Nvidia Shield Pro: Das beste Android TV wird ein bisschen besser

Nvidia Shield Pro: Das beste Android TV wird ein bisschen besser

Philipp Rüegg
Zürich, am 08.11.2019
Bei Android TV, dem Pendant zu Apple TV, gibt es wenig brauchbare Geräte. Zu den besten gehört das mittlerweile vier Jahre alte Nvidia Shield. Nun sind zwei Nachfolger erschienen.

Shield und Shield Pro heissen Nvidias neue TV-Böxchen. Wobei ersteres eigentlich gar kein Böxchen ist. Es ist nämlich rund. Die beiden Geräte sind abgesehen vom Formfaktor fast baugleich. Ich hab nur das Pro-Modell getestet, weil die günstigere Version zum Testzeitpunkt nicht erhältlich war.

Was ist es?

Nvidia Shield TV sind Set-Top-Boxen mit Googles Android TV. Das gleiche Betriebssystem ist mittlerweile auch auf vielen Fernsehern vorinstalliert. Wenn dein TV wie meiner aber schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat, dann ist Android TV dort so schneckenlangsam, dass es kaum zum Aushalten ist. Besser und schneller geht es mit einer dedizierten Box. Das Nvidia Shield wird per HDMI an den Fernseher oder den Receiver angeschlossen. Danach bietet es dir Zugriff auf diverse Apps wie Netflix, Amazon Prime oder Kodi. Auch Android-Spiele kannst du darauf zocken. Entweder mit dem separat erhältlichen Shield-Controller oder mit einem Xbox-One- oder PS4-Controller.

Zudem läuft auf dem Android TV Geforce Now, der Game-Streaming-Dienst von Nvidia. Damit greifst du über die Cloud auf deine Steam- oder Uplay-Spiele zu und streamst sie direkt auf deinen Fernseher. Also das gleiche, was dir demnächst Google Stadia bietet (was ebenfalls auf Android TV laufen wird), nur eben, dass Geforce Now jetzt schon in der Schweiz funktioniert – wenn auch seit Jahren in der Beta-Phase. Daneben hast du mit der Funktion Game Streaming die Möglichkeit, Games von deinem Computer über das heimische Netzwerk zu streamen.

Was ist neu?

Viel hat sich nicht verändert zum ersten Shield. Das Design der Pro-Version ist identisch zu den Vorgängern, mit dem einen entscheidenden Unterschied: Es ist etwa halb so gross ist. Das runde Shield ist da definitiv auffälliger. Aber da auf der einen Seite der Stromanschluss und auf der anderen der HDMI-Anschluss ist, wirst du sie wohl trotzdem ausser Sichtweite verstauen.

Statt dem Nvidia Tegra X1 kommt nun der etwas schnellere Tegra X1+ zum Einsatz. Damit funktioniert das Navigieren der Menüs und der Apps noch mal einen Zacken flüssiger als auf dem Vorgängermodell. Auch die Apps starten etwas schneller.

RAM sind beim zylindrischen Shield von 3 auf 2 GB gesunken. Auch der lokale Speicher ist mit 8 respektive 16 GB kleiner als noch bei der 2015er-Pro-Version: Die hat satte 500 GB verbaut. Vermutlich hat Nvidia gemerkt, dass die wenigsten ihre Filme und Serien auf dem Gerät selbst speichern. Entweder streamst du über Netflix und Co. oder du besitzt ein NAS. Somit reicht der Speicher locker aus, weshalb bereits das Shield von 2017 mit 16 GB ausgeliefert wurde.

Technische Neuerungen gibt es beim HDR. Dort erhältst du neu neben HDR10 auch die Unterstützung für Dolby Vision. Auch beim Sound wurde aufgestockt. Dolby Atmos kann nun lokal dekodiert werden und nicht mehr nur mittels Passthrough. Bluetooth ist neu Version 5.0 an Bord.

Da Nvidia einen exzellenten Job macht, was Android-Updates anbelangt, besitzen alle vier Shield-TVs Android 9.

Das für mich beste Upgrade ist die Fernbedienung. Statt dem flachen kleinen Drücker, der bis anhin Beilag, gibt es nun endlich eine anständige Fernbedienung. Der dreieckige Formfaktor ist etwas ungewöhnlich, die Fernbedienung liegt damit aber sehr angenehm in der Hand. Sie wird mit zwei AA-Batterien betrieben. Bei den Tasten ist endlich auch nicht mehr dieser nervige Minimalismus angesagt, stattdessen ist alles wichtige vorhanden. Play, Stop, Spulen, Lautstärke, Home, Ein/Ausschalten, Sprachbefehl, Menü, Steuerring und obendrauf noch eine Netflix-Taste. Falls du kein Netflix nutzt, kannst du sie mit der App Button Mapper umbelegen.

Ausserdem leuchtet die Fernbedienung im Dunkeln.

Dank CEC-Protokoll kann ich mit der Fernbedienung den Fernseher inklusive Receiver ein- und ausschalten. Und weil ich auch die Lautstärke regeln kann, brauche ich keinen zusätzlichen Drücker ausser ich muss den HDMI-Kanal wechseln.

Warum ist es so gut?

Android TV hat sich zu einer soliden Plattform entwickelt. In der aktuellen Version 9.0, die ohne unnötigen Ballast oder Skin auf dem Shield zum Einsatz kommt, erwartet dich eine schlichte und übersichtliche Benutzeroberfläche. Du kannst schnell auf deine Video-Apps zugreifen, siehst Vorschauen auf aktuelle Sendungen und die Anordnung der Apps lässt sich mit einem Klick anpassen. Die Bedienung ist noch mal ein Stück intuitiver gegenüber Version 8.0, die auf meinem Sony-Fernseher läuft.

Die Anzahl Apps für Android TV ist überschaubar und das ist auch gut so. So ist der Play Store nicht zugemüllt mit unnötigen Apps, die kein Mensch braucht. Ich nutze darauf verschiedene Video-Dienste wie Netflix, HBO und Kodi. Dank der ExpressVPN-App kann ich schnell meinen Standort auf USA oder England wechseln, falls ich US-Netflix schauen will oder den BBC iPlayer benötige. Das System ist perfekt, für was es sein soll und auf dem Shield kommt es so richtig zur Geltung. Nirgends stockt es und die Navigation ist angenehm zackig. Du kannst Shield auch als Plex-Server nutzen, allerdings nur bei der Pro-Version.

Ebenfalls vorinstalliert sind Nvidias Game-Streaming-Apps. Einerseits Geforce Now, um PC-Spiele aus der Cloud zu streamen oder Game Streaming, um Games von deinem eigenen PC übers Netzwerk auf den Fernseher zu übertragen. Beides funktioniert leider auch auf der neuen Shield nur okay. Egal, ob aus der Cloud oder von deinem PC, der Input-Lag ist zu hoch und Verbindungs- oder Ladeprobleme zu häufig. Es ist eine Beta wie sie im Buche steht. Für das eine oder andere Strategiespiel wie aktuell «Planet Zoo», das keine schnelle Reaktion erfordert, reicht es aber durchaus.

Nvidia Shield punktet auch bei den Anschlüssen. Ethernet, HDMI und zweimal USB 3.0. Der microSD-Slot wurde wegrationalisiert. Aber über die USB-Anschlüsse kannst du problemlos eine externe Festplatte anschliessen oder eine kabellose Maus und Tastatur zum Zocken.

Die Sprachsteuerung funktioniert einwandfrei und wenn du nach einem Film fragst, durchsucht der Google Assistant alle installierten Apps und zeigt dir direkt alle Optionen an. Chromecast-Unterstützung ist auch vorhanden, falls du vom Smartphone aus Videoinhalte oder Musik auf dem Shield abspielen willst.

Und schliesslich ist da noch Nvidias neue AI-Upscaling-Technik. Damit werden Nicht-UHD-Inhalte auf Wunsch auf UHD hochgerechnet. Du kannst wählen, wie stark das Upscaling sein soll. Am besten finde ich den Demo-Modus. Ist dieser aktiviert, schaltest du in dem du lange auf die Menütaste drückst, den Bildvergleich-Modus ein. Dann teilt sich das Bild und du siehst links das ohne AI und rechts das verbesserte. Du kannst sogar den Teiler frei nach links oder rechts verschieben. Alternativ schaltest du mit einem Klick auf die Menütaste zwischen den beiden Bildmodi um.

Aber bringt der Upscaling-Modus überhaupt etwas? Ich finde schon. Der Unterschied ist zwar nicht riesig, aber das Bild ist eindeutig schärfer und weniger verwaschen. Allerdings springt dir der Unterschied auch nicht direkt ins Auge. Im Direktvergleich siehst du es definitiv, aber extra dafür das Neue Shield kaufen, würde ich nicht.

Fazit: Lohnt sich das Upgrade?

Wenn du einen zuverlässigen und vielseitigen Mediaplayer suchst, dann bist du beim Nvidia Shield Pro richtig. Dank Android TV kannst du darauf alle wichtigen Media-Apps installieren: Kodi, Plex oder einfach nur Netflix mit Dolby Vision, Dolby Atmos und UHD-Auflösung: alles kein Problem. Die Bedienung ist verständlich, die Navigation butterweich und kein nerviges Skin verdirbt das Original-Android-Erlebnis.

Dank zwei USB-Anschlüssen kannst du problemlos den Speicherplatz erweitern oder zusätzliche Eingabegeräte anschliessen. Nvidia Shield ist die perfekte Ergänzung für deinen Fernseher, wenn du mehr willst als nur Live-TV oder Netflix schauen.

Falls du bereits ein älteres Shield besitzt, lohnt sich das Upgrade hingegen nur bedingt. Du kriegst mit Dolby Vision und Dolby Atmos zwar die neuesten Bild- und Ton-Technologien, aber wirklich viele Inhalte gibt es damit noch nicht und dein Fernseher muss die Protokolle auch unterstützen. Das AI-Upscaling ist auch kein Kaufargument, der Geschwindigkeitsunterschied zu gering, bleibt eigentlich nur noch die Fernbedienung. Für mich die grösste Verbesserung und zusammen mit den restlichen kleineren Upgrades reicht es knapp für eine Kauf-Empfehlung.

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Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Senior Editor, Zürich
Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – nur leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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