So viel Geld für einen roten Punkt?
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So viel Geld für einen roten Punkt?

Lilian Dach
Zürich, am 01.04.2017
Der rote Punkt fällt sofort ins Auge. Dieser rote Punkt ist das Markenzeichen von Leica. Die seit 100 Jahren erfolgreiche Kameramarke ist für hohe Qualität aber auch für ihre hohen Preise bekannt. Vor Kurzem hat Leica eine Sofortbildkamera mit Zoom auf den Markt gebracht: Die Leica Sofort. Ich habe sie getestet.

Stilvoll

Ich habe die Leica Sofort bereits auf der Photokina in Köln gesehen. Hinter verschlossener Vitrine. Umso gespannter bin ich beim Auspacken. Der rote Punkt - also das Leica Logo - ist perfekt platziert. Nicht zu auffällig. Trotzdem erkennt man es auf den ersten Blick. Ich nehme die Sofort in die Hand und stelle fest: Schön und hochwertig. Die Materialien wirken teuer, fast schon edel. Nichts erinnert an die anderen Instantkameras im quietsch-bunten Plastikdesign. Trotzdem wird sich der ein oder andere fragen, warum er so viel Geld für Plastik zahlt. Denn auch die Leica Sofort ist aus Plastik. Aber aus hochwertig verarbeitetem und stilvoll designtem Plastik. Vergleichbar in Stil und Grösse mit der günstigeren Fujifilm Instax Mini 90 Neo Classic (Sofortbildkamera). Die Leica Sofort gefällt mir trotzdem besser. Die Sofort gibt es in drei Farben:

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Sie hat Stil und ist hochwertig verarbeitet. Ist Plastik, sieht aber nicht so aus.
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Auch von oben schön anzusehen.

Erste Rückschläge

Endlich halte ich eine echte Leica in der Hand. Und mir fällt auf: Verdammt, ist die gross. Und unhandlich. Selfies mit einer Hand? Hochformat-Bilder? Wir werden sehen. Momentan fühle ich mich am Sichersten, wenn ich sie mit beiden Händen festhalten kann. Anschalten. Oha. Ausversehen auf den Auslöseknopf gedrückt. Zack, wird ein Bildli gedruckt. Das übe ich nochmal. Der An- und Ausknopf ist auf der Rückseite. Soweit so gut. Ein Display hat sie nicht. An dessen Stelle ist der Akku. Dahinter wird der Film eingelegt. Später werde ich merken, dass ein Display doch ganz cool wäre. Anstatt Display gibt es einen optischen Sucher. Der tut es auch. Tipp: Die mit einem roten Slider markierte Filmklappe erst öffnen, wenn der Film alle ist. Sonst zeigt es automatisch wieder 10 Bilder an, obwohl vielleicht gar nicht mehr so viele übrig sind.

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Der Zähler zeigt dir, wie viele Fotos du noch machen kannst. Den roten Slider nur betätigen, wenn der Film aufgebraucht ist.

«Richtiges» Fotografieren

Film einlegen und schon kann es losgehen. Wenn du einen neuen Film einlegst, muss der Akku ganz geladen sein. Du kannst sowohl Leica- als auch Fujifilm-Instax-Mini-Filme benutzen.

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Akku aufladen und einsetzen.
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Film einlegen geht ganz einfach. Du kannst Leica- und Fujifilm-Instax-Mini-Filme benutzen.

Leica bewirbt die Sofort mit Slogans wie «Frame the Moment» oder auch «Genuine Raw - Photography Unplugged». Kurzgefasst: Hier geht es ums «richtige» Fotografieren. Kein Display, um das Ergebnis zu sehen, keine Löschtaste, um überflüssige Bilder zu löschen. Hier muss jedes Motiv sitzen. Es wird schliesslich gleich ausgedruckt und somit für die Ewigkeit auf Papier gebannt. Damit habe ich so meine Mühe. Während einem Wochenende in München wollte ich die Leica Sofort testen. Schlussendlich habe ich kein einziges Foto geschossen, weil ich nie vom Motiv überezugt war. Hätte ich meine digitale Kamera dabeigehabt, wären es wohl einige geworden. Nach dem Wochenende hab ich mir also ein Display für die Leica Sofort gewünscht. Ja, es ist eine Sofortbildkamera. Eine analoge Kamera im weiteren Sinn und damit gibts einfach kein Display. Würde auch kein Sinn machen. Also bin ich nochmal losgezogen – und siehe da: Es ging. Ich habe coole Motive gefunden und es hat mir sogar Spass gemacht. Ich muss mich aufs Wesentliche konzentrieren, entscheiden, ob das Motiv es wert ist, ein Franken zu investieren. Irgendwie etwas sehr Schönes und Erdendes in Zeiten der Digitalisierung.

Zoom

Einen Zoom hat bis jetzt noch keine andere Sofortbildkamera. Weder die Fujifilm Instax-Modelle, noch die Polaroid-Kameras können hier mithalten. Das Objektiv hat sogar einen Einstellring. So kannst du zoomen. Der Zoom ist natürlich nicht ansatzweise mit einem normalen Zoom zu vergleichen. Trotzdem bekommst du einen anderen Look und Bildausschnitt. Besonders bei Streetfotografie und Portraits kannst du hier mehr rausholen als mit vergleichbaren Instantkameras. Gleichzeitig war ich aber ein wenig enttäuscht, ich hätte mir vom Zoom schon mehr erwartet. Fokussieren geht auch. Der Fokuspunkt ist hier kein Punkt, kein Rechteck, sondern ein schwarzer Kreis. Klar ist: Hintergrundunschärfe, Bokeh und weitere Stilmittel der Fotografie sind damit nicht möglich.

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Mit Zoom und ohne.

Makro, Langzeitbelichtung oder Party

Wie andere Sofortbildkameras wartet auch die Leica Sofort mit einer Reihe verschiedener Modi auf. Ich habe sie alle getestet. Fazit: Die Modi sind sorgfältig ausgewählt, unterscheiden sich wirklich voneinander und erhöhen deinen Spielraum enorm. Dasselbe Motiv kann gleich ganz anders wirken. Es gibt zum Beispiel einen Makro-, Party-, Sport und Selfiemodus. Du kannst zudem einen Selbstauslöser nutzen und mit der Doppelbelichtungsfunktion coole Effekte kreieren. Für dunkle Motive gibt es einen Blitz. Besonders genutzt habe ich aber die Sonnen-Funktion. Damit wird das Bild aufgehellt und bekommt einen freundlicheren Look. Ohne die Sonne wird das Motiv selbst bei optimalen Lichtverhältnissen (also mit Sonne) oft sehr düster.

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Je nachdem, welchen Look du willst, wirst du alle Modi lieben.
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Links mit Aufhellungsfunktion, rechts ohne.

Der Selfie-Spiegel

Ist man überhaupt auf dem Foto? Und sieht man gut aus? Tatsächlich erkenne ich auf dem Spiegelchen mehr als gedacht. Echt noch praktisch. Willst du Hochformat-Selfies oder Bilder machen, musst du die Instax nach nach rechts drehen. Dann ist der Rand vom Film unten. Das ist im Vergleich zu einer normalen Kamera am Anfang ungewohnt.

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Ich bin nicht so der Selfie-Typ. Aber der kleine Spiegel ist schon extrem praktisch.

Filmauswahl

Leica-Filme tauchen dein Motiv in wärmeres Licht. Die Instax-Filme haben den für Fujifilm typischen Blaustich. Das fällt aber nur im direkten Vergleich auf. Und ich muss ehrlich sagen, auch dann fällt es wirklich nur minimal auf. Es gibt aber einige YouTuber, die hier eine kleine Wissenschaft draus machen. Daher wollte ich euch das nicht vorenthalten: Fuji- vs. Leica-Filmpapier Übrigens: Entgegen der landläufigen Meinung, die Bilder müsse man schütteln, damit sie ideal trocken - das brauchst du nicht tun. Einfach hinlegen und warten. Wenn du unterwegs bist, kannst du sie zum trocknen auch halten. Aber Vorsicht: Immer schön am weissen Rand festhalten - halte deinen Finger nicht auf das gerade entstehende Bild (hört sich banal an? Halte mal vier solcher Bilder gleichzeitig ;)).

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Du kannst Leica-Filme oder die Fujifilm-Instax-Filme nutzen.
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Fazit: Kaufempfehlung

Jetzt wo ich mit etwas Abstand nochmals nachdenken konnte: Ich würde mir die Leica Sofort kaufen. Du bekommst eine stylische und hochwertige Kamera, die in einigen Jahren zum Sammlerstück werden könnte. Mit der neuen Art zu Fotografieren entdeckst du vieles Neu und siehst auch alltägliche Motive mit neuen Augen. So ging es zumindest mir. Klar, sie ist teuer in der Anschaffung und pro Bild kostet es dich einen Franken, aber du musst dich eben wieder aufs Wesentliche konzentrieren und bekommst:

  • Cooles Design
  • Hochwertige Verarbeitung
  • Einfach zu bedienen
  • Der Zoom
  • Sinnvolle Modi, die sich unterscheiden
  • Selfie-Spiegel
  • Neue Möglichkeiten
  • Lässt sich auf ein Stativ montieren

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Lilian Dach
Lilian Dach
Category Development Manager, Zürich
Fotografie begeistert mich und Shoppen ist meine grosse Leidenschaft. Passend dazu bin ich neu in der Category Baby + Toys und erweitere täglich mein Wissen: «Es ist nur eine Phase», Doppelmilchpumpen sind effizienter (ui), kann man Umstandsmode auch un-schwanger tragen und es ist alles irgendwie so herzig :)

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