Razer Kiyo Pro: Endlich eine Webcam mit Top-Bildqualität

Razer Kiyo Pro: Endlich eine Webcam mit Top-Bildqualität

Kevin Hofer
Zürich, am 16.04.2021
Mit der Kiyo Pro bietet Razer eine Webcam, die den Zusatz «Pro» verdient. Damit siehst du in Streams, Meetings und Co. nicht aus wie in einer 1970er Telenovela. Auch sonst weiss die kostspielige Webcam zu überzeugen.

Das tägliche Meeting ähnelt oft einem Gruselkabinett. Meine Arbeitskolleg*innen scheinen direkt aus der Gruft zu kommen. Das liegt nicht an ihnen, sondern an der katastrophalen Qualität ihrer Webcams. Glücklicherweise hat Razer ein Herz für Angsthasen wie mich, die sich vor dem Anblick gruseln, und bietet mit der Kiyo Pro richtig gute Bildqualität.

Full HD und bis zu 60 FPS

Razer verbaut in der Kiyo Pro ein Weitwinkelobjektiv. Mit der 3,8-Millimeter-Brennweite und einem maximalen 103-Grad-Sichtfeld sind auch Gruppen-Chats problemlos möglich. Die Blende beträgt 2,0. Der CMOS-Sensor mit 2,1 Megapixeln von Sony nutzt die Starvis-Technologie. Dabei handelt es sich um eine rückwärtige Belichtung, die eine höhere Empfindlichkeit ermöglicht. Vereinfacht gesagt, lässt sie ein breiteres Lichtspektrum durch, womit helle und dunkle Bereiche klarer zur Geltung kommen. Deshalb verfügt die Kiyo Pro im Vergleich zur Nicht-Pro-Version keinen LED-Ring mehr ums Objektiv. Gemäss Razer reicht die Leistung des Objektivs aus.

Die Kiyo Pro kann auch HDR. Dadurch sollen gemäss Hersteller dank dem höheren Dynamikbereich unter- oder überbelichtete Bereich klarer erscheinen und die Farben kräftiger leuchten. Mit aktiviertem HDR liefert die Webcam aber nur 30 statt 60 Bilder pro Sekunde. 60 FPS sind aber wohl nur für Leute relevant, die irgendwelche Workouts streamen. Für einen Gaming Stream oder ein Meeting reichen 30 FPS aus. Und dann hängt die Qualität eines Streams ja immer noch von der Verbindung ab.

Die Kiyo lässt sich leicht befestigen.
Die Kiyo lässt sich leicht befestigen.

Die Webcam lässt sich dank dem flexiblen Befestigungsmechanismus entweder am Notebook, Monitor auf dem Tisch selbst oder einem Stativ anbringen. Das funktioniert in allen Szenarien gut. Einzig das störrische Kabel ist bei der Befestigung etwas mühsam, es dürfte flexibler sein. Die Webcam lässt sich neigen und schwenken. Für eine Webcam ist sie mit maximal 15 Zentimetern Länge, 6,87 Zentimetern Breite und 4,85 Zentimetern Höhe relativ gross. Sie bringt knapp 250 Gramm auf die Waage.

Angeschlossen wird sie mit einem 1,5 Meter langen USB-Kabel im 3.0-Standard. Die Kamera funktioniert zwar auch an einem 2.0-Port, dann aber unter Umständen nicht in maximaler Qualität. Bei USB 3.0 wird das Video in YUY2 und NV12 (unkomprimiert) encodiert. Bei einem Anschluss an einen USB-2.0-Port wird in H264 (komprimiert) encodiert. Kompatibel ist die Webcam mit Windows. Ich konnte sie zwar auch an ein Macbook anschliessen, da die Razer Synapse Software jedoch nicht für macOS erhältlich ist, nur mit bedingter Funktionalität.

Zwei omnidirektionale Mikrofone, eine Statusleuchte an der Frontseite sowie eine Objektivabdeckung für mehr Privatsphäre runden die Ausstattung ab.

Super Bild- und gute Audioqualität

Bereits von Haus aus liefert die Webcam ein ganz ordentliches Bild. Auch die Aufnahmequalität der Mikrofone überzeugt mich. Und das selbst bei der schwierigen Lichtsituation bei mir im Homeoffice – mit Fenster im Hintergrund. Aber hör und sieh selbst.

Jetzt müssen sich meine Arbeitskolleg*innen nur noch vor mir und nicht der Bildqualität gruseln.

Die Audioqualität reicht zwar fürs tägliche Meeting, jedoch nicht für Streams. Da brauchst du ein besseres Mikrofon. Hintergrundgeräusche werden dennoch gut herausgefiltert und es hat wenig Hall. Im Homeoffice mit zwei Kleinkindern lässt sich das gut testen. Damit’s noch interessanter wird, habe ich zusätzlich etwas Musik übers Smartphone eingespielt. Falls du dich wunderst: Mein Sohn singt in höllischer Lautstärke und auch das Handy dröhnt mit halber Lautstärke aus 40 Zentimetern Entfernung. Deshalb hörst du alles dennoch relativ gut. Das Entscheidende ist jedoch, dass meine Stimme noch klar und deutlich rüberkommt.

Der Autofokus ist etwas empfindlich. Bewegst du dich schnell vor der Kamera, sucht er jedes Mal einen neuen Fokuspunkt. Immerhin gelingt ihm das relativ zügig – etwa so wie einer Systemkamera anno 2016. Sitzt du aber lediglich an einem Meeting, bleibt der Autofokus still. Zur Not kannst du den Fokus auch selbst einstellen.

Mit aktiviertem HDR sieht das Bild etwas besser aus als mit deaktiviertem, wie du auf den Beispielbildern erkennen kannst. Das Bild wirkt weniger ausgewaschen.

Links mit aktivertem HDR...
Links mit aktivertem HDR...
...rechts mit deaktiviertem HDR
...rechts mit deaktiviertem HDR

Willst du die perfekte Beleuchtung, kommst du nicht umhin, dein Setting anzupassen. Auch die beste Kamera der Welt kann nicht zaubern. In meinem Fall müsste ich die Kamera anders ausrichten und von vorne etwas mehr Licht geben. Dann wäre ich restlos zufrieden mit der Qualität.

Zudem müsste ich meinen Hintergrund schöner gestalten. Ist leider nicht, da ich mir das Büro mit zwei Kindern und meiner Frau teile. Sorry für das Puff im Hintergrund, übrigens. Aber bei Meetings habe ich sowieso immer ein Hintergrundbild aktiviert. Du hast also einen exklusiven Sneak Peak in mein Büro erhalten. Hoffentlich kriegst du davon keine Albträume.

Selbstverständlich lässt sich mit einer System- oder Spiegelreflexkamera noch mehr herausholen. Beim ersten Lockdown hatte ich so eine Installation in Betrieb, der Aufwand und Platzverbrauch stehen jedoch in keinem Verhältnis zu einer handlichen Webcam. Alternativ könntest du auch dein Smartphone per App als Webcam verwenden. Hier ist die Bildqualität je nach Telefon etwa gleich wie bei der Kiyo Pro. Die Apps brennen aber auch durch deinen Akku und du hast dein Telefon nicht zur Verfügung.

Schier unendliche Einstellungsmöglichkeiten

In Razer Synapse lassen sich diverse Einstellungen vornehmen. So kannst du den Autofokus oder HDR aktivieren respektive deaktiveren. Weiter stellst du das Sichtfeld, die Farbtemperatur und den Weissabgleich ein. Mit diesen Einstellungen lässt sich noch einiges mehr aus der Kamera herausholen und du gibst deinem Bild einen persönlichen Touch. Dann gibt es noch die erweiterten Einstellungen. Hier kannst du beliebig zoomen, den Bildbereich frei festlegen oder auch Anti-Flicker-Massnahmen treffen, falls du Leuchtstoffröhren im Raum hast. Kurz: Du kannst beinahe alles selbst einstellen, was Video ist. Einstellungen bei Audio fehlen, da musst du dich auf die Mikrofone verlassen.

Tolle Kamera zum hohen Preis

Mir gefällt die Kiyo Pro sehr gut. Sie ist ergonomisch und die Bildqualität ist top. So erkenne ich tatsächlich mich und nicht irgendeinen monsterähnlichen Matschklumpen. Ob meine Gesprächspartner*innen Freude daran haben, mich in meiner ganzen Pracht zu sehen, sei dahingestellt.

Die Einstellungsmöglichkeiten in Razer Synapse sind mannigfaltig und lassen keine Wünsche offen. Einziger Kritikpunkt ist der Autofokus, der zu empfindlich eingestellt ist. Bei einem normalen Meeting oder gar Gaming-Stream fällt das jedoch nicht ins Gewicht.

Ach ja: Es gibt noch einen weiteren Kritikpunkt. Mit knapp 200 Franken kostet die Kiyo Pro eine ordentliche Stange Geld. Die Kamera wird daher wohl für viele Office User zu teuer sein und vor allem für Streamer interessant. Ich fänd’s dennoch schön, wenn meine Arbeitskolleg*innen eine Webcam wie die Kiyo Pro hätten. Dann wäre das morgendliche Meeting aus anderem Grund als der Bildqualität ein Gruselkabinett.

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Kevin Hofer
Kevin Hofer
Editor, Zürich
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.

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