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LG G6 – Der Hard Sell des heimlichen Flaggschiffs

Dominik Bärlocher
Zürich, am 26.02.2017
Gewisse Dinge verkaufen sich fast von selbst. Neue Samsung Galaxy Phones und iPhones zum Beispiel. Nicht in dieser Liste sind Smartphones aus dem Hause LG. Das LG G6 wird es also schwer auf dem Markt haben. Doch ein Detail macht das G6 doch einen zweiten Blick wert und es ist etwas, das du nicht nachlesen kannst.

Im vergangenen Jahr hat LG den Fehler gemacht, dass der Hersteller das grossartige LG V20 nicht auf dem Schweizer Markt veröffentlicht haben. Der zweite Bildschirm oben ist super, die Kamera gut und allerlei andere Features – versteckt oder nicht – haben Reviewer beeindruckt.

*LG V20** - Von Herstellerfehlern und schleichender Innovation
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Während Fans auf das LG V30 warten, macht LG am Mobile World Congress (MWC) in Barcelona mit dem LG G6 Werbung. Die G-Serie ist die Flaggschiffserie des koreanischen Herstellers, auch wenn die V-Modelle technologisch etwas gewagter sind. Daher ist es auch so, dass die Specs des LG G6 mit einem Schulterzucken quittiert werden.

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Apero vor der Show. Wir geniessen die Ruhe vor dem Sturm

Warum also schreibe ich über dieses Ding, das keinen beeindruckt, der von dem Gerät hört? Weil ich schon lange kein Handy mehr in der Hand gehalten habe, das so gut in der Hand liegt. Ich weiss nicht, wie LG das hingekriegt hat, aber das Smartphone schafft es, nicht nur perfekt ausbalanciert und extrem leicht zu sein, sondern auch die Aussenhülle aus Metall fühlt sich einfach gut an. Nicht zu glatt, nicht zu kratzig. Ich frage mich, wie viele Stunden Engineering in das Handling des Geräts geflossen sind.

Und sind wir ehrlich: schlecht ist das LG G6 nicht. Es ist einfach nicht hervorragend.

Die wichtigsten Specs

G6 (32GB, Astro Black, 5.70", Single SIM, 13Mpx)
Neuwertig + Geprüft
485.09
LG G6 (32GB, Astro Black, 5.70", Single SIM, 13Mpx)
G6 (32GB, Mystic White, 5.70", Single SIM, 13Mpx)
LG G6 (32GB, Mystic White, 5.70", Single SIM, 13Mpx)
  • Das LG G6 wird in drei Farben veröffentlicht: Schwarz, weiss und platinsilber
  • Das Seitenverhältnis des Bildschirms ist 18:9
  • Hauptkamera: 13MP mit Weitwinkellinse
  • Frontkamera: 5MP
  • Android 7.0
  • LG User Interface
  • Akku: 3300mAh
  • Quad Core Prozessor
  • Audio DAC, also besserer Sound mit angeschlossenen Kopfhörern

Die schleichende Freude

Ein Mann neben mir am Stand hat das Phone bereits getestet. Er ist mit der Batterielaufzeit wie auch dem Handling des LG G6s beeindruckt. "I love it", sagt er. Das Seitenverhältnis des Bildschirms hat es ihm bereits angetan. Er will uns nicht sagen, wie lange er das Phone schon getestet hat, aber er telefoniert bereits routiniert damit. Wir vermuten, dass er eine Vorabversion des Phones erhalten hat.

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Bei der Präsentation lässt sich LG nicht lumpen. Nach einem Apéro klingen stampfende Bässe aus den Lautsprechern und Stroboskop-Blitze kündigen ein Video an. Es ist eine Umfrage, in der Menschen ihre Wünsche an ein Smartphone äussern. Die Vermutung kommt auf, dass das alles Aspekte des G6 sein werden. Also wasserdicht, stosssicher, Bildstabilisator.

Mit Applaus wird Georgie Barrat, Moderatorin, begrüsst. Sie ist Techjournalistin aus London. Nach ihr spricht Seong-Jin Jo, CEO von LG, der uns das LG G6 zeigt. Die Menschen wollen viel von ihren Smartphones, heisst es von der Bühne. Die Nutzer seien sich Smartphones gewöhnt und können so intelligent für ein Smartphone entscheiden. Es brauche eine Balance zwischen Kernelementen und neuen Features, damit das vertraute Feeling bleibt, die Innovation aber nicht auf der Strecke bleibt. Eines dieser Probleme sei, dass Phones immer grösser werden sollen, aber immer noch einhändig bedient werden wollen. Daher sei das LG G6 schon in der Hardware neu überdacht worden.

Obwohl es einem Rechteck mit abgerundeten Ecken gleicht, haben die Engineers viel erreicht. Dennoch, das Video in dem das Phone zum ersten Mal gezeigt wird, wirkt etwas komisch. Weil es ist und bleibt halt ein Rechteck mit abgerundeten Ecken. Der Fingerabdrucksensor ist etwas kleiner ausgefallen, doch er ist leicht zu finden, da er sich haptisch gut von der Rückseite abhebt. Zudem: Das Ding wiegt fast nichts, nur 163 Gramm. Bei einer Bildschirmgrösse von 5.7 Zoll ist das beeindruckend wenig, vor allem wenn ich das Gefühl erhalte, dass das Gerät wirklich was aushalten soll.

Kurz: Das LG G6 macht erst nach einer kleinen Weile so richtig Freude. Und wenn, dann richtig.

Kein Fokus auf technische Daten

Während der gut durchgeprobten und wenig spontanen Präsentation, in der kein Satz auch nur ansatzweise frei aufgesagt wirkt, werden nur wenige technische Daten verraten. Wohl weil das Gerät technologisch nicht besonders beeindruckt. Sogar Witze über Skinny Jeans wirken eingeübt. Dafür gibt es viele gut klingende Begriffe. FullVision und Univisium. Der letzte Begriff steht für das Seitenverhältnis von 18:9, das das LG G6 einhält und andere Aspekte, die er für einen Film oder für ein auf einem Bildschirm dargestelltes Bild für von grösster Wichtigkeit hält.

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Der Bildschirm, hat LG richtig erkannt, ist das Kernstück eines Smartphones. Daher haben sie sogar Dolby-Vision-Technologie verbaut, damit der Bild- und Videokonsum auch mobil zu einem Genuss werden soll. Sowohl Netflix wie auch Amazon werden in Dolby Vision auf mobile Geräte streamen. Und beim Kauf werden Demoversionen von Spielen im Google Play Store und einige Vollversionen beigelegt, damit Käufer auch das Spieleerlebnis antesten können. Dazu bietet die Spieleschmiede hinter Temple Run ein massives Goodie-Package in Form von Münzen an, die für neue Spielcharaktere und Goodies eingetauscht werden können. So können Nutzer alle Charaktere schon beim Beginn freischalten und haben immer noch genug übrig für Power-Ups.

Mehr zum LG G6 erfährst du in unserem Hands-On-Video, das Videobloggerin Stephanie Tresch gerade zurechtschneidet. Derzeit sitzen wir auf dem Boden in einer Convention Hall und arbeiten während hinter uns ein Hersteller neue Smartphones präsentiert. Und wenn du die Chance erhältst, das LG G6 in die Hand zu nehmen: Tu es. Du wirst es nicht bereuen.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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