Alarmstufe orange: Luftqualitätsmessung mit dem Airthings Wave Plus

Alarmstufe orange: Luftqualitätsmessung mit dem Airthings Wave Plus

Carolin Teufelberger
Zürich, am 09.01.2020
Im Büro wird ständig über die Luft gemotzt, vor allem im Sommer. Darum wird jetzt mit dem Airthings Wave Plus gemessen. Unterstützt das neutrale Gerät die subjektive Wahrnehmung und noch wichtiger: Kann es überhaupt was?

Die Qualität der Luft, die wir täglich einatmen, hat erhebliche Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Deshalb gibt’s Grenz- und Richtwerte verschiedener Schadstoffe und Messstationen, die das überwachen. Die beziehen sich aber oft auf die Aussenluft. Ich kenne die Feinstaubbelastung auf Streckenabschnitten der A1, die Temperatur, die Luftfeuchtigkeit. Aber die meiste Zeit sitze ich drinnen im Büro, wie sieht’s mit der Luft aus?

Bis vor Kurzem konnten meine Arbeitskollegen und ich nur raten: eher suboptimal. Wir sitzen in einem Grossraumbüro, jeder besitzt drei Monitore, in Sitzungszimmern und vor allem Meetingboxen muss ich nach spätestens 30 Minuten die Tür aufreissen, weil ich sonst zu ersticken drohe. Über die Sommermonate will ich gar nicht erst reden. Gute Raumluft kommt aber nicht nur Arbeitnehmern, sondern auch Arbeitgebern entgegen, da die Produktivität höher ist.

Messstation in der Marketingabteilung

Hat unser Eindruck Hand und Fuss oder sind wir einfach kleine Jammerlappen? Das wird über Wochen mit dem Wave Plus von Airthings überprüft. Die unscheinbare weisse Scheibe, die mit ihren Löchern an einen Lautsprecher erinnert, soll anhand von sechs Sensoren die Innenraumluftqualität messen: Radon, flüchtige organische Verbindungen (TVOC), CO2, Feuchtigkeit, Temperatur und Druck. Diese Werte sollen Aufschluss darüber geben, wie gut oder schlecht die Luft um dich herum ist.

Nach dem Auspacken muss nur eine Batterie-Trennlasche herausgezogen werden und schon ist der Wave Plus einsatzbereit. Ist schon ewig her, seit ich ein Gerät in der Hand hatte, das nicht mit Akku oder Stromkabel lief. Kaum sind die Batterien drin, ist das Ding bereit, um mit dem Handy verbunden zu werden. Ja, die genauen Daten kann ich mir nur per App ansehen, das Gerät selbst zeigt lediglich anhand eines farbigen Rings, wie’s um die Luft steht. Rot ist schlecht, orange ist mittel, grün ist gut. Wave Plus und Handy sind schnell per Bluetooth gekoppelt, es beginnt die siebentägige Kalibrierungsphase, in der die Daten immer genauer werden.

Der Wave Plus ist an, jetzt kann gemessen werden.
Der Wave Plus ist an, jetzt kann gemessen werden.

Luft nach oben

Nach einer Woche sind alle Werte detailliert vorhanden und ich beginne mit der richtigen Klimakontrolle. Was mich überrascht: So schlecht ist die Luft gar nicht. Ausser der Luftfeuchtigkeit ist alles im grünen Bereich. Dennoch fällt dadurch die gesamte Luftqualität in den orangen Bereich. Macht Sinn, denn es ist ja nicht alles in Ordnung. Was mich aber stört: Ich sehe zwar Messzahlen, die mit grünen, orangen oder roten Punkten versehen sind, aber ich habe keine Ahnung, was der Normalwert ist. Beispiel Luftfeuchtigkeit: Die wird mit 25 Prozent beziffert und liegt im orangen Bereich, also nicht optimal. Ob aber die Zahl zu tief oder hoch ist, sagt mir die App nicht. Ok, ich kann mir denken, dass sie zu niedrig ist, bei anderen Daten bin ich aber total aufgeschmissen. 90 ppb TVOC. Hä? Die App gibt mir zwar genauere Auskunft zu den Verbindungen und wie sie meine Gesundheit beeinträchtigen können, einen Richtwert suche ich aber vergebens – zumindest in der deutschen Version. Einzig beim Radon werde ich fündig.

Die Luftqualität ist nur mittelmässig, vor allem wegen der geringen Luftfeuchtigkeit.
Die Luftqualität ist nur mittelmässig, vor allem wegen der geringen Luftfeuchtigkeit.
Immerhin die Radon-Richtwerte sind in der App relativ einfach zu finden.
Immerhin die Radon-Richtwerte sind in der App relativ einfach zu finden.

Aufgezeichnet

Die Radonerkennung wird von Airthings immer wieder speziell hervorgehoben. Das radioaktive Gas kann die Ursache für Lungenkrebs sein, wenn es sich in Gebäuden sammelt und den Grenzwert überschreitet. Das erfahre ich auf der Website des Herstellers. In der englischen Version stosse ich endlich auf alle Richtwerte. Trotzdem, komfortabel ist das nicht. Über die Website komme ich auf ein Desktop-Dashboard. Ich logge mich mit Benutzername und Kennwort ein und sehe all meine Messungen auf einen Blick.

Der Unterbruch in der Messung rührt daher, dass jemand vor lauter Paranoia die Batterien entfernt hat.
Der Unterbruch in der Messung rührt daher, dass jemand vor lauter Paranoia die Batterien entfernt hat.

Auf dem Desktop schaue ich mir die Daten lieber an als auf der Handy-App. Aber das ist Geschmackssache. Damit die Daten in der App und auf dem Desktop aktualisiert werden, ist jedes Mal eine erneute Synchronisation per Bluetooth nötig. Das dauert bei mir teilweise mehrere Minuten und nervt mich. Aber wenn’s dann klappt, sind alle Messwerte lückenlos ersichtlich. Die meisten Kurven sind grün, was sich – glaube ich – bald ändern wird. Denn ich will das Messgerät so richtig herausfordern.

Eine Meetingbox aus feinsten OSB-Platten dient als Messlabor.
Eine Meetingbox aus feinsten OSB-Platten dient als Messlabor.

Dafür platziere ich den Wave Plus in einer unserer engen Meetingboxen. Dort muss die Luftqualität doch leiden. Weit gefehlt, die Daten bleiben im grünen Bereich – bis auf unser Sorgenkind, die Luftfeuchtigkeit. Hätte ich nicht gedacht. Meine Erklärung: Die Tür wird so häufig geöffnet, dass die Werte stabil bleiben. Wenn ich vor dem Gerät winke, erleuchtet ein oranger Ring, der mir auch ohne App zeigt, dass die Luftqualität mittelmässig ist. Ob wohl eine Pflanze der Luft in der Box hilft?

Winke, winke und schon siehst du die Farbe deiner Luftqualität.
Winke, winke und schon siehst du die Farbe deiner Luftqualität.

Pflanzen für den grünen Bereich

In eine Ecke der Box kommt ein Philodendron, den ich mir ins Büro liefern lasse. Sieht hübsch aus und hat hoffentlich eine positive Wirkung aufs Raumklima. Ich lasse ein paar Tage messen und tatsächlich, zum ersten Mal liegt die Luftfeuchtigkeit im grünen Bereich. Aufgefallen ist das in den paar Tagen niemandem. Länger konnte ich die Pflanze leider nicht dort drin lassen, da ihr natürliches Licht fehlte und sie mich durch bräunliche Blätter darauf aufmerksam gemacht hat. Ohne die Pflanze stand’s um die Luftfeuchtigkeit dann bald wieder alles andere als rosig.

Ob die Pflanze was bringt? Der Wave Plus wird's zeigen.
Ob die Pflanze was bringt? Der Wave Plus wird's zeigen.

Fazit

Damit ist nun geklärt, dass Pflanzen ins Büro gehören. Aber eigentlich wollte ich ja primär den Airthings Wave Plus testen. Er ist einfach zu bedienen, funktioniert tadellos, zeichnet all deine Daten zuverlässig auf – solange deine Arbeitskollegen nicht die Batterien entfernen, weil sie Angst haben, dass sie überwacht werden – und das Farbensystem ist einfach zu verstehen. Optisch ist der Wave simpel genug, dass er deine Einrichtung nicht zerstört, sondern sich diskret im Hintergrund hält. Als Silver Surfer im Körper eines Digital Natives würde ich die aktuellen Messwerte gerne direkt am Gerät ablesen können und nur für die Aufzeichnungen und mehr Infos auf die App zurückgreifen müssen. Was mir definitiv fehlt, sind klare, direkt bei den Messwerten platzierte Richtwerte und Tipps, wie sich die Luft verbessern lässt, wenn sie denn im orangen oder sogar roten Bereich liegt. Alles in allem hilft dir der Wave Plus, deine Luftqualität im Auge zu behalten und dadurch gezielte Klima-Optimierungen vorzunehmen.

Ein Handy und eine schlaue Scheibe im Einsatz für gute Luft.
Ein Handy und eine schlaue Scheibe im Einsatz für gute Luft.

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Carolin Teufelberger
Carolin Teufelberger
Editor, Zürich
Meinen Horizont erweitern: So einfach lässt sich mein Leben zusammenfassen. Ich liebe es, neue Dinge kennenzulernen und zu erlernen. Neue Erfahrungen lauern überall; ob beim Reisen, Lesen, Kochen, Filme schauen oder Heimwerken.

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