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L8star BM10: Das Mini-3310 mit viel Dubiosität

Dominik Bärlocher
Zürich, am 01.03.2018
Ein Miniphone hat es Videoproduzentin Stephanie Tresch angetan. Es ist kleiner als ihr Daumen, hält zwei SIM-Karten und eine Speicherkarte. Doch hinter dem vermeintlich lustigen kleinen Gerät steckt ein dunkler Markt.

Smartphone-Szene, wir müssen reden. Weil am Mobile World Congress in Barcelona hat Videoproduzentin Stephanie Tresch etwas entdeckt, das sie zuerst für einen Schlüsselanhänger gehalten hat. Das kleine Gerät, fast so gross wie dein Daumen, wenn du ein erwachsener Mensch bist, ist aber ein voll funktionsfähiges Feature Phone. Mit erschreckend vielen Features, wenn du bedenkst, dass es eigentlich alles kann, was ein Handy können muss. Und dann noch einige kleine Funktionen zusätzlich.

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Das L8star BM10 ist wirklich winzig

Dann haben wir da die grossen Smartphone-Hersteller, die irgendwas mit Hybrid-SIM-Slots rummosern. Entscheide dich: Zweite SIM-Karte oder Speicherkarte. Beides geht nicht. Beim L8star BM10 geht beides. Und die Speicherkarte.

Das Gerät ist so witzig, wie es clever ist.

Das L8star BM10 unter der Lupe

Das kleinste Phone der Welt, wie die Dame am L8star-Stand in Barcelona sagt, sei etwas, auf das die kleine Firma aus China stolz ist. Denn auf kleinstem Raum sind folgende Funktionen verbaut:

  • Telefonieren
  • SMS schreiben
  • Wecker
  • FM Radio
  • MP3 und MP4 Audio Playback
  • Stimmverzerrer

Das ganze verpackt das L8star BM10 in ein Gehäuse von 68 x 28 x 13 Millimeter. Der 350-mAh-Akku verspricht eine Akkulaufzeit von zehn Tagen. Dazu kommt die Sache mit den SIM-Karten. Im BM10 kannst du zwei SIM-Karten und eine Speicherkarte verbauen. Auf dem Gerät selbst kannst du bis zu 500 Kontakte und 100 Nachrichten speichern.

Da können die grossen Hersteller noch lange irgendwas von wegen «wir sparen mit dem Hybrid-Slot Platz» schwafeln. L8star erbringt den Beweis, dass das gar nicht so viel Platz braucht. Zudem bin ich mir sicher, dass Nokia ein Gerichtsverfahren gegen L8star gewinnen würde, denn das kleine Handy sieht genau so aus wie ein Nokia 3310.

Mobiltelefon
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3310 (0.06GB, Warm Red, 2.40", Dual SIM + SD, 2Mpx)
Nokia 3310 (0.06GB, Warm Red, 2.40", Dual SIM + SD, 2Mpx)

Der Klassiker mit dem Upgrade

Das ist nicht das einzige Mal, das Nokia in diesem Artikel nachgemacht wird.

Die dubiose Firma aus Shenzhen mit ihren dubiosen Kollegen

L8star ist eine Firma aus der chinesischen Technologiemetropole Shenzhen. Im Nanshang-Distrikt ist das Unternehmen, das laut Website 400 Mitarbeiter zählt, im Mindray-Gebäude an der South Road untergebracht. Im sandsteinfarbenen Hochhaus, benannt nach einem Hersteller für Technologie für den Medizin-Sektor, entwickelt die 2016 gegründete Firma kleinste Smartphones und Fitnesstracker in Normalgrösse. Irgendwie aber hat das mittlerweile zwei Jahre alte Unternehmen es geschafft, acht Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Smartphones zu sammeln.

Noch besser: Auch Mindray scheint es mit der Ehrlichkeit von wegen Firmenimage auch nicht so genau zu nehmen. Auf der offiziellen Seite des Herstellers findest du folgendes, offensichtlich manipuliertes Bild.

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Die Schriftzüge auf den Gebäuden sind offensichtlich digital hinzugefügt worden

Das ganze wird noch eins besser. Auf dem Photoshop ist eine Firma namens Konka in einem Haus rechts neben Mindray in einem Glaspalast angesiedelt. Konka ist ebenfalls am MWC vertreten und bietet dort erstaunlich ordentliche Knock-Offs von Flaggschiffen der aktuellen Generation an, darunter das Samsung Galaxy Note 8 und das Huawei Mate 10 Pro sowie das iPhone 8. Konka ist eine Firma aus China, die ihre grössten Erfolge in Afrika – Rwanda und Uganda im Spezifischen – verzeichnet. Das ist konsistent mit dem Wirtschaftstrend aus China, ganze Industriezweige und deren Erzeugnisse nach Afrika zu verlagern.

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Das Konka-Logo ist wirklich nicht dem Nokia-Schriftzug nachempfunden und das Phone gleicht dem Samsung Galaxy Note8 überhaupt nicht

Im Körper geschmuggelt

Zurück zu L8star. Warum um alles in der Welt baut eine Firma ein Phone, das zu klein ist, um wirklich praktisch zu sein. Welchen Use Case kann so ein Teil denn überhaupt haben? Braucht es überhaupt einen Use Case, wenn es nur so plusminus 25 Stutz kostet? Das kann bei uns hierzulande als Gag abgehandelt werden. Oder sowas in der Art. Warum auch immer du das lustig findest.

Die englische Tagespresse scheint da Hinweise zu haben. Oft werden die Miniphones auf Auktionsseiten wie eBay oder AliExpress als «BOSS Proof» verkauft. BOSS steht für «Body Orifice Security Scanner» oder Körperöffnungssicherheitsscanner. Diese werden eingesetzt, um Männer und Frauen zu durchleuchten, die ins Gefängnis müssen.

Offensichtlich, so behauptet unter anderem die britische Tageszeitung Metro in einem Artikel von Journalist Adam Smith, sind die Miniphones perfekt, um im Knast zu sitzen und trotzdem noch Kontakt mit der Aussenwelt zu haben. Die Feature Phones werden von Insassen in ihren Körpern ins Gefängnis geschmuggelt und dort entweder im Eigenbedarf genutzt oder verkauft. Der Markt boome, schreibt Smith weiter.

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Das Listing impliziert, dass es einen BOSS-Scan austricksen könnte

Tatsächlich dauert es nicht lange, bis auf eBay ein Listing auftaucht, das auf Eigenschaften hinweist, die einem Sträfling gelegen kommen: 100 Prozent Plastik gibt bei einem Metalldetektor nicht an und Low Radiation kann bei Frequenzscans unter dem Radar fliegen, abhängig von der Hardware, die das Gefängnis zur Aufspürung solcher Geräte verwendet.

Die meisten Auktionshäuser online haben strikte Regeln, was sie verkaufen und was nicht. Dinge, die dem Verbrechen hiflreich sind, sind generell tabu. Doch diese Schattenwirtschaft mit Dingen wie Kleinstphones oder Dietrichen hält sich nach wie vor. Und manchmal stossen wir an harmlosen, durchstrukturierten und mit Security vollgestopften Messen über diese kleinen DInge und lachen drüber.

Weil's grade lustig ist: Gewinne einen Kein-Preis

Im Rohschnitt ist Stephanie auf folgende Footage gestossen und hat mich gefragt, ob ich da etwas tippe, «so wie damals auf dem Nokia». Ja, habe ich. Zwar mit Schreibfehlern, aber ich bin mir sicher, dass du das rausfinden kannst.

Wenn du herausfindest, was ich da tippen wollte, inklusive Schreibfehler und alles, hinterlasse einen Kommentar und du kannst einen Kein-Preis gewinnen. Der Kein-Preis besteht aus nichts. Rein gar nichts. Sprich: Wenn du die Lösung einreichst, dann kannst du nichts ausser Ruhm und Ehre gewinnen.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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