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Rolle, Mopps und Wischplatte: Roborock bringt gleich drei neue Topmodelle
von Lorenz Keller

Ich habe den neusten Saugroboter von Roborock mehrere Wochen lang getestet – mit Ketchup auf dem Boden, bis zu fünf Zentimeter hohen Schwellen und einem grünen Laser zur Staubkontrolle. Das Ergebnis: sehr gut, aber nicht perfekt.
Der Saros 20X ist das neue Topmodell von Roborock. Mutig setzt der Hersteller beim Flaggschiff weiterhin auf runde Wischmopps, obwohl sich Rollen oder Walzen in der Branche mittlerweile durchsetzen. Roborock bietet zwar neu eine selbstreinigende Rolle an, aber nur im günstigeren und schwächer ausgestatteten Qrevo Curv 2 Flow](/product/66945751).
Aber zurück zum Saros 20X. Er kommt mit einem bewährten Konzept: Neben der Hauptbürste ist eine ausfahrbare Seitenbürste integriert. Fürs feuchte Wischen hat der Roboter zwei runde Mopps, einer davon fährt ebenfalls zur Seite aus.
Die Saugstärke beträgt laut Hersteller 36 000 Pascal, beim Vorgänger Saros 10 waren es noch 22 000 Pascal. Der Staub verschwindet, auch Kanten und Ecken reinigt der Roboter gut. Ich überprüfe das mit dem grünen Laser des Dyson-Staubsaugers. Tatsächlich finde ich keine Staubreste mehr, wenn ich den Standardmodus «Vac&Mop» nutze, der gleichzeitig saugt und wischt.
Die zweigeteilte Bürste ist so konstruiert, dass sich lange Haare nicht drumherum wickeln. Das klappt hervorragend: Nach mehreren Testwochen sehe ich kein einziges Haar, das sich verfangen hat. Auch die Mopps sind wartungsfrei: Die Basisstation wäscht sie mit 100 Grad heissem Wasser und trocknet sie danach mit 55 Grad warmer Luft. Eine zusätzliche Reinigung in der Waschmaschine ist höchstens zweimal im Jahr nötig.

Einzig die Bodenabdeckung der Basisstation muss ich ab und zu reinigen. Doch auch hier sind nach eineinhalb Testmonaten nur wenig Spuren zu finden, alle zwei bis drei Monate dürfte ausreichen. Der Bereich, in dem die Basisstation die Mopps wäscht, ist deutlich sauberer als bei anderen Modellen.
Insgesamt bin ich im Alltag mit der Reinigungsleistung zufrieden. Gegenüber anderen Modellen mit demselben Konzept fällt der Unterschied allerdings gering aus.
Ich habe den Saros 20X einem Härtetest unterzogen und Ketchup auf den Boden gespritzt. Im Standardprogramm hat der Roboter diesen als Kabel erkannt und vorerst umfahren.

In der App kann ich auf «ignorieren» drücken, danach weicht er dem Ketchup nicht mehr aus und putzt es weg. Allerdings zeigt der Test mit dem Küchenpapier, dass der Roboter einen Teil auf dem Boden verteilt. Kein Wunder: Die Mopps werden nicht direkt unterwegs kontinuierlich im Roboter gereinigt wie bei einer Rolle oder Walze, sondern nur alle 20 bis 30 Minuten in der Basisstation. Bei starker Verschmutzung ist das ein Nachteil.

Lasse ich ihn nochmals reinigen, verschwinden auch diese Schmutzreste. Schade: Der Roborock erkennt starke Verschmutzung nicht und putzt nicht automatisch intensiver. Diesen Wunsch hat mir bisher kein einziges Modell auf dem Markt erfüllt.
Ein Vorteil hat die Bauweise aber trotzdem: Der Roboter misst keine acht Zentimeter in der Höhe. Bei der Konkurrenz sind es oft ein bis zwei Zentimeter mehr. Der Qrevo Curv 2 Flow mit Rolle kommt auf fast 12 Zentimeter. Bei Saugrobotern entscheiden manchmal Zentimeter, ob das Gerät schwierige Stellen unter Möbeln erreicht oder eben nicht.

Einer meiner grössten Kritikpunkte am Vorgänger war, dass der Saros 10 die Wohnung langsam scannt und dabei ungenau ist. Der Saros 20X löst beide Probleme.
Die Installation mit dem QR-Code auf dem Gerät ist vorbildlich einfach, die Verbindung mit WLAN und App klappt auf Anhieb. Danach kann ich den Roboter auch schon losschicken, um die Karte der Wohnung zu erstellen. Er benötigt dafür 16 Minuten, beim Vorgänger waren es noch 22 Minuten. Zwar gibt es Konkurrenten, die doppelt so schnell sind, aber die Viertelstunde geht in Ordnung.
Das liegt vor allem am genauen Scan. Der Saros 20X erkennt sechs von sieben Bereichen korrekt und vergibt sogar viermal die korrekte Bezeichnung. Ich muss nur noch das Büro vom Wohnzimmer abtrennen und den Flur so einteilen, wie ich das will – und schon ist der Roborock einsatzbereit. So schnell hat das bisher mit kaum einem Saugroboter geklappt.

Gut zu wissen: Roborock speichert die Karte nur auf dem Gerät direkt und lädt sie nicht in die Cloud. Auch die Fotos von Hindernissen landen nicht in der Cloud. Standardmässig sind die Aufnahmen übrigens ausgeschaltet.
Die Navigation überzeugt. Der Roboter verfährt sich nicht, lässt sich zielgenau in einen Raum oder eine Zone dirigieren und findet immer den Rückweg zur Basisstation.
Obwohl der 20X alle 20 bis 30 Minuten zur Station fährt, um die Mopps zu waschen, ist er zügig unterwegs. Pro Quadratmeter braucht er für Wischen und Saugen in der Standardeinstellung rund eine Minute und fünfzehn Sekunden. Die schnellsten Roboter schaffen das in rund einer Minute, viele Konkurrenten brauchen aber auch länger.
Das Gerät erkennt Hindernisse zuverlässig – wichtig ist das etwa bei Kabeln (oder Ketchup-Flecken). Wer will, kann die Fotofunktion einschalten und erhält Bilder von allem, das im Weg liegt. Die Objekterkennung entspricht dem aktuellen Standard, ist aber nicht besser als bei der Konkurrenz. Ungeschlagen bleibt der DJI Romo, der sogar Wattekugeln aus der Tischbombe erkannt und umfahren hat. Der Saros 20X schiebt sie einfach weg.

Das neue Modell von Roborock saugt und wischt angenehm leise. Ich messe in rund einem Meter Abstand 59 Dezibel (dB) im Standardmodus. Damit gehört er zu den besten im Test. Allerdings war der Vorgänger noch eine Spur leiser.
Bei den Herstellerangaben muss ich immer genau hinschauen. Roborock gibt 8,8 Zentimeter Kletterhöhe an. Allerdings gilt das nur für Doppelschwellen – also Schwellen mit einer Zwischenstufe. Die erste Stufe darf maximal 4,5 Zentimeter hoch sein, die zweite 4,3 Zentimeter.
Im Test habe ich wieder meine Einzelschwellen bereitgelegt, die bei allen Robotern mit Kletterfähigkeiten zum Einsatz kommen. 2,8 Zentimeter sind kein Problem. Im Unterschied zu bisherigen Roborock-Modellen stellt der Roboter den vorderen Teil nicht mehr hoch und wuchtet sich übers Hindernis – er setzt nun auf ausfahrbare Beine.

Die Schwelle mit 4,1 Zentimeter überwindet der 20X ohne Zögern. Nun kommt das Hindernis mit 5,0 Zentimetern an die Reihe. Und auch das bewältigt der Roboter – jedes Mal. Damit übertrifft Roborock nicht nur die eigene Vorgabe von 4,5 Zentimetern, sondern auch die Konkurrenz. Mova und Dreame schaffen nur die 4,1 Zentimeter zuverlässig, die 5,0 Zentimeter nicht immer. Bei 6,0 Zentimetern ist dann aber auch bei Roborock Schluss.
Ich messe einen Stromverbrauch von 4,8 Wattstunden (Wh) – im Standby-Betrieb, wenn der Roboter nichts macht und bereits voll geladen ist. Das ist im Vergleich mit der Konkurrenz ein sehr hoher Wert. Ein Standby-Verbrauch von unter einem Watt wäre wünschenswert und laut Experten technisch problemlos möglich. Mit dem durchschnittlichen Schweizer Strompreis gerechnet zahle ich übrigens für die 42 kWh im Jahr knapp 12 Franken.
Deutlich höher ist der Stromverbrauch übrigens direkt nach dem Wischen, wenn die Mopps mit heissem Wasser gewaschen und danach mit warmer Luft getrocknet werden: Dann zieht der Roboter während mehrerer Stunden 70 bis 90 Watt.
Der Saros 20X putzt gut, navigiert sich perfekt durch die Wohnung und braucht wenig Service. In zwei Bereichen ist er überdurchschnittlich gut. Der Saugroboter klettert über fünf Zentimeter hohe Einzelschwellen – so zuverlässig schafft das bisher kein anderes Modell. Zudem ist er nur acht Zentimeter hoch und kommt unter Möbel, wo andere anstehen.
Allerdings kostet der Roboter zum Testzeitpunkt deutlich über 1000 Franken. Das ist viel angesichts der Tatsache, dass Roborock zwar vieles in den Details verbessert hat, insgesamt aber Modelle mit ähnlicher Putzleistung für deutlich weniger Geld erhältlich sind.
Kontrovers bleibt die Entscheidung des Herstellers, fürs Wischen runde Mopps statt einer selbstreinigende Rolle oder Walze einzusetzen. Einerseits reicht die bewährte Technik im Alltag, andererseits kommt sie bei starker Verschmutzung an ihre Grenzen.
Pro
Contra
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