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Alles zur neuen Fujifilm X-H1

Fujifilm bringt im März eine neue Top-Kamera. Ich konnte sie bereits ausprobieren.

Fujifilm hat den Medien in Lissabon eine Kamera vorgestellt, die es in sich hat. Die X-H1 ist das neue Topmodell des Herstellers – einmal abgesehen von der Mittelformatkamera GFX 50s. Ich habe einerseits in Lissabon viel damit fotografieren können, sowohl frei als auch in geführten Workshops. Andererseits hatte ich schon im Januar Gelegenheit, die Kamera mal auszuprobieren. Somit kann ich bereits einiges aus der Praxis erzählen.

Was ist neu?

Aber zuerst mal noch kurz die wichtigsten Merkmale und Neuerungen. Zuerst fällt auf, dass die X-H1 aussieht wie eine Mini-Ausgabe der GFX. Besondere Kennzeichen: Ein kantiges Magnesium-Gehäuse und ein kleiner Zweitbildschirm auf der Oberseite der Kamera.

  • X-H1 Body (24.30MP, 14FPS, WLAN)
  • X-H1 Body (24.30MP, 14FPS, WLAN)
  • X-H1 Body (24.30MP, 14FPS, WLAN)
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Fujifilm X-H1 Body (24.30MP, 14FPS, WLAN)
Professionelle Bildqualität, robustes Gehäuse und fortschrittliche Videofunktionalität – mit der spiegellosen Systemkamera Fujifilm X-H1 erweitert Fujifilm seine vielfach ausgezeichnete X Serie um das bislang leistungsstärkste Modell.
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Dem kleinen Display zum Opfer gefallen ist das Rad für die Belichtungskorrektur, für das kein Platz mehr vorhanden war. Die Belichtungskorrektur regelt der Benutzer nun halt über das allgemeine Drehrad, was immer noch easy ist.

Der Haupt-LCD ist ausklappbar und lässt sich auch auf die Seite drehen. Laut Fujifilm bietet er einen höheren Dynamikumfang als frühere LCDs. Wichtiger ist aber, dass die Auflösung im Sucher von 2,36 auf 3,69 Megapixel erhöht wurde. Er hat eine Bildwiederholrate von 100 fps.

Nicht neu ist der Sensor. Es ist derselbe wie im bisherigen Flaggschiff X-T2 mit einer Auflösung von 24 Megapixeln.

Erster Fuji-Body mit Bildstabilisierung

Die X-H1 ist die erste Kamera von Fujifilm mit Bildstabilisierung im Kameragehäuse (IBIS, in body image stabilization). Der Bildstabilisator umfasst fünf Achsen und soll eine fünf Stufen längere Belichtung ermöglichen. Falls ein Objektiv angeschlossen wird, das für bestimmte Achsen eine bessere Stabilisierung hat, schaltet sich die entsprechende Achse im Body aus und die Kamera nutzt für diese Bewegungsrichtung die Stabilisierung der Kamera.

Falls du es genau wissen willst, habe ich hier eine Tabelle aus der Fujifilm-Präsentation.

Für Sport, Action und Wildlife

Die X-H1 hat einen deutlich grösseren Handgriff als die X-T2, ebenfalls von der GFX inspiriert. Sie richtet sich unter anderem an Sport- und Wildlife-Fotografen. Da ist ein anständiger Handgriff natürlich sehr sinnvoll, weil grosse und schwere Teleobjektive zum Einsatz kommen.

  • Fujinon XF 100-400mm f/4.5-5.6 R LM OIS WR (100 - 400 mm, 4.50 - 5.60 x)
  • Fujinon XF 100-400mm f/4.5-5.6 R LM OIS WR (100 - 400 mm, 4.50 - 5.60 x)
  • Fujinon XF 100-400mm f/4.5-5.6 R LM OIS WR (100 - 400 mm, 4.50 - 5.60 x)
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Fujifilm Fujinon XF 100-400mm f/4.5-5.6 R LM OIS WR (100 - 400 mm, 4.50 - 5.60 x)
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Ebenfalls passend für die Zielgruppe: der verbesserte Autofokus. Er arbeitet auch bei wenig Licht schnell und zuverlässig. Ich konnte im Test sogar in nahezu kompletter Dunkelheit teilweise noch automatisch fokussieren.

Im Serienfeuer zeigt der Sucher ständig, was du fotografierst – kein Blackout mehr. Die Geschwindigkeit liegt bei 8 fps ohne und 11 fps mit Batteriegriff, mit dem elektronischen Verschluss erreicht die Kamera 14 fps. Der Batteriegriff ist natürlich auch neu, da die Kamera ein neues Gehäuse hat.

  • VPB-XH1 Batteriegriff für X-H1 (Batteriegriff)
  • VPB-XH1 Batteriegriff für X-H1 (Batteriegriff)
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Fujifilm VPB-XH1 Batteriegriff für X-H1 (Batteriegriff)

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Video

Mit der X-H1 will Fujifilm auch Video-Producer ansprechen und bietet einige passende Features. So kann das neue Modell F-Log direkt auf die SD-Karte aufzeichnen, es braucht dafür keinen externen Rekorder mehr. Bei 4K lassen sich die Datenübertragungsraten 50, 100 oder 200 Mbit/s wählen. Full HD ist in 120p möglich. Die neue Filmsimulation Eterna ist speziell für Video geeignet. Sie bietet weniger Kontrast und weniger knallige Farben, was im Video-Bereich meist erwünscht ist. Das Gehäuse ist besser vor Überhitzung durch den internen Prozessor geschützt. Dadurch kann die Kamera längere Videos aufzeichnen als etwa die X-T2.

Normale Bildeinstellung:

Filmsimulation Eterna:

Fujfiilm hat zudem für Juni 2018 zwei spezielle Cinema-Objektive angekündigt, das MKX 18-55mm und das MKX 50-135. Sie bieten stufenlose Blendenregelung (T2.9), sie halten den Fokus und die optische Achse beim Zoomen ganz stabil und beim Scharfstellen gibt es kein «Lens Breathing».

Doch nicht alles klingt wie Musik in den Ohren von Video-Fans. Noch immer lässt sich am Body selbst kein Kopfhörer anschliessen – nur am optionalen Batteriegriff. Ausserdem beherrscht die Kamera kein 10bit.

Meine Eindrücke aus der Praxis

Die Beispielbilder in diesem Artikel sind alles JPEGs. Ich habe zwar auch RAW aufgenommen, doch die Kamera ist so neu, dass Lightroom und ähnliche Programme die Rohdaten noch nicht lesen und bearbeiten können.

Hier ist ein Bild mit 1/20 Sekunde aus der freien Hand geschossen. Ich hätte auch wesentlich länger belichten können, aber das war hier gar nicht nötig (500 ISO, F4).

Im Weitwinkel verwackeln ja die Bilder auch ohne Stabilisator nicht so schnell. Etwas anders sieht es mit 55 mm Brennweite aus, da wäre 1/20 schon sehr kritisch. Mit dem Bildstabilisator kein Problem. Viel schwieriger ist, dass die Personen sich nicht bewegen.

Nun wollte ich doch wissen, ob der Bildstabilisator wirklich 5 Belichtungsstufen kompensiert. Eine Faustregel besagt, dass bei 50 mm Brennweite 1/50 Sekunde unkritisch ist. Runden wir auf 1/60 auf, dann wären fünf Stufen eine halbe Sekunde. In meinem kurzen Test ist es mir gelungen, so lange zu belichten, ohne zu verwackeln. Allerdings nur in einem von drei Versuchen. Mit anderen Worten: fünf Stufen sind zwar möglich, aber keineswegs garantiert.

1/2 Sekunde belichtet bei Brennweite 50 mm:

In der Vergrösserung sind noch immer keine Verwackler zu sehen:

Vergrösserung: immer noch keine Verwackler zu sehen

Die X-H1 ist aus mehreren Gründen eine sehr gute Lowlight-Kamera. Der Bildstabilisator ist einer davon. Toll finde ich, dass ich bei schwachem Licht nicht nur lange, sondern auch sehr kurz belichten kann. Das ist zwar nichts Neues im Vergleich zur Fujifilm X-T2, aber es ist beeindruckend und macht Spass.

Den herumtigernden Tiger im Zürcher Zoo durfte ich höchstens mit 1/500 Sekunde ablichten, sonst gab es Bewegungsunschärfe. Da war ich froh, dass ich die ISO entsprechend hochschrauben konnte. Hier konnte ich auf 1/320 runter, da sich das Tier mal kurz hingelegt hat.

Posieren für die Kamera

Noch stärker auf hohe ISO angewiesen war ich in der Masoala-Halle, die an jenem nebligen Januartag doch recht dunkel war. Hier waren satte 6400 ISO nötig. Die Qualität ist erstaunlich.

Ausschnitt aus dem obigen Foto:

Was mich begeistert: Die Farben verblassen selbst bei wirklich hoher Empfindlichkeit kaum. Hier 12800 ISO.

Ob die Bedienelemente gut angeordnet sind, muss jeder für sich selbst beantworten. Jede Person fasst die Kamera ein wenig anders an. Ich selbst hatte beim Testen überhaupt keine Probleme, der eine Kollege jedoch verstellte unabsichtlich ständig das Moduswählrad, der andere drückte etwa 50 Mal versehentlich auf die Q-Taste. Einig waren wir uns alle, dass der kleine Joystick eine sehr praktische Sache ist, etwa zum Wählen des Fokusfeldes.

Der Auslöser geht sehr leicht los. Ich fand es schwierig, nur scharf zu stellen, ohne ganz durchzudrücken. Das ist anscheinend so gewollt, Fujifilm hat extra eine Blattmechanik dafür entwickelt. Ich finde es gewöhnungsbedürftig. Scharfstellen könnte ich zwar auch mit der Taste AF-On (ebenfalls neu). Auch daran müsste ich mich aber erst gewöhnen.

Fazit

Die Kamera schränkt mich auch unter schwierigen Lichtbedingungen kaum ein. Ich kann nach Belieben kurz oder lang belichten, die Blende öffnen oder schliessen. Die Kamera erledigt alles Weitere. Das macht Spass.

Die Neuerungen der X-H1 ergeben durchweg Sinn. Fujifilm erkannte offensichtlich, wo Handlungsbedarf bestand und hat sich auf diese Punkte konzentriert. Das Resultat ist eine Kamera, die in fast jeder Hinsicht überzeugt. Sie liegt gut in der Hand, hat einen erstklassigen Autofokus, der auch im Dunkeln zuverlässig arbeitet, sie ist schnell und hat eine brauchbare Videofunktion. Auch wenn sie keinen neuen Sensor bringt, ist ihr Rauschverhalten trotzdem immer noch top, die JPEGs sind wie bei Fujifilm gewohnt vom Feinsten. Der einzige Negativpunkt, den ich ausmachen konnte: die Akkulaufzeit ist mirrorless-typisch kurz. Spiegelreflexkameras leeren den Akku im normalen Gebrauch deutlich weniger schnell.

Hinweis: Fujifilm hat die Reise und den Aufenthalt bezahlt.

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Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

13 Kommentare

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User icarus86

Top Artikel, Top Fotos und... Top Kamera!
Es mag sein, dass die X-H1 etwas zu gross sein könnte, aber m.M.n. ist diese eher mit f/1.4 Fix-Objektive oder mit f/2.8 Zooms zu paaren, als mit Pancakes oder den kleinen f/2 Fix-Objektiven.
Sehr gut gemacht Fuji!

15.02.2018
User Captcha

Eine sehr spannende Kamera mit vielen Features. Finde auch die Preis/Leistung sehr gut. Zwei Dinge die ich mir jetzt beim durchlesen gewünscht hätte ist ein Touchscreen und 60fps.

15.02.2018
User siRtobey1

Die X-H1 hat einen Touchscreen, und laut DPreview nutzt sie ihn besser als noch die X-T20. Dh. auch z.B. um den Fokuspunkt zu verschieben, wenn du den EVF benützst und den Joystick irgendwie nicht magst. ;)

15.02.2018
Antworten
User fxprints

...Price 2200 ? Are you guys sure about that? Everywhere in the world X-H1 cost a couple of hundreds more than X-T2. Which is fine by me. So if Digitec sells X-T2 for 1479 francs then X-H1 should be around 1700? But 500 more.? Something is wrong here...

15.02.2018
User schLEIMER

You never heard of market and international prices?
US Price is around 2200 bucks and there are no official swiss prices.
My best guess.. Digitec will change the price for the camera as soon as Fuji switzerland releases the official price. Have a cup of coffee and relax sir/madam/genderneutral.

16.02.2018
Antworten
User Martin Messmer

DANKE für den wertvollen Artikel!
Achtung: die max. Verschlusszeit für gerade noch unverwackelte Bilder (ohne Stabi!) ist nicht einfach mit 1/Brennweite [s] zu berechnen, sondern:
t(max) ≈ 1/(Brennweite x Cropfaktor).
Bei 50mm (APS-C) wäre also t(max) ≈ 1/ (50 x 1.5) = 1/75 [s]
Liebe Grüße – MM

05.09.2018
User nightflyer

Also eine Kamera von Fuji die jetzt das kann, was die Sony A7-RII schon lange kann.

15.02.2018
User Anonymous

Was denn? Fotografieren? Oder vergleichbar sehr gute ISO Werte liefern zu einem viel günstigeren Preis? Oder dass diese Fuji Kamera ein besseres AF System hat und sie auch locker für Sport benutzen kann? Was bei der A7RII hgenau NICHT der Fall war. Denn die A7RII hatte ich.. und von Fuji kann Sony noch einiges lernen was Farben angeht ;)
Du vergleichst hier Birnen mit Äpfel ^^

15.02.2018
User nightflyer

Der Burst-Modus ist tatsächlich schneller, dafür hat die A7R2 andere Stärken. Ich vergleiche Profikamera mit Profikamera, schlimm?

15.02.2018
User siRtobey1

Nun du schreibst selbst warum dein ursprünglicher Kommentar nicht besonders aussagekräftig ist. Die Fuji kann einiges besser, die A7RII wiederum andere. Ein Vergleich ist ok, aber eine generell wirkende Herabwertung der X-H1 wirkt halt wie "Fanboy-ismus" ;).

15.02.2018
User Nikzondo

Man kann seine Vorlieben haben, Jedoch ist der Vergleich schlecht gewählt, da die A7Rii etwa 1 drittel mehr kostet und man da von einem Vollformat Sensor redet. Man kauft jedoch keine Fuji wegen des Bodys sondern eher wegen der sehr Starken Objektivwahl( Preis /Leistung) und der Farbrendition des Sensors.

26.02.2018
User Screwface

Auch wenn mir das nur "Thumbs-down" einbringt, aber Fuji ist für mich zusammen mit Sony die "most overhyped" Kamera-Marke derzeit. Genau in den für mich entscheidenden Brennweiten (35mm & 85mm @KB) "versagt" das System! Farben, Kontrast und Schärfe sind ok, aber die Objektive sind keine Bokeh-Monster (Unruhiger HG, Zwiebelringe, ovale Spitzlichter) und alles Andere bekomme ich mit MFT nochmals kompakter, günstiger und technisch teils sogar besser (E-M1/G9) im Paket. Ausserdem ist der Gebrauchtmarkt bei MFT viel attraktiver. Einen Hersteller dafür loben, dass er es nach Jahren endlich geschafft hat, einen IBIS zu integrieren, ist auch etwas naja...

23.03.2018
Antworten