Poco M3 im Test: Das steckt in dem günstigen Smartphone

Poco M3 im Test: Das steckt in dem günstigen Smartphone

Coya Vallejo Hägi
Zürich, am 17.05.2021
Den Preis-Leistungs-Test besteht das chinesische Budget-Phone mit Bestnoten. Dabei überzeugt das M3 nicht nur mit dem Monsterakku. Ein paar Wermutstropfen werden trotzdem vergossen.

«More than you expect» – mit diesem nüchternen Statement wird das Poco M3 auf der internationalen Website des chinesischen Herstellers beworben. Der Spruch lehnt sich natürlich an den Preis des Geräts – denn das Poco M3 ist in der Schweiz ab knapp 160 Franken und in Deutschland ab 160 Euro zu haben.

Die Marke hinter dem Budget-Phone ist hierzulande weniger bekannt. Poco ist mittlerweile zwar offiziell eine unabhängige Marke, doch ihre Ursprünge sind beim chinesischen Smartphone-Riesen Xiaomi zu finden. Dieser rief die Untermarke 2018 ins Leben. Das war eine gute Idee: Denn laut eigenen Angaben ist Poco mittlerweile in 35 Ländern vertreten und hat 2020 über neun Millionen Phones verschifft.

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Die äusseren Werte

Das Poco M3 wird in einer Poco-gelben Box geliefert. Mit dabei ist ein 22.5 Watt USB-A-Netzteil mit einem USB-A zu USB-C Kabel – beides in schlichtem weiss. Zudem legt Poco auch gleich eine Schutzhülle aus durchsichtigem PVC obendrauf. Ziemlich praktisch.

Das M3 ist auch in gelb und blau zu haben, mein Testgerät ist schwarz. Es misst 6.53 Zoll und wiegt 197 Gramm. Mit dem 19.5:9 Seitenverhältnis fühlt sich das Phone leicht und dünn an – Mini-Hände wie meine werden aber von der Spannweite fast etwas überfordert. Besonders einhändig wird das Entsperren schnell zur mühsamen Dehnübung der Handmuskulatur.

Beim Herausnehmen aus der Schachtel fällt mir gleich die Rückseite ins Auge: Sie besteht aus texturiertem Kunststoff – und das sieht ziemlich schick aus. Sie verleiht dem Phone einen schönen Look, ein überzeugendes Lederimitat fürs Auge, das sich auch gut anfühlt. Die komplette Absenz von Edelstahlelementen holt das Gerät ästhetisch aber wieder auf den Boden zurück.

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Bleiben wir auf der Rückseite. Das Kameramodul nimmt das oberste Viertel der Rückseite ein. Neben der «Super Triple Camera» und dem Flash wurde das silberne Poco-Branding in einem grosszügigen 2.5 Zentimeter-Schriftzug platziert. Wenn du keine Enthusiastin von offenherzigen Markenbotschaften bist, lässt sich das Logo dank der Textur des Kameramoduls aber wahrscheinlich gut überkleben.

Die Ränder des Pocos haben eine zugespitzte Kerbe gegen aussen und du kannst den Aufsatz des 1080p FHD+ Displays klar erkennen. Eine Schutzfolie ist ab Fabrik darauf geklebt.

Was ich sehr praktisch finde, ist dass das Poco Kopfhörerdiversität unterstützt. Sprich, das Gerät bietet nicht nur einen USB-C-Anschluss zum Laden sondern auch eine gute, alte Kopfhörerbuchse am oberen Rand. Die gibt es seit über 100 Jahren und ist nicht kaputt. Warum muss die also weg?

Die inneren Werte

Das Poco M3 kommt mit Android 10 aus der Fabrik und läuft auf einem MIUI 12 basierten Poco-Launcher. Wann Android 11 für das M3 verfügbar sein wird, ist noch unklar.

MIUI 12 verzichtet auf zusätzliche Werbung, doch nebst den vorinstallierten Google-Apps kommt das Poco mit Bloatware daher. Gleich nach dem Aufsetzen schmeiss ich dutzende Spiele und Apps wieder raus.

Schön bei der MIUI ist der App-Drawer: Hier habe ich eine gute Übersicht und kann Apps nach Farben suchen. Damit ich das Phone per Touch zum Aufleuchten bringen kann, muss ich die Doppeltippfunktion bei den Einstellungen für den Sperrbildschirm anpassen. Dasselbe bei der Navigation: Hier ersetze ich die Default-Navigation via Tasten durch Vollbildgesten.

Beim Speicher kommt das M3 in der 64 GB oder 128 GB ROM-Version, gepaart mit entweder 4 oder 6 GB RAM. Neben den beiden SIM-Karten-Slots kannst du zusätzlich noch eine MicroSD einsetzen, solltest du mehr Speicher benötigen.

Das Einrichten der Gesichtserkennung geht sehr schnell – beim iPhone dauert das deutlich länger. Auch der Fingerprint Sensor ist rasch eingerichtet. Die Gesichtserkennung klappt in neun von zehn Fällen – auch im Dunkeln – und der Fingerprint Sensor funktioniert wunderbar.

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Schöne Fotos – bei schönem Wetter

Die «Super Triple Camera» des M3 besteht aus einer 48 Megapixel Hauptkamera, einer 2 Megapixel Makrolinse und einem 2 Megapixel Tiefensensor. Und dieses Trio liefert gute Fotos – sofern die Bedingungen stimmen. An sonnigen oder hellen bewölkten Tagen, in gut beleuchteten Innenräumen und ohne Zoom bekommst du mit dem M3 also durchaus akzeptable Resultate.

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Die Makroaufnahmen beim M3 kommen besser heraus als die Aufnahmen mit Zoom. Trotzdem wird es auch hier schnell unscharf. Das Blatt meiner Wohnzimmerpflanze ist im echten Leben niemals so körnig.

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In der Dunkelheit hat das M3 noch mehr zu kämpfen: Die Bilder kommen sehr körnig und unscharf daher.

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Die 8 Megapixel-Frontkamera ist weniger potent und produziert auch bei gutem Licht körnige Bilder. Die Verschönerungsfilter (Weichzeichung und Verschmälerung) sind per Default festgesetzt, doch können sie mit zwei Klicks ausgehebelt werden.

Monsterakku und Stereosound machen mich glücklich

Für den 6000 mhA-Monsterakku des M3 wird bereits auf der Verpackung geworben. Zurecht! Denn dieses Phone ist ein energiegeladener Traktor und hält bei meinem Gebrauch (viel Internet, Social Media, Zeitungen und Musikhören, ab und zu Fotos, kein Gaming, aktiver Covid-Tracker) locker drei Tage ohne Anschliessen ans Stromnetz durch.

Was ich besonders cool finde: Mit dem Reverse Charging kannst du das Phone als Powerbank benutzen. Beispielsweise wenn deine Bluetooth-Kopfhörer den Geist aufgeben sollten. Wenn du dein M3 so völlig ausgepowert hast, dauert es danach etwa zweieinhalb Stunden, um es wieder vollständig aufzuladen.

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Das M3 überrascht mich bei einem weiteren Punkt. Beim Duschen höre ich gerne interessante Podcasts – das heisst, die Lautsprecher eines Phones müssen die Geräuschekulisse des prasselnden Wassers durchdringen. Das M3 schafft das problemlos. Dabei muss ich aber aufpassen, dass das Gerät nicht mit Wasser in Berührung kommt, denn es ist überhaupt nicht wasserdicht. Trotzdem höre ich die neueste Folge von «The Missing Cryptoqueen» während ich meine Haare wasche.

Auch ohne direkt störende Geräusche aus der Umgebung liefert das Gerät einen wirklich sauberen Sound. Deshalb hat das M3 auch mehrmals die musikalische Unterstützung beim spontanen Feierabendbier draussen auf der Wiese geliefert. Hältst du das Phone währenddessen in der Hand, spürst du die Vibration des Lautsprechers sehr deutlich.

Sensibilität und Schnelligkeit dämpfen die Stimmung

Die Höhenflüge des Pocos werden leider durch eine banale, aber grundlegende Eigenschaft gebremst. Und diese bekomme ich jedes Mal wenn ich den Bildschirm mithilfe der Doppeltippfunktion aufwecken will zu spüren. Denn das Tippen wird hier schnell zu einem aggressiven Pressen – weil das Display nämlich nicht besonders sensibel ist. Manchmal braucht es sogar ganze fünf bis sechs forcierte Anstupser, um das Poco zum Aufleuchten zu bringen. Auch im Wachzustand reagiert das Display nicht immer sofort auf meine Befehle. Diese mangelnde Display-Responsiveness ist sehr irritierend.

Leuchtet das Display endlich auf, habe ich an der Auflösung nichts auszusetzen. An einem hellen Tag im Freien wird es schnell schwierig vom Display abzulesen – trotz höchster Helligkeitsstufe.

Das Poco M3 hat einen Qualcomm Snapdragon 662 verbaut – nicht untypisch für ein Phone aus dieser Preisklasse. Und klar – mit einem solchen Mittelklasseprozessor holt das M3 punkto Geschwindigkeit keine Medaille (doch es könnte auch an MIUI liegen). Es braucht einige Sekunden und Millisekunden bis Apps geöffnet werden. Beim gelegentlichen Candy-Crush-Spiel merke ich auch, dass das Poco immer wieder etwas stockt.

Nebst den für mich grösseren Mängeln beim Display und der Geschwindigkeit, sind mir auch kleinere Störelemente aufgefallen. Wenn das M3 mit einem Sonos-Speaker verbunden ist, wird der aktuelle Song fast nie richtig angezeigt im Sperrbildschirm. Die Kommunikation dieser beiden Geräte scheint nicht optimal.

Als Dark-Mode-Jüngerin ist mir auch gleich aufgefallen, dass dieser im M3 nicht überall sauber funktioniert. Bei Spotify beispielsweise, erscheint der Play/Pause-Button ganz in weiss. Dafür verschwindet die Minutenanzeige fast völlig im Dunkel – sehr unschön.

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Für wen ist das M3?

Darf Ich mich bei einem so günstigen Phone überhaupt beschweren? Das M3 geniesst in aufgrund der Preisklasse einen nachsichtigen Bewertungsmassstab. Das Poco M3 schliesst deshalb mit coolen Features um den Monster-Akku und dem potenten Stereo-Sound mit Bestnoten ab – trotz den Wermutstropfen beim Display und der Geschwindigkeit.

Wenn du ein verlässliches, bodenständiges Phone mit respektablen Features und unglaublicher Ausdauer suchst – keine professionellen Fotos schiessen willst und nicht pedantisch auf Schnelligkeit, Sensibilität und hochwertiges Finish schaust, kannst du dir mit sehr gutem Gewissen das Poco M3 zulegen.

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Coya Vallejo Hägi
Coya Vallejo Hägi
Editor, Zürich
«Ich will alles! Die erschütternden Tiefs, die berauschenden Hochs und das Sahnige dazwischen» – diese Worte einer amerikanischen Kult-Figur aus dem TV sprechen mir aus der Seele. Deshalb praktiziere ich diese Lebensphilosophie auch in meinem Arbeitsalltag. Das heisst für mich: Grosse, kleine, spannende und alltägliche Geschichten haben alle ihren Reiz – besonders wenn sie in bunter Reihenfolge daherkommen.

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