Logitech G900 Wireless im Test: Kann die Kabelmaus endlich den Schwanz einziehen?
Review

Logitech G900 Wireless im Test: Kann die Kabelmaus endlich den Schwanz einziehen?

Philipp Rüegg
Zürich, am 14.06.2016
Wer in hektischen Online-Games eine Chance haben will, zockt mit einer Kabelmaus. So lautete zumindest bisher der Status Quo. Mit der G900 soll damit Schluss sein. Kann Logitech auch hartnäckige Kabel-Puristen überzeugen?

Funkmäuse sind praktisch. Kein Kabelsalat auf dem Tisch oder Kabel, die ständig irgendwo festklemmen. Unter Gamern, besonders Online-Spielern, konnten sie sich dennoch nie durchsetzen. Ungenau, schwammig, Lags. Nagern ohne Schwanz hängt ein zweifelhafter Ruf nach. Ich selbst halb vor ein paar Jahren diverse Modelle ausprobiert, unter anderem die erste Razer Mamba und die MadCatz R.A.T. 9. Aber nach ein paar Wochen wechselte ich schliesslich wieder zu einer kabelgebundenen zurück. Die Funkmäuse fühlten sich einfach nie so genau an. Ständig plagte einem das Gefühl einer leichten Verzögerung. An einer LAN-Party haben sie diverse meine Freunde ausprobiert und alle waren ebenfalls der Meinung, einen kleinen Lag festzustellen. Das kann alles Einbildung sein, wie das Phantom-Vibrieren des Handys in der Hosentasche, aber das ungute Gefühl bleibt. Seither ist meine Weapon of Choice die Logitech G502.

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Die G900 neben der G502.

Edel-Gerät mit allen Finessen

Mit einer grossen Portion Skepsis hab ich mich daher dem Test der neuen kabellosen Logitech G900 Chaos Spectrum angenommen. Für saftige 180 Franken darf man einiges erwarten. Beim Auspacken der luxuriösen Schachtel wird man dann auch nicht enttäuscht. Eigensinniges, aber stylisches Design und Tasten ohne Ende. Über ein USB-Kabel wird die Maus geladen oder direkt kabelgebunden genutzt. Der 2.4-GHz-Wifi-Empfänger kann mit dem mitgelieferten USB-microUSB-Adapter direkt an das Kabel angeschlossen werden. So spart man sich einen USB-Anschluss. Die Spezifikationen sprechen für sich: 12’000 Dpi, Polling-Rate von 125 bis 1000 Hertz und Software, die keine Wünsche offen lässt.

Dank modularem Design lässt sich die G900 sogar ein wenig individuell anpassen. Die magnetischen Tasten auf der Seite können für Links- oder Rechtshänder montiert werden. Dafür gibt es im Vergleich zur G502 keine Gewichte mehr. Per Knopfdruck lässt sich das Mausrad in den Freilauf schalten. Der Widerstand ist etwas strenger als bei der G502, was ich persönlich als sehr angenehm empfand. Mittels Dpi-Schalter wechselt man zwischen den verschiedenen Empfindlichkeitsstufen, die sich sogar mit der RGB-Beleuchtung koppeln lassen.

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Extrem leicht, dafür weniger Platz zum Ausruhen

Anders als bei der G502 gibt es bei der G900 keinen Platz, um den Daumen abzulegen. Auch die Handfläche bleibt in der Luft und nur die Fingerkuppen und ein kleiner Teil der Handfläche liegen auf der Maus. Ich konnte aber auch bei längeren Partien keine Ermüdung feststellen. Das könnte mit dem geringen Gewicht von lediglich 107 Gramm zusammenhängen. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich dennoch das klassische Design der G502 vorziehen. Insgesamt liegt die G900 angenehm in der Hand und hinterlässt einen sehr guten Eindruck.

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Lasst die Spiele beginnen

Aber wie schlägt sich das Teil denn nun im Ernstfall? Dazu habe ich die G502 und die G900 von der Empfindlichkeit so ähnlich wie möglich konfiguriert. Da man sie problemlos parallel nutzen kann, konnte ich in Games nach Lust und Laune hin und her wechseln. Beiden lassen sich mit bis zu wahnwitzigen 12’000 Dpi betreiben. Das ist mir aber selbst bei meinem 34-Zoll-Monitor viel zu hoch. Mein Fazit: Es ist tatsächlich kein Unterschied festzustellen. «Overwatch», «The Division» oder «Counter-Strike: GO» – nie hatte ich das Gefühl, nicht die volle Kontrolle zu haben. Anfangs deutet man noch jede kleine Abweichung zur gewohnten Maus als Schwäche, später merkt man absolut keine Unterschiede mehr. Und ohne nerviges Kabel fühlt man sich fast so frei wie beim Nacktbaden. Müsste ich sie nicht wieder zurückgeben, wäre das mein treuer Begleiter für die nächsten paar Jahre.

Der Akku hält laut Logitech 32 Stunden bei ausgeschalteter Beleuchtung. Auf die habe ich natürlich nicht verzichtet, sonst hätte sich meine Disco-Tastatur noch etwas eingebildet. Aber auch mit leuchtendem G hab ich mir nie Gedanken um die Laufzeit gemacht und es ist definitiv schon mehrere Tage her, seit ich das Teil mit Strom versorgt habe. Und sonst schliesst man kurzerhand das USB-Kabel an.

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Fazit: Eine Maus, die sogar Garfield fangen würde – wenn er sie sich leisten könnte

Die G900 ist ein beeindruckendes Spielzeug. Wobei man bei 180 Franken wohl nicht mehr von Spielzeug sprechen kann. Die Maus sieht schnittig aus, ist top verarbeitet, beidhändig zu bedienen, angenehm leicht und der Sensor arbeitet präzise. Die Wireless-Fähigkeit ist ausgezeichnet und lässt die Grenze zwischen kabelgebunden endlich verschwinden. Wer nicht darauf besteht, seine Handfläche auf der Maus ruhen zu lassen, bekommt hier eine der besten Gaming-Mäuse auf dem Markt – zu einem Premium-Preis.

Zu den besprochenen Logitech-Mäusen noch eine weitere kabellose Alternative

Maus
G900 Chaos Spectrum (Kabel, Kabellos)
144.–
Logitech G G900 Chaos Spectrum (Kabel, Kabellos)
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G502 Proteus Spectrum (Kabel)
Logitech G G502 Proteus Spectrum (Kabel)
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Mamba Gaming Mouse (Kabel, Kabellos)
Razer Mamba Gaming Mouse (Kabel, Kabellos)

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Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Senior Editor, Zürich
Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – nur leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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