News & Trends

Ein erster Blick auf die Fitbit Ionic

Dominik Bärlocher
Zürich, am 06.10.2017
Eigentlich sollte es ja ein schnelles Review der ersten Smartwatch Fitbits, der Ionic, werden. Doch die Technologie hat dem digitec-Kamerateam und Smartwatch-Testerin Melanie Anna Lee einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Die erste Lieferung der ersten Smartwatch aus dem Hause Fitbit ist eingetroffen. Im Paket: Eine aluminium-farbene Fitbit Ionic für unsere Smartwatch-Testerin Melanie Anna Lee. Uns war klar: Wenn ein Gerät aus der ersten Charge auf unseren Tischen landet, dann machen wir ein Review. Video Producerin Stephanie Tresch richtet ihre Kameras ein, ich spreche mit Melanie den Dialog durch. Ist ihr erstes Video, daher geht das etwas länger. Die ersten Szenen, der Unboxing Part geht auch ganz gut, doch dann macht uns die Technologie einen Strich durch die Rechnung.

Wir müssen umplanen, denn das Team um Melanie will, dass du weisst: Die Fitbit Ionic ist hier und wir sind am Fall dran.

Krisensitzung im Studio.

Nach einigen Minuten der Diskussion und einigen Versuchen der Zeitplanung dann der Entschluss: Mit dem Review wird das heute nichts. Aber wir können die Footage trotzdem verwenden. Einige kurze Nachdrehs und einige kleine filmische Tricks aus dem Repertoire Stephanies später wissen wir, welche Story wir dir erzählen können. Doch zuerst der Part, der zum Review gehören sollte.

Das feine Handgelenk versus die grosse Uhr

Die Fitbit Ionic wird mit zwei Bändern ausgeliefert, in den Grössen S und L. Andere Bänder kannst du dazu bestellen. Farben und Grössen kannst du dir frei aussuchen, denn dank einem mit den Fingernägeln aufmachbaren Verschluss kann das Band in wenigen Sekunden ausgetauscht werden. Gut, wenn Melanie das macht, dann dauert das wenige Sekunden. «Ich tausch die Bänder immer mal wieder aus. Weil den Schrittzähler teste ich am Handgelenk und am Fuss», sagt sie. Dazu brauche sie zwei Bändergrössen. Für ihren rechten Arm tut es die Grösse S.

«Sieht das Scheisse aus mit der Jacke, dem Pulli und der Uhr», fragt sie mit einem Lachen. Die Jacke, übrigens, hat sie von Stephanie ausgeliehen, weil weisser Pulli vor weisser Studiowand sieht etwas bescheiden aus. Nein, finden wir, etwas irritiert. Geht hier um die Uhr, nicht die Jacke. Melanie will übrigens festgestellt haben, dass sie eine ganz ähnliche Jacke zu Hause hat.

Jetzt, da dies festgestellt ist, geht sie zur ersten Anprobe über. «Die ist ganz schön gross», sagt die Deutsche. Sie wackelt mit dem Handgelenk. Hält. Die Sorge, dass die Uhr für ein Damenhandgelenk etwas zu klotzig sein könnte, ist erst mal verflogen. Zeit, die Uhr einzuschalten.

Das Update aus der Hölle

Wie bei jedem Tracker und bei jeder Smartwatch üblich wird die Ionic mit einer Basisversion des Betriebssystems ausgeliefert. Das bedeutet, dass zuerst einmal mehrere hundert Dateien aktualisiert werden müssen. Da Tracker wie auch Apps kein Version Skipping – die Möglichkeit von Version 1.0 direkt auf 3.0 ohne den Umweg über 2.0 – mehr machen, muss jedes inkrementelle Update einzeln eingespielt werden.

«Hey, eins nach dem anderen», sagt Melanie zwischen zwei Takes, «Im Studio haben wir gar kein Internet».

Das ist ein bewusster Entscheid, denn im Studio gibt es auch keinen Telefonempfang. So können wir mit einfachsten Mitteln verhindern, dass mitten in einem guten Take einer anruft und die Aufnahme versaut. Stellt sich raus, dass das in Anbetracht des Updates vor laufender Kamera eventuell etwas blöd ist. Wir verlegen den Dreh in einen der schönsten Herbststürme des laufenden Herbsts. Sonne, Wind und Wolken im steten Wechsel. «Das Wetter macht es mir heute nicht einfach», sagt Stephanie, die mit zwei Kameras gleichzeitig aufnimmt. Derweil mache ich mit Melanie Dialogregie, achte auf Versprecher und «ähm», sowie Betonung und eine Menge anderer Dinge.

War sie anfangs noch etwas verkrampft, ist ja ihr erstes Video mit uns, hat sich Melanie mittlerweile vor der Kamera eingelebt. Sie lacht, sie gestikuliert, sie macht uns den Job einfach. Sie merkt auch selbst, wenn sie einen Take verhaut und beginnt gleich wieder von vorn.

keine Informationen über dieses Bild verfügbar
Die Dreharbeiten im Herbststurm sind eigentlich ganz angenehm, aber das Mikrofon macht uns (unbegründete) Sorgen

Draussen im Herbststurm geht das alles dann ganz fix. Uhr verbindet sich mit Smartphone, dann dem Internet und das Update läuft rein. Da wir bei solchen Videos in der Regel das Script nur grob besprechen, überlegen wir uns einzelne Takes während den Drehpausen und während Melanie in die Kamera spricht.

«Drück dich doch nachher mal durch die Funktionen durch», sage ich.

Stephanie reagiert prompt, klettert mit der Kamera auf den Betonklotz, auf dem Melanie sitzt, adjustiert die Kamera um ihr über die Schulter auf das Display ihres Huawei P10 zu filmen.

«Daraus wird heute nichts», sagt Melanie. Kein Lachen, kein Grinsen, nur ein etwas ungläubiger Blick.

«Warum», fragt Stephanie, die auf das Display ihrer Kamera blickt. Auf dem Display hat sie Peaking aktiviert. Bei dieser Funktion zeigt das Display an, was im Bild scharf ist. Das macht die Sony a7s II mit roten Pixeln die über die scharfen Parts des Bilds gelegt werden. Die Konsequenz ist, dass Stephanie den interessanten Part des Bilds nur schemenhaft sieht.

49 Minuten.

Das steht auf Melanies Handybildschirm. So lange soll es gehen, bis die Updates durch sind. Kein Version Skipping, kein gar nichts.

Wir beraten. Was tun wir? Melanie muss in den Shop zurück, weil – und da ist sie sich ganz sicher – da sind Kunden, die wahrscheinlich froh sind, wenn da jemand mehr ihre Betreuung übernimmt.

«Jetzt sind’s 56 Minuten», sagt sie.

Gut. Dann halt kein Review. Ein erster Blick soll reichen. Melanie zieht die ausgeliehene Jacke aus, schnallt sich die Ionic ums tätowierte Handgelenk, verabschiedet sich und geht in Richtung Shop. Sie wird ein Review machen, verspricht sie. Aber halt eines ihrer typischen Langzeitprojekte. So etwa in einem Monat will sie mir ihre Analyse in Form des Melanie-typischen Stapels Papier, Statistiken vollgekritzelt mit Notizen und Pfeilen, aushändigen.

Sie dreht sich um und ruft mir zu: «Frag im Artikel, was die Käufer von der Uhr halten. Nimmt mich wunder!»

Daher: Was meinst du? Gefällt dir die Ionic? Lass es uns in der Kommentarspalte wissen.

13 Personen gefällt dieser Artikel


Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

Diese Beiträge könnten dich auch interessieren