«Pokémon GO» ein Jahr später. Was vom Hype geblieben ist und warum sich die Rückkehr lohnt
Hintergrund

«Pokémon GO» ein Jahr später. Was vom Hype geblieben ist und warum sich die Rückkehr lohnt

Philipp Rüegg
Zürich, am 13.07.2017
Vor einem Jahr konntest du nirgends hingehen, ohne dass dir ständig «Pokémon GO»-Spieler über den Weg liefen. Powerbanks hatten Hochkonjunktur und jedes Geschäft mit einem Pokéstop wurde zum temporären Hotspot. Zeit zu schauen, was die Taschenmonster so treiben.

Videos von Menschenmassen, die in Parks rennen, um dort ein seltenes Pokémon zu fangen, sind vorbei. Heute siehst du nur noch selten jemanden mit seinem Handy Pokébälle nach unsichtbaren Monstern werfen. Vor einem Jahr sah das noch ganz anders aus. Egal, wo du hingingst, standen Menschen in Grüppchen herum, über ihre Smartphones gebeugt und mit angeschlossenen Powerbanks in der Hosentasche.

«Pokémon GO» startet am 6. Juli in den USA und wenig später am 16. Juli in der Schweiz. Ein vergleichbares Phänomen wie der damalige Launch ist mir noch nicht untergekommen. Es schien niemanden zugeben, der das Spiel nicht spielte. Jeder in unserem Büro spielte es, praktisch alle Freunde spielten es und natürlich jeder Pokémon-Fan spielte es. Die Kombination aus Sammelsucht, Spielerei und Einbindung der Umgebung schlug ein wie eine Bombe.

Ein Jahr später wurde «Pokémon GO» weltweit über 750 Millionen mal heruntergeladen und generierte über 1.2 Milliarden Dollar Umsatz. Laut dem amerikanischen Mobile-Marktforschungsunternehmen Apptopia loggten sich im Juni rund 60 Millionen Spieler ein, 20 Prozent davon mindestens einmal pro Tag. Der Höhepunkt von 100 Millionen aktiven Nutzern wie im August 2016 konnte aber nie mehr erreicht werden. Es zeigt dennoch, dass das Spiel längst nicht so in Vergessenheit versunken ist, wie man es meinen könnte.

In meinem Bekanntenkreis spielt eigentlich nur noch eine Freundin regelmässig «Pokémon GO». Sarah hat nie mit PoGo (wie es von eingefleischten Fans genannt wird) aufgehört. «Ich spiels immer noch, weil ich halt alle Pokémon fangen will», meint sie lachend. Sie war schon seit der ersten Version (rot/blau) für den Gameboy angefressen. Momentan gebe es wieder einen starken Zuwachs an Spielern, zumindest in Winterthur, die sich organisieren und fast täglich gemeinsame Sachen unternehmen. Auch ihr Mann lässt sich noch hie und da auf einen kurzen Spaziergang überreden, wenn es mal wieder ein besonderes Pokémon in der Nähe hat.

Es hat sich was getan

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Entwickler Niantic war in den letzten zwölf Monaten nicht untätig. Kritisierten anfangs viele Spieler die mangelnde Variation, werden Rückkehrer einige neue Sachen entdecken.

Arenen sind nicht mehr so monoton wie früher. Seit Juni funktionieren Arenen so, dass wenn du alle gegnerischen Pokémon besiegt hast, dein Team sechs freie Slots erhält. Diese können nur mit unterschiedlichen Pokémon besetzt werden. Ausserdem verlieren sie nun laufend an Stärke, so dass sie nach ein paar Stunden leichter zu besiegen sind. Das führt zu deutlich mehr Dynamik. Auch benötigst du nun deutlich weniger Kämpfe, um Pokémon in Arenen zu besiegen. Es ist auch wichtiger geworden, die Stärken und Schwächen der jeweiligen Pokémon zu kennen.

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Spannender sind aber die neuen Raid-Bosse. Solche besonders starken Pokémon besetzen eine stunde lang eine Arena und können anschliessend von einem Team von bis zu 20 Leuten unter Zeitlimit bekämpft werden. «Das fördert das Zusammenspiel extrem», findet Sarah. Es gibt verschiedene Stufen dieser Battle Raids. Dabei erhältst du nicht nur die Chance, das Pokémon zu fangen, es gibt auch zusätzliche Belohnungen. Darunter «Technische Maschine» kurz TM mit denen du die Attacken deiner Pokémon anpassen kannst. Um an Raids teilzunehmen, brauchst du einen Battle-Pass. «Pokémon GO» schenkt dir einen pro Tag oder du kaufst sie dir für 100 Münzen.

Das Tracking-System, um Pokémon in der Nähe zu finden, wurde mehrmals überarbeitet. Die anfängliche Lösung mit den Füsschen, die anzeigten, wie nahe ein Pokémon ist, kehrte leider nie zurück. Nun siehst du dafür bei Pokéstops, welche Pokémon in der Nähe sind. Die Füsschen seien wesentlich «abenteuerlicher» gewesen, meint Sarah.

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Zu den anfänglichen Pokémon ist ausserdem noch die zweite Generation hinzugekommen. Es gibt nun also über 200 bunte Monster zu fangen.

Gross gefeiert wird nicht

Einen richtigen Jubiläums-Event für Pokémon GO gibt es eigentlich nicht. Zwischen dem 6. und 24. Juli wird es Pikachu mit Ashs Mütze zu fangen geben. Ausserdem kannst du Jubiläums-Boxen kaufen, die verschiedene nützliche Items enthalten wie Inkubatoren, Ultra-Bälle und mindestens ein Premium-Raid-Pass.

Immerhin gibt es noch ein paar Spezialevents. In Europa sind es drei. In diesen Safari-Zonen können ausnahmsweise interkontinentale Pokémon wie Tauros, Kangama oder Porenta auch in anderen Regionen gesammelt werden. Die Zürcher Pogo-Spieler organisieren extra einen Car nach Deutschland. Meine Kollegin reist dafür sogar mit ihrem Mann nach Paris. So lässt sich das Vergnügen mit dem ähm Vergnügen kombinieren.

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Was noch fehlt

Auf eines der grundlegendsten Elemente von Pokémon, nämlich das Tauschen, warten Fans noch immer. Ausserdem kannst du weiterhin ausschliesslich über Arenen oder Raids miteinander spielen. Einander direkt herausfordern geht immer noch nicht.

Auch das Tracking-System ist längst nicht perfekt. Für Niantic gibt es also noch viel zu tun. Ein Jahr nach dem Launch hat sich dennoch einiges getan und für bestehende wie auch neue Spieler sind frische Anreize geschaffen worden. Wer nach dem grossen Hype vor einem Jahr wieder abgesprungen ist, für den ist jetzt ein guter Zeitpunkt, die angestaubte App mal wieder zu starten.

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Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Senior Editor, Zürich
Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – nur leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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