Logitech Harmony Elite: Der ewige Traum einer einzigen Fernbedienung
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Logitech Harmony Elite: Der ewige Traum einer einzigen Fernbedienung

Luca Fontana
Zürich, am 14.11.2017
Bis zu 15 Geräte mit einer Fernbedienung steuern? Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Aber genau das verspricht die Harmony Elite Fernbedienung von Logitech, und erfreut sich dabei grosser Beliebtheit. Zeit, dem Traum einer einzigen Fernbedienung auf den Grund zu gehen.

Kennst du das, wenn (d)eine Kohorte Fernbedienungen dich schadenfreudig angrinst, weil diese fiesen Dinger genau wissen, dass du beim Raussuchen des korrekten Stück Plastiks zum Regeln der Lautstärke garantiert danebengreifen wirst? Diese kleinen Fieslinge, die den Moment feiern, wo du statt der Lautstärke den Sender wechselt und beim panischen Zurückschalten auch noch gleich die Folge wieder von vorn beginnst... könnte man denen doch nur irgendwie das Maul stopfen!

Der Traum einer einzigen Fernbedienung

Nein, ich habe keine Halluzinogene zu mir genommen. Ich mag es einfach, den Dingen, die mich so richtig nerven, ein Gesicht zu geben. Und dieses Gesicht leidenschaftlich zu hassen. Bei Fernbedienungen mache ich keine Ausnahmen. Senior-Editor Philipp Rüegg möchte mich von dieser lächerlich unbändigen Wut erlösen und schlägt mir vor, die Logitech Harmony Elite zu testen. Dabei handelt es sich um eine Fernbedienung, mit der man bis zu 15 Geräte gleichzeitig steuern kann. «Probier’s doch einfach aus» meint Philipp, «lebe den Traum einer einzigen Fernbedienung!»

Natürlich ergreife ich die Chance und grinse innerlich bei der Vorstellung, den kleinen Biestern von Fernbedienungen bei mir zu Hause den Gar auszumachen.

Aller Anfang ist schwer. Und Mitte und Ende und überhaupt und sowieso

Gut gelaunt packe ich das schicke Ding aus und schaue, was sich alles in der Schachtel befindet. Eine ganze Menge, wie ich feststelle! Nebst der Fernbedienung finde ich eine Ladestation und einen Hub darin. Der Hub nimmt die Befehle von der Fernbedienung entgegen und leitet diese via Infrarot an meine Multimedia-Geräte weiter. Hast du Geräte, die sich nicht via Infrarot steuern lassen (wie z.B. die Swisscom TV 2.0 Box), brauchst du einen IR-Adapter. So etwas habe ich natürlich nicht zur Hand – ein kleiner Dämpfer, aber dafür kann Logitech ja nichts. Ich nehme mir vor, den IR-Adapter am Folgetag zu besorgen. Zügig lege ich mit der Einrichtung des Hubs und der restlichen Geräte los.

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Wie ein Mannschaftsfoto: Fernbedienung, Ladestation, Harmony-Hub, und jede Menge Kabelgewirr. Was kann da schon schiefgehen?

Ladestation und Hub sind am Strom und startklar. Gemäss beigelegter Anleitung muss die Harmony-App aufs Handy oder Tablet geladen werden. Okay, ist installiert. Die App führt mich durch die restlichen Schritte. Als nächstes soll der Hub mit meinem WLAN-Netzwerk verbunden werden.

Schritt 1: Los geht’s. Komm schon Kleiner!
Schritt 1: Los geht’s. Komm schon Kleiner!
Schritt 2: Wieso? Was zum? Eingeschaltet!?
Schritt 2: Wieso? Was zum? Eingeschaltet!?
Zum Teufel du Ding! Sag einfach was du von mir willst
Zum Teufel du Ding! Sag einfach was du von mir willst
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Siehst du die Uhrzeit oben rechts? Ich beobachte fünf geschlagene Minuten lang, wie das Rädchen auf dem Handy-Display dreht und keinen Wank macht. Immer wieder probiere ich, den Hub zu verbinden, und immer wieder kriege ich Fehlermeldungen wie «Verbindung fehlgeschlagen» und «vergewissere dich, dass blablabla und sowieso». Ich achte schon gar nicht mehr auf die Zeit und die Anzahl Flüche, die ich von mir gebe. Aber es sind zu viele. Ich verzweifle.

Zugegeben, ich bin ungeduldig. Lass es mich erklären: Ich bin ein Fan vom sogenannten «Plug & Play»-Prinzip. Das heisst, dass ich Dinge mag, die man einsteckt, und dann funktionieren. Einfach so. Gerade bei dem Preis. Ich mag es nicht, wenn Dinge ohne ersichtlichen Grund nicht zu funktionieren scheinen. Dann werde ich grantig.

Dennoch, Aufgeben liegt nicht drin. Ich stecke nochmals alles aus, dann wieder ein. Folge Ratschlägen, die ich mühsam in Internet-Foren zusammentrage. Platziere den Hub um, starte meinen Router neu – und siehe da! Nach dem vierundachtzigsten Versuch (ich übertreibe) hat der kleine Hub mein Heimnetzwerk endlich erkannt und sich erfolgreich eingeloggt. Freude herrscht!

Plug and Play? Nicht so hastig kleiner Hobbit.
Plug and Play? Nicht so hastig kleiner Hobbit.

Nun geht’s rassig – vorerst

Über die Harmony-App auf meinem Handy kopple ich die Fernbedienung mit dem Hub. Praktisch: Die Multimedia-Geräte, die sich schon im WLAN-Netzwerk befinden, erkennt der Hub automatisch (bei mir: SONOS Playbar). Meinen LG-Fernseher und meinen 4K-Blu-Ray-Player erfasse ich via Logitech-Datenbank. Auch das funktioniert erfreulich problemlos. Ich werfe einen Seitenblick auf die Fratzen meiner drei nervigen Fernbedienungen, die das gesamte Schauspiel bestimmt breit grinsend mitverfolgt haben. «Wartet’s ab», sage ich, «wer zuletzt lacht, lacht am besten.»

Der erste Test beginnt. Von meinem Sofa aus schalte ich den TV ein. Check. Ich schraube an der Lautstärke rum. Check check. Auf dem kleinen Display der Harmony-Fernbedienung finde ich Spezialknöpfe wie den Home-Button des LG TVs. Ich kann damit ins Smart-TV-Menü und von dort aus YouTube und Netflix starten. Fast bleibe ich bei Stranger Things hängen, und so langsam groove ich mich ein. Aber ich beherrsche mich und teste weiter.

Anatomie einer Fernbedienung

Die meisten Befehle, die ich zum Steuern meiner Geräte benötige, befinden sich auf dem winzig kleinen Touch-Display. Die restlichen Tasten der Fernbedienung sind mehr oder weniger nutzlos (ausser dem Lautstärke-Balken). Das leuchtet allerdings ein: Mit der Fernbedienung sollst du ja möglichst alles bedienen können. Bei der Anzahl Hersteller, die der Markt hergibt, und bei der Anzahl Spezial-Funktionen und Hardware-Designs, mit denen die Hersteller daherkommen, wäre es ein unmögliches Unterfangen, alle nur erdenklichen Tasten auf einer einzigen Fernbedienung unterzubringen. Dass also je nach Gerät, das du gerade steuerst, die entsprechenden Spezial-Tasten auf dem Display dargestellt werden, ist nur logisch.

Aber – warum gibt man diesem so wichtigen, kleinen Display nicht deutlich mehr Platz? Ich würde jetzt nicht gerade sagen, dass ich mit meinen Wurstfingern Mühe habe, die richtigen Tasten auf dem Touch-Display zu betätigen, aber ich habe mit meinen Wurstfingern Mühe, die richtigen Tasten auf dem Touch-Display zu betätigen. Das mag Meckern auf hohem Niveau sein, aber dafür werde ich ja bezahlt.

Durchaus schick aber das Display hätte grösser sein dürfen.
Durchaus schick aber das Display hätte grösser sein dürfen.

Aber was soll’s. Der Installations-Frust legt sich und weicht der Zufriedenheit, die sich nach meinen ersten Tests langsam aber sicher einstellt. Etwas gewöhnungsbedürftig ist der Umstand, dass ich das zu steuernde Gerät immer auswählen muss, bevor ich eine Aktion durchführen kann. Wenn ich zum Beispiel umschalten und anschliessend die Lautstärke regeln will, läuft das so ab:

  1. Ins Übersichtsmenü auf dem Touch-Display wechseln.
  2. Die Swisscom-Box auswählen.
  3. Umschalten.
  4. Zurück zum Übersichtsmenü wechseln.
  5. Die Sonos-Soundbar auswählen.
  6. Lautstärke regeln.

Meistens möchte ich einfach direkt zur entsprechenden Fernbedienung greifen, weil das einfacher ist als zuerst auf der Harmony auszuwählen, was ich gerade steuern möchte. Wie dem auch sei. Zeit, meine wohligen Gemächer zu verlassen und im lokalen Fitnesscenter etwas gegen die klobigen Wurstfinger zu unternehmen.

Ende gut, alles gut? Einfache Antwort: Nope

Zweieinhalb Stunden später kehre ich nach Hause zurück, koche mir was Anständiges zu Essen und geniesse das gute Gewissen nach dem Training. Ich bin bestens gelaunt und möchte mit meinen Harmony-Tests fortfahren. Und dann passiert’s: Die Harmony-Fernbedienung reagiert einfach nicht mehr! Ich öffne die dazugehörige App...

Schritt 16: Wozu braucht es eine Verbindung? Pfff
Schritt 16: Wozu braucht es eine Verbindung? Pfff
Schritt 24: Aktualisieren ist ein anderes Wort für updaten
Schritt 24: Aktualisieren ist ein anderes Wort für updaten

Keine Verbindung? Aber wieso? Kann ich dich nicht zwei Stunden alleine lassen!? Ich versuche, die Verbindung neu aufzubauen. Du nervst, Harmony. Ah! Jetzt geht's wieder, aber... Aktualisieren? Na schön, dann ab an den PC, um das Update durchzuführen. Ich versuche wieder, die Verbindung neu aufzubauen.

Schritt 42: Ruhe bewahren und weiter konfigurieren.
Schritt 42: Ruhe bewahren und weiter konfigurieren.
Schritt 86: Ruhe bewahren und weiter keine Verbindung herstellen.
Schritt 86: Ruhe bewahren und weiter keine Verbindung herstellen.

Natürlich wurde der Hub bereits konfiguriert, du Depp! Na fein, dann nochmals auf «Verbinden» drücken. Ich warte wieder eine gefühlte Ewigkeit, nur um festzustellen, dass mich das Ding offensichtlich hasst: Verbindung kann nicht hergestellt werden. Dein Ernst, Harmony!?

Ich entscheide in all meiner Geduld und Weisheit, die ich aufbringen kann, dass es jetzt nur noch einen richtigen Lösungsweg gibt.

Schritt 179: Feierabend wie das duftet...
Schritt 179: Feierabend wie das duftet...
keine Informationen über dieses Bild verfügbar

Ich bin leicht angepisst. Warum die Verbindung jetzt schon wieder nicht hinhaut, verstehe ich nicht. Mein WLAN-Signal ist selbst auf meinem Balkon stark genug, um 4K-Videos auf dem Handy abzuspielen. Ich sehe nicht ein, weshalb die Verbindung zum Hub gekappt wurde. Wie dem auch sei, morgen geht’s weiter mit der Swisscom TV 2.0 Box.

Letzte Tests, und ich kriege die Kurve doch noch

Einen Tag und eine schlaflose Nacht später (ich übertreibe schon wieder) habe ich den IR-Adapter besorgt, den Router und den Hub neugestartet und die Verbindung wiederhergestellt. Ich lasse mich doch nicht von Technik unterkriegen, soweit kommt's noch!

Die Swisscom-Box hört auf meine Befehle. Ich habe den Adapter nämlich einfach in die dafür vorgesehene Buchse der Swisscom-Box eingesteckt – Plug and Play at it's finest. «Endlich etwas, das einfach funktioniert» murmle ich halblaut vor mich hin. Von meinen anderen Fernbedienungen, die mich tags zuvor noch in den Schlaf weinen liessen (letzte Übertreibung, versprochen), höre ich unterdessen keinen Mucks mehr. Noch traue ich der Sache nicht ganz – zu frisch ist die Wut des Verbindungs-Fiaskos. Zurück an meinem Arbeitsplatz teile ich Philipp feierlich mit, dass ich die Tücken der Harmony-Fernbedienung überwunden und die anderen drei dämonischen Fratzen zum Schweigen gebracht habe. Dennoch ersuche ich um mehr Testzeit, um möglichen Nachbeben, sofern vorhanden, auf den Grund zu gehen. Er versteht kein Wort, nickt aber zustimmend.

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Dicke Freunde, der Harmony-Hub und der IR-Adapter der Swisscom.

Zwei Wochen später

Bis auf den einen oder anderen Schluckauf hat die Harmony-Fernbedienung bestens funktioniert. Einmal habe ich es sogar geschafft, eine «Aktion» zu programmieren. Das bedeutet, dass ich auf Knopfdruck gleichzeitig TV, Soundbar und Blu-Ray-Player einschalte. Da bin ich schon ein bisschen stolz darauf. Ja, es hat eine Weile gedauert, bis die Fernbedienung von Logitech und ich Freunde geworden sind. Schlussendlich ist es aber reine Gewohnheitssache, das kleine Touch-Display, das ich mir immer noch etwas grösser wünschte, ordnungsgemäss zu bedienen. Zudem braucht es definitiv eine Weile (Tage!), bis das Prozedere «zuerst das Gerät auswählen, dann erst steuern» ganz intuitiv abläuft.

Solltest du also mit dem Kauf der Universalfernbedienung liebäugeln, dann möchte ich dir Eines mit auf dem Weg geben: Sei dir bewusst, dass die Installation nicht einfach sein wird. Und vermutlich schon gar nicht schnell. Besorg dir also genug Zeit und Nerven-Futter, bevor du loslegst. Wenn dich das nicht abschreckt, dann steht nichts mehr zwischen dir und dem Traum einer einzigen Fernbedienung. Ausser vielleicht ein zu schwaches WLAN-Netzwerk.

Update 16.11.2017

Knapp vierzig neue Kommentare in nur 24 Stunden. Von sachlich neutral, über mittelmässig nett bis zu bitter böse. Was soll ich sagen? Offenbar habe ich einen Nerv getroffen. Viele von euch bemängeln das Fehlen des «Aktionen»-Features. Einverstanden, das habe ich nur knapp im Fazit erwähnt, was einem der zentralsten Funktionen der Fernbedienung nicht gerecht wird. Was sagt mir das? Meine Reise vom «Harmony-Anfänger» zum «Elite-Pro-Harmony-Bändiger» ist offensichtlich noch nicht beendet.

Folgendes Versprechen: Ich trete euch nicht mehr unter die Augen, ehe ich nicht sämtliche Tricks und Kniffe der Fernbedienung gemeistert habe. Sobald ich soweit bin, werde ich – für die weniger Harmony-erfahrenen Leser – die besten Anfängertipps präsentieren. Und diesmal mit dem «Aktionen»-Feature. Versprochen ;).

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Luca Fontana
Luca Fontana
Editor, Zürich
Abenteuer in der Natur zu erleben und mit Sport an meine Grenzen zu gehen, bis der eigene Puls zum Beat wird — das ist meine Komfortzone. Zum Ausgleich geniesse ich auch die ruhigen Momente mit einem guten Buch über gefährliche Intrigen und finstere Königsmörder. Manchmal schwärme ich für Filmmusik, minutenlang. Hängt wohl mit meiner ausgeprägten Leidenschaft fürs Kino zusammen. Was ich immer schon sagen wollte: «Ich bin Groot.»

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