung auch weniger Anspruch. Die Immersion macht das aber wett. Die richtige Action gibt es dann auch in den Missionsumgebungen.

Ich denke, dass Ubisoft mit «Nexus» ein sehr gutes Argument für Virtual Reality gelungen ist, ähnlich wie beispielsweise «Half Life: Alyx» von Valve. Sollte das Spiel auch finanziell Erfolg haben, hoffe ich, dass noch weitere große Spieleschmieden sich ein Herz nehmen und VR-Versionen für ihre beliebten Spielereihen umsetzen.

Titelbild: Ubisoft

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Fühlt sich vor dem Gaming-PC genauso zu Hause wie in der Hängematte im Garten. Mag unter anderem das römische Kaiserreich, Containerschiffe und Science-Fiction-Bücher. Spürt vor allem News aus dem IT-Bereich und Smart Things auf.


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